Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 8 (1933)
- Issue
- 2 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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üolkstrauertag. Auch in diesem Jahre hat der V o l k s b u n d Deutsche K r i e g s g r ä b e r f ü r s o r g e, in dem auch die jüdische Glaubensgemeinschaft vertreten ist, beschlassen, einen Volkstrauertag zur Ehrung des Andenkerls der int Weltkriege gefallenen Soldaten zu begehen. Dafür ist Sonntag, der 12. März 1 933 bestimmt worden. Da dieser Tag diesmal bedauerlicherweise mit dem Purimfest zusammenfällt, muß die religiöse Feier für die jüdische Glandensgemeinschaft bereits am Tage vorher, am Sabbath in üblicher Weise begangen werden. Es ergibt sich aber weiter die Konsequenz, daß öffentliche Purirnfeiern, die sonst am 12. März veranstaltet worden wären, mit Rücksicht auf die Tranerstimmung des gesamten deutschen Volkes am besten verlegt werden, wo dies nicht angeht, doch jede öffentliche Freudenbeknndung vermieden wird. Unser Recht auf Arbeit. Zur Durchführung der Aktion, über die das Mitteilungsblatt im November 1932 berichtete, ist der Verein Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden e. V. in Hessen und Hessen-Nassau, Sitz Frankfurt a. M., Langestraße 30 bereit, sowohl in Gemeindeals auch Jnteresfenverfammlungen über die Wirtfchaftsfitnation zu berichten. Ebenfalls kann von dort einschlägiges Jnformationsmaterial kostenlos bezogen werden. freiwilliger Arbeitsdienst und Selbft» Hilfe der jüdischen fugend. (Eine bedeutsame Beratung der Arbeitsgemeinschaft für Fürsorgefragen bei der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden). In Berlin trat unter dem Vorsitz von Landgerichtsrat Dr. L i l i e n t h a l kürzlich die A r b e i t s g e m e i n s ch a s t für Fürsorgefragen zu einer zahlreich besuchten Beratung zusamuten. Anwesend waren außer den Vertretern aller Mitgliedsorganisationen auch solche derjenigen Gemeinden, welche an den praktischen Arbeiten, die den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildeten, besonderen Anteil haben. Es sind dies die Gemeinden: Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Hamburg und Leipzig. Stach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden gab Dr. K r e u tz b e r g e x einen Üeberblick über den gesamten gegen wärtigen Stand des Freiwilligen Arber t s d i e n st e s : Dr. Kreutzberger schloß sich noch einmal erneut nachdrücklich denjenigen Schriftstellern an, die unter klarer Ablehnung einer nach militärischen Vorbildern einzurichtenden Zwangsorganisation, in dem F r e i w i l l i g e n A r b e i t s d i e n st eineprodnktive Arbeitserziehung sehen wollen, wobei — gerade auch unter den Gesichtspunkten der Arbeitsgemeinschaft — besonderes Gewicht auf die jugendpflegerischen u n d j u g e n d f ü r s o r g e r i s ch e n Werte zu legen ist. Es wurde sodann die Rechtslage dargestellt und die außerordentliche Erweiterung, die der Freiwillige Arbeitsdienst sowohl in persönlicher wie in 'sachlicher Beziehung inzwischen erfahren hat; eine Erweiterung, der nur leider finanzielle Grenzen gefetzt sind. Im Vordergrund steht die Förderung der in Arbeitslager n untergebrachten Teilnehmer; nur ausnahmsweise sollen sonstige Bestrebungen gefordert werden. In neuerer Zeit wird vor allem — und das ist auch vom jüdischen Standpunkt von besonderer Bedeutung — in Anknüpfung an Vorschläge von Führerinnen der sozialen ' Frauenarbeit der Frage des Freiwilligen A r b e i t s - dien st es für Mädchen größte Aufmerksamkeit zugewendet. Es wurden hierüber besondere Reichsrichtlinien erlassen, aus denen das Folgende hervorgehoben sei: Stach dem gegenwärtigen Stand der Erfahrung werden „Dienstleistungen für Hilfsbedürftige" — die selbstverständlich gemeinnützig und zusätzlich sein müssen — als der besondere Inhalt des Arbeitsdienstes der Frau angesehen. Besonderer Wert wird auf die sozialpädagogische Ausgestaltung mit Hervorhebung der Bedeutung der Freizeiten, vor allem auch der Gruppengemeinschaft, gelegt. Auch hier sollen in erster Reihe Arbeitslager gefördert werden, bei denen naturgemäß die Fragen der Führerinnen ihre besondere Wichtigkeit besitzen. (Fortsetzung folgt). Flus unsren Derbanbsgemeinben. Alzey. Nach 43jähriger, segensreicher Tätigkeit trat Herr Lehrer und Kantor A. Stern in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Verdienste um Schule und Gemeinde fanden ihre Anerkennung darin, daß Herr Stern in den Vorstand des israelitischen Landes- Lehrervereins in Hessen, sowie in den Oberrat des Landesverbandes isr. Religionsgemeinden Hessens berufen wurde. Seine aufrechte Gesinnung und sein zielbewusstes Eintreten für die Interessen des Judentums verschafften Herrn Stern, der viele Jahre hindurch die hiesige Ortsgruppe des C. V. leitet, hohes Ansehen in allen Kreisen der Bevölkerung. Wir wünschen Herrn Stern, daß er noch viele Jahre in Gesundheit und Frische an der Seite seiner treuen Lebensgefährtin sich der wohlverdienten Ruhe erfreuen kann. Butzbach. Bei der am 10. Dezember 1933 nach längerer Unterbrechung stattgefundenen Generalversammlung des israelitiscken Krankennnterstütznngsvereins Butzbach wurde einleitend seitens des Vorsitzenden der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herrn Isidor Krämer, des im laufenden Rechnungsjahre verstorbenen I. Vorsitzenden des Vereins — Herrn Adolf Oppenheimer selig — in ehrenden Worten gedacht. Bei der folgenden Rechnungsablegung würdigte Herr Lehrer Fnld die Verdienste des Verstorbenen um den. Verein. Herr O. wirkte über 31 Jahre an der Spitze des Vereins. Bei der stattgefnndenen St e u w a h l wurde Herr Natan Simon als I. Vorsitzender, Herr Moritz Oppenheimer als dessen Stellvertreter, Herr Willy Wertheim als Kassenkontrolleur gewählt. Herr Lehrer Fnld wurde per Acclamation als Rechner des Vereins wiedergewählt! Am Sonntag, den 29. Januar fand in der hiesigen städtischen Volksschule die N euwahl des israelitischen Gemeindevorstands statt. Die bisherigen Mitglieder des Vorstandes: Herr Isidor Krämer I., Herr Hermann Löb II. und Herr David Grünehaum III. Vorstand, wurden einstimmig wiedergewählt. Darmstadt. Auf Veranlassung der hiesigen Starkenburg- L o g e hatten sich am Dienstag, den 10. Januar, neben Vertretern der Gemeinden und der jüdischen Vereinigungen Darmstadts eine Reihe anderer durch Beruf und Neigung' interessierte Persönlichkeiten zusammengefunden, um unter der Devise „Unser Recht auf Arb eit "die Fragen zu besprechen, die mit dem Problem der jüdischen Arbeitslosigkeit und Arbeitsbefchassnng in Zusammenhang stehen. Herr Theodor Meyer, der die Versammlung leitete, gäb nach treffenden Begrüßnngsworten den: Leiter des Amtes für' Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden in Frankfurt a. M., Herrn Benjamin, das Wort zu seinein grundlegenden Referat über die einschlägigen Fragen. Der Referent legte überzeugend dar, welches die Gründe seien, die die Situation der deutschen Juden noch über das Elend der allgenieinen Wirtschaftskrise hinaus erschwerten. Wirtschaftsboykott gegen Juden im Handel, im Handwerk, in den freien Berufen, untergräbt in vielen Fällen die jüdischen Existenzen. Am tiefgreifendsten aber wirke vor allem die Verdrängung der Juden als Angestellte und Arbeiter. Ein offenes Wort sei' auch an solche jüdischen Firmen zu richten, die sich aus den verschiedensten Gründen scheuen, zu einem gewissen Prozentsatz jüdische Arbeitnehmer zu beschäftigen. Nötig sei die Gründung von Darlehnskassen, eine jüdische Berufsberatung, welche die Jugend auf Berufe Hinweise, die bei hochwertigen Leistungen ein Äuskonunen versprächen; das in unseren Kreisen noch häufig bestehende Vorurteil gegen den Beruf des Handwerkers müsse zerstört werden. In jeder Gemeinde müßten sich Persönlichkeiten bereit finden, Umschau nach offenen Stellen für jüdische Arbeitnehmer zu halten. Stur bei solch intensiver Betreuung der jüdischen Arbeitslosen und Jugendlichen sei der Bestand der jüdischen Gemeinden gewährleistet. In der anschließenden regen Diskussion wurde unter anderem darauf hingewiesen, daß sich ein engerer Kreis der praktischen Durchführung der gehörten Vorschläge 'innerhalb Darmstadts annehmen müsse und daß überhaupt eine soziale Beratungsstelle für alle wirtschaftlichen und seelischen Nöte der Einzelnen hier zu schaffen sei. Auf geäußerten Wunsch hin stellte der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde in Aussicht, daß sie sich der Einleitung der nötigen Maßnahmen annehmen werde. Das Schlußwort des Referenten unterstrich noch einmal die Notwendigkeit, zu helfen. Mit einem Aufruf zur tätigen Mitarbeit und Dankesworten an den Referenten schloß Herr Theodor Meyer die Versammlung. Gießen. In dem Nachbarorte Großen-Linden wurde auf dem dortigen jüdischen Friedhof eine Schändung von Ruhestätten vorgenommen. Die Täter stürzten die Denkmäler auf fünf Gräbern um und zertrümmerten die Gedenkzeichen zum Teil. Die behördlichen Ermittlungen verfolgen zurzeit eine bestimmte Spur. Mainz. Am 22. Januar fand hier eine Tagung des Hessischen Landesverbandes der Jüdischen Jugendvereine statt. Sie stand vollkommen im Zeichen der Frankfurter Beschlüsse und nahm einen ruhigen und sachlichen Verlauf. Am Vormittag hielt Emil Mannheimer- Mainz ein einführendes übersichtliches Referat, das die Diskussionsbasis bildete. Man beschloß, zwischen den Vereinen durch Programm- und Redneraustausch, durch Tresfahrten im Sommer, bei denen kleine Arbeitsgemeinschaften stattfinden, und andere geeignete Maßnahmen einen stärkeren Kontakt herzustellen. Weiterhin werden sich die größeren Vereine in erhöhtem Maße der Pflege und Betreuung der jüdischen Klein- und Kleinst- 2