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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-05-01 · 5 (5.1932) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
5 (5.1932)
Date
1932-05-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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beit großes Diglat Pileser kennen, der Damaskus stützte, das 'N'ordreich Israel bis ans das Stadtgebiet von Samaria einzog und der äußere 'Anlaß der großen prophetischen Bewegung in Israel wurdewir lesen den hochtönenden Bericht des Sanherib über einen «iegeszug in Judäa, über die Einnahme von Lakisch und seinen unverrichteten plötzlichen 'Abmarsch von Jerusalem; »vir verstehen, warum Merodach (Mavdnckj Baladan, der Babylonier und Rivale der Assyrer, mit dem völlig Hiskia und anderen Kleinkönigen einen Bund schließen ivollte, um die assyrische Borberrschast zip brechen. Ganz besonders iilteressant ist es, nach den MeiU Inschristen zu versolgen, ivie diese Großmächte, die babylonische und im Wechsel mit ihr die assyrische, den Charakter des Fressenden an sich haben; so lag es in der Natur des mesopotamischen Großmacht, innuer weiter nach Westen und Süden vorzudringen, zunächst nach Syrien, dann nach Kanaan und über Kanaan nach Aegypteii. War die Großmacht irgendwie im Innern mit sich selbst beschäftigt, so gab das sür die kleineren Reiche, Damaskus, » asrael nsw., eine Feit der blühe und des Blühens; so konnte das israelitische Königreich unter Saul, David und Salomo um ^000 entstehen, iveil Assur damals gerade durch innere ^usstcinde genug mit sich selbst zu tun batte. Der tlächste Rivale sür Israel war Damaskus, und ivenn der Großherr außer Sicht U'ar, so machte sich Damaskus ans den Sprung, um Israel zu verschlingen, wie z. B. in der Feit Ababs; sobald der assyrische ^öive herannahte, blieb den kleinerei! Staaten nichts anderes übrig, als gegen den stärkeren sich zu Verbünden. Damaskus lvar zugleich das Bollwerk, das Israel gegenüber Assyrien vorgelagert inar; als dwses Bollwerk im Jahre 732 siel, da dauerte es nur noch zehn Jahre und das 'Nordreich Samaria verschivand gleichsalls aus der Geschichte. Weiter ersehen wir aus den Keilinschriften, ivie die kleinen Reiche des Südens in der Not naturgemäß nach Aegypten blickten, denn dieses rind die mesopotamische Großmacht stritten um die Weltherrschaft rind Aegypten war der ständige Gegner des größeren Kultnrüaatcs inr Norden; da aber das Nillaud ein zu schlaffer Organismus war, so versagte es immer im entscheidenden Moment. Die Politik der Propheten, die Ermahnung zum Stillesein und gottvertraiienden ^tillebleiben, erweist sich auch nach den Keilinschristen als die politisch einzig ~dmPc.- Gegenüber dem Ungeheuer Assyrien war eine politische Selbständigkeit absolut ausgeschlossen. Endlich dürsten wir wohl noch die Ergebnisse des Dell el-Amarna-Fundes sür die Kenntnis der israelitischen Geschichte anführen. Wir erfahren daraus, daß schon ums Jahr >400 die Stadt Uru'salim <Jerusalems eine bedeutende Fürstenresidenz war, eines der Stadtkönigtümer, in die das Land Kanaan zerfiel und die unter der .Hoheit des Pharao itanden; außerdem hören wir von den Ehabiri, schwärmenden Nomaden und Halbnomaden, die immer von Feit zu Feit von Esten oder Gliben her in das Kulturland der kanaanischen Stadtkönige einsielen uub sich von den letzteren als Söldner in dem beständigen Bruderkrieg