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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-03-01 · 3 (3.1932) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
3 (3.1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Am Nachmittag sprach Herr Benjamin, Geschäftsführer der jüdischen Berufsberatung und des Arbeitsnachweises in Frankfurt am Main über die wirtschaftliche Krise der deutschen Juden. Er zeigte die wirtschaftliche Struktur der deutschen Inden vor dem Krieg, stellte die heutige, bekannte Situation gegenüber, die durch eine fortwährend anwachsende Pauperisierung (doch nicht Proletarisierung) des ehemaligen Mittelstandes gekennzeichnet ist. Auf diesen Mittelstand bauten sich die Genieinden und alle anderen jüdischen Institutionen auf. Notwendigerweise kommt Herr B. zum Schluß, daß die Gemeinden, die größtenteils sich der veränderten Lage weder in ihrer Struktur noch in ihrer Betätigung angepaßt haben, sich umstellen müssen, daß die Gemeindemitglieder zukünstig mehr mitzureden haben müßten, daß etwa nicht nur ein Etat nach Aufstellung und unumstößlichem Abschluß aufgelegt werden sollte, sondern die Positionen des Etats vor der Aufstellung den Gemeindemitgliedern zur Diskussion und Mitbestimmung vorgelegt werden müßten. Es sei höchste Zeit, große Teile des Etats für fruchtbringende Arbeit von Berufsberatung und Berufsumschichtung bereitzustellen. Das Allernotwendigste aber und die Voraussetzung zum Erfolg der Berufsberatung sei, daß überall die Juden sich auf ihre veränderte wirtschaftliche Lage besännen und sich in Lebenshaltung wie in der Bewertung des Handwerkers und Arbeiters umstellten. Der Jugend komnte hier eine große Aufgabe zu. Die Jugend muß „ran an die Gemeinde!" (nicht „rein in die Gemeinom", denn damit, daß irgendwo mal e i n Jugendlicher Parneß würde, sei nichts getan.) Die Gemeindeleitungen müßten irr fortwährender Fühlung und gegenseitiger Aussprache mit allen Mitgliedern undder Jugend insbesondere bleiben. Leider bewegte sich die Diskussion nicht immer auf der Höhe des Referates. Schuld daran war m. E. auch die oft sehr scharfe, schlagwortartige Zusammenfassung der Probleme durch den Referenten selbst, gegen die an sich nichts einzuwenden wäre, weil sie oft mehr sagte als in zehnmal längeren Ausführungen gesagt werden könnte, die aber hier, im Kreise doch meist sehr junger Menschen, falsche Auffassungen begünstigte. Am Abend vereinte ein gemütliches Beisammensein die Mainzer JJVer mit den Gästen. Musikalische und rezitatorische Darbietungen von Einheimischen und Fremden sorgten für Stimmung. Gemeindevorstand und Loge waren auf der Tagung übrigens vertreten. EM. Mainz. Am 16. Adar II (24. März) — nach bürgerlicher Zeitrechnung am 18. März — dieses Jahres sind 