Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 7 (1932)
- Issue
- 5 (5.1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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l ich keil belieben und bietet von dieser reuten Basis uns den Versuch einer konstruktiven Lösung. Der Verfasser erblickt die konstruktive Lösung der Frage in der Forderung: „D i c I u d e n in ü s s e n di e Ol echte n u t i o - n u l e r M i n d e r heit e n f ü r sich i n A n s p r n ch n c b in e n" und eine Form des Daseins rechtzeitig suchen und finden; „D i e s e F o r in u b e r kann in de r sich ent Iv i ck e l n d e n ö k o n o - in i s ch c ix Situ u t i o n nur die d e r b e r u s l i ch n mge - schichteten Minderbeit sein." In dieser positiven Forderung liegt die Schwäche des Lösnngsversnches: Nationale Minderheiten-Rechte sind nur dort durchznführen, wo zahlenmäßig starke Iudensiedlungcn sich finden, sichren aber auch zn einem Ghettoleben. In Gegenden schwacher Indensiedlnngen verfiele die jüdische Bevölkerung vollkommener Verlorenheit und der Auflösung. Dann aber ist zu bedenken, daß die llmstellnng der Inden ans handwerkliche Betätigung und Eingliederung in den Arbeiterstand unter gleichzeitiger Forderung nationalen Eigenlebens zu einem neuen Zwiespalt zwischen Inden und Arbeiterschicht, die beute ganz gewiß jede national-chauvinistische Betonung ablehnt, führen müßte. Tr. L. Der achte Jahrgang des „Morgen" beginnt mit dem Aprilheft. Er wird eröffnet mit einem Aussatz von H a n s B a ch : „Was kommt danach"?, an den sich ein Nachwort von H c i n r i ch F r i ck : „Wider die Aechtnng des Liberalismus" anschließt. . Mit^ diesen beiden Aufsätzen wird eine Anssprache über zeitgemäße Fragen, die das Judentum betreffen, eröffnet, über das strittige Thema des Liberalismus. — Einem brennenden Gegenwartsproblem ist der Aufsatz von Alfred Marcus „Die Berufswahl der Jugend" gewidmet. Von einer betrüblichen 'Aktualität ist ferner der Beitrag von M i ch a e l M ü l l e r - E l a u d i n s „Pshchologie des Hassens". Ans den Streitfragen der Gegenwart heraus führt der Schluß von I. <q eine m a n n's Artikelreihe „Die griechifche Weltanschauungslehre bei Juden und Römern" in die Vergangenheit hinein in das Werden des Diaspora-Judentums. L u d w i g N o senthals Beitrag „Jüdisches Mittelalter in Frankreich und Deutschland" legt Kunde ab von der kulturellen Verbundenheit des deutschen Judentums mit deutschem Geistesleben, auch in den Zeiten der Verfolgung und des Ghettos. Gedichte ans A r n o N a d e l s „Hebräischem Diwan" unterbrechen den Fluß der geistigen Auseinandersetzung mit der geschichtlichen und gegenwärtigen llmwelt. In zwei großen Buchbesprechungen — W ilhe l m Michel „Das Reich" und Eva R e i ch m a n n - I u n g m a n n .„Der llntergang des Judentums" — wird über die einfache Besprechung hinaus zu bedeutsamen kulturpolitischen Neuerscheinungen kritisch Stellung genommen. Eine Auseinandersetzung mit Konstantin Brunner, von M a u r i t i u s K a h n , beschließt das anregende Heft. —Der „Morgen" erscheint sechsmal im Jahr, jedes Heft ist ca. 100 Seiten stark. Abonnement durch jede Buchhandlung oder durch den Philoverlag, Berlin W 15, Preis Mk. 12.