Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 8 (1933)
- Issue
- 3 (3.1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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die Vertreter der bisher eingerichteten und in der Durchführung befindlichen jüdifchen Freiwilligen Arbeitsdienste zu Wort. Zunächst schilderte F o l m a n - L e i p z i g die dortige Tätigkeit des Freiwilligen Arbeitsdienstes, die sowohl männliche 'Jugendliche (vor allem Bodenarbeiten), wie auch weibliche Jugendliche (Nähstube, Kochen und Haushaltung) umfaßt, und der Kurse zur geistigen Schulung angegliedert sind. Sodann gab M o ch - N e u e'n d o r f eine eingehende Darstellung des größten jüdischen Arbeitsdienstes itn L a n d w e r k N e u e n d o r f b. F ü r st e n w a l d e (das im wesentlichen zusätzlichen landwirtschaftlichen Meliorationsarbeiten dient). Turnen und Gymnastik, sorgfältig gegliederte Kurse zur geistigen Schulung ergänzen die Arbeit, die sich'bisher voll bewährt hat. Dr. B e r g e l - F r a n k f u r 1 a. M. berichtete von den in Frankfurt unternommenen Versuchen. Frau Falkenberg- Berlin legte Ziele und Stand des in Fangschlense b. Erkner von der Ortsgruppe Berlin des Jüdischen Frauenbundes eingerichteten Freiwilligen Arbeitsdienstes für Mädchen dar (im wesentlichen Näh- und andere Jnstandsetzungsarbeit für die Winterhilfe, verbunden mit mannigfachen Kursen). Sodann gab Frau Dr. M eyer- W e d e l l - H a m b n r g , die ans Veranlassung der Deutsch-Israel. Gemeinde in Hamburg anwesend war, eine umfassende Darstellung der besonders beachtlichen, bereits weitgehend durchgeführten Einrichtung des jüdischen Freiwilligen Arbeitsdienstes für männliche und weibliche Jugendliche in W i l h e l m i n e n h ö h e b. H a m - b u r g (die männlichen Jugendlichen werden in landwirtschaftlicher und gärtnerischer, die weiblichen in allen Formen der Hausarbeit beschäftigt). Auf die körperliche Pflege, Turnen und Gymnastik, aus Kurse zur geistigen Ausbildung, vor allem auch ans Musik wird größter Wert gelegt. Schließlich berichtete Direktor Glase r- Bresla u in einem Ueberblick über die im Zusammenhang mit den Jugendorganisationen im Gange befindlichen Bestrebungen in Breslau. Im übrigen befaßte sich die Aussprache eingehend mit den Möglichkeiten einer weiteren Ausdehnung des jüdischen Freiwilligen Arbeitsdienstes. Es bestand der allseitige Wunsch, daß eine solche nach Möglichkeit angestrebt werde. Dabei fällt der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise die Ausarbeitung und Durchführung der sachlichen Projekte, dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände die Heranziehung der arbeitslosen jüdifchen Jugend und die jngendpflegerische Betreuung zu. Ueber den weiteren Verhandlnngsgegenstand „Selbsthilfeb efirclnt itqcit der jüdischen I u g e n d " berichtete cand. med. Hans Jacob-Berlin. Aus seinem Bericht ergab sich, daß die Berliner Selbsthilfe — eilt Zusammenschluß junger erwerbsloser jüdischer Handwerker — zwar keinen sehr großen Umfang besitzt — was auch mit ihrem Charakter kaum vereinbar sein würde —, daß sich aber das Prinzip der Selbsthilfebestrebunaen in den verschiedensten handwerklichen Bernfsgruppen durchaus bewährt hat. Voraussetzung für diese Selbsthilfetätigkeit ist in besonderem Maße die Führung der Gruppe und die Begründung und Erhalt,um Persönlichen und wirtschaftlichen