Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 7 (1932)
- Issue
- 5 (5.1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Tnriilstadt. Tie neu nertriinbeie Arbeitsgemeiilschaft der jüdischen Fugend veranstaltete im Monat März zwei Ausspracheabende. Ter erste war Fragen der Familien- und Ehegemeinschaft gewidmet und wurde durch ein Referat von Ludwig Guckeuheimer eingeleitet. tlsach einem eingehenden Ueberblick über die besondere Lagerung der jüdischen Verhältnisse wurden die Fragen der sinkenden Eheziffer, des Geburtenstreiks und der Mischehe behandelt und dabei besonders aus die Wandlungen in den Tatsachen und Anschauungen hingewiesen. Eine lebhafte Tistussion sch los; sich ail. Ter ztveite Abend brachte ein Referat voll Friedet Spies über die Wandlungender Medizin in der Geistesgeschichte. Tiefer Zlveig der Wissenschaft Uuirbc, voll der Entwickllliig in der Antike ansgehend, bei der besonders nur die Bedeutung des Hyppotrateo hingetviesen wurde, in interessanten Allssührlmgen bis in die Gegenwart bineill verfolgt. Ter Abend führte noch zu einer Allssprache über die Einrichtung der sozialeil Hilfe bei den jüd. Fllgendverbäiiden lind zll deiil ellergischen Verlangeil der Fugend, daß unter Mittmrkllilg der einzelneil Organisationen auch in Tnriilstadt eine Stellenvermittluilg für jüd. Arbeitssllcheilde eiilgerichtet tverde. Fniil Pllrimsfest veranstaltete die „Argemiid" für die Fllgend einen bunten Abend, der mit einem reichhaltigeil Programm die zahlreich erschienenen Gäste aufs beste unterhielt. Besonders hervorgehoben sei die verdieilstvolle Arbeit der Herren Tombrower und Hirsch, die sich sowohl organisatorisch wie küilstlerisch bestens hervortaten. Herr Brill sorgte als Ansager für die gute £mme uer.Gäste. Ten Glanzpunkt des Abends bildeten die Borträge von Hranlein Nanna Stein, Wiesbaden, die mehrere Lieder sang. ,Haulenl Erika Wartenslebeil erfrellte alle Heiller mit einem Heinersong, und Fräulein Lindauer nilternahm es, sie in ein ichwabisches Tampfbad zu schicken. Ecl» zell sLber Hesse ns. Am 7. Mai cr. feierten die Ehelelite Moritz Adler und Frau Sara geb. tllegenslmrger, in körperlicher und geistiger Frische das Fest der goideileil Hochzeit. Herr Adler war während der Ariegsjahre Borstand der israelitischeil Gemeinde, unb hellte noch ist er Borsitzeilder des Wohltätigkeitsvereins. Friedberg. Saiilstag, den 9. April, lubcn die Füngstetl unserer Geilleiilde zu eiilem Uilterhaltuilgsabeild in die Räume des neuen Gemeindehauses ein. Unter Leitlliig von Frl. Steril, Gießen, verstanden sie es trefflich, ben zahlreich erschieneilen Zuschauern einen genußreichen Abend zu bieteil. Eillgeleitet durch einen tvirkungsboll vorgetragenen Prolog von Hannele Balliil erreichte de Veranstaltung dlirch zwei Solotällze der tOjährigen Friedl ^oilil ihren Höheplliltt. Erst gegen Mitterilacht trennte man sich voll der »lllilteren Schar und iloch lange wird der Abend im Gedächtllis der Gäste bleiben. Mainz. Am 7. April sprach im jüdischen Fugendverein Mainz Herr Bürgermeister Tr. Krauß. Maillz, über das Thema: „Politische unb wirtschaftliche Betrachtungeil zur gegeilwärtigeil Krise". Ter Referenck besitzt ilicht nur aus seiner Tätigkeit als Bürgeriileister und Wohlfahrtsdezerilent reiche praktische Erfahrllilgen, sonderil auch gediegene wisseilschaftliche Kenntilisse, dazu eine besoilders glückliche Art, die Tiilge in ihrer Realität zu sehen, aber auch den Blick hiilter die