Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-04-01 · 4 (4.1932) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
4 (4.1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9582242-9623191-9621042--0876-9621044
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

0. Den vom Schulnusschutz in feiner Sitzung vom 9. März Gefaßten Beschlüssen wird zugestimmt; es wird eine Anzahl Subventionen weiter, einige neu, sowie 10. zu Lasten des Rechnungsjahres 1932 einige einmalige Gratifikationen an Lehrer, die in ihrer Summe hinter der des Vorjahres Zurückbleiben, bewilligt. _ 11. Die Summe der iu 1932 zur Auszahlung anzuweisenden Stipendien soll die in 1931 nicht überschreiten und die Einzelbewilligungen sollen innerhalb der vom Schulausschutz sestgestellten Richtlinien verbleiben. Bekanntmachung. Am Sonntag, den 17. 2lpril d. I., von 9—14 Uhr, wird im Sitzungszimmer der Gemeinde, Hindenburgstraße 44, Eingang Gabelsbergerstraße, die Wahl von zwei Vorstandsmitgliedern und gleichzeitig, zur Neubildung einer Steuervertretung, die Wahl von sechs Gemeindeabgeordneten vorgenommen. Alle Stimmberechtigten werden eingeladen, zu der angegebenen Zeit sich persönlich einzusinden und ihre Stimme abzugeben. Die Durchführung der Wahl geschieht in Gemäßheit der Gemeindesatzung vom 24. März 1932. Mainz, den 4. April 1932. Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde: B. A. M a y e r. Aus unseren Verbandsgemeinden. Alsfeld. Nach einem längeren, schweren Leiden starb am 14. Jan. im Alter von 77 Jahren He^r Samuel Rothschild. Mit dem Verstorbenen sahen wir einen Mann von altgläubiger, tiefreligiöser Gesinnung, treu ergeben den geheiligten Idealen und Traditionen unseres Glaubens aus unserer Mitte scheiden. Der Heimgegangene erfreute sich in den weitesten Kreisen allgemeiner Beliebtheit und grötzten Ansehens wegen der Lauterkeit und Geradheit seines Charakters, der Güte und Milde seines Wesens. Seine Gattin, mit welcher der Verstorbene fast fünf Jahrzehnte eine harmonische Ehe und ein jüdisches Haus strengster Pflichterfüllung geführt hat, seine Kinder, welche er als gute Juden zu erziehen' bestrebt war, sowie alle, die den Heimgegangenen kannten, werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren. Alzey. Ter neue Vorstand der hiesigen Gemeinde setzt sich wie folgt zusammen: 1. Simon Oppenheimer, 1. Vorsteher, 2. Ludwig Koch 4., Schriftführer, 3. Albert Baum, 4. Ludwig Baum, Metzger, 5. Simon Marum. Alzey. Im ehrwürdigen Alter von 85 Jahren ist Herr Karl Neuberger noch im Trauerjahre seiner Gattin Mathilde Neuberger, geb. Belmont in die Ewigkeit gefolgt. Am 21. März hatte bei der Bestattung der Schwiegersohn des Verewigten, Herr Rabbiner Tr. Lewit, den Nachruf gehalten und ihn geschildert als -1 rTSN „als Mann der Treue, von dem viel Segen" ausgegangen ist. lSpr. Sal. 28, 20) 1927 war es den Gatten vergönnt gewesen, das goldene Hochzeitsfest unter grotzen Ehrungen zu feiern. In seinem Berufe als Kaufmann hatte er sich durch seine Zuverlässigkeit einen treuen Kundenkreis erworben. Auch in seinen Ehrenämtern hatte er die Krone des guten Namens, so als Vorstandsmitglied der israelitischen Gemeinde, bei der er als Schriftführer 12 Jahre fungierte. Die Mitgliedschaft zum Vorsteheramte war in seiner Familie traditionell, sein Vater Moritz Neuberger und sein Vetter Simon Neuberger hatten vor 80 Jahren den Synagogenbau veranlaßt. Im Musikverein war er mehr als ein halbes Jahrhundert im Vorstande und hat durch sein musikalisches Verständnis viel Gutes gewirkt. Auch war er hier der Begründer des Gabelsberger Stenographenvereins, von dem er zum 50jährigen Jubiläum mit dem Ehrendiplom ausgezeichnet wurde. Auch weitere Redner würdigten den Verblichenen. Herw Oberreallehrer Bumann in Alzey im Namen der Freimaurerloge Earl zum neuen Lichte, an der er 7 Jahre lang Meister vom Stuhl gewesen, und Herr Rektor Heinrich Pfasf im Aufträge der Grotzloge zur Eintracht in Darmstadt und der Wormser Loge zum wiedererbauten Tempel der Bruderliebe, deren Ehrenmitglied er gewesen. Herr Müller überbrachte Abschiedsgrütze der Loge zum Tempel der Freundschaft aus Bingen. Zu seinem 70. und 80. Geburtstage war er zum Ehrenmitglied sämtlicher hessischen Logen 2 ernannt worden, so von Alzey, Bingen, Mainz, Worms, Osfenbach, Gießen, Darmstadt. Er war ein vortrefflicher Diskussionsredner, sein Wort fiel in die Wagschale. Er war ein Kämpfer für die edle Sache des Judentums gewesen. Die sittliche Forderung Goethes war auch sein Lebensprinzip, edel, hilfreich und gut zu sein. Im Namen des Musikvereins hatte Herr Studienrat Dr. Müller liebe Worte der Anerkennung. Als geborener Alzeyer hatte der Verklärte und seine Ehefrau, deren Familien jahrhundertelange Stammbäume in Alzey haben, eine große Zahl Verehrer. Ihr Andenken wird in Ehren fortleben! Eberstadt. Am Sonntag, den 14. Februar d. I., starb infolge eines Schlaganfalls plötzlich Herr Dr. med. Theodor Ascher. Er war seit etwa 35 Jahren praktischer Arzt in Eberstadt und hat sich in dieser Zeit in seiner Wahlheimat nur Freunde erworben. Ganz besonders waren es die ärmeren Schichten der Bevölkerung des Ortes, denen seine ganz besondere Fürsorge galt. Nichts mag so die wahre Volkstümlichkeit des Verstorbenen beweisen, als der Ausspruch einer einfachen Frau beim Eintreffen der Trauernachricht: „Jetzt haben die armen Leute in Eberstadt ihren Arzt verloren". Eich. Am 21. März d. I. fand in der Synagoge zu Eich die Prüfung der israelitischen Kinder statt. Es sind dies vier Mädchen im Alter von 7 bis 11 Jahren und zwei Knaben, 10 und 11 Jahre alt, hiervon ein Junge aus der israelitischen Gemeinde Gimbsheim. Ilm das Interesse der Eltern an dem Schulunterricht zu wecken und um zu zeigen, was die Kinder bei Herrn Lehrer Salomon aus Worms gelernt hatten, hatte der Vorstand die Eltern und alle Gemeindemitglieder hierzu schriftlich eingeladen, die auch sämtlich erschienen. Herr Lehrer Salomon, welcher zweimal wöchentlich Unterricht hier erteilt, zeigte den Anwesenden, was im letzten Jahre mit den Kindern geleistet wurde. Er prüfte im Lesen, Uebersetzen, Religion und biblische Geschichte, nahch die Feiertage des ganzen Jahres, ihre Entstehung und ihren Zweck durch. Alle Fragen, die gestellt wurden, beantworteten die Kinder schlagfertig; man sah den Kindern an, wie sie mit Eifer und Lust dem Unterricht folgten und das, was sie Herr Salomon lehrte, behalten hatten. Jeder der Anwesenden war mit den Leistungen sehr zufrieden. Am Schluß sprach der 1. Vorsitzende im Namen der Gemeinde und Eltern Herrn Salomon den herzlichsten Dank aus mit dem Wunsche, daß er, trotzdem er am 1. April d. I. 50 Jahre als Lehrer tätig ist, noch recht lange in der kleinen Gemeinde gesund wirken möge. Eich. Am 10. April d. I. konnte Herr Abraham Schott seinen 70. Geburtstag begehen. Er wurde in Hamm, Kreis Worms, geboren. Seiner im Jahre 1892 geschlossenen Ehe entsprotzten drei Kinder. Seit vielen Jahren ist er 2. Vorstand der israelitischen Gemeinde, für die er — wo es immer auch gilt — stets mit warmem Interesse eintritt. Auch bei den Gemeindetagen Ides Landesverbandes bekundet er durch sein Erscheinen, daß ihm das Wohlergehen und die gedeihliche Entwicklung der jüdischen Gesamtheit am Herzen liegt. — Schwere Zeiten und trübe Tage waren ihm in seinem Leben nicht erspart. So hat er vor kaum einem Jahre seinem einzigen, jung verheirateten Sohne das letzte Geleite geben müssen. — In voller Rüstigkeit kann er noch seinem Geschäfte vorstehen und ist so ein regelmäßiger Besucher der Getreidebörse in Worms, wo er gern gesehen ist und besonders seines Witzes und Humors wegen sehr verehrt wird. — Wir wünschen ihm an der Seite seiner Gattin, die im nächsten Monat ihren 60. Geburtstag feiern kann, und im Kreise seiner Familie weiterhin körperliche und geistige Frische und vollste Gesundheit njp d'i'W) nKö

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.