Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 7 (1932)
- Issue
- 7 (7.1932)
- Date
- 1932-07-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Die große derzeit herrschende Not und dadurch verstärkt an uns herantretende Anforderungen geben uns Veranlassung, anläßlich der bevorstehenden Feiertage um gütige Zuwendung von Geldspenden ergebenst zu bitten. Zentralwohlfahrtsstelle der israelitischen Neligionsgemeinde Mainz Postscheckkonto: Inkassostellr isr. Vereine Mainz Nr. 677 92 Amt Frankfurt a. M. Kultusministeriums für die größeren angeschlossenen Religionsgemeinden zwei Körper, nämlich neben dem Vorstand eine Steuervertretung, geschaffen haben. Das Selbstbestimmungsrecht der Gemeinden soll durch die Anwendbarkeit des Art. 9 des Hessischen Gesetzes vom 14. Dezember 1928 nicht aufgehoben werden; es ist jedoch unerläßlich, an Stelle der durch Art. 137 der Reichsverfasiung sehr eingeschränkten Zuständigkeit der Kreisämter für bestimmte im Gesetz bezeichnte Fälle ein Organ mit dem Recht zu Zwangsetatisierungen einzusehen. Die Arbeiten der Verbandsleitung haben fortschreitend an Umfang zugenommen, so daß die Bitte um Unterstützung durch die Verbandsgemeinden ausgesprochen werden muß. Arbeitsverminderung dürfte bei gutem Willen aller Verbandsmitglieder auch leicht zu erreichen sein. Wie bei Erhebung der Verbandsbeiträge, dem Erlaß der Gemeindesatzungen, den Anfragen nach der Zahl der beschäftigten Kriegsbeschädigten, so mußte bei jeder Gelegenheit die Wahrnehmung gemacht werden, daß die Arbeiten, die von dem Mainzer Büro freiwillig übernommen wurden, durch Säumigkeit und Flüchtigkeit unnötigerweise erschwert worden sind. Notwendige Arbeiten werden hier gerne geleistet, aber bei der Fülle der unabwendbaren Tätigkeit darf erwartet werden, daß die Vorstände der Verbandsgemeinden den guten Willen zur Mitarbeit nicht vermissen lassen. Unter Verzicht auf die Aufzählung der einzelnen Verwaltungsmaßnahmen kann festgestellt werden, daß die Verbandsleitung es an Initiative nicht hat fehlen lasten und stets das Wohl der Gemeinschaft zu fördern bestrebt war. Wiewohl in den Bemühungen um Neuanstellung von Lehrkräften der Oberrat mit dem israelitischen Lehrerverband Hessens nicht gleichen Schritt halten kann, so besteht doch die notwendige Fühlung zwischen Lehrerverband und Oberrat, und unser Schulausschuß hat allezeit das Möglichste getan, die Interessen des Lehrerstandes zu fördern. Zurückhaltung bei der Eingehung neuer Verpflichtungen ist um so notwendiger, clls leider die Steuerkraft der Verbandsgemeinden wesentlich zurückgegangen ist. Ein weiterer Rückgang ist zu befürchten, was die Arbeit an den kulturellen Bedürfnissen der hessischen Iudenheit in erster Linie beeinträchtigen wird. Wie aus dem Kassenbericht ersichtlich, sind im abgelausenen Geschäftsjahre von 33 Gemeinden keinerlei Beiträge an den Verband abgeführt worden, während andererseits die Ansprüche, die an denselben gestellt worden, gewachsen sind. Wegen der Er- und Unterhaltung von Friedhöfen an kleinen Plätzen war der Verband weiter bemüht. Neben der Unterstützung von Lehrer- und Rabbinerseminaren, sowie Wohlfahrtsanstalten usw. sind die Kosten des Lektorats Gießen im abgelaufenen Geschäftsjahre noch zum weitaus größten Teil von unserem Verband getragen worden. Die Vereinigung dieses Lektorats mit dem ab 1. April 1932 vom Preußischen Landesverband begründeten Lektorat Marburg wird durch Verminderung der Kosten in Gießen unsere Kasse entlasten. Obwohl derartige Ausgaben im Falle der Gründung eines Reichsverbandes auf diesen übergehen, dürfte dadurch eine wesentliche Entlastung für unseren Verband kaum zu erwarten sein. Trotzdem hat der Oberrat an allen Beratungen, die die Gründung eines Reichsverbandes zum Gegenstand hatten, teilgenommen und steht mit den anderen in der süddeutschen Arbeitsgemeinschaft vereinigten Verbänden dem Projekt der Gründung des Reichsverbandes, sofern dessen Verfassung es ermöglicht, durchaus sympathisch gegenüber. Einstweilen wird die auf Anregung unseres Vorsitzenden von der Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände ins Leben gerufene Reichsvertretung nach außen hin die einem Reichsverband zufallenden Geschäfte nach Möglichkeit wahrnehmn. Wir wollen hoffen, daß unser Landesverband lebens- und leistungsfähig erhalten bleibt, selbst wenn er, im Gegensatz zu anderen Landesverbänden, staatlichen Zuschuß noch entbehren muß. damit er auch in Zukunft bereit bleibt, soweit es seine Kräfte erlauben, in die Bresche zu treten, Lücken auszufüllen und das Bestehende zu erhallen. II. Verhandlungsbericht Es sind 43 Orte bzw. Stimmbezirke durch 83 Delegierte vertreten. Der Verbandsvorsitzende Kommerzienrat B. A. Mayer, begrüßt die Erschienenen und ersucht seinen Stellvertreter, Herrn Fritz Löwensberg, um Erstattung des Geschäftsberichts. Löwensberg gibt unter dem Beifall der Versammlung der Freude Ausdruck, daß der Verbandsvorsitzende so frisch und munter an der Tagung teilnimmt, verbindet damit die Hoffnung, daß er in gleicher Frische dem Landesverband noch lange, lange Zeit erhalten bleibe, erstattet den an anderer Stelle abgedruckten Geschäftsbericht für das Rechnungsjahr 1931, schließt den Wunsch an, einträchtia zusammenzustehen, damit es gelinge diese schweren Zeiten zu überdauern, und weist darauf hin, daß unsere Gemeinschaft in ihrer Jahrtausende alten Geschichte Zeiten durchlebt habe, die in materieller und ideeller Hinsicht schwerer waren, als die gegenwärtigen. Der Vorsitzende stellt fest, daß, da sich niemand zum Worte gemeldet hat, auf eine Generaldebatte über den Geschäftsbericht verzichtet wird, teilt mit, daß der Vorsitzende des Schulausschusses, Herr Rabbiner Dr. Sander, Gießen, am Erscheinen verhindert ist, und daß die Rechnung 1931 von beiden Revisoren geprüft und in Ordnung befunden wurde. 2 Es findet eine sehr eingehende Aussprache über den aufzustellenden Voranschlag, namentlich über Form und Umfang des „Mitteilungsblattes", über die Höhe des Bedürfnisses für eigentliche Verbandszwecke, und die Art der. Lastenverteilung statt. An den Debatten hierüber beteiligten sich der Vorsitzende, sein Stellvertreter, Lehrer Kaufmann, Schotten, Ebert, Osthofen, Moritz Berney, Mainz, Bankdirektor Benjamin, Darmstadt, Krämer, Butzbach, Oppenheimer, Oberingelheim, Rosenthal, Oppenheim, Mayer, Harxheim, Dr. Stahl, Bad Nauheim, Kiefer, Worms, Justizrat Dr. Goldschmidt, Offenbach, Benedict Levy, Mainz, Roth, Niederohmen, Justizrat Dr. Marx, Bingen, Rabbiner Dr. Levi, Mainz, Wartensleben, Oberramstadt, Frankfurter, Heusenstamm, Gumb, Offenbach, Krämer, Friedberg, Steinberger, Alsfeld, Lehrer Jacob Strauß, Offenbach, Schwab, Grebenau, Weiner, Worms, Scheuer, Monsheim, Kulp, Büdingen, Mayer, Oberolm. Es wird beschlossen, einen Vorschlag über die Lastenverteilung vom Oberrat ausarbeiten und allen Verbandsgemeinden zustellen zu lassen. Nach Eingang der Aeutzerungen hierzu soll ein außerordentlicher Gemeindetag über die diesbezüglichen Anträge beschließen. Einstimmige Annahme finden die mit Rundschreiben vom 25. Mai d. I. vom Oberrat beantragten Verfassungsänderungen.