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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-04-01 · 4 (4.1932) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
4 (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Friedberg (Hess.). Am Tage der Reichspräsidentenwahl fand m der Israel. Religionsgemeinde die Wahl des Gemeindevorstands statt. Zum ersten Male beteiligten sich an derselben auch die Frauen, welche durch die neue Gemeindeordnung aktives Wahlrecht erhielten. Die seitherigen Mitglieder des Gemeindevorstands Ferd. Krämer, Siegs. Rothschild, Th. Seligmann, Dr. Oppenheimer und Dr. Rosenthal wurden mit übergroßer Mehrheit wiedergewählt. Die Herren Albert Haas und Adolf Kann treten neu in den Gemeindevorstand ein. Ferd. Krämer und Th. Seligmann gehören nun seit 1914 ununterbrochen dem Vorstande an. Ersterer bekleidet seit 1923 das Amt des 1. Vorsitzenden und genießt in unserer 120 Familien zählenden Gemeinde größtes Vertrauen. Herr Krämer ist Mitglied des Oberrats des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden. — Herr Louis Hirsch, Mitglied des Stadtrats, wurde zum 1. Präsidenten der Handelskammer gewählt. Heusenstamm. Am 20. März d. I. beging der Israelitische Männer- und Frauen-Verein Heusenstamm eine Purim-Feier. Im schön geschmückten Saale strahlte jedem Eintretenden ein „Gut Purim" entgegen. Der 1. Vorsitzende, Herr Eugen Ehrrnann, begrüßte die fast vollzählig erschienenen Mitglieder und hieß vor allem die neuen Mitglieder herzlich willkommen. In Anbetracht, daß z. Zt. Awelim in dem Verein sind, hat man von musikalischen Einlagen Abstand genommen. Herr Eugen Ehrmann fungierte als Ansager und ließ durch Frau Moritz Eckmann mit einem Gesang die Feier eröffnen. Schulkinder trugen Gedichte vor und nach und nach war alles in fröhlicher Stimmung. Um 4 Uhr wurde Kaffee und Torte verabreicht. Zwischendurch hatte Herr Eugen Ehrmann fast für sämtliche Mitglieder ulkige Bemerkungen, die viel Heiterkeit erregten. Der Höhepunkt bildete die von Herrn Moritz Frankfurter bearbeitete Szene aus der Megillath Esther: das Zusammentreffen des Königs Ahasveros, der Königin Esther, des Ministers Haman und Mordechais, ausgeführt von den Schülerinnen Susi und Paula Ackermann aus Bieber, Berta Frankfurter und Beatrice Eckmann aus Heusenstamm. Die Ausführung wurde mit großem Interesse verfolgt und erzielte zum Schluß großen Beifall. Um die achte Abendstunde trennte man sich mit dem Bewußtsein, einige sehr angenehme heitere Stunden verbracht zu haben. Besonderen Dank verdienen noch die Damen Jda Frankfurter und Johanna Ehrmann für die Verabreichung von Kaffee und Torte. Offenbach. Herr Bernhard Golds ch m i d t feierte am 30. Mürz in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Aus allen Kreisen der Religionsgemeinde wurden ihm die herzlichsten Glückwünsche überbracht. Insbesondere dankten der Gemeindevorstand und der Vorsitzende der Jsr. Hilfskasse, deren langjähriger bewährter Kassierer der Jubilar ist, für die ersprießliche Arbeit, die Herr Goldschmidt dem Wohle des Vereins gewidmet hat. Möge ihm auch fernerhin seine jugendliche Arbeitskraft erhalten bleiben. Offenbach a. Main-Bürgel. Unsere Gemeinde beklagt den Verlust zweier unvergeßlicher Mitglieder. Am 23. Februar wurde Frau R e g i n e G r ü n e b a u m, geb. Grünebaum, im 81. Lebensjahre zu Grabe getragen. Herr Rabbiner Dr. Dienemann hielt der vor: jedermann verehrten, würdigen