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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-12-01 · 12 (12.1932) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
12 (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ihre Friedfertigkeit und Freundlichkeit gegen Jedermann, so daß sie in weitesten Kreisen der hiesigen Bevölkerung beliebt und angesehen war und ihr allzufrüher Tod nicht nur von ihren Angehörigen schmerzlich beklagt, sondern auch von allen, mit welchen sie in ihrem Leben in nähere Berührung gekommen ist, aufrichtig bedauert worden ist. Ein großes Leichengefolge begleitete die Verblichene am 25. Oktober zur letzten Ruhestätte. Herr Lehrer Kahn gab dem Schmerze der Angehörigen der Verstorbenen und der Teilnahme des großen Trauergesolges gebührenden Ausdruck, Fürfeld. Am 19. d. Ms. fand erstmalig nach der neuen Wahlordnung die Wahl der Vorstandsmitglieder und die der Steuerberater statt. Der seitherige Vorstand — Salomon Bruch, Josef Goldschmidt und Ferdinand Strauß — wurde auf 4 Jahre wiedergewählt und für die gleiche Zeit als Steuerberater Max Mann und Ludwig Strauß neugewählt. Ferdinand Strauß ist nach Ablauf dieser Wahlperiode 50 Jahre Vorstand. Vor kurzem feierte er seinen 80. Geburtstag. Obwohl er sich jede Feier verbeten hatte, ließ es sich die isr. Gemeinde nicht nehmen, ihm mit den Glückwünschen ein kleines Geschenk zu übermitteln. Der Bürgermeister des Ortes gratulierte persönlich und überbrachte ein herzliches Glückwunschschreiben des Kreisamts Alzey. Ebenso erschien der katholische und evangelische Geistliche, sowie die Vorstände mehrerer Vereine. Auch ein Glückwunschschreiben des Landesverbandes und seines Vorsitzenden, des Zentralvereins u. a. m. ehrten den Jubilar. Simchas Tora war er Choson Bereschis, was dem 80-jährigen große Freude machte, aus welchem Grunde er für die Gemeinde eine namhafte Spende gab. Mainz. Bei einer Besprechung von Mitgliedern des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde und von Vertretern der Zentralwohlfahrtsstelle, sowie der Rhenusloge und des Jüdischen Jugendvereins wurde der Beschluß gefaßt, an die jüdischen Arbeitgeber unserer Stadt alsbald mit der Bitte heranzutreten, Arbeitsmöglichkeiten, wenn auch zunächst nur vorübergehender Art, für jüdische Erwerbslose zu schaffen. Unsere Gemeindemitglieder werden gebeten, sich bei eintretenden Vakanzen an das Büro der israelitischen Religionsgemeinde Mainz, Telephon 337 37, zu wenden. Ober-Namstadt. Am 24. November konnte Herr David Bendorf II. dahier, in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag im Kreise seiner Angehörigen begehen. Sein ganzes Leben war erfüllt von Arbeit. Noch heute ist der Jubilar von früh bis spät tätig. Vor allem aber, und das soll h-er besonders betont werden, ist Herr Bendorf einer unserer eifrigsten Besucher bei Gottesdiensten. Immer bei den ersten, ob es früh oder spät, sieht man den 80jährigen auf seinem Platz in der Synagoge. Auch ein guter Gesellschafter ist er, und sein gewohntes Kartenspiel an Samstag Abenden läßt er sich nicht nehmen. Wir wollen hoffen, daß unserem 80jährigen Jubilar noch eine recht lange Reihe von Jahren ungetrübter Gesundheit und Geistesfrische beschieden sein mögen. Wallertheim. Ein großer Leichenzug bewegte sich am Donnerstag. den 24. November, durch unfern Ort nach dem israelitischen Friedhof. Frau Emma M a r u m geb. Isaak wurde im Alter von 72 Jahren zur letzten Ruhe bestattet. Von der allgemeinen Wertschätzung und Beliebtheit der Verblichenen zeugte die große Anteilnahme an ihrer Beerdigung. Herr Rabbiner Dr. Lewit, Alzey, entwarf in trefflichen Worten ein Lebensbild der Heimgegangenen. Vereine und Verbände. Eine Tagung der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands hat am 15. November in Wiesbaden stattgefunden. Wiesbaden war als Tagungsort mit Rücksicht daraus gewählt, daß vor 100 Jahren (am 21. November 1832) Abraham Geiger in Wiesbaden seine Rabbinertätigkeit begonnen hatte. Die Würdigung Abraham Geigers und die Erörterung von Grundbegriffen und Gegenwartsaufgaben des liberalen Judentums stanoen im Mittelpunkt dieser Tagung. Die Leitung der Tagung hatte der Vorsitzende der Liberalen Rabbiner-Vereinigung, Seligmann-Frankfurt a. M., in Händen. Im Namen der Gemeinde Wiesbaden begrüßte bei der Eröffnung Herr Dr. Goldstein die Versammlung. Im Verlaufe des von der Gemeinde Wiesbaden gereichten Mittagimbisses hieß auch Herr Justizrat Marxheimer die Versammlung willkommen. Drei Vorträge: 1. Was hat Abraham Geiger als Rabbiner für das deutsche Judentum geplant und geleistet? (Lazarus-Wiesbaden); 2. Die Paradoxien im Liberalismus (Grünewald-Mannheim); 3. Krisis und Lösung (Baeck-Berlin) gingen von Leistungen und