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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1933-01-01 · 1 (1.1933) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
8 (1933)
Issue
1 (1.1933)
Date
1933-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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03mcu wie im Bösen. Hier liegt unsere Ausgabe, ständige Erneue rnng, Kampf um und für die Menschheit. Jeder muß dabei um die Antwort ringen, niemand kann dieser Kampf abgenommen werden. Rur eine Antwort müssen wir ablehnen: nämlich eine solche, die unseren „heiligen Kreis" sprengen würde. Epsteins Referat war vor allem in seinem ersten Teil eine eingehende, auf wissenschaftlichem Material beruhende Analyse der wirtschaftlichen Lage der deutschen Inden und der Jugend insbesondere, wie sie ans den verschiedensten Arbeiten der letzten Jahre sich ergibt. Hauptkennzeichen der Situation: Abnahme der selb ständigen Existenzen, Zusammenbruch der Schicht, in der die In den hauptsächlich standen, wachsende Arbeitslosigkeit bei den Abhängigen. Epstein verneint die Frage, ob Abhängigkeit bereits Pro letarifierung bedeutet im Falle der deutschen Inden. Bei der Frage nach den Aussichten kommt er zu dem. Ergebnis: Rückkehr znm Kapitalismus ist unmöglich, Answandernngsmöglichkeiten fast null. Es muß der Situation ins Auge gesehen werden. Geholfen werden kann nur durch kollektive Maßnahmen, nicht durch Einzel aktionen. Man kann materielle Hilfe geben, kann auch — wenn auch nur in bescheidenem Maße — durch Siedlung und Berufs Umschichtung und Erziehung zur Berufs „Wendigkeit" neue Mög lichkeiten schaffen. In der Hauptsache aber wird es darauf an kommen, neben den Hilfsmaßnahmen durch Gemeinde und Per bände und gewisse zusätzliche Hilfe auch des Perbandes der jüd. Ingendvereine eine wirtschaftsethische Erneuerung vom Judentum her zu versuchen. Weder kann Jüdisches gepflegt werden unter Außerachtlassung der wirtschaftlichen (und das heißt schließlich: der Klassen )Lage, noch kann Pflege des Klassenbewusstseins unter Ausschluß alles Jüdischen richtig sein, wie sie heute oft als letzte und einzige Möglichkeit der Rettung jüdischer Menschen empfohlen wird, notwendig dagegen ist die Politische Einordnung der breiten Schichten in ihre Klassenlage und Pflege des Jüdischen zugleich. Sie teilweise recht lebhafte Debatte drehte sich in der Hauptsache um die Frage: Klassenkampf, rcsp. Kommunismus lind In dentnm, nm das Perhältnis von rationalen zu irrationalen Kräften und um die Entscheidung darüber, ob dem Indesein und dem Judentum oder außerjüdischen Kräften der Primat zu geben ist. Es war interessant festzustellen, wie heute bei den jungen Menschen — entgegen früheren Tagungen — nicht mehr Fragen wie „Liberalismus-Orthodoxie"'? oder „E.V.-Zionismus"'? auf der Tagesordnung stehen: hier liegen keine Probleme mehr. Die Wirt schäftliche und politische Rot zwingt zur Auseinandersetzung mit ganz anderen Fragen: erfreulich, daß selbst von den politisch sehr weit Linksstehenden ein sehr klares Bekenntnis znm Judentum ahgelegt wurde. Aufgabe nicht nur der führerischen Menschen im Perband, sondern auch der Perantwortlichen draußen ist es, jetzt und schnell den ringenden jungen Menschen klar und eindeutig zu zeigen, daß das Judentum auch heute noch Antwort auf die Fragen der Zeit geben kann und wie diese Antwort lautet. Entsprechend den Notwendigkeiten der weiteren Arbeit, die sehr viel intensiver gestaltet werden muß und allem Anschein nach auch geleistet werden wird (wie man überhaupt nach dieser Tagung dem Perband und seinen Bünden einen, übrigens berechtigten und not wendigen Aufstieg Voraussagen kann!), wurde neben der Leitung, die ans den eingangs genannten drei Herren, den Landesverbands- Vorständen und — nach der Perbindung mit dem Bund Jüdischer Pfadpfinder (BIP) — 5 BIP-Führern besteht, je ein Leiter gewählt für die neu geschaffenen Aemter für kulturelle, wirtschaftliche iind politische Arbeit. flrbeitsriditlinien beschlossen auf der neunten ordentlichen Telegiertentagung des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Die neunte ordentliche Delegiertentagung beschließt: Der Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands ninnnt arrs seiner gesamtjüdischen Haltung an jeder Arbeit teil, die nicht dem Interesse bestimmter Gruppen und Richtungen, sondern der Erhaltung, dem Schutz und der Förderung jüdischen Gemeinschaftslebens dient. Hieraus ergibt sich für ihn die Pflicht, den Kampf um die geistige und materielle Existenz der jüdischen Jugend in