Gemeinschaftslebens. In der Aussprache wies A d l e r - R u d e l - B e r l i n u. a. ans die große Bedeutung der Einrichtung von Wohngemeinschaften hin, die sich auch als wirksanres Mittel gegen die schweren Gefahren des Schlafstellenwesens bewährt hätten. In der Aussprache wurde die Notwendigkeit hervorgehoben, eine Klärung der heute noch weitgehend unbekannten soziologischen und psychologischen Bedingungen, iinter denen die jüdische Jugend in den größeren und mittleren, besonders aber auch in den Klein- und Landgemeinden lebt, in systematischer Weise anzuregen und dnrchzuführen. worin eine befondere Aufgabe und Möglichkeit der Arbeitsgemeinschaft liege. — Des weiteren wurde die Möglichkeit besprochen, ähnliche Selbsthilfeznsammenschlüsse wie in Berlin, auch in andern Groß gemeinden ins Leben zu rufen. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Dr. Lilie n t h a l, schloß die anregenden' und ergebnisreichen Beratungen mit herzlichem Tank an alle Teilnehmer. bwerkhalbjahf 1922 für Nbitunenten. Allen Ostern 1933 zur Entlassung kommenden Abiturienten wird Gelegenheit gegeben, vor Eintritt in die Hochschule oder m den Beruf', für die Tauer eines halben Jahres am Arbeitsdienst und Geländesport teilzunehmen. Tie Meldung ist freiwillig. Mit Dienstantritt verpflichtet pch der Abiturient bis zur ordentlichen Entlassung am Werkhalchahr teilzunehmen. Der Dienst beginnt am 19. April 1933 und endet am 30. Septeniber 1933. Er gliedert sich in vier Monate freiwilligen Arbeitsdienst und ca. 1% Monat Geländesport. Tie arbeitsdienstwilligen Abiturienten werden in Arbeitslagern ausgenommen. Das Land'werk Neuendorf bei Berlin ist zur Aufnahme von jüdischen dienstwilligen Abiturienten bereit. Die Kosten für die Durchführung des Werkhalbjahres einschließlich Bekleidung, Verpflegung und Versicherung werden von, Reich übernommen. Die Reisekosten sind von, Teilnehmer zu tragen. Für Hin- und Rückreise gewährt die Reichsbahn ans Grund des Einberufnngsschreibens 50% Fahrpreisermäßigung 3. Klasse Personenzug. Meldungen sind spätestens bis zun, 1. April an die Zentralwohlfahrtsstelle der isr. Neligionsgemeinde Mainz, Hindenburgstraße 44 zu richten, welche auch zu weiteren Auskünften gerne bereit ist. Aus unferen Derbanbsgemdnben. Büdingen (Oberhessen). Die hiesige Chewroh gemilns chasodim feierte am Abend des 4. Februar ihren 120. Stiftungstag durch eine sehr gut besuchte Abendnnterhaltung. Im Auftrag des Vorstandes begrüßte Herr Lehrer Halberstadt die Erschienenen mit herzlichen Worten. Eine für die Feier geplante Kindervorstellung mußte leider ansfallen. Ta die hiesigen Schulen wegen der Grippe geschlossen waren, gestattete das Kreisgesnndheitsamt auch das Auftreten der Kinder nicht. Verschiedene Erwachsene, die ihre Kräfte zur Unterhaltung der Gäste zur Verfügung gestellt hatten, konnten wegen Erkrankung nicht erscheinen. Um so anerkennenswerter ist es, daß ein christlicher Herr, Mitglied des hiesigen Gesangvereins Liederkranz, Herr Schlossermeister Wilhelm Appel, die im Programm entstandenen Lücken durch den meisterhaften Vortrag einiger Lieder auszufüllen suchte. Ein von Frl. Frieda Levi, Frl. Liesel Kulp und den Herren Max Salonion, Dieter Stern und Max Rosenthal 2, sehr flott gespielter Einakter trug wesentlich zur Verschönerung der Feier bei. Auch Frl. Mohl ans Mülheim am Rhein erntete reichen Beifall für den Vortrag von Dichtungen in