Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 7 (1932)
- Issue
- 11 (11.1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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bauten des Frauenbundes der Ortsgruppe Bingen und sprach die Glückwünsche und den Dank der Gemeinde sür den gestifteten Vorhang aus. Herr Bürgermeister Dr. Rückert übermittelte die Glückwünsche der Zivilgemeinde, wies auf das gute Einvernehmen der Konfessionen hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der jüdische Frauenverein atlch in diesem Jahre bei der allgemeinen Winterhilfe wie bisher Mitarbeiten werde. Hierauf sang der Synagogenchor Psalm 100, womit die denkwürdige Feier endete. Abends fand ein gemütliches Beisammensein im Saalbau Wedekind statt, an dem außer dett hiesigen Mitgliedern auch Vertreter der Nachbargemeiudeu Gau-AIgesbeim, Ockenheim, Bingen, Schwabenheim und Delegierte des Provinzialverbandes Hessen-Nassau des Frauenbundes teilnahmen. Nachdem die derzeitige rührige und bewährte Präsidentin, Frau Emilie Kahn, einen Rückblick aus das verflossene Jahrhundert gegeben, folgten noch verschiedene Ansprachen. Die dann unter Leitung von Herrn Lehrer Langstädter aufgeführten Darbietungen erhöhten die Festesstimmung. Lange nach Mitternacht trennte man sich in dem Gedanken, wieder ein paar Stunden fröhlichen Beisammenseins der gesamten Gemeinde verbracht zn haben. Möge es dem Frauenverein noch recht viele Jahre unter der Leitung der derzeitigen Präsidentin vergönnt sein, Gutes für die Armen aller Konfessionen zn stiften. Offenbach. Am 15. Oktober d. I. konnte das Bankhaus S. M e r z b a cb auf sein 100jähriges Bestehen zurückblicken. Anläßlich dieses Jubiläums nahm der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Gelegenheit, nachstehendes Glückwunschschreiben den Inhabern der Firma zu übersenden: Sehr geehrte Herren! Sie haben während der ganzen Zeit des Bestehens Ihrer Firma dem Handel und der Industrie unserer Stadt namhafte und wesentliche Dienste geleistet, wofür Ihnen aitläßlich des Jubiläums Ihrer Firma es sicher nicht an Zeichen lebhafter Anerkennting fehlen wird. Diese Leistungen und diese Alterkennung erfüllen auch uttsere Neligiousgemeinde mit Freude und Stolz, zumal da sie eine weitere Waffe im Kampf gegen die häßlichen Angriffe unserer Widersacher bilden. Aber auch uitserer Religionsgemeinde haben Sie Ihren Beistand, so oft wir Sie um diesen angingen, nie versagt, sondern stets ohne Zögerit und in uneigennütziger Weise geliehen. Unserer Synagoge haben Sie durch Stiftung der beiden Kandelaber eine ihrer Hauptzierden verschafft und hierdurch zugleich Ihre treue Anhänglichkeit zu unserer Gemeinde bewiesen. So haben wir allen Altlaß, Jhtten zu dem hundertjährigen Bestehen Ihrer Firma herzlich Glück zu wünschen. Möge diese weiter blühen und gedeihen und möge Ihr Wohlwollen uitserer Genteinde in gleicher Weise wie bisher erhalten bleiben! Rodbeim. Die einst blühende Gemeinde hat nun innerhalb Jahresfrist vier Männer verloren. Am 3. Tage Sukkaus wurde der erst im 61. Jahre stehende Kaufmann Gustav Stern zur letzteit Ruhe gebettet. Mit seinem Hinscheiden verliert die jüdische Gemeinde ein treues Mitglied, das zu deren Stützen gehörte. Darüber hiltaus war er im weiten Umkreis allgemeilt geschätzt uttd beliebt. Vor einer gewaltigen Trauergemeiltde schilderte Lehrer Seelig aus Friedberg in bewegten Worten den Verlust, voit dent Familie und Gemeinde betroffen. Ientralwohlfahrtsstelle der israelitischen Neligionsgemeinde Mainz. Seit der letzten Veröffentlichung in der Dezembernummer des Blattes, sind urts von nachstehend aufgeführten Persönlichkeiten zur Linderung der täglich noch wachsenden Not, Geldspenden zugegangen, für die wir an dieser Stelle nochmals dankend quittieren: Moritz Berney, Frau Albert Beufey, Frl. Rosa Blum, Moritz Buchdahl, Dr. Ludwig Ehrmann, Alex Eichbaum, Dr. Adolf Fränkel, Jüd. Frauenbund, Frau Nathan Fulda, Manfred Fröhlich, Frau Leo Ganz, Ludwig Goldschmidt, Frau Felix Grünewald, Johann Heil, Max Herrmann, Frl. Hanna Heppenheimer, Samuel Hausmann, Karl Heymann, Jakob Hirsch, Dr. Franz Kallntann, Albert Kaplan, Julius Kaplatt, Dr. Emil Kramer, Leopold Klein, Krankenpflegeverein der Aeltere, Frau Isidor Lazar, Tr. Fritz Lehmann, Firma Louis Liebenstein, Frau Emil Löwensberg, Firma Daniel Mann, Firma Gebr. Metzger, Komm.