Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-07-01 · 7 (7.1932) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
7 (7.1932)
Date
1932-07-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9582242-9623191-9621069--0905-9621073
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Aus uafcrcn Berbandsgemeinden. Alzey. Bei der am 8. Mai stattgehabten Wahl zur Steuervertretung wurden die Herren Karl Baum und Gustav Decker als Gemeindeabgeordnete in den Steuerausschuß gewählt. Friedberg (Hessens. Ein langersehnter Wunsch der Gemeinde, em Gemeindehaus zu besitzen, in welchem sich außer einer Gelegenbeit Wochengottesdienst, hauptsächlich im Winter, abzuhalten, auch geeignete Räumlichkeiten für Vorträge, Unterhaltungen, sowie ein Raum für die Jugend befinden, ging nun in Erfüllung. Ein in der Hauptstraße gelegenes Haus, das diesen Anforderungen vollkommen entspricht, konnte am Sonntag, den 29. 5. d. I. in einer wohlgelungenen Feier seiner Bestimmung übergeben werden. Das Haus bietet dazu noch den nicht zu unterschätzenden Vorteil, direkt mit der in der Judengasse befindlichen Synagoge in Verbindung zu stehen, so daß der Eingang zum Gotteshaus nunmehr auch von der Kaiserstraße aus ermöglicht ist. In einer erhebenden Feier, zu welcher die gesamte Gemeinde eingeladen war, begrüßte nach dem Abendgottesdienste der 1. Vorsteher, Herr Ferdinand Krämer, indem ^er einen geschichtlichen Rückblick gab, der zum Erwerb dieses Hauses führte. Er erflehte den Segen Gottes über dieses Haus und über die Gemeinde. Es folgte nun unter Leitung des Lehrers ^eelig das für diese Zwecke vorgeschriebene Lernen, die Rezitation der Psalmen und der Vortrag der Mischnah. Hierauf hielt Lehrer ^-eelig unter Zugrundelegung geeigneter Thorahworte die Weiherede. Zum ersten Male seit Bestehen dieser altehrwürdigen Gemeinde sind die Ghettomauern durchbrochen worden, stets befanden sich die Räumlichkeiten der Gemeinde innerhalb dieser Mauern. So wünschte der Redner, daß auch ferner innerhalb der Gemeinde der Geist der Zusammengehörigkeit gepflegt werde im Sinne unserer heil. Thorah. Hierauf folgte eine herzliche Begrüßung des Vorsitzenden des Bauausschusses, des Herrn siegs. Rothschild, dessen Initiative wohl der Hauskaus in erster Linie zu verdanken ist. Herr Dr. Rosenthal, der der Gemeinde, nicht nur als Vorstandsmitglied, sondern auch im Gottesdienste wertvolle Dienste leistet, beschloß mit einer durch Thorahworte verherrlichten Ansprache die Reihe der Reden. Bei Kaffee und Kuchen blieb man noch längere Zeit zusammen, in dem erhebenden Bewußtsein, ein schönes Gemeindefest gefeiert zu haben. Hungen, 7. Juni 1932. Durch euren schlichten Gottesdienst leitete am vergangenen Freitag abend die hiesige jüdische Gemeinde die Feier des hundertjährigen Bestehens ihrer Synagoge ein. Am 3. Juni 1832 war diese Synagoge eingeweiht worden. Am Samstag, vormittags 10 Uhr, fand anschließend an den üblichen Morgengottesdienst die Hauptfeier statt. An der Jubiläumsfeier nahmen außer Herrn Rabbiner Dr. Hirschfeld-Gießen, einige der früher hier wirkenden israelitischen Lehrer, viele ehemalige Gemeindemitglieder, der Herr Bürgermeister Fendt, Herr Pfarrer Bock und Herr Rektor Lchaad teil. Durch eindrucksvolle Reden und Ansprachen wurde der Bedeutung des Tages Ausdruck gegeben. Ter Frauenverein hatte sich unter Führung seiner Ersten Vorsteherin die Stiftung einer neuen Decke und eines Vorhanges angelegen sein lassen. Auch der im Weltkriege Gefallenen hatte man durch Niederlegung eines Kranzes am Kriegerdenkmal anläßlich des Synagogejubiläums gedacht. Mainz. Am 15. Juli kann Herr Kantor Max London auf eine 25jährige Tätikeit in der Gemeinde Mainz zurückblicken. Trotz einer schweren Kriegsverletzung ist Herr Kantor London allezeit eifrig und gewissenhaft bei seiner Arbeit und hat sich in diesem Vierteljahrhundert als Kantor, Lehrer und als Mitarbeiter im Dienste der Zentralwohlfahrtsstelle der israelitischen Religionsgemeinde Mainz große Verdienste und Anerkennung innerhalb der Gemeinde erworben. Wir beglückwünschen den Jubilar und seine Familie zu seinem festlichen Anlaß. Mühlheim a. Main. Hier verschied im gesegneten Alter von 81 Jahren Herr Metzgermeister David Stiesel. Ter Heimgegangene war bis in sein hohes Alter hinein ein regelmäßiger Besucher der Gottesdienste. Tie große Wertschätzung, die er hier gesunden hatte, zeigte sich an der großen Beteiligung bei seiner Bestallung; auch nichtjüdische Kreise erwiesen ihm die letzte Ehre. Herr Rabbiner Tr. Dienemann, Offenbach, schilderte in seiner Trauerrede in treffender Weise das Wesen und die Verdienste des Heimgerusenen. I82XJP Worms. Bei der am 19. Juni hier stattgehabten Vorstandswahl und der ersten Wahl zur Steuervertretung der Israelitischen Religionsgemeinde Worms wurden die Herren Adolf Kehr, Moritz Sobernheim, Isidor Kiefer, Bertold L> i n s h e i - m e r als Vorsteher auf sechs Jahre wiedergewählt und die Herren Emil T i n k e l m a n n , Leo Metzger auf sechs Jahre, die Herren Leo G r ü n f e l d . Moritz B a e r auf drei Jahre als Gemeinde-Abgeordnete gewählt. Worms. Am Sonntag, 26. Juni, wurde hier kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres der Nestor unserer Gemeinde, Herr Adolf Dinkelm-ann, unter außergewöhnlich großer Be¬ 4 teiligung zu Grabe getragen. Mit ihm ist eine selten beliebte und wertvolle Persönlichkeit von hinnen gegangen. Wem es vergönnt war, mit diesem Manne eine Unterhaltung zu pflegen, war erstaunt ob seines ungewöhnlich starken Gedächtnisses, dem kein Erlebnis von einiger Bedeutung aus seinem langen Erdenwallen entgangen war, war erstaunt ob seines Frohsinnes und seiner Weltweisheit, die aus allen seinen Lebensäußerungen sprachen und die ihm sicher die Arbeit des Lebens erleichtert haben. Sein Lebensgrundsatz war: Ehrlich, beharrlich und treu! Das gab ihm Kraft und Stärke in jeder Lebenslage, verschaffte ihm Anerkennung und Vertrauen, sicherte seiner Arbeit Erfolg, halfen ihm. sein geschäftliches Unternehmen zur gewollten Entwicklung und Blüte zu bringen, gab ihm bis in die letzten Tage hinein die Kraft, nicht zu verzagen, aus bessere Zeiten zu hoffen. L-eine Treue und Beharrlichkeit zeigte sich auch darin, daß, wenn er im Sommer sich einige Erholung gönnen wollte, er immer wieder sein ihm liebgewordenes Herrenalb aufsuchte. Diese Anhänlichkeit wurde denn auch dort erkannt und gewürdigt, ganz besonders bei seinem 25. Besuche, wö er aus Veranlassung der Kurverwaltung reich geehrt und mit der Ueberreichung eines wertvollen Andenkens an Herrenalb erfreut wurde. Seine' Wesensart gab sich auch dadurch zu erkennen, daß er fast allsabbaklich das Gotteshaus aufsuchte, wo es ihm, dem Leviten, des öfteren vergönnt war, zur Thora hintreten zu können. — So war es denn natürlich, daß der Heimgegangene sich überall großer Beliebtheit und Wertschätzung erfreute, daß insbesondere Kinder und Kindeskinder in ihm das Oberhaupt der Familie verehrten, ihm die Tage des Alters angenehm zu gestalten suchten, daß alle die, die ihn betreuend, immer um ihn waren, ihre Pflichten nicht als ein Muß, sondern als ein gern zu übendes Wollen auffaßten und betätigten. — Herr Rabbiner Dr. Holzer widmete dem Freunde tiefempfundene Worte der Verehrung und Wertschätzung, zeigte insbesondere, wie er auf allen seinen Betätigungsgebieten Vorbildliches geschaffen. Ein Angestellter der Firma Adolf Tinkelmann, Herr Müller, dankte namens des gesamten Personals dem väterlichen Berater, warme und herzliche Worte der Anerkennung fand auch Herr Petrenz, Vorsitzender der Vereinigung hessischer Lotterieeinnehmer. — Der teure Entschlafene, der Glaube, Menschenliebe, Hoffnung sich zu aller Zeit bis zu seinem letzten Atemzuge bewahrt hatte, sei uns immerdar ein Vorbild. Dann wird '7382? 87t Errichtung der ersten jüdischen Arbeiterkolonie - Produktive Arbeitslosenhilfe Landwerk Neuendorf Seit langem verfolgt die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge das Projekt der Errichtung einer jüdischen Arbeiterkolonie. Nach Ueberwindung mannigfacher Schwierigkeiten ist es nunmehr mit der besonders großzügigen Unterstützung des Preußischen Wohlsahrtsministeriums, des Preußischen und der anderen jüdischen Landesverbände gelungen, das Gut Neuendorf bei Berlin zu übernehmen, das die Möglichkeiten gibt, in größerer Zahl jüdische Erwerbslose sowohl in Landwirtschaft und Gärtnerei als auch in handwerklichen Nebenbetrieben zu beschäftigen. War diesem Projekt schon in wirtschaftlich gesünderer Zeit eine besondere Bedeutung beizumessen, da es allein in der Lage ist, unabhängig von den Schwankungen des Arbeitsmarktes einer größeren Zah! langjährig Erwerbsloser und damit völlig Entwurzelter Gelegenheit zu geregelter Arbeit zu geben, so ist ihm im gegenwärtigen Augenblick ein ganz besonderer Wert zuzuerkennen. Die steigende Zahl jüdischer Erwerbsloser, die Unmöglichkeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.