Kölner Mundart. — Der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr David KnlP, dankte dem Verein nnd allen, die durch ihr Erscheinen und ihr Mitwirken zum Gelingen des Abends beitrugen, in herzlichen Worten. Noch lange nach Mitternacht wurde das Tanzbein geschwungen und man trennte sich mit dem Bewußtsein, einen sehr gemütlichen Abend verlebt zu haben. Ans eine Anregung hin finden sich die Mitglieder des hiesigen Franenvereins an den langen Winterabenden wöchentlich einmal in der Wohnung ihrer Vorsitzenden, Frau Lehrer Halberstadt, zu einem Arbeitsabend ein. Darmstadt. Nach wochenlangen mühevollen Vorarbeiten konnte der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten zu einer niachtvollen Kundgebung, an der vor allem nichtjüdische Prominente Persönlichkeiten teilnahmen, für den 24. Januar einladen. Ter größte Saal Tarmstadts, der Saalban, war von über 1200 Personen voll besetzt. Kamerad Dr. Reis begrüßte die Anwesenden, insbesondere galt sein Gruß den Vertretern der staatlichen und städtischen Behörden, dem Herrn Oberbürgermeister, den Vertretern der Offizier-, Kriegernnd Militärvereine,'an ihrer Spitze dem Präsidenten des Hessischen Kyffhäuserbundes, Exz. Generalleutnant von Oidtmann. Ferner begrüßte er die Offiziere nnd Beamten der Hessischen Schutzpolizei, hie Vertreter der Schulen, des Reichsbanners und der Presse und alle übrigen Anwesenden, unter denen man auch als Vertreter des früheren Großherzogs den Herrn Grafen von Hardenberg bemerkte. Der Landesverbandsvorsitzende. Dr. Steffen Kann arls Frankfurt a. M. erläuterte Zweck nnd Ziel des Bundes itnb gedachte der im Weltkrieg gefallenen Kameraden, während das Orchester leise das Lied vom guten Kameraden intonierte. Nach diesem würdigen und eindrucksvollen Auftakt hielt Kamerad Dr. Ludwig Freund, Berlin, einen Vortrag über: „Weltkrieg, Vaterland, deutsches Judentum." Der langanhaltende, stürmische Beifall legte Zeugnis dafür ab, welchen tiefen, aufrüttelnden Eindruck die Ausführungen ans die ganze Versammlung gemacht hatten. In der sich anschließenden Anssprache pries der Vorsitzende eines Militärvereins, Herr Oberstndiendirektor i. R. Professor Kissinger. die alle Schranken überbrückende, Kameradschaft und nannte nach eigenen Erlebnissen Beispiele jüdischer Tapferkeit vor dem Feinde. In gleichem Sinne sprach Exz. Generalleutnant von Oidtmann. der darauf das Wort ergriff. Auch er betonte mit Nachdruck, daß die jüdischen Soldaten im Weltkriege vollauf ihre Pflicht erfüllt hätten. Mit einem Gedenken an den Herrn Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall von Hindenburg und mit dem Gesang des Deutschlandliedes schloß die eindrucksvolle, störungslos verlaufene Kundgebung. Ern Beweis für die tiefe der Veranstaltung ist die Tatsache, daß fast täglich schriftliche und mündliche Zustimmungserklärnngen aus allen Kreisen der Bevölkerung zu verzeichnen sind. Um das Zustandekommen des Abends hat sich ganz besonders der Kamerad Hermann Wartensleben verdient gemacht, der in wochenlanger Vorarbeit zum guten Gelingen der Versammlung beigetragen hat. Grotz-Bieberau. Am 12. Februar d. I. fand im Hause von Herrn Julius May die erste Zusammenkunft des nun vereinigten Männerutti) Frauenvereins statt. Die Anregung hierzu erfolgte mtf Veranlassung des 1. Vorstandes der israel. Religionsgemeinde Herrn Ludwig May und der beiden Chewrohvorstände Herrn 2