Deutschland zu führen. A. Ter Verband sieht seine Aufgabe in der Erziehung von Menschen, die lebensvoll miteinander verbunden und erfüllt mit jüdischen Inhalten sind. Inhalt der Erziehungsarbeit ist die Vertiefung der Kenntnisse der kulturellen, sozialen und politischen Entwicklung der Juden und ihrer Umwelt. Aufgabe der Erziehungsarbeit ist Pie Stärkung des jüdischen Lebenswillens. Pflicht des Verbandes, der Vereine und Bünde in den Groß- und Mittelgemeinden ist die Einbeziehung der Klein- und Kleinstgemeinden in ihre kulturelle Arbeit. B. 1. Der Verband macht es seinen Mitgliedern zur Pflicht, sich für die Durchführung der Rothilfe-Maßnahmen den örtlichen jüdischen Wohlfahrts und Jugendämtern zur Verfügung zu stellen. 2. Wo keine Wohlfahrtsämter bestehen, übernehmen geeignete Vereinsmitglieder die Aufgabe ehrenamtlich, eine soziale Jngendhilse dnrchznführen. die allen Gemeindemitgliedern dienen soll. D Aufgabe des Verbandes ist es, der vor und in der Berufsausbildung befindlichen und der erwerbslosen jüdischen Jugend, besonders innerhalb seiner Mitglieder, tätige Hilse zuteil werden zu lassen. 4. Sofort — und bis auf weiteres — wird gefordert: a) Berufsberatung, Bernfsnmschichtnng und Stellenvermittlung, d) Zusätzliche Berufsausbildung, c) Arbeitsbefchaffnngsmaßnahmen bzw. Beteiligung an bestehenden Arbeitsbeschaffnngseinrichtnngen, d) Schaffung von Wohnheimen für Jugendliche und von Tagesheimen für Erwerbslose, o) Schaffung jüdischer Kollektivbetriebe (Erwerbslosenselbsthilfe), k) Answanderungsberatung. .3. Der Verband richtet zur Durchführung dieser Forderungeit ein .Jugendhilfswerk ein. 6. Jedes zahlende Vereinsmitglied verpflichtet sich zu einem Mim destbeitrag von monatlich zehn Pfennig nach Selbsteinschätzung. Der Verband zweigt in seinem Etat mindestens 10% seiner Gesamteinnahmen für die Durchführung des Jttgendhilfswerkes ab. Für eine möglichst Riedrighaltnng der Verwaltungskosten und für eine weitgehende Dezentralisierung in der Verwendung der aufgebrachten Mittel (Landesverbände) ist zu sorgen. Das Ingendhilfswerk hat mit allen in Betracht kommenden Organisationen aufs engste zusammenznarbeiten. <?. 1. Der Verband stellt sich erneut ans den Boden der Beschlüsse der Dresdner Deleaiertentagnng zur Gcmeindearbeit. Ihre Dnrchführnng hat zahlreiche Menschen des Verbandes ztlr praktischen Gcmeindearbeit geführt und eine engere Verbindung von Jngend tind Gemeinde zur Folge gehabt. Der Verband fordert eine Organisation der Gemeinden, die auf der demokratischen Willensbildnng der Gemeindemitglieder beruht. Ter Verband fordert den Reichsverband der Deutschen Juden. Dieser kanrt die ihn erwartenden umfassenden Aufgaben nur erfüllen, wenit er Ausdrncksform des Willens der Jtlden in Deutschland wird. 2. Die haßerfüllte Jndenfeindschaft, die Leben und Gut der deutschen Indenheit bedroht, macht die Mitarbeit jüdischer Jugend am Abwehrkampf zur unabweisbaren Pflicht. Diese Abwehrarbeit kann nur mit politischen Mitteln und nicht isoliert aeführt werden. Aufgabe der jüdischen Jtiaend ist es. der organisierten jüdischen, geistigen und politischen Abwehrarbeit durch ihre Mitwirkung verstärkte Stoßkraft in einer Richtting au geben, die der politischen Bedentnna des Geaners angemessen ist ttnd den Stolz und die Würde des jüdischen Menschen betont.?>. Die Besatzung des überparteilicheti Palästina-Aufbaues wird durch die Mitarbeit der Vertreter des Verbandes in der Jewish Agency bekundet. Der Verband fordert von feinen Mitgliedern eine vertiefte Beschäftignna mit allen Fragen des Aufbauwerkes und fühlt sich mit den am Aufbauwerk arbeitenden Menschen in Palästina verbunden. 4. Die Delegiertentagung erteilt dem neuen Verbandsvorstand den Auftrag, von sich aus Schritte zu unternehmen, die einer Cooperation 'mit jüdischen Jugendverbänden anderer Länder dienen. Orbentlitfje fjauptoerfatnmlung bes Allgemeinen beutfchen Rabbineroerbanbes. Nachtrag zu der in unserer Dezember-Nummer veröffentlichen Präsenzliste: Herr Rabb. Dr. Hoffmann-Breslau. Aus unseren üerbanbsgemeinben. Altwiedermus. Herr Arthur Goldschmidt wurde einstimmig zum 2. Vorsteher gewählt. Die Wahl wurde zum erstenmal nach den neuen Statuten vollzogen. Darmstadt. In einem'außerordentlich gut besuchten Vortrag sprach am 1. Dezember Herr Sigmund Ma'ndelbaum, Darmstadt, über „Eindrücke meiner Palästinareise". Der Redner, erst kürzlich von seiner Reise zurückgekehrt, berichtete in ungemein fesselnder und anschaulicher Weise über das Leben in Palästina, unter beson-

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