— jährlich. Das Judentum des 10. Jahrhunderts unter dem Einfluß der europäischen Geistesströmuugcn zu zeigen, ist das gemeinsame Ziel, dem mehrere Aufsätze des neuen Heftes der „Monatsschrift für Gesch.ichte und Wissenschaft des Indentttms" zustreben. Albert Lewkowitz Abhandlung über die Bedeutung der Bibel für die Weltanschauung Herders und Goethes, offenbar ein Beitrag zum Goethe- Gedenktage, begnügt sich nicht mit der Darstellung der Beziehungen Goethes zur Bibel im Laufe seiner Entwicklung, sondern er zeigt auch, wie Herders Anschauung von der Bibel als „geschichtlich individueller Welt hebräischer Geschichte" sowohl auf Goethe wir auch auf die jüdische Wissenschaft, insbesondere auf Graetz' Geschichtsauffassung gewirkt hat. Den Wegen, auf welchen die durch deutsche Wissenschaft beeinflußten Aufklärungsbestrebungen in den Esten drangen, geht B. Weinrhb nach. Welche schweren Verluste freilich die geistige Krisis im Judentum vielfach nach sich zog, zeigt I.'Caros neue Untersuchung der Beziehung Disraelis znm Judentum; er beleuchtet den Abfall, der sich in der Familie Disraelis allmählich vollzog, so daß der Vater, der Jude blieb, viel weniger seine Verbindung mit dem Judentum betonte, als der Sohn, der als Knabe seinen Uebertritt vollzog, trotz mancher antisemitischer Anfechtungen, die auch ihm nicht erspart blieben, getan bat. Man abonniert die Monatsschrift, indem mau Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Indentnms in Berlin wird und den iährlichen Mindestbeitrag von Mk. 10.— an die Gesellschaft (Postscheckkonto Berlin 7030) oder an einen der Vertranensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgeführt sind. Gladkow, F. Neue Erde, Roman. Verlag für Literatur und Politik, Wien-Berlin. Die Besvrechuug dieses Werkes erfolgt iu der nächsten Nummer unseres Mitteilungsblattes. Aus der Tätigkeit der Iugendbünde liegen eine Anzahl ausführlicher und durchweg erfreulicher Berichte vor, die wir der uotwendigcu Platzbefchränkung wegen kurz zusammenfassen: Der Bund Jüdischer Pfadfinder «BIP) im PIID. hat in Mainz Hwci Aelterengrnppen, die zweimal wöchentlich Heimabende abhalten. Daneben wird gewandert und mit dem „Hakoah" zusammen Turnen nnd Gymnastik getrieben. Am 20. Mai ist ein Werbeabend im Heim Klarastraße 13. Alle Jungs und Mädels tommen! Die Ortsgruppe Worms des BIP kann auf 7 Jahre Tätigkeit zurückschauen. Zur Zeit besteht unter W. Koru ein Boytursus, dem ein Iiu-Iitsu-Kursus folgen soll. Die Wölflinge, 11—14 Jahre, kommen Samstags, 14,80 Uhr, unter Leitung von Bä Ermianer zusammen, zu gleicher Zeit unter Lehrer Hoheuemser die Jüngeren von 3—11 Jahren. Gearbeitet wird nach der Badcn- Powell-Methode. Daneben bestehen unter Liesel Mayer und Lotte Honig Mädchengrnppen. Sonntags sind Fahrten vorgesehen. Ter I.I.V. Mainz brachte am 14. März einen sehr instruktiven Portrag des Herrn Amtmann Schlösser über den „freiwilligen Arbeitsdienst nach der derzeitigen gesetzlichen Lage", dem eine lebhafte Diskussion folgte. Am 13. April heendete Herr Rabbiner Dr. Levi mit einer Betrachtung der Peffach-Vorfchriften seine Religiöse Arveitsgemeinschaft, am 7. April referierte Herr Bürgermeister Dr. Krauß, Mainz, in außerordentlich fesselnder Weise über „Die politischen und wirtschaftlichen Gründe der Krise", wobei er fachlich und wirkungsvoll mit den Extremen rechts und links sich auseinandersetztc. Mit Loge und Zionistischer Ortsgruppe zusamuwn hatte man Dr. Ernst Simon-Haifa, eingeladen, der in seiner bekannten temperamentvollen Art von hoher Warte und dennoch klar und verständlich die „Geschichtsphilosophie des Marrismus" darlegte und kritisch beleuchtete. Beide Sederabende vereinten uns (am 1. 