Greisin einen ergreifenden Nachruf. Er betonte ihre tiefe Religiosität, ihre Bescheidenheit und besonders die unendliche Geduld, mit der sie ein gar schweres und langjähriges Krankenlager ertrug. Bis zum letzten Tag aber bildete sie dank ihres regen Geistes den Mittelpunkt der Familie. Sie machte Anspruch darauf, bei allen geschäftlichen und privaten Angelegenheiten um Rat befragt zu werden, und dies geschah auch von Kindern, Schwieger- und Enkelkindern mit innigster Liebe und Dankbarkeit. Mit Recht lobte Herr Dr. Dienemann das herzlich rührende Verhältnis aller Familienangehörigen zu der Verstorbenen und ganz besonders die beispiellose Hingabe, mit der die jüngste Tochter die Mutter pflegte bis zum letzten Atemzuge. — In der gleichen Woche noch traf unsere kleine Gemeinde ein weiterer schmerzlicher Verlust. Herr Josef Heß, der Senior unserer Gemeinde, verschied im Alter von 91 Jahren. Von nah und fern waren Verwandte und Freunde herbeigeeilt, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Alle Konfessionen und Schichten der hiesigen und auswärtigen Bevölkerung waren vertreten, ein Zeichen dafür, daß der Verstorbene sich großen Ansehens und außerordentlicher Beliebtheit erfreute. Dem großen Trauerzug voran schritt*der Bürgeler Kriegerverein mit der Fahne. Josef Heß nahm teil an den Feldzügen 1860 und 1870 und war somit einer der wenigen Ueberlebenden aus der großen Zeit der Gründung unseres Reiches. Herr Rabbiner Dr. Dienemann entwarf am Grabe ein getreues Lebensbild des Entschlafenen. Er lobte seine Treue zürn Vaterland, zum Judentum und besonders seine Verdienste für die Gemeinde Bürgel, deren langjähriger Vorsteher und Vertreter er war. Besonders rühmte er seine Verbundenheit mit dem Gottesdienst, den er stets ehrenamtlich leitete. Noch am vergangenen Versöhnungsfest stand er vor dem Vorbeterpult und trug die heiligen Gebete des Tages und die Empfindungen der Gemeinde zu Gottes Thron. Heute trauert diese ganze Gemeinde um ihren Patriarchen. Sie wird des würdigen Greises Andenken in ewiger Erinnerung behalten. — Im Aufträge des RIF. sprach Herr Dr. Eugen Kamberg zu Herzen gehende Worte. Auch er wies noch einmal auf des Perstorbenen Verdienste als Jude und Staatsbürger hin und bezeichnete sein Leben als vorbildlich. Wallertheim (Rheinh.). Ter 1. Vorstand der hiesigen Gemeinde, Herr Emil Jsaac hat an die gebürtigen Wallertheimer, soweit ihm deren Anschriften bekannt waren, ein Rundschreiben versandt, worin er um Spenden zur Errichtung einer Friedhofsumzäunung bittet, da seine Gemeinde die verhältnismäßig hohen Kosten allein nicht aufbringen kann. Dem Ersuchen ist in sehr vielen Fällen auch entsprochen worden. Immerhin besteht die Möglichkeit, daß einzelne auswärts wohnende Wallertheimer das Rundschreiben nicht erhielten, die nunmehr, durch diese Notiz unterrichtet, ebenfalls ihr Scherflein beisteuern wollen. Auch evtl. Spenden von Stammesgenossen, deren Beruf sie nach Wallertheim führt, und die für hiesige Zwecke (Bau einer Turnhalle usw.) stets ihr Interesse bezeugt haben, werden gern und dankbar angenommen. Worms. Der J.J.V. Worms erfreute seine Anhänger im letzten Vierteljahr mit guten Programmen. Im Monat Januar sprach Lehrer Spier, Haigerloch, über: „Das Judentum und die Friedensidee". Ausgehend von der Stellung des Judentuins im biblischen Zeitalter bis zur heutigen Zeit, verstand es der Redner, seine Zuhörer sür sich zu gewinnen. Gretel