Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 7 (1932)
- Issue
- 10 (10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Pfeffer fleniefet in unserer Stadt hohes Ansehen, besonders deshalb, weil er seinen Mitmenschen ohne Ansehen des Standes und des Glaubens mit Rat und Tat stets geholfen hat. Griesheim (bei Darmstadt). Die durch den Tod des Herrn Lehrer Strauß verwaiste Vorbeter- und Lehrerstelle in unserer Gemeinde wird, nachdem in den letzten Monaten Herr Emil Mannheimer, Kandidat des pädagogischen Instituts Mainz, vertretungsweise den Relegionsuntericht erteilt hatte, vom 1. Oktober ab durch Beschluß des Gemeindevorstandes Herrn Manfred Naumann aus Nidda, der das Mainzer pädagogische Institut absolviert hat, übertragen. Groß-Gerau. Dem Mitglied des Oberrats des Landesverbandes, Herrn Fabrikanten Heinrich Hirsch, der sich seit Jahrzehnten im öffentlichen Leben betätigt, wurde in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt, in der er sich im besonderen als Mitglied der Industrie- und Handelskammer, des Gemeinderates, des Aufsichtsrates der Volksbank, des Vorstandes des Militärvereins und der Hassia u. a. m. bewährt und ausgezeichnet hat, und in Erinnerung an das Goethejahr 1932 die Goetheplakctte verliehen. Himbach (Kreis Büdingen). Einweihung der neuerbauten Synagoge am 2. September. Mit größter Opferwilligkeit hat die kleine Gemeinde, die nicht mehr als 9 Mitglieder zählt, und auch nicht von der Not der Zeit verschont ist, aus eigener Kraft eine stattliche Synagoge erbaut, gewiß ein Zeichen treuer Anhänglichkeit an die angestammte Religion. Der bisher benutzte, äußerst bescheidene Raum, der seit mehr als 80 Jahren die Andachtsstätte gebildet hatte, konnte nicht mehr seinen bisherigen Zwecken dienen, da der christliche Eigentümer bei anerkennenswertem bisherigem Entgegenkommen nunmehr für seine Privatzwecke davon Gebrauch machen will. Mit den Worten ernsten Gedenkens nahm Proviuzialrabbiner Dr. Sander, Gießen, namens der Gemeinde Abschied van dem alten Gotteshause und verrichtete das Kaddisch-Gebet, worauf die Thora-Rollen ausgehoben und im feierlichen Zuge nach der neuen Synagoge van den ältesten Mitgliedern der Gemeinde getragen wurden. Nach Worten der Anerkennung der großen Opferfreudigkeit seitens jedes einzelnen der Gemeindemitglieder legte der Rabbiner Zweck und Bedeutung des Gotteshauses dar, dessen heiligende Wirkung sich dnrch das Verhalten der Beter im Alltagsleben erweisen müsse. Die Predigt am Sabbatvormittag ging aus von dem Texte der Sidra: „Zedek, Zcdek tirdof: „Der Gerechtigkeit. der Gerechtigkeit sollst du nachjagen". Das Streben nach Gerechtigkeit sei die höchste Forderung des Judentums, der unerschütterliche Glaube ctn die göttliche Gerechtigkeit und den einstigen Sieg der Gerechtigkeit, wie die Prophetenabschnitte, die als Haphtara in diesen Wochen verlesen werden, ihn verkünden, hätten unseren Vätern die Widerstandsfähigkeit gegen Drohungen und Verfolgungen, wie auch alle Verlockungen, verliehen und müßte auch uns mit der Hoffnung erfüllen, daß die in vieler Beziehung so trübe Gegenwart auch wieder eine freundlichere Gestaltung annchmen werde. Ein Tanzvergnügen am Abend des Samstag vereinigte Hunderte van jungen Herren und Damen aus der nahen und weiteren Umgebung. Mainz. Herr Moritz Bern eh, der in verschiedenen Vereinen unserer Gemeinde mit au führender stelle seit Jahrzehnten segensreich wirkt und seit diesem Jahr auch als Mitglied dem Gemeiudevorstaud angehört, konnte in seltener geistiger und körperlicher Frische am 28. Sept. d. I. seinen 70. Geburtstag begehen. Wir wünschen ihm Ntit' cntrri “Na Mühlheim o. Main. In Offenbach, wo er seinen Wohnsitz hatte, verschied nach längerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, Herr Ben Zion Fried. Geboren in Mühlheim a. M., wurde er auf besonderen Wunsch hier gur letzten Ruhe bestattet. Innige Freundschaft verband ihn mit seinem Geburtsort, und so war "es kein Wunder, daß er bei Freud und Leid in unserer Kennen S i e unser Abholungsverfahren? Kostenloses Abholen von Sparbeträgen von ’/2 RM an in beliebiger Höhe durch unsere Gelderheber in Wohnungen, Dienst- und Arbeitsräumen Fernsprecher: Amt Gutenberg Nr. 3801 Stadtamt Nr. 718722 U.J760 Städtische Sparkasse HAINZ Mitte zu sehen war. Herr Leopold Isaak sprach an seinem Grabe einige Worte treuen Gedenkens. Worms. Mit dem Ende des Monats September beendet der im 71. Lebensjahre stehende Herr Neallehrer i. R. A. Getto mon seine durch eine Reihe von Jahren im Dienste des Landesverbandes ausgeübte Tätigkeit als Wanderlehrer. Herr Salomen hat seinem Alter zum Trotz mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit und mit unermüdlichem Pflichteifer seine große pädagogische Befähigung in seinem Amte eingesetzt und hat so zahlreichen Landgemeinden und insbesondere ihrer Jugend religiöse Belehrung zu bleibendem Segen angedeihen lassen. Der Oberrat des Landesverbandes hat Herrn Salvmon beim Scheiden aus seinem Amte den Dank und die.Anerkennung für feinen treuen und erfolgreichen Dienst ausgesprochen. Ein Teil der bisher von Herrn Salomon mtsgeübten Wanderlehrertätigkeit wird durch Beschluß des Oberrats Herrir I. Steinhauer aus Hungen, Absolvent des Würzburger Lehrerseminars, übertragen. Bücherschau. Beitrag zur (beschichte der Inden in Oberhessen von ihrer frühesten Erwähnung bis zur Emanzipation. Von R o s y B o d e n h e i m e r. (Aufsatz im Jahrgang 3 Heft 4 und Jahrgang 4 Heft 1 der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland".) Philo Verlag, Berlin. Die vorliegende Arbeit gibt einen wichtigen Beitrag zu der bisher im Zusammenhang noch nicht dargestellten Geschichte der Oberhessischen Juden. Das hetlte unter der geographischen und staatsrechtlichen Bezeichnung Oberhessen zusammengefaßte Gebiet ist aus einem lutntcn Gewirr einzelner Landesteile zusammengesetzt, die eine in sich verschiedene Geschichte hinter sich haben. Die vorliegende Arbeit gibt einen Ileberblick über die geschichtliche Entwicklung mehrerer Jahrhunderte und verliert sich hierbei nicht in die Untersuchung der einzelnen kleineren und größeren Gebietsteile von Oberhessen. Darüber hinaus gibt die Arbeit durch Heranziehung des Quellenmaterials auch wertvolle Hinweise für die Geschichte der Juden im gesamten Lande Hessen- Darmstadt. Mit großer Sorgfalt sind die Quellen des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, verschiedener fürstlicher und gräflicher Archive von Braunfels, Lich, Laubach, Asseuheim, Ortenberg und Büdingen verwendet worden. Auf diese Weise entsteht zunächst ein geschichtlicher Abriß der ältesten jüdischen Siedelungen in Oberhessen auf dem Gebiet der reichsunmittelbaren Reichsstäude und der hessischen Adelsgeschlechter. Die frühesten Ansiedlungen sind schon aus dem 12. Jahrhtmdert nachweisbar. Eine ausführliche Tabelle lveist die frühesten jüdischen Ansiedelungeit in den verschiedensten oberhessischen Orten mit Angabe der Quelle auf. In Münzenberg gab es im 12. Jahrhundert, in Friedberg im beginnenden 13. Jahrhtmdert schon eine jüdische Gemeinde. Später als die leichter zugängliche Wetterau ist der verschlossenere Vogelsberg besiedelt worden (erst im 14. Jahrhundert). Interessant ist die Feststellung, daß die Aufnahme der Juden in die größeren Städte mit der Stadtgründung überhaupt im Zusammenhang steht. Die geschichtliche Entwicklung zeigt dann das Schicksal der'Oberhessischen Juden unter den verschiedenen hessischen Landgrafen, besonders unter Philipp dem Großmütigen und seinen Nachfolgern in der Laitdgrafschaft Hessen- Darmstadt, unter denen dann auch die schon lange vorbereitete Vertreibung der Juden aus den Städten im Jahre 1662 eintritt, die wohl die schwerste Erschütteruitg jüdischen Lebens in Oberhessen darstellt, und voti der sich die jüdischen Gemeinschaften erst in der Zeit der Aufklärutig wieder erholen konnten. Größere jüdische Ansiedelungen finden sich utiter den adeligen Fürsten und Grafen, die im Gegensatz zu den Landgrafen von Hessen von dem ihnen zusteheiiden Recht der Judenaufnahme ausgiebigeren Gebrauch machten, besonders nach der erwähnten großen Vertreibung aus den Städten. Neben der historisch-politischen Entwicklung wird von der Verfasserin die rechtliche Verfassung der Judenschaft quellenniäßig nachgewiesen. Die „Judenordnungen" der einzelnen Landgrafen werden ausführlich gewürdigt und ebenso die den Rabbinern zustehende Sondergerichtsbarkeit über einzelne Klagesachen. 5