Tinge ilicht zu verlieren. Er verstaild es deshalb allch, trockeiles Zahlellinateriat geradezu fesselnd aliszllwerten. So gelang es ih»l, in seineiil Referat in etwa \'A Stundeil das Wichtigste zur augenblicklichen Lage zu sagen. Erzeigte die steigenden Arbeitslosenziffern, ihre Berkilüpfuilg mit ben Zahlerl der Politik, die Berschiebulig der Lasteil vom Reich auf die Gemeinden, die Berslechtuilg unseres wirtschaftlicheil und politischeil Verhältnisse mit denen des Auslandes. Bom statistischen Material aliSgehend lliiterzog der Resereilt die Prograiiliire der Radikalen links unb rechts einer objektiven Kritik, um zu beweisen, daß sie nicht im geringsten zu verwenden siild. Auch die Ideologien beider ertremen Grllppen — so konnte er tressend erweisen — halteil sachlicher .Kritik nicht stand. Zlim Schluß zeigte Herr Tr. Ara riß den einzig Nlöglichen Weg: ohire irgendwelchen übertriebenen Qptimismus für die Zukunft den stillen allfbau^ilden Weg der „Mittelparteien" (beren Verdienste gerade in den letzteil Fahren unb besonders in diesem Winter vor dem lauten Geschrei der Radikalen kaum noch beachtet werden», diesen einzig möglichen Weg weiterzugeheil unb die Verständigung mit den Verilüilftigeil in aller Welt oli suchen, weil nur alle Völker zusammen die wirtschaftliche Ordnung wiederh,erstellen könneil. Mit loirtfchaftlicher Beruhigung unb langsamem Allsstieg kommt von selbst der Zusammeilbrlich aller radikalen Ströiiluil'gen. Ter Vortrag fetnb außerordentlich starken Beifall. Als Leiter des Abends dailkte Tr. Picard dem Redner unb bat ihn um weitere klärende Vorträge, die allch zllgesagt wllrden. Es .nag' noch erwähnt werden, daß Herr Tr. Krauß bei der Kritik des Rechtsradikalismus besonders eindringlich mit ben antisemitischen Erscheinungsformen abrechnete. E. M. Mainz. Bei den am 17. April d. F. stattgehabtei, Wahlen der israelitischen Religionsgemeinde Mainz siild die Herren Morib Berney und Theo Weil als Vorstandsmitglieder, die Herren Siegfried Fourdan, Benedikt Levh, Fosef Plant und Lollis Hernmnn als Mitglieder der Stellervertretung, die Herren KarlWHepmaun und Fulius Metzger als Stellvertreter hierzu gewählt wor-denwAlS Vorstandsabgeordnete für die Stellervertretlmg wllrden^ in Per Porstandssitziulg vom 2. Mai d. F. der Erste Vorsteher tT: teil Vertreter Herr Jacob Telltsch», sowie die Herren Fritz Löweiwberg-und Tr. Ehrmann (Stellvertreter Herr Tr. Patil ^imon» bestimmt. F>l dieser Sitzuilg erfolgte die Amtseinführung der obengenawnten beidell Herren unb es wllrden an Haild des dem kollegilim früher überfaildwll Entwurfs des Ersteil Vorstehers die einzelneil Absätze der der ^teuervertretung zu untcrbrcilcubcu t'lnträge für Voranschlag und «tenerbeschluß 1!)tz2, nach mehrstündiger Beratung festgestellt. An Stelle der dlirch Tod allsgeschiedeneil seitherigen Mitglieder des Vorstandes siild Herr Moritz Bernep als Vorsitzender her Shnagogenkomiilission, Herr Tr. Ehrmanil als Vorsitzender 'der Friedhofskommission gewählt worden. Mainz. Am 19. April sprach in einer von Loge, F.F.V. >md Zionistischer Ortsgrtlppe gemeinsam eiilberufeneil Veranstaltliiig Herr Tr. E r n st S i nt o n - H a i f a. Ter Redner ist hier aus früheren Vorträgen bekannt, und seine sachliche, dabei begeisternde Art, Probleine darznstellen und ztl vertiefen, unb seine Zuhörer zum ticachdenken und Weiterdeuken zu veranlassen, hat ihm - hier eilten großeil Kreis von Frelindetl geschaffen. So war der