Mayer, die leider Worms für längere Zeit verlassen hat, sprach in einer Arbeitsgemeinschaft über: „Hygiene der Juden". Ihr sei an dieser Stelle für ihre Arbeit im J.J.V. und in den Junggruppen herzlichst gedankt. Lehrer Hohenemser sprach über das sehr interessante Gebiet der Arbeiterdichtung. Rabbiner Dr. Unna, Mannheim, sprach in der folgenden Woche über: „Schächten und Schächtverbot". Der Redner, der auf diesem Gebiete in ganz Deutschland schon hervorragende Abwehrarbeit geleistet hat, gab uns umfangreiches Material in die Hand, um den Angriffen unserer Gegner antworten zu können. Gustav Sander, Mannheim, sprach über: „Jüdische Familiennamen" und verriet dabei eine große Kenntnis jüdischer Familiengeschichte. Lehrer Hohenemser besprach in einer Arbeitsgemeinschaft bemerkenswerte Artikel jüdischer Zeitungen. Darauf sprach Ernst Holzer über das Thema: „Nationalisten, Sozialisten, Juden". In tiefgründigen Ausführungen verbreitete sich der Vortragende zunächst über die Entstehung und Entwicklung politischer Probleme und Parteien, um dann nachzuweisen, daß es im Interesse der Selbsterhaltung der jüdischen Gemeinschaft liege, daß der jüdische Mensch, insbesondere der junge Jude zu den Lebensfragen des deutschen Volkes Stellung nehme. Die Freitagabendfeiern waren verhältnismäßig gut besucht. Den Abschluß unseres Winterprogramms bildete eine gemütliche Purimfeier. — Aus den beiden selbständigen Junggruppen ist zu bemerken, daß erfreulicherweise Eltern und Gemeindevorstand dem Wachsen und Gedeihen der Gruppen größtes Interesse entgegenbringen. Im großen Gemeindehaus ist wieder neues Leben. Die Nachfolgerin von Gretl Mayer ist Lotte Honig und ist dainit auch die Nachfolgerfrage glücklich gelöst. ■— Unsere Heimnachmittage beginnen: jeden Schabbos für die Knaben um 2% Uhr, für die Mädchen um 4 Uhr. Sonntag morgen um 10 Uhr Fußball und Leichtathletik. Alle 14 Tage ist Chorprobe. Jedermann ist herzlichst eingeladen, unsere Arbeit kennenzulernen. Vereine und Verbände. Am 9. März 1932 fand die diesjährige Generalversammlung des Israelitischen Franenheims Bad-Nauheim statt. Aus dem Bericht des Vorsitzenden ging hervor, daß das Heim auch durch die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse fehr mitbetroffen war. Mit einer Belegzahl von ungefähr 200 Kurbedürftigen blieb das Heim in der Kurperiode 1931 um ca. 100 Patienten gegenüber dem Vorjahr zurück. Leider mußte das Heim infolge der immer ungünstiger werdenden Verhältnisse schon am 1. September geschlossen werden, da die Patienten die Beträge, die sie für eine vierwöchentliche Kur zu entrichten versprochen hatten, nicht voll bezahlen konnten. Es mußte daher beschlossen werden, für die Saison 1932 Patienten nur dann aufzunehmen, wenn die festgesetzte Beihilfe im voraus vollständig bezahlt ist. Der diesjährige Kurbetrieb wird am 5. Mai wieder ausgenommen werden, der Vorstand gibt der Hoffnung Ausdruck, daß recht viele Kurbedürftige von der wohltätigen Einrichtung Gebrauch machen werden. Aus dem Bericht des Schatzmeisters sei erwähnt, daß ein Fehlbetrag von rund 7000 M. vorhanden ist. Es soll angestrebt werden, diesen Fehlbetrag durch Spenden zu verkleincru, cvtl. soll ein Darlehen zur Festlegung dieser Schuld ausgenommen werden. Das Heim dient der Aufnahme und Kurbehandlung von Herz- und Gefäßkranken, Rheumatikern, Jschiasleidenden und Erholungs- 3

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