anwerben ließen. Dieses Wort Ehabiri uürd mit dem Wort Hebräer identifiziert und man nimmt an, daß c>uch die Hebräer, aus denen die Israeliten hervorgingen (denn der Begris Hebräer ist weiter als der Begriff Israelitens in der gleicheit Weise schwärmend in Kanaan eindrangen, sich allmählich gruppenweise da und dort festsetzten, bis sie schließlich das Land nt ihren Besitz bekamen. Man hat auch darauf aufmerksam gemacht. daß wir in unserer Ansicht über den Urständ des Volkes Israel seit dem Amarnafund bzw. überhaupt seit den babylonifchen Ausgrabungen recht bedeutend umleruen müssen; hatte man sich früher das Volk Moses allzusehr in einem anfänglichen Nomadenstand gedacht, ans dem es sich politisch und religiös allmählich zu einem bäuerlichen Kulturvolk entwickelt hätte,'so sehen wir jetzt dasselbe von Haus aus in dem Bereich einer umfassettden Killtur ansässig. Das ist wichtig für die Geschichte Israels und für die Geschichte der Religion Israels. Und endlich bekonnnen irnr durch die Ausgrabungen Anlaß, über die Geschichtlichkeit der ersten Anfänge des biblischen Volkes und der Persönlichkeit des Mose etwas zuversichtlicher als bisher zu denken; seitdem jene graue Vergangenheit »nieder aufgestanden ist, können wir es Wohl nicht mehr für unmöglich halten, daß mehr als tausend Jahre später ein kleiner Rechtsstaat aus der Hand Möses hervorging. Die Politiker Israels und Judas haben einstens bald' nach Aegypten, bald nach Assyrien und Babylonien ausgeschaut, dem- Kaufen Sie bei den Inserenten unseres Blattes Kirchstraße 8 Telephon 3686 Aufmerksame und individuelle Bedienung Erstklassig ge.schulteKrärte Hygienisch eingerichtete . Salons Spezialität: Haarfärben, Wasser- und Dauerwellen. entsprechend ist sür die Kenntnis der israelitische» Geschichte unbedingt wertvoll, die Geschichte jener Kulturstaaten auch in den Einzelheiten zu wissen. In der Tat wird uns der Lebensgang des kleinen Völkleius in Kanaan erst recht plastisch uub in vielen Fügen erst recht verständlich, »venu das Licht der Keiliuschriftert darauf fällt und wenn »vir ihn in dein Buch der Weltgeschichte verfolgen, das ans den babylonisch-assyrischen Denkmälern geschrieben ist. Es ist dies m. A. nach der größte Nutzen, den die Keilinschristen uns bezüglich des Alten Testaments geleistet haben und noch leisten »verden, der Nutzen iiu Gebiet der Profangeschichte Israels. Verwandt damit ist der Die»»st, den die Keilinschristen der alttestamentlichen Forschung dadurch leisten, daß sie geographische und archäologische Bestimmungen, die die hebräische Bibel gibt, kontrollieren, bestätigen oder erklären; ebenso steht die hebräische Sprach»vissenschaft in einem lebhaften Wechselverhältuis mit der assyrologischen Grailtmatikkunde und Lexikographie . . . . Bücherschau. Vvm Buch, das tausend Jahre wuchs. Eine bibellvissenschastliche Snmmelschrist. Herausgegeben vo»» Dr. Max Ewloweitschik. Großoktav. Ganzleinen RM. 5.