- Rat B. A. Mayer, Ferdinand Mayer, Harxheim, Dr. Walter Nathatt, Firma Nathan & Stern, Dr. Arnold Oppenheimer, Frau Henny Ollendorf, Darmstadt, Frau Willy Pintus, Dr. Julius Picard, Frl. Wilhelmine Pfuttgst, Alfred Raphaelsohn, Hermamt Reiling, Frau Hedwig Reiling, Rhenusloge, Frau Jda Reuter, Emil Rosenberg, Frau Max Salomon, Dr. Paul Simon, Dr. S. Süssel, Hugo Scheuer und Frau, Frau Arthur Schönberger, Spielschar Mainz, Dr. Walter Stern, Dr. S. Wallerstein, Dir. Bernhard Weis, Karl Weis, Louis Weis, Theo Weil. Feriter erhielten wir für uttsere Bedürftigen im gleichen Zeitraum eine große Menge von Bekleidnngsgegenständen und Wäschestücken, für die wir ebenfalls nochmals verbindlichst danken. Wir dürfen wohl auch noch die herzliche Bitte aussprechen, das bewiesene Wohlwollen uns auch in Zukunft, besonders in dem jetzt bevorstehenden schweren Winter, bewahren zu wollen. Der Vorstand der Zentralwohlfahrtsstelle der israelitischen Religionsgemeinde Mainz. Vereine und Verbände. Anläßlich des Weltspartages am 29. Okt. 1932 wurde von den Sparkassen der ganzett Welt ein Ausruf erlassen, dem wir folgendes entnehmen: „Der Weltspartag ist kein Tag der Feiern und der Feste. Geist und Tat sind an diesem Tage gattz besonders in den Dienst des Sparens gestellt. Das Sparen ist neben der Arbeit die g r u tt d l e g e n d st e uttd sich er sie Voraussetzuttg für das Gedeihen und dett Fortschritt. Das Sparen, das uns mit denen verbindet, die uns vorangingen und mit denen, die uns auf Erden folgen, ist der Weg zum Aufstieg des Einzelnen und zum Atifbau der kulturelle tt Dt acht eines Volkes. Der Ruf, den wir attt Weltspartag an alle Völker richten, enthält eine M a h n u tt g und eine F e st st e l l u n g. Die Mahnung weist denen, die mittel- oder unmittelbar in öffentlichen uttd privaten Aemtern zu Hütertt des Sparguts gesetzt sind, ihre Pflicht es mit unerschütterlicher Ehrlichkeit, treu dett gesetzlichen Vorschriften und nach dem Willen und zum N u tz e tt derer, die es ihnen an vertrautet!, zu verwalten. Die Feststellung betrifft die Solidarität unter den Sparern der ganzen Welt, deren gemeinsames Interesse den Frieden unter den Völkern fordert. Der Friede ist der einzig wirksame Schutz nicht nur des eigenen, mühsam erworbenen Spargroschens, sondern des wirtschaftlichen, geistigett und sittlichen Reichtums der Menschheit." Der Rundfunkvortrag „Ketzereien am Wochenende" vom 22. Oktober veranlaßte den Centralverein zu einer sofortigen Intervention bei der Leitung der Berliner Funkstunde. Dr. Friedrich Brodnitz, Mitglied des Hauptvorstandes des C.-V. und Syndikus Tr. Reichmann sprachen bei dem Intendanten Dr. Duske vor und übermittelten ihm den schärfsten Protest des Centralvereins gegen die Beschimpfungen, die Herr Kühn auszusprechen gewagt hat. Die Wirkung des Vortrages sei grob antisemitisch gewesen und es könne keitte Rede davon fein, daß der Vortrag eine andere als scharf judenfeindliche Tendenz gehabt habe. Auch dte zurückhaltendsten Freunde des C.-V. hätten diesen Vortrag als eine Provokation schlintmster Art betrachtet. Es hätte auch befremdet, daß ein derartiger Angriff im Gegensatz zur gesamten Praxis des Rundfunks anonym erfolgt sei. Der Vorfall müsse hinsichtlich der Verantwortlichkeit unbedingt geklärt und es müßte Vorsorge getroffen werden, daß eine Wiederholung derartiger Angriffe uttd Beschimpfungen unter keinen Umständen mehr erfolgt. Intendant Dr. Duske erklärte, daß er den Vortrag selbst nicht geprüft habe, sondern eine andere zuständige Stelle des Berliner Rundfunks. Es könne noch nicht festgestellt werden, ob der Sprecher von dent eingereichten Manuskript abgewichen sei oder ob die verstimmende Wirkung durch eine aggressiv ironische Tonart verursacht worden ist. Es liege der Rundfunkleitung völlig fern, irgend einen Volksteil anzugreifen oder gar zu beschimpfen. Wenn dieser Eindruck entstanden sei, so bedauere er, Dr. Duske, diese Tatsache außerordentlich. Er werde dafür Sorge tragen, daß ein derartiger, von der Rundfunkleitung keinesfalls gewollter Effekt sich nicht mehr wiederhole. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und die Hanptstelle für jüdische Wanderfürsorge hielten am 25. 9. d. I. in Berlin ihre Gesamtvorstandssitzungen ab, in deren Mittelpunkt Fragett der Erwerbslosenhilfe skattdett. 4