Auffassungen Abraham Geigers aus und gaben Stoff für eine umfassende und tiefgründige Aussprache. Zum Vorsitzenden der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands wurde Seligmann-Frankfürt a. M., der dieses Amt abgeben wollte, unter Beifall der Versammlung wiedergewählt. Die Tagung brachte den Teilnehmern dankbar anerkannte Anregung. Die ordentliche Hauptversammlung des Allgem. Deutschen Rabbinerverbandes fand unter zahlreicher Beteiligung aus allen Gebieten Deutschlands am 15. und 16. November 1932 in Mainz statt. An dieser Hauptversammlung nahmen folgende Herren Rabbiner teil: Aber-Bremen; Altmann-Trier; Andorn- Karlsruhe; Apt-Allenstein; Augapfel-Frankfurt a. M.; Baeck- Berlin; Baerwald-München; Baron-Kaiserslautern; Baneth-Eoethen; Bienheim-Darmstadt; Blumenthal-Berlin; Finkelscherer- Göttingen; Freimann-Berlin; Freudenthal-Nürnberg; Freund- Hannover;Friedmann-Frankfurt a. M.; Fuchs-Eyemnitz; Gärtner- Braunschweig; Galliner-Berlin; Galliner-Frankfurt a M.; Galliner-Gelsenkirchen; Geis-München; Gelles-M.-Gladbach; Goldmann-Leipzig; Golinsky-Beuthen; Grün-Danzig; Grünewald- Mannheim; Hahn-Essen; Hanover-Würzburg; Hosfmann-Frankfurt a. M.; Holzer-Worms; Horovitz-Franksurt a. M.; Jampel- Schwedt; Italiener-Hamburg; Kaatz-Hindenburg; Kahlberg-Halle; Kober-Köln; Köhler-Borken; König-Frankfurt a. M.; Krakauer- Görlitz; Kronheim-Bielefeld; Lazarus-Kassel; Lazarus-Wiesbaden; Levi-Mainz; Levy-Bonn; Lorge-Mainz; Maybaum-Frankfurt a. O.; Nellhaus-Pirmasens; Neufeld-Elbing; Neuhaus-Mülheim-Ruhr; Neumark-Duisburg; Pfingst-Oppeln; Philipp-Elberfeld; Pinkuß-Heidelberg; Rösel-Tilsit; Rosenthal-Köln; Rosenzweig-Schneidemühl; Rülf-Saarbrücken; Salomon-Bayreuth; Salomonski-Berlin; Salzberger-Frankfurt a. M,; Samuel-Essen; Sander-Gießen; Schönberger-Aachen; Schüftan-Erfurt; Seligmann-Frankfurt a. M.; Silberstein-Rostock; Steckelmacher-Dürkheim; Steinthal-Münster; Ucko-Offenburg; Vogelstein-Breslau; Wiener-Berlin; Wolf-Dresden; Wreschner-Bad Homburg; Ziemels-Freiburg. Einige der Herren waren mit ihren Frauen erschienen. Zwar hatten in den letzten Jahren Versammlungen des Hessischen Rabbinerverbandes sowie des südwestdeutschen Rabbinerverbandes und ein wissenschaftlicher Kursus der Rabbiner der süddeutschen Landesverbände in Mainz stattgefunden, aber eine allgemeine Versammlung deutscher Rabbiner war in den Mauern der altehrwürdigen Gemeinde Mainz seit mehr als einem halben Jahrtausend nicht mehr zusammengetreten. Die Tagung war in hingebungsvoller Weise von der Israelitischen Religionsgemeinde und deren Rabbiner Dr. Sali Levi vorbereitet worden. Tie Beratungen standen ganz unter dem Eindruck der Fragen, die sich für den Rabbiner aus der gegenwärtigen Lage des Judentums ergeben. Sie begannen am Abend des 15. November mit der Erstattung des ersten Teiles des Geschäftsberichtes durch Rabbiner Dr. Dienemann-Offenbach. In Verfolg einer Anregung aus dem Kreise der Mitglieder, den Schülern bei der Schulentlassung ein Merkblatt über die wesentlichsten Dinge der jüdischen Lehre und ihrer Verteidigung mitzugeben, wurde ein Ausschuß eingesetzt, der einleitende Schritte zur Ausführung dieses Planes tun soll. lieber die Einrichtung der Bezirksrabbinate wurde berichtet. Die Sitzung am 16. November begann mit dem Segensspruch und einer feierlichen Begrüßung durch den Ortsrabbiner Tr. S. Levi und Herr Kommerzienrat Bernhard Albert Mayer hieß die Versammlung in geschichtlicher Rückschau namens des Vorstandes der Gemeinde und des Landesverbandes israelitischer Neligionsgemeinden Hessens willkommen. Alsdann richtete der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Rabbiner-Verbandes, Dr. Baeck-Berlin, Eröffnungs- und Begrüßungsworte an die Tagung. Das Hauptreferat hielt Rabbiner Dr. Wiener-Berlin über: „Jüdische Lehre und jüdische Theologie." Der Referent und die zahlreichen Diskussionsredner bemühten sich um eine svsrematische Grundlegung des jüdischen Lehrinhaltes in Auseinandersetzung mit den mannigfachen Richtungen und Anschauungen im Judentum der Vergangenheit und den Strömungen innerhalb der christlichen Theologie der Gegenwart. Der als Gast anwesende Pros. Dr. Elbogen-Berlin berichtete im Namen aller drei Anstalten, die der wissenschaftlichen Erforschung des Judentums und der Ausbildung der Rabbiner gewidmet sind, über die katastrophale Lage dieser Institute und die zur Abhilfe unternommenen 3 Isr. Mädchenausstattungs-Verein I, gegründet im Jahre 1724, Mainz. Die „Verlosung eines Brantlegats" findet am 18. Dez. statt. Die Mitglieder, die noch mit ihren Beiträgen im Rückstand sind, werden gebeten, sie bald zu bezahlen, damit sie an der Verlosung teilnehmen können. Der Vorstand.

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