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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-05-01 · 5 (5.1932) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
5 (5.1932)
Date
1932-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Zuerst begrüßte Herr Gumb die Mitglieder der Männer- und Frauenchevra: „Wie alljährlich, so habe ich auch heute die Ehre, L>ie namens des Vorstandes der Männer- und Frauenchevra herzlich willkommen zu heißen, den Vorstand unserer Gemeinde und die Ehrengäste 311 begrüßen. Es freut mich, feststellen zu können, daß Sie unserer Einladung so bereitwillig und fast vollzählig Folge geleistet haben. Dies zeigt uns, daß der Vorstand auf dem rechten Wege war, wenn er sich entschlossen hat, diesen unseren Ehrentag — trotz der trüben Zeitlage — festlich zu begehen. An diesem Abend fühlen wir uns iu unserer Gemeinschaft — fern der Mühsal des Alltags — auf einer Oase des Friedens im Gefühl unserer Verbundenheit und Zusammengehörigkeit. Dieses Gefühl zu pflegen, soll uns höchste Aufgabe sein. An erster Stelle im Gemeindeleben steht unsere Institution; werden doch die Funktionen von den Mitgliedern der Frauen- und Männerchevra in vorbildlicher Weise ausgeführt, was die Bewunderung Fernstehender erregt. Auf dieser Basis weiter zu arbeiten, wollen wir uns auch ferner verpflichten. In diesem Sinne begrüße ich als neues Mitglied der Frauenchevra Frau Kastellan. Ich heiße Sie in unserem Kreise herzlich willkommen und hoffe und wünsche, daß die Frauenchevra in Ihnen ein tätiges Mitglied gefunden hat und Sie sich der Pflichten, die Ihrer harren, wohl bewußt sind. Wenn wir auch den heutigen Abend festlich begehen, so hat der Vorstand — der Schwere der Zeit Rechnung tragend - sich Schranken auferlegt und das Mahl nicht so reichlich ausgestaltet wie in früheren Jahren. Dafür hat er beschlossen, einen entsprechenden Betrag für gute Zwecke zu verwenden. Wir hoffen aber trotzdem, daß das Gebotene Ihren Beifall findet, und so wünsche ich Ihnen namens des Vorstandes einen recht vergnügten Abend und einen guten Appetit." Hierauf nahm Herr Grüncwald das Wort zu folgender Ansprache: „Meine sehr verehrten Damen und Herren! „Wenn ich heute im Gegensatz zn sonstigen Jahren gleich zu Anfang das Wort ergreife, so hat dies eine ganz besondere Bedeutung. Zuerst möchte ich den Männern und Frauen den Dank für Ihre Tätigkeit im verflossenen Jahre aussprechen. Alle tätigen Mitglieder haben Ihre Pflicht in vollem Maße erfüllt, aber ganz besonderer Dank gebührt den jüngeren Mitgliedern der Frauen- Ehevra, die erst in den letzten Jahren eingetreten sind, und die, wenn sie gerufen wurden, stets vollzählig auf ihrem Posten wäre,'. Nun wird mir weiter eine angenehme Pflicht zn teil. In diesem Jahre sind es 25 Jahre, daß unser Mitglied, Herr Direktor G. Gabriel und der Gabbe unserer Chevra, Herr Sallp Gninb, unserer Ehcvra angehören. Dazu möchte ich Ihnen, ineine lieben Iubilare, im Namen des Vorstandes uiid der Cbevra meine herzlichsten Glückwünsche aussprechen und Ihnen für die Arbeit danken, die Sie in all ben Jahren geleistet haben. Der schönste Dank wird Ihnen zuteil in dem Bewußtseiii, eine der heiligsten religiösen Pflichten unseres Judentums erfüllt und den altjüdischen Gedanken der Brüderlichkeit immer wach gehalten 311 haben. Meinem lieben Mitarbeiter, Herrn S. Gumb, mit dein ich Arbeit, Leid imb Freud nun schon 22 Jahre teile und 18 Jahre lang gemeinsam die Geschicke unserer Chevra leite, muß ich einen besonderen ^ch'koach aussprechcn; denn niemand weiß es besser als ich, was er in den Jahren unserer Zusammenarbeit geleistet hat. Dafür dankt Ihnen die Chevra ganz besonders. Wir leben im Goethejahr, u.ud Uumun sollte ich bei unserer Kippesude nicht auch Goethe zitieren, und das Goethewort anwenden: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gilt!" Das war die Aufgabe, die Sie, lieber Herr Gumb und Herr Gabriel in diesen 25 Jahren sich gestellt haben. Möge Gott Ihnen die Kraft geben, daß Sie sich weiterhin der Erfüllung des Gebotes vom Gmiluth Ehessed widmen können als Vorbild und Zierde unserer Chevra Kaddischa." Herr Rabbiner Dr. Tienemann würdigte in seiner bekannten tiefgründigen Art die Bedeutung der Feier an Hand der Stelle des Morgengebetes: EfT? pxr E'-iE“ Ex Herr Instizrat Dr. Goldschmidt schlug in feinen Ausführungen die Brücke von dem tieferen Sinn der jüdischen Lebensgestaltung, wie sie auch in unserer heutigen Feier zum Ausdruck komme, zu der Welt- und Lebensauffassung unseres Altmeisters Goethe und wies im besonderen auf die Aehnlichkeit von Goethes größter und reifster Dichtung mit dem biblischen Stoff des Buches Hiob hin. Herr Direktor Gabriel dankte Herrn Grünewald für die ehrenden Worte, die er an seinen Mitjubilar, Herrn Gumb, und an ihn