Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 7 (1932)
- Issue
- 6 (6.1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Verhandlungsbericht. Der 1. Vorsitzende, K a h u, Alsfeld, eröffnet nach vorauge- . gaugeuer Vorstaudssitzuug um 10,30 Uhr die Versammlung und begrüßt die erschienenen Mitglieder, deren Zahl zunächst noch betrübend gering ist; doch füllt sich der geräumige Saal des Volksbildungsheimes bald in überaus erfreulicher Weise. 1. Es folgt der Geschäftsbericht (siehe Seite 3), an den sich eine äußerst lebhafte Aussprache anschließt. Der Vorsitzende gibt noch seiner Freude Ausdruck über die große Zahl der Versammlungsteilnehmer und begrüßt ganz besonders die anwesenden Junglehrer. * M a r x, Gießen, der den Vorsitz übernommen hat, bemängelt, daß man bei Anstellung von Wanderlehrern durch den Landesverband die Junglehrer nicht berücksichtigt habe. Es wurde ihm erwidert, daß bei Errichtung bon Wanderlehrerstellen noch keine Junglehrer da waren, und es kommt ferner zum Ausdruck, daß man doch nicht verlangen könne, ältere Kollegen, Familienväter, sollten den jüngeren Platz machen; allerdings fei zu wünschen und darauf zu dringen, daß solche Lehrer, die durch genügendes Gehalt oder ausreichende Pension versorgt sind, sich zugunsten jüngerer bzw. stellenloser Kollegen zurückziehen. In der weiteren Aussprache, an der sich die Kollegen Kahn, Höchst i. O., Strauß, Offenbach, Stern, Alzey, S e e I i g , Hungen, Seelig, Friedberg, Kaufmann, Schotten, Heß, Düdelsheim, Höxter, Heldenbergen, Voremberg, Reinheim, H a l b e r st a d t, Büdingen, Stern, Lauterbach, beteiligen, wird bittere Klage geführt über die unregelmäßige Auszahlung des Gehalts in vielen Gemeinden, es gibt Lehrer, die ein halbes Jahr und mehr warten müssen, bis sie wieder einmal ein Monatsgehalt oder eine Abschlagszahlung bekommen. Das sind unhaltbare Zustände, die unter allen Umständen beseitigt werden müssen. Bei der allergrößten Rücksichtnahme auf die wirtschaftlichen Verhältnisse, unter denen die jüdischen Gemeinden sehr zu leiden haben, muß doch gesagt werden, daß nur ein klein wenig guter Wille jedes Gemeindemitglieds uötig ist, um den vielleicht schon im Dienste der Gemeinde ergrauten Lehrer vor Enttäuschung und bitterer Not zu bewahren. Der Vorsitzende betont in seinem Schlußwort, daß vom Verein alles geschehen werde, um diese Uebelstände abzustelleu. 2. Der Vereinsrechner Müller, Bensheim, trägt die Jahresrcchnung vor. Der heutige Vermögensstand der Sterbekasse ist 2774,24 RM. Die Vereinskasse schließt mit einem Bestände von 024,32 RM. ab Die Rechnung wird geprüft und dem Rechner Entlastung erteilt. 3. Da der 2. Vorsitzende, Kollege Simon, Darmstadt, aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt hat, ist die Wahl eines 2. Vorsitzenden erforderlich. Aus Vorschlag wird Kollege Strauß, Osseubach, einstimmig gewählt. Er nimmt die Wahl an. Auch zum Mitglied des Oberrats des Landesverbandes wird Kollege Strauß gleichzeitig bestimmt. 4. Für Koll. L i ch t e n st e i n , der verhindert ist, referiert Koll. Strauß, Osseubach über das Thema: Gedanken über einen Lehrplan für den hebräischen Unterricht. Nach kurzem Rückblick über die Vorgeschichte der Entstehung der Ossenbacher Methode, bespricht der Referent eingehend die Stoffverteilung für die vier Grundschuljahre: 1. Vorstufe des Oles-Beth; (letztes Vierteljahr des 1. Schuljahres). 2. Fibelstuse, unter Zugrundlegung der Maudelbaumschen Fibel, (2. Schuljahr); 3. Stufe der sprachlichen Vorbereitung mit Benutzung der Sprachtaseln (3. Schuljahr); 4. Stufe der Tsilloh oder des Chummosch (4. Schuljahr); es wird jedem Lehrer überlassen, von diesen beiden dasjenige zu wählen, was er für das beste hält. Diese vier Stufen, der Grundschule bilden die Grundlage für allen weiteren hebräischen Unterricht. Die für einen erfolgreichen Unterricht erforderlichen Hilfsmittel: Anschauungsbilder, Mal- und Leseblätter, Lesekasten, Sprachtaseln, Lesemaschine und deren Verwendung werden gezeigt und finden großen Beifall. Nach einer kurzen Aussprache über die höchst interessanten Darlegungen, wobei Koll. Seelig, Friedberg, aus die anders geartetem Schulverhältnisse aus dem Laude hinweist, namentlich beim lluterricht in Filialgemeinden, und einen Lehrplan für Religionsunterricht an höheren Schulen als dringend nötig bezeichnet, ferner Kollege H o h e n e m s e r , Worms, das Musikalische, die Einübung religiöser Gesänge vermißt, ist die Tagesordnung erschöpft. Wegen vorgerückter Zeit muß der Vortrag des Kollegen Bayer, Bingen, aus'die nächste Versammlung verschoben werden. Mit einem Hinweis aus die schweren Zeitverhältnisse, die vielleicht im Herbst d. I. eine außerordentliche Generalversammlung erfordern, schließt der Vorsitzende die in schönster Weise verlaufene Tagung. Der Vorsitzende: D»r Schriftführer: K a h n , Alsfeld. K a' u s m a n n , Schotten. Dr. James Simon, der große Mäzen und Philanthrop, ist am 23. Mai gestorben. James Simon wurde 1801 in Berlin geboren. Als Ehes der weltbekannten Baumwollsirma Gebrüder Simon in Berlin spielte er eine führende Rolle im deutschen Wirtschaftsleben, war jahrelang Vizepräsident der Handelskammer Berlin und gehörte dem Verwaltungsrat der Reichsbank an. Er galt als einer der feinsinnigsten Kunstkenner und Kunstsammler und hat als Mäzen großen Einfluß aus die Gestaltung des Museumsweseus ausgeübt. Die Berliner Museen haben ihm eine große Bereicherung ihres Besitzes zu verdanken. Simon war Mitbegründer der Deutschen Orientgesellschast (1898) und beteiligte sich in starkem Ausmaße an der Finanzierung der Ausgrabungen in Mesopotamien, Palästina, Aegypten und Kleinasien. Das Wirken James Simon galt in hohem Maße dem sozialen Gedanken und der sozialen Tat. Berlin verdankt ihm die Schaffung der beiden ersten Volksbäder. Das Kolberger Kinderheim und der Berliner Verein zum Schutze der Kinder gegen Mißhandlung sind seine Schöpfungen. Er hat den Berliner Verein für Ferienkolonien ausgebaut und jahrzehntelang geleitet. Im Jahre 1901 gründete James Simon den H i l s s v e r e i n der Deutschen Juden, der dank seiner weitsichtigen Führung zu einem wichtigen Faktor im jüdischen Hilsswerk in Deutschland, Osteuropa und dem Orient geworden ist. Das Schulwerk im Osten und im Orient, die Auswanderersürsorge in Deutschland, die Organisierung großzügiger Hilsaktionen — mit all diesen Arbeiten des Hilssvereins war er aufs engste verwachsen. Ein besonders warmes Interesse widmete James Simon stets der Kindersürsorge und der Berufsausbildung der Jugend. Seiner Initiative ist es zu verdanken, daß der Hilssverein aus diesen Gebieten seiner sozialen Arbeit in besonders erfolgreicher Weise tatkräftig wirken kann. Der Hilssverein hat unter der Führung von James Simon sich stets die Verbreitung deutscher Bildung und Wissenschaft angelegen sein lassen. Er trägt zur Förderung deutschen Sprachunterrichts und zur Vermittlung deutscher Methoden und Erfahrungen aus dem Gebiet der sozialen und kulturellen Arbeit bei. Aus unseren Verbandstemeinden. Friedbcrg (Hessen). Am 30. Mai beging Herr Jsak Süßkiud, das älteste Mitglied unserer Gemeinde, seinen 89. Geburtstag in beneidenswerter körperlicher und geistiger Frische. Herr Süßkiud besucht trotz seines hoben Alters regelmäßig den Sabbatgottesdieust. Wir wünschen ihm, daß er auch das seltene Fest des 90. Geburtstages in ebensolcher Rüstigkeit begehen möge. Gießen. Am 13. Juni begeht der Immobilienmakler Gersou K a tz in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Das greise Geburtstagskind erfreut sich in allen Kreisen unserer Bevölkerung der größten Achtung und Beliebtheit und zeichnet sich in geschästtlicher Beziehung besonders durch seine Aufrichtigkeit und strenge Rechtlichkeit aus.' Wünschen wir dem Manne, der trotz seines Alters noch mit jugendlichem Interesse seinem Berus obliegt, daß es ihm vergönnt sein möge, noch lauge Jahre unter den Lebenden zu verweilen. Griesheim b. Darmstadt. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf unsere Gemeinde die Schreckensnachricht, daß Frau Henriette L o e b im kaum zurückgelegten 32. Lebensjahre ganz unerwartet aus diesem Erdenlebeu abgerusen worden sei, nachdem sie. noch kurz zuvor im Ort Besorgungen erledigt hatte. Mit ihrem Hinscheiden ist für den schwergeprüften Gatten, der mit ihr ein inniges Kennen Sie unser Abholungsverfahren! 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