—. Welt-Verlags Berlin. Eine Parallelausgabe des Buches hat der Heinebund, Berlin, sür seine Mitglieder gebracht. Entstehung, Entwicklung und literarische Fixierung der int Pentateuch, in Josua und ' in den Richtern enthaltenen Ueberlieserungen. Die psychologischen Wurzeln der Prwphetpe als eines in Vorderasien heimischen Phänomens, das die Israeliten erst zu einer höheren Form der Gotteserkenntnis machten. Leben und Wirken der Propheten. Das nomadische Ideal im Alten Testament als eine der Quellen, der die Weltanschauung der Prophetei» entsprang. Tie Psalmen als Thesaurus der lyrischen .Kultuspoesie Israels von den rohen 'Anfänge»» bis zu de»» vollendetsten Hymnen. Literarischer Eharakter, literar- und religionsgeschichtliche Stellung der Dichtung nnb- Sage von» Manne Hiob in» Lande Uz. Der Israeliten Schuld au die Babylonier; und »vorin die Schüler ihre Lehrmeister übertrasen. Der biblische Kanon, d. h., »vie eine Anzahl von Schriften zur Heilige:» Schrift, »vie die jüdische Bibel zur Bivel »vurde. _ Soweit der Inhalt der acht Abhni»dlungei», die Männer wie^imou Bernseld, Karl Budde, A. Eanße, Gustav Hölscher, A. Kainenezki, Charles Foster Kent, Harry Torczyner und Paul Volz zu Verfasser»» haben, acht Gelehrte verschiedener Herkunft: Christen und Juden, Deutsche, Ainerikaner, Fral»zosei», Russen, und z^»m Teil Namen von internatioi»alem Ruf und Weltgeltung. Tie ^aiumelschrist ist als eine allgemeinverständliche Einführung in die alttestan»e»»tliche Wissenschaft gedacht. Sie null die Ergebnisse aus den Hauptgebiete»» der Forschung darlegei» u»»d die in letzter Feit mit Erfolg angeivandte»» Methode»» der literarische»» Analyse an präg- »»ante»» Beispielen illustriere»». Das Buch hat Anspruch aus Beachtuitg. Es hat ii» einer Feit, in welcher weiteste Kreise Iuteresse dafür empfiriden, eh» Problem ausgegrifsen und behandelt, »velches seit Iai»ge ei»»e »»euzeitliche Darstellung verdie»»te. Daß verschiede»»e Autoren in diesen» Sammelbuch zu Wort kommen hat z»var de»» 'Nachteil, daß die Einheitlichkeit in der Darslellui»g ilicht imtner gewahrt »verden kann; hat aber den Vorteil, daß die Probleme vo»» bei» verschiedensten Seite»» in Ai»griss ge»»on»ii»en und vielseitig »»»regend dargelegt »verder». Wir geben, um unseren Lesern» einen Einblick in die Behandlungsweise zu geivähren, an »»»derer Stelle dieses Blattes ei»» Stück aus dem Aufsatz: „Pa»»l Volz, Babylonische Einslüsse", »vieder, »velches von einem durch die Ausgrabungen der letzten Feit in den Vordergrund gerücktei» Fragengebiet Keu»»ti»is gibt. Tr. L. Hugo Marx, 'Amtsgerichtsrat Mannheim-Heidelberg. „Das Scklicksal der dcutschetr Juden in der sozialen Krise". Verlag Westdruckerei Wiesbadei» GmbH., Wiesbaden, 1032. 0.60 RM. Tie Iudenfrage ist ii» Deutschland eri»e»»t »»»it großer Dri»»glichkeit gestellt. Das enipsinde»» heute Nichtjudei» ebenso »vie I»»de»», Iude»»sreilnde »»icht »uiitbcr »nie Ii»de»»geg»»er. Die Itlder» bilden, soziologisch gesehei», in» »vesei»tliche»» eilte»» Teil des deutsche»» Bürgertun»s. Seil»e Existenz »vird durch den sozialen Umwälzungsprozeß, in den» »vir uns befinden, gefährdet. Diese Ei»t»vickl»»ng n»uß natürlich auch die Lage der Inder» tiefgehend berühre!». Es erhebt sich die Frage, ob die deutsche»» Juden außerhalb der Schicht des sozialen Bürgert»iii»s eine Existenz haben können. So »vird die Iudensrage jetzt zu einer Frage nach dem Schicksal der deutscher» Juden. Die Behandlung aller jüdische»» Frage»» leidet »neist darunter, daß die Erkenntnis durch W»»nschbilder »etrübt ist. Das Ergebnis miuibet dann in Romantik. Der Verfasser hat diese»» Fehler ver- »t»»eben. Mit bei» Methoden des historischer» Materialismus hat er i>» konzentrierteiter, zr»»>» Teil höchst zugespitzter und außerordentlich anrege>»der Form zilnächst eine Analyse der objektive»» Wirk- 6

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