gerichtet habe. Diese Jubelfeier, die er als Markstein in seinem Leben betrachte, gebe ihm Veranlassung, Rückuitd Umschau zu halten, und so bekenne er denil, daß er immer bestrebt gewesen sei, das Gebot des Gmiluth Ehesed, das ihm vom elterlichen Hause 4 als Erbe überkornmen worden sei, das ihn schon in seiner hier verlebten Jugendzeit in ideelle Verbindung mit unserer Chevra gebracht, lind das er als Mitglied dieser Chevra betätigt habe, zu erfüllen. Auch draußen auf dem ^-chlachtfelde habe er getreu der Ueberlieserung und dem Geiste unserer Chevra gehandelt, wenn er den gefallenen Kameraden die letzte Ehre ertviescn habe. Er gelobe, daß ihm auch weiterhin tätige Menschenliebe Lebensaufgabe sei. Diesem Gelöbnis schließt sich Herr Gumb an. Herr Theodor Fürth ließ in seiner launigen Art die Speisefolge — seine Domäne — Revue passieren und Herr Hermann Bachenheiiner trug ein selbstverfaßtes Poem vor, das örtliche und Zeitverhältnisse in humorvoller Weise glossierte. Erst in der Mitternachtsstunde endete die schön verlaufene Feier und das Festmahl, für das Herr Grünewald wieder in der an ihm gewohnten vorzüglichen Axt besorgt gewesen war und das von Töchtern unserer Chevramitglieder in liebenswürdiger Weise serviert wurdö. Worms. Frau Witwe Reg ine Kahn, Nestorin unserer Geineinde, vollendet s. G. w. am 19. Mai ihr 91. Lebensjahr. Wer dies liest und dabei annimmt, in dem Geburtstaaskinde eine in sich gekehrte Frau zu finden, die nüt dem Leben abgeschlossen hat, der irrt sich gewaltig. Betritt er ihre Häuslichkeit, so sieht er sich einer sonnigen Frohnatur gegenüber, in der ein gesunder Geist den Körper meistert und ihn sich formt, sieht wie eine ihr innerrohnende seltene Tatkraft den Druck der Jahre abweist. Der Frohsinn, den ein gütiger Schöpfer ihr verliehen, ist ihr unvermindert geblieben, ihr Sehnen und Suchen hat sie nicht verlassen. Daruin wird der Verkehr mit ihr ein angenehmes, anregendes Erleben, darum fühlen sich Kinder, Enkel, Bekannte und Verwandte so stark zu ihr hingezogcn, darum lauscht mail gerile ihreil Worten, ob sie mm ihrer Familie oder dem öffentlichen Leben gelten, hört man gerne ihr abgeklärtes Urteil. Ein Müßigseiil gibt es bei ihr nicht. Darum greift sie gern auch zu einer Handarbeit, die, wie mail weiß, immer Hand und Fuß hat und jeder Beurteilulig standhält. Fragen wir nun, was diese Frail in allen Tagen und iil alleil Lebeilslagen so stark inld rege erhalten hat, so können wir sicher die Ursache darin finden, daß ihr Leben eine Verwirklichung der Schriftworte war: „Es ist dir gesagt, 0 Mensch, ivas gilt ist lind iuas der Ewige voll dir fordert: Recht tim, Liebe üben und bescheiden wandeln mit dem Ewigen, deinem Gotte." Möge die verehrte Frau' uns allen in diesen schweren Tagen ein nachahmenswertes Vorbild sein, mögen Gesundheit und Frohsinn ihr noch eine lange Reihe von Jahren ÜE2>p1 'UND Np erhalten bleiben! Vereine und Verbände. Tie Jahresversammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden. Am Donnerstag, den 81. März 1982, abends hielt der Hilfsveiein der Deutschen Juden unter Vorsitz von Dr. James Simon im Hotel „Der Kaiserhof" in Berlin seine Jahresversammlung ab, mit der eine Ehrung seines Vizevorsitzenden, Generalkonsul Eugen Landau, aus Anlaß seines achtzigsten Geburtstages verbunden war. Dr. Simon regte an, zu Ehren von Herrn Generalkonsul Landau in Würdigung seiner Arbeit int Interesse des Hilfsvereins seit seiner Begründung einen Eugen-Landau-Fonds zu errichten. In seiner Eröffnungsansprache führte Tr. Simon u. a. aus: Das Jahr 1981 war für die Juden eines der schwersten. In diesem Jahre erwies es sich, welch eine feste und unauflösliche Verbindung zwischen dem Hilfsverein und seinen Mitgliedern besteht. Auf den Appell des Herrn Max M. Marburg zur Schaffung eines Iames- <-imon-Fonds find 182 000 RM. gezeichnet worden. Den Finanzbericht erstattete der Schatzmeister des Hilfsvereins, Herr Direktor M. Ioachimssohn. Die Eingänge betrugen außer den Zuwendungen für den James-Siuion-Fonds 228 991 RM. Die Mehrausgaben betrugen rund 54 000 RM. und konnten aus den Reserven gedeckt werden. Dr. Wischnitzer erstattete den Tätigkeitsbericht. Tie Auswanderung im Jahre 1981 ist im Vergleich zu den vorangegangcncn Jahren stark zurückgegangen. In Kanada, Mexiko, Kuba, Argentinien, Brasilien, Australien und in anderen Ländern wurde in Rücksicht auf die wirtschaftliche Depression die Einwanderung erschwert bzw. noch mehr als bisher eingeschränkt. Die Vereinigten Staaten haben mittels administrativer Maßnahmen die Einwanderung radikal eingedämmt. Im zweiten Halbjahr 1931 ist ein neuer katastrophaler Rückgang zu verzeichnen gewesen. Es konnten nur 1455 Juden einwandern. Im Jahre 1931 passierten unter

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