'Abend Aeltere, am 2. Abend Jüngere, zu froher Feier, eine hochherzige Stiftung ermöglichte es, eine große Anzahl Gäste zn laden. Die Leitung lag bei Einil Mannheimer. Neben diesen Veranstaltungen wurden verschiedene Arbeitsgemeinschaften und Wanderungen dnrchgeführt. Der I.I.V. Worms bot Ende März einen Vortrag von W. Zucker: „Positives Judentum und Kommunismus", eine Auseinandersetzung von zionistischer Seite mit Otto Heller. Eine Pnrimfeier war der Abschluß der Winterarbeit. Am 1. Mai fand eine Trefsnhrt des Hess. Landesverbandes des I.I.V. in Zwingenbcrg statt. Vorgesehen sind: vom BIP. ein Aelterenlager auf der Kapersburg bei Friedberg, ein Iüngercnlager in 'Auerbach a. d. B. während Pfingsten, zu gleicher Zeit vom I.I.B. Bingen eine Fahrt in den Hunsrück und Soonwald, zn der andere Vereine eingeladen sind, voin I.I.B. Tarmstadt Treffahrt nach der Bergstraße. Die Arbeitsgeincinschaft Jüdischer Jugend Tarmstadt sieht vor: 3. Mai: Dr. Isaak: Rezitationen von Bialikscher Dichtting, 10. Mai Karoline Bodcuheimer: „Jüdische Bräuche", 2. Juni I. Scheskin: „Achad Haam: Am Scheideweg", Referat und Diskussion. I.I.B. Mainz: O. Mai Redakteur Dr. Liehschütz: „Deutschfranzösische Verständigung", l O.Mai Emil Mannheimer: „Jüdisches in der heutigen Krise 71." 23. Mai Theo Lilienthal, Wiesbaden: „Abwehrfragen", 30. Mai RA. Mar Tschornicki: „Brüning oder Hitler", 17. Mai: Rezitationsabend von Inlins Unruh. Stellengesuche. 24jährige Bertänferin, bisher in der Kleidernnd Seidenstoffbrauche tätig, sucht Stellung iu gleicher Brauche oder auch im Kurz¬ oder Weißwareugeschäft. Gefl. Offerten unter Nr. 2121 au die ^chriftleituug des Mitteilungsblattes. Eingesandt. Die israelitische Religionsgemeiiide des -Stahl- und Luftbades Kvnig im Odenwald besteht ans 06 Seelen. Unter diesen hefinden sich elf Gemeindemirglieder, die zwischen 71 und 00 Jahre alt sind. Männer >vie Frauen dieses hohen Alters sind vollkommen gesund und geistig auf der Höhe. Wir lassen die Namen folgen: David Oppenheimer 70 Jahre, Hermann Speier 71 Jahre, Ferdinand Adler 73 Jahre, Hirsch Strauß 77 Jahre, Mar Mary 80 Jahre, Ahraham Ehrmann 00 Jahre, Kätchen Adler 73 Jahre, Therese speier 74 Jahre, Friederike Oppeuheimer /7 Jahre, Rosa Ehrmann 84 Jahre, Regine Herzfeld 88 Jahre. Es scheint, daß das günstige Klima, die reine, ozonhaltige Waldlnft des Badeplatzes sich fördernd auswirken. Die Israelitische Religiousgemeinde König hat einen schönen Gottesdienst aufzuweisen. Seit dem Tode des langjährigen Lehrers Ehrmann versieht Herr Ferdinand Frank, der auch in der ganzen Gegend die Schechito ausübt, den Vorbeterdienst. Für Fremde, die für kurze Zeit sich erholen wollen, kann das schön gelegene Bad König, das von herrlichen Wäldern nmgeben ist, empfohlen werden. Kurgäste, die Wert darauf legen, streng rituell, gut und preiswert verpflegt zu werden, kann man die am Platze befindliche .Pension Lohn bestens empfehlen. Zimmer mit fließendem Wasser sind vorhanden. Ein großes Schwimmbad, idyllisch gelegen, steht zur Verfügung. 7