Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 8 (1933)
- Issue
- 2 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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gemeinden und ihrer Jugend widmen. Eine besondere Arbeit erwächst den Vereinen aus der Betreuung von Erwerbslosen und der Hilfe für die Jugend in allen Berufsfragen. Dr. Picard- Mainz berichtete über die mustergültige Arbeit in dieser Hinsicht in Mainz. Die neue Leitung des Hessischen Landesverbandes wurde in folgender Zusammenstellung gewühlt: Emil Mannheimer- Mainz als Vorsitzender, Senja S u t i n , JPD.-Mainz, als Schriftführer, Schener-Gelnhausen, Holzmann-Höchst a. M., Schirling- Bingen als Referenten für die drei Unterbezirke des großen hessischen und hess.-nafsauischen Bezirks: Ost, Mitte und West, ferner: Edgar Gerson-Frankfurt a. M., Trude Rosenstiel-Frankfurt a. M. und Horst Brumlik-Gießen (JPD). Am Abend vereinte ein gemütliches Beisammensein mit Darbietungen von Einheinüschen und Gästen die Jugend für einige frohe Stunden. Mainz. Der Vorstand des R e i ch s b u n d e s Jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Mainz, berief seine Getreuen für Donnerstag, den 26. Januar zur Generalversammlung in das Restaurant Göldschmidt. _ Der I. Vorsitzende Kamerad M. K. Waldmann begrüßte die Erschienenen und gab in eineni kleinen Referate einen lleberblick über die Tätigkeit der Ortsgruppe. Er gedachte der Toten in ehrenden Worten und bat die Änwesenden sich von den Sitzen zu erheben. Der Schriftführer Kamerad Leo Kempe gab hierauf einen genauen Abriß über die Tätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Geschäftsjahre. Der Mitgliederbestand hat sich kaum verändert, erfreulich war zu hören, daß ein Zugang von vier neuen Mitgliedern zu verzeichnen war. Es wurde in anerkennenden Worten der Tätigkeit der bestehenden Vortragsgemeinschaft gedacht. Den Kassenbericht gab Kanierad I. Joseph, der günstig lautete. Kamerad Dr. Rosenblatt, der verantwortliche Leiter unserer Sportabteilung für Knaben- und Mädchenturnen, gab einen eingehenden Bericht über diesen Zweig unserer Tätigkeit. An Hand von eingehendem statistischen Material gewannen die Kameraden einen lleberblick über den Stand der Ertüchtigung unserer Jugend. Einige Kinder werden bei Gelegenheit des kommenden Schauturnens für ihren Fleiß besonders belohnt werden. Turnlehrer Frey und Frau wurden für ihre Tätigkeit ebenfalls lobend erwähnt. Dem Vorstand wurde durch Kamerad Löwenstein im Aufträge der Versammlung Entlastung erteilt und gleichzeitig gedankt. Es erfolgte dann die Wahl des Vorstandes. Letzterer änderte sich nur insofern, daß Kamerad Dr. K. Ladenburg, seither II. Vorsitzender, mit Kamerad Benni Levy, seither Beisitzer, getauscht hat. Ein angekündigtes Referat üher „Arbeitslosenproblem und Arbeitsbeschaffung",' Referent Kamerad Dr. Picard, mußte wegen Erkrankung des Referenten ausfallen. Es wurde beschlossen zu Purim ein internes Vergnügen zu veranstalten. Karnerad Waldmann schloß die leider schwach besuchte Versammlung mit der Bitte rrm treue Unterstützung des Vorstandes. Sprendlingen. Am Sonntag 1. Januar bewegte sich ein großer Trauerzug durch unfern Ort nach dem israelitischen Friedhof. Frau Sara Schloß, geb. Heymaun wurde im Alter von 71 Jahren zu Grabe getragen. Sie war eine wegen ihrer Religiosität und Bescheidenheit in der ganzen Gemeinde stets beliebte und geachtete Frau, die eine offene Hand für Arme und Kranke, ohne Unterschied der Konfession, hatte. An ihrem Grabe würdigte Herr Rabbiner Dr. Jakobs-Bad Kreuznach ihre Verdienste. Vilbel. Am 11. Januar verstarb hier nach kurzen: Krankenlager unser ältestes Gemeindemitglied Frau Regina Goldberg Wwe. int 95. Lebensjahre. Sie war die älteste Einwohnerin unseres Städtchens und bis kurz vor ihrem Tode noch sehr rüstig. Sogar am letzten Jom Kippur hat sie noch den ganzen Tag gefastet. Die große Beteiligung bei ihrer Beerdigung bewies, daß sie überall geehrt und geachtet war. Herr Lehrer Höchster aus Heldenbergen hielt die Grabrede und würdigte ihre Verdienste als echte jüdische und deutsche Frau. vereine und verbände. Das Gesamtarchiv der deutschen Juden in Berlin ist in der Hauptsache zur Aufnahme von Gemeindeakten bestimmt. Daneben sucht es aber auch die Dokumente und Veröffentlichungen der jüdischen Verbände und Vereine Deutschlands zu erfassen und zu Große Organisationen haben ihre aus dem laufenden Geschäftsverkehr bereits' ausgeschiedenen Akten dem Gesamtarchiv überwiesen. Eine Reihe lange 'bestehender jüdischer Vereine aus allen Teilen Deutschlands sind mit wichtigen Beständen, vor allem den historisch wertvollen Protokollbüchern im Gesamtarchiv vertreten. Doch ist die durch das Gesamtarchiv gebotene Möglichkeit, geschichtlich wertvolles und für die Zukunft bedeutsames Material vor Vernichtung und Verzettelung