große Gemeiildesaal überfüllt, als er diesntal über „Tie Geschichtsphilosophie des Marxismus" sprach. Fu etwa eüistündiger, fesselnder Rede defiilierte er zunächst die im Thema enthaltenen Begriffe, zeigte bernn die Quellen, atis deneil die marristische Geschichtsalifrasslliig schöpfte lRomantik, Hegels Tialektik uttb blirgerliche KlaffeilgeschichtSsclg-eib>lilgh stellte dann beit Marxismus klar heratis gegen den „litopischeil Sozialismus", und zeigte an Peispieleil, >rie Marx und Engels, gefouilt aus den Kräften der genannten Olielleil- Geschichte saheil liild darstellten. Zum Schllisse wies Tr. Siilloil die Fehlerquellen marxistischer Geschichtsvhilosophie nach lebenfalls mit gllt gewähltetl Beispieleil», ohne dabei den eigenen, geniigeild bekaililten Standpllilkt irgendwie zll betoneil. .'Er, vermied allch in den heute tobeuben Kampf, wer der rechte Nachfolger von Karl Marx ist, eillzllgreifeil. Es war eine Feierstunde, die Tr. Simon mit seiner überragenden Art der TarstellUng.den Hörern schenkte. Ter Logenpräsident, Herr Tr. Steril, hatte die Begrüßung des liebelt Gastes überilommetl, derVorsitzende des F.F.V., Herr Tr. Picard, gab dem Tank der Erschienenen Ausdruck. E. M. Nieder-Ohmen. Fn der vor ktirzem slattgesluidenen Neuwahl des Vorstandes wurdet, gewählt die Herren Emanuel Roth, Moritz Roth llild Adolf llioth. Ofsenbach «. M. Fiil Ntärz faild die gutbesuchte Generalversammluilg unserer Ehevra Kaddischa statt. Ter Vorsitzende, Herr Nathail Grüitewald, eröffnete die Sitzn-ng unb begrüßte die Erschienenen. Sodalln wlirdetl das Protokoll der vorjährigeil Generalversammlnng und der Kasseilbericht verlesen unb beide gntgeheißeil. ^Ter seitherige Vorstand — die Herren Nathan 'Grünewald, ^allp Gllmb und Hermailil Kallfmall» -wird einstimmig toiedergetvählt. Ztl Revisoren werden wiedertuil die Herren Leonhard Karnberg unb Hugo Oppenheimer bestimmt. Fm Berichtsjahre waren ltz-Todesfälle zu verzeichnen; der Vorsitzende stellt mit Geiillgtuung fest.-daß bei alleil der Ehevra obliegendell Tätigkeiten stetseitle. größere Aitzahl linserer Mitglieder anwesend war. Erfreulicherweise hat die Ehevra selbst keiiteil Verltist ztl beklagen. Herr Grünewald »teilt noch mit, daß in diesem Fahre zwei Mitglieder ihre llöjährige »Zllgeliürigkeit ztl uuferer Ehevra feiern könneil. Terell Würdignüg behält er sich bis znm ^tiftungsillahle vor. Tiefes fand aiit gAlwiMiige des “'““>"7 statt. Fn jedem Fahre, tveilil-wir Vas Stiftungsfest der Ehevra Kaddischa begeheil, und in . dem schölten Gemeindesaal bei der Stidob schel Mizwoh versammelt siild, umsängt lins alle eilte feierliche uub gehobene Stimmung. Wir e.wpfillden es ztltiefst, daß wir für eiilige Stnndell dem Lärmgeschrei der Straße, den Stiiilineil der Gewalt-, der Qual und der Sorge, der t-elbsllcht ltnd des Eigennutzes eiltrückt sind, Ulrd wir ilitserer höheren Bestimmllng wieder zurückgegeben Hub. Tiefe Stündeil sind darnul Sluttbcn der Selbstbesiiulung, in denen Herz und Gemüt Ailtrieb erhallen zlir Erfüllung der hohen Altfgab'eü,'betien auch unsere Ehevra dienen soll, der Pflicht der Menschenliebe, des Genlilllth Ehesed. Fit diesell stunden wird uns dietinnere.,Gewißh'lt, daß wir llils liur bann als gottebenbildlich empfindeil köllnen, wcilll wir diese Pflicht mit unserem ganzen Sein zu.erfüllen bestrebt silld. _ ' . . Tarlliil wareil allch alle Allsprachen währetld der Sndoh ans diese Sillllgebullg des StislUilgssesies abgestimmt. 3