Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 7 (1932)
- Issue
- 6 (6.1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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und harmonisches Ehelebcn geführt hatte, eine unaussüllbare Lücke entstanden. Die Verewigte hatte sich bei allen, die sie kannten, großer Beliebtheit erfreut, da sie viele schöne Eigenschaften in sich vereinigte. Ihre Herzensgute und Hilfsbereitschaft den Armen gegenüber, ihre Bescheidenheit, ihr liebevolles Wese.n gegen Bekannte und Freunde und vor allem der Geschästskundschaft gegenüber, gewannen ihr die Zuneigung aller Kreise. Von dem Ansehen, das sie genoß, legte das große Leichenbegängnis beredtes Zeugnis ab. Herr Rabbiner Dr. Merzbach aus Darmstadt, ließ au der Bahre ihr Lebensbild noch einmal in der ganzen Größe erstehen, wobei er das Menschenleben mit einem schnell dahineilcndcn Schatten verglich. Möge Gott die tiefe Wunde, die er dem Gatten und dem Sohne geschlagen hat, wieder heilen, so daß sie den schweren Verlust standhaft ertragen können. Groß-Gerau. Auf dem diesjährigen Kongreß des American College of Physicians in San Franzisko (Calis.) wurde Herrn Dr. med. Karl Rothschild, Leiter der Abteilung für Nerven- und Genrütskranke des St. Peter-Hospitals in Nerv Brunswick, New Jersey (U. S. A.) der Titel eines F. A. C. P. (Fellow of American College of Physicians) verliehen. Herr Dr. Rothschild, der durch diese höchste Auszeichnung, die die medizinische Wissenschaft der Vereinigten Staaten zu vergeben hat, geehrt wrrrde, ist ein Sohn von Herrn Lehrer Rothschild, Groß-Gerau. Heßloch. Hier wurde am Freitag, den 27. Mai, Herr Sigänund L ö v i zu Grabe getragen, der ob seiner Geradheit und Schlichtheit, ob seines ehrlichen, gottvertrauenden Wesens sich allgemeiner Beliebtheit und Hochachtung zu erfreuen hatte. Dies kam bei seinem letzten Lebensgange zum lebhaften Ausdruck. Angehörige aller Bekenntnisse, aller Schichten unserer Bevölkerung, gaben ihm in sehr großer Zahl das Ehrengeleite. Besonders schwer ist der Verlust für unsere kleine Religionsgemeinde. Er war es, der mehr denn 25 Jahre das heilige Amt eines Vorbctcrs in unserem Gotteshause versah und der dadurch, besonders aber durch die Art und Weise, wie er seines Amtes waltete, viel zur Erhaltung des religiösen Lebens in unserer Gemeinde beigetragen hat. — Am Grabe entwarf Herr Rabb. Dr. Holzer aus Worms ein getreues Lebensbild des Heimgegangenen, fand dabei eindrucksvolle Worte des Trostes für seine ausopferungssähigen Airgehörigen und wies im Hinblick aus die Zeiterscheinungen darauf hin, wie tröstlich und wohltuend eine Beileidskundgebung, wie sie hier zum Ausdruck komme, wirken müsse. — Der 1. Vorsteher unserer Religionsgemeinde, Herr Siegmund Krautkopf, rief dem Entschlafenen, der immer in seltener Zuverlässigkeit und Innigkeit seinen Posten ausgesüllt habe, herzliche Worte des Dankes und der Wertschätzung nach. — Der Krieger- und Soldatenverein ehrte 'sein treues Mitglied durch Abgabe der Ehrensalve. Sein Vorsitzender, Herr Halm, gab in herzlicher Weise namens des Vereins der Versicherung Ausdruck, dem toten Kameraden dauernd ein gutes Andenken bewahren zu wollen. Während dann von einer Gruppe des Vereins das Lied „Ich hatt' einen Kameraden" gespielt wurde, senkte sich zum letzten Gruß die Fahne in das Grab. -— Bald wölbte sich ein Hügel über die letzte Ruhestätte eines braven Menschen. Lampertheim. Am m konnte Herr Lehrer Jonas M eher seinen 70. Geburtstag und gleichzeitig das 35jährige Jubiläum seiner Tätigkeit als Lehrer seiner Gemeinde begehen. Herr Meyer, der aus Reichelsheim i. O. .stammt, seine Berufsausbildung im Kölner Lehrerseminar fand und als junger Lehrer erst in Westfalen wirkte, hat also die Hälfte seines Lebens der jüdischen Gemeinde Lampertheim gewidmet. Hier versieht er sein Amt noch so wie am Tage seines Eintritts vor 35 Jahren, in erstaunlicher körperlicher und geistiger Gesundheit zur allgemeinen Zufriedenheit aller Mitglieder seiner Gemeinde. Durch sein friedfertiges und allezeit freundliches Wesen hat er sich nicht nur die Wertschätzung und Verehrung seiner Gemeindeangehörigen, sondern auch darüber hinaus die Hochachtung weiter nichtjüdischer Kreise erworben. Auch innerhalb der hessischen jüdischen Lehrerschaft erfreut sich Herr Meyer größten Ansehens und Beliebtheit. In seiner Bescheidenheit hat Herr Meyer die Tatsache seines 70.. Geburtstages und seines 35. Ortsjubiläums einer größeren Oesfentlichkeit, die ihn ohne Frage wohl sehr geehrt hätte, vorenthalten. Es sei daher an dieser Stelle der Wunsch ausgesprochen, daß Herrn Meyer noch viele Jahre gleicher Gesundheit und Kraft beschieden sein mögen zur Freude seiner Familie und seiner Kollegen und zum Segen seiner Gemeinde und des Judentums. Mainz. Am 11. Mai d. I. war die Steuervertretung zur Beratung des Voranschlages und zur Fassung des Steuerbeschlusses, am 24. Mai d. I., der Vorstand zur Erledigung lausender Verwaltungsangelegenheiten versammelt. — Der Ausschuß der Zentralwohlfahrtsstelle war am 12. Mai d. I. zu einer Sitzung zusammengetreten. In der letzteren ist an Stelle des nunmehrigen Mitgliedes des Gemeindevorstandes, Herrn Moritz Berney, Herr Bankdirektor i. R. Bernhard Weis in den Vorstand der Zentralwohlfahrtsstelle einstimmig gewählt worden. Der Vorstand besteht 6 nunmehr aus bcu Herren Jakob Deutsch, Hermann Reiling und Bernhard Weis. Bei einer eingehenden Aussprache über verschiedene Fragen prinzipieller Natur wurde das Fehlen einer Darlehnskasse innerhalb der Gemeinde bemängelt, jedoch von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen, daß in der Jetztzeit das erforderliche Kapital nicht zu beschaffen sei. Seitens der Zentralwohlfahrtsstelle werden wieder, wie alljährlich, erholungsbedürftige Kinder in entsprechende Heime gesandt; weiterhin hat der jüdische Frauenbund die Unterbringung von Ferienkindern auf dem Lande irr Aussicht genommen. Ober-Ingelheim. Der im Jahre 1930 erworbene neue israel. Friedhof wurde am 22. Mai 1932 in Anwesenheit der Gemeinde durch Herrn Lehrer Langstädter geweiht. Leider mußte derselbe gleich zur Aufnahme voll den Eheleuten Jacob Mayer ulld dessen Ehefrau Sitta, geb. Rauh belegt werden, welche sich innerhalb 4 Tage nach einem segensrcichcil Zusammenleben in fast 40jähriger ehelicher, treuer Gemeinschaft im Tode folgten. Möge der erworbene Friedhof, welcher eine Größe von 1000 Quadratmeter hat, lange Zeit der Gemeinde als Ruhestätte ihrer Gemeilldemitglieder dienell. Wöllstein (Rheillh.). Bei der stattgesundenen Vorstandswah! der israelitischen Gemeinde wurde Herr Albert Mendel als erster Vorstand gewählt. Wöllstein. Am 22. Mai d. I. wurden die sterblichen Reste von Herrn Joseph Kausniann, der ein Alter von 80 Jahren erreichte, zu Grabe getragen. Von der allgemeineil Beliebtheit u. Wertschätzung des Verstorbeilen zeugte die Äilteilnahme bei der Beerdigung, an der sich neben der Gemeinde im besondereil die Feuerwehr mit Musikkapelle, der Kriegerverein und der Gesangverein beteiligte. Viele Jahre hindurch war er Vorstandsmitglied der Geineillde, um die er sich manche Verdienste erworben hat. Besonders sei hervorgehoben, daß er tu mehr als 50 Jahren an den hohen Feiertagen Schofar blies. Secher zaddik limrocho. Vereine und Verbände. Jsr. Mädchenansstattungs-Verein I Mainz. (Gegründet im Jahre 1724.) Bei der jüngst abgchaltenen Vorstandssitzung wegen Erstattullg des jährlichen ''Rechenschaftsberichts mußten wir leider seststellen,' daß sich unsere Mitgliederzahl vermindert hat. Wir wissen wohl, daß sich durch die Zeitverhältnisse viele in ihren Ausgaben einschränken müssen, aber es gibt auch noch viele, die in der Lage sind, 3 RM. pro Semester für ein gottgefälliges Werk aufbringen zu können. —■ Der Verein wurde im Jahre 1724 gegründet und hat sich die Aufgabe gestellt, arme, unbescholtene jüd. Mädchen auszustatten. So manches Mädchen konnte sich durch unsere Unterstützung eine Zukunft gründen und glücklich werden. Erst in jüngster Zeit konnte durch das Zutun des Vereins ein Mädchen dein Zuge seines Herzens folgen und ist eine glückliche Frau geworden. Wir bitten deshalb urisere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, unsere Bestrebungen gütigst zu unterstützen, damit es uns auch fernerhin möglich ist, im Sinne unserer Vorfahreri wirken zu können. Evtl. Anmeldungen erbitten wir an unseren Kassierer, Herrn Leopold Klein, Kaiserstraße 74. Der Vorstand. Bücherschau. Enzyklopaedia Judaica. Das Judentum in Geschichte und Gegenwart. Band 6: Von Drama bis Gabinius; Band 7: Von Gabirol bis Heß; Band 8: Von Hesse bis Jerusalem. Vor etwa einem Jahr wurden hier die Bände 4 und 5 der Enzyklopädie angezeigt und besprochen. Inzwischen liegen bereits drei weitere Bände vor und haben das auf etwa fünfzehn Bände berechnete Werk bis zur Hälfte aufgefüllt. Wie in den früheren Bänden ist das sehr fruchtbare Prinzip sestgehalten worden, unter einigen Stichworten größere Abbandlungen zu vereinigen. So finben sich in den drei vorliegenden Bänden unter anderem die Artikel Druckwesen (mit reichen Literatur-Angaben), Ehe (auch unter Berücksichtigung der vermögensrechtlichen Bestimmungen, verfaßt von Dr. S. Bialoblocki, Gießen), Emanzipation (unter Berücksichtigung der verschiedenartigen Entwicklung irr den vielen verschiedenen einzelner: Ländern), Emigration (mit Auswanderungsstatistiken), Finanz- und Börsenwesen (mit einem erschöpfenden Ilcberblick über die Beteiligung der Juden an der Entwicklung der modernen Banken und Börsen), Frankfurt a. M. (von dem Frankfurter Gemeindesyndikus Dr. Mayer