zu schützen, von den jüdischen Verbänden und Vereinen noch nicht in genügendem Maße ausgenutzt. Es sei deshalb nochmals auf diese Möglichkeit hinqewiesen und Verbänden und Vereinen nahegelegt, ihre archivreifen Akten, Svendenverzeichnisse, Mitgliederlisten, Jahresberichte, Jubiläumsschriften sowie sonstige Veröffentlichungen beinr Gesamtarchiv zu deponieren. Das im Verwaltungsgebäude der Berliner Jüdischen Gemeinde, Oranienburgerstraße' 28, gelegene Gesamtarchiv bietet volle Gewähr für sachgemäße Lagerung und Betreuung der ihm anvertrauten Archivalien. Durch einen' besondern Vertrag wird jedem Inhaber eines Archivdepots — handle es sich nun um Gemeinden, Vereine oder Einzelpersonen — das volle Eigentumsrecht an den §ur Aufbewahrung übergebenen Archivstücken zugesichert. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums E.V. hält ihre diesjährige Mitgliederversammlung am Mittwoch, dem 15. Februar, 20 34 Uhr pünktlich, int Logenhaus, Berlin W 62, Kleiststraße 10, ab. Voraus geht um 19 Uhr im Großen Teurpel des Loge n h a u s e s eine Trauerfeier für den verstorbenen Vorsitzenden der Gesellschaft, Herrn Professor Dr. Moritz Sobernh eim. Lücherschau. Spinoza und Mendelssohn, Reden und Aufsätze zu ihren Gedenktagen von David Baumgardt, Professor der Philosophie an der Universität Berlin. Berlin 1932. 28 Seiten. Preis RM. 0.80. Philo-Verlag G. m. b. H. In knappsten Umrissen sucht Baumgardt in der vorliegenden Broschüre zu umschreiben, was die beiden bahnbrechenden Denker des neueren Judentums, Spinoza und Mendelssohn uns heute noch zu sagen haben. Die Geistesatmosphäre, aus der sie einst aufwuchsen, und die tiefen Wandlungen, die ihr Wirken bisher erfuhr, werden kurz lebendig gemacht, 'um vor allem zu zeigen, was für tlns noch vorbildlich blieb. Besonders ihre Haltung zur Machtmoral und ihr Kantpf um aktive Toleranz im geistigen wie im praktischen Leben wird dabei in unmittelbarem Zusammenhang mit Gegenwartsfragen neu beleuchtet. So dürfte dieser Beitrag Baumgardts zum Verständnis der beiden Philosophen an ihren Gedenktagen Anstoß zu bester neuer Besinnung auf ihre geistigen Taten geben. Zur Bohkottfrage. Ein Gutachten von Rechtsanwalt D r. Rudolf C a l l m a n n - K ö l n. Berlin 1932. Philo-Verlag G. m. b. H. Preis RM. 0.70. 44 Seiten. Ein Problem, das durch die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Gegenwart zu besonderer Wichtigkeit gelangt ist, wird hier von einem durch seinen Kommentar zum Gesetz über den unlauteren Wettbewerb rühmlich bekannten Verfasser wissenschaftlich behandelt. An einem Sonderfall werden die grundlegenden Fragen erörtert und beantwortet. Das Gutachten war ursprünglich als Mnuskript gedruckt. Es fand jedoch in den Kreisen, die es kennen lernten, ein so starkes Interesse, daß der Verfasser sich entschloß, es um einige Punkte zu ergänzen und dem Buchhandel zu übergeben. Der Kreis der Personen, denen die Einführung in die schwierigen nach Möglichkeit geklärten und untersuchten 'Rechtsprobleme willkommen sein wird, wird sicherlich sehr groß sein. Gerechtigkeit! Zur Lösung der Judenfrage. Von Dr. h. c. Friedrich von Oppeln-Bronikowski. Mit einem Geleitwort von Ricarda H u ch. 96 Seiten. Berlin-Wilmersdorf 1932. Nationaler Verlag Josef Garibaldi Huch. Preis kart. 1,80 RM. Ernste vaterländische Sorge hat dem bekannten konservativen Kulturpolitiker F. v. Oppeln-Bronikowski die Feder zu dieser die Gewissen aufrüttelnden Schrift in die Hand gedrückt. Vor mehr als einem Jahrzehnt bereits hat der Verfasser in einem damals vielbeachteten kleinen Buch zum Problem des Antisemitismus Stellung genommen, um der Stimme der Vernunft und der Gerechtigkeit Gehör zu verschaffen. Heute, wo sich das Problem in einem bedenklichen Umfang verschärft hat — ergreift nun der Warner von damals erneut das Wort. Weder die deutschen Juden noch ihre Widersacher, die Antisemiten, bekommen von ihn: etwas geschenkt. Den einen wie den anderen wird der Spiegel der Wahrheit vorgehalten. Wo Fehler, Jrrtümer, Verstiegenheiten vorliegen, werden sie beim rechten Namen genannt, Licht und Schatten' gerecht verteilt, beide Teile mit Nachdruck aufgesordert, in ihren eigenen Reihen nach dem Rechten zu sehen und nicht immer nur auf der Gegenseite nach „Schuld" zu suchen. Jeder Leser soll in den Stand gesetzt werden, sich selbst ein Urteil zu bilden und sich von Vorurteilen freizumachen. Das kleine Buch v. Oppeln- Bronikowskis trägt seinen verheißungsvollen Titel zu Recht. Indem es Gerechtigkeit nicht nur fordert, sondern ihr selbst mit jeder Zeile dient, bahnt es den einzig gangbaren Weg zu einer wirklichen Lösung der Judenfrage, deren heutiger Stand unser ganzes politisches Leben vergiftet. Um der Gerechtigkeit willen, die Deutschland selbst in der Welt für sich verlangt^ ist zu wünschen, daß es den Weg zu vielen Lesern findet. 3