Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 7 (1932)
- Issue
- 10 (10.1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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F. A. D. Freiwilliger Arbeitsdienst. Bevor der Frage, ob durch den Landesverband ein freiwilliger Arbeitsdienst eingerichtet werden kann, näher getreten wird, ergeht an die in Betracht kommenden Jugendlicheil, das sind Personen zwischen 14 und 25 Jahren, hiermit die Einladung, sich bei dem unterzeichneteli Verbandsbüro anzumelden. Das Entgelt beträgt pro Tag 2 RM. All auszusührenden Arbeiten kämen evtl, in erster Linie Verbesserungen von Wegen und Eillzäunungen von Friedhöfen in Betracht. Solche, die sich befähigt halten, an der Herstellung eines hebräischen Katalogs mitzuwirken, werden gebeten, gleichzeitig mit ihrer Anmeldung, Angaben über ihre Ausbildurlg zu machen. Arbeiten, die ohnehill zur Ausführuilg kämen, sind vom FAD ausgeschlossen. Mainz, den 21. September 1932. Büro des Landesverbandes, Hindenburgstraße 44. Israelitischer Landeslehrerverein im Volksstaate Hessen. Nachruf. Am 9. Aw starb nach 1 ^jährigem Leiden im Krankenhause zu Darmstadt unser Mitglied Jakob Strauß, Griesheim, im Alter vom 60 Jahren. Derselbe war fast 40 Jahre im Lehrerberufe tätig, davon allein 25 Jahre in der kleinen Gemeinde Griesheim, wo er unter Aufbietung seiner ganzen Kraft pflichtgetreu den Anforderungen seines Berufes nachkam. Durch sein geringes Einkommen, das er dort bezog, war er gezwungen, in einem größeren Umkreis das Schächten zu vollziehen, so daß er bei Wind und Wetter, früh und spät, stets im Berufe stand und so frühzeitig seine Kräfte aufrieb. Trotz aller Lebensilot aber verlor er nie das einen frommen Lehrer auszeichnende Gottvertrauen, das ihn mit Liebe und Berufseifer seiner hohen Aufgaben als Erzieher und Lehrer in Israel zu wirken stets treu bleiben ließ, bis ein Schlaganfall seiner Tätigkeit ein Ende bereitete. Bei der am 12. Aw in der Synagoge zu Griesheim stattgefundellen Trauerseier brachte Herr Lehrer Kahn, Höchst i. O. die Teilnahme unseres Vereins an dem Verluste der Familie und Gemeinde in ehrenden Worten zum Ausdruck. Der Vorstand: Kahn, Alsfeld. Strauß, Offenbach. Rabbi Elia Loans Baal Schem, Rabbiner von Mainz. Von Lehrer S. Stern, Rüsselsheim. (Schluß) Ein ganzer Sagenkreis hat sich um diesen Namen gesponnen und ihm einen wunderbaren Nimbus verliehen.") Elia verfaßte mehrere Kommentare zu den einzelnen Büchern der heiligen Schrift und auch einen ausführlichen Kommentar zum Sohar (Glanz, grundlegendes Werk der Kabbala). In seinen Kommentaren hat Loans stets die kürzeste, einfachste und allsprechendste Erklärung gegeben. Oft lehnt er seine Ausführungen an Maimonides und Jbn Efra an. Pilpulistik hat er stets gemieden. Seine Werke sind: 1. Nillas Dodim, Kolllmentar zum Hohenlied, Basel 1600.") 2. Frankfurt Akiba, Semiros Wesischbochos, Lieder, beigefügt Wikuach Jajin Umajim (Disput zwischen Wein und Wasser, jedes sucht durch Bibelbelege, seine Vorzüge zu demonstrieren) Techinas-Gebete von seinem Schüler Elia Loans, Basel 1599. 3. Amude Schelomo (Gruildpfeiler Salomos) von Salomon Luria, Erklärungen zum Smag, herausgegeben mit Zusätzen von Elia Loans, Basel 1600. 4. Magie Zedek, Erkläruilgen zum Bachja, handschriftlich, Katalog David Oppenheimer. 5. Aderes Elia, ausführellder Kommentar zum Sohar, handschriftl. Katalog D. Oppenheimer 917. 6. Zofnas Paileach, Kommentar zum Tikone Sohar, handschriftl. Oxford. 7. Perusch Midrasch Rabos, Kommentar zum Midrasch, handschriftlich Oxford. 8. Kommentar zum Chowos Halwowos, Herzenspslichten, handschriftlich, Oxford. 9. Michlal Jofi, Kommentar zu Koheles, Amsterdam 1695 u. 1775. 10. Ewronos. Liwa Oppenheimer. 11. Begutachtung des kabbalist. Werkes Schefet Tal, Hanau 1620. Auch an Humor hat es diesem gelehrten Manne nicht geniangelt. In der Einleitung zu seinem Kom. Rinas Dodim zum Hohenlied hat er einen Beweis davon gegeben.") Hochbetagt hat er das Zeitliche gesegnet, und wurde mit großen Ehren 1636 zu Grabe getragen. Er wurde auf dem Wormser Friedhof neben dem Grabe des berühmten Maharil beigesetzt. Wormser Memorbuch S. 14 gedenkt seiner mit den Worten: „Der große Gelehrte der Thora verbreitet usw." Das Mainzer Memorbuch Nr. 160 gedenkt seiner mit den Worten: „Der große Gelehrte Rabbi Elia, Sohn des gelehrten Rabbi Möses usw.; der Thora in Israel verbreitet und viele Schüler aufgestellt hatte. Er war Rabbiner und Schulrektor in Fulda, Hanau, Mainz, Friedberg und Worms. Dafür, daß sein Sohn I o s s e l i n , Vorbeter der heiligen Gemeinde Mainz, eine Spende für Almosen seinetwegen gegeben, möge seine Seele usw." Auffallend ist, daß weder das Wormser (Seite 14) noch das Mainzer Memorbuch das ehrende Prädikat „Baal Schem" erwähnen. Dagegen wird im Mainzer Memorbuch sein Sohn, der daselbst 40 Jahre das Amt eines Vorbeters innehatte, und als Gottesmann gerühmt wird, der gleich seinem Vater viele Wundertaten verrichtete, Juda I o s s l i n Joseph, Sohn des großen gelehrten Rabbiners, Wundertäters Elia „Baal Schem" genannt.") Von seinem Familienleben wird berichtet?«) daß er zweimal verheiratet war; 1. mit Blümle, Tochter des Rabbi Rafael, welche 1630 starb^i) und 2. mit Jütle, die er im späten Alter heimgesührt hatte, sie starb 1635.22) Laut Eintrag im Mainzer Memorbuch Nr. 163 hatte Loans noch eine 3. Frau, Edel, Tochter des Schelomo Hakohen.") Vermutlich war diese seine erste Frau. Edel war die Mutter des Josslin Joseph, Vorbeter in Mainz. Diese Notiz scheint den in der Fußnote Nr. 20 angeführten Autoren entgangen zu sein. Loans hat durch die Tiefe und den Ilmfang seines Wissens, dnrch Demut und Frömmigkeit seines Lebenswandels, durch Schlichtheit und Sanftmut seiner Vortragsweise bei seinen Zeitgenossen überall einen unauslöschlichen Eindruck zurückgelassen. Er möge auch uns ein leuchtendes Vorbild sein. ") Elia Loans selbst war ein großer Freund von Sagen und Legenden, besonders solcher, die Bezug auf Worms hatten. Epstein die Famil. Luria S. 51 „Worms war ihm die Zierde aller Gemeinden." ") In der Bibliothek der israel. Gemeinde Mainz. i7) Aus zwei Gesichtspunkten habe ich meinen Kommentar „Rinas Dodim" ganz kurz abgefaßt: Sollte der Leser Belehrendes darin finden, so bin ich treu dem talmudischen Grundsatz gefolgt: „Der Mensch lehre stets auf kürzeste Weise." Wenn er aber nichts Erquickendes darin finden sollte, so habe ich ja gut getan, mich kurz gefaßt zu haben. Gleich jenem Weisen, der auf die Frage, warum er sich eine kleine Frau genommen habe, geantwortet: Wenn ich nun einmal gezwungen bin, ein Uebel zu wählen, so habe ich dieses in der kleinsten Quantität genommen. ") Mainzer Memorbuch Nr. 160. ") Mainzer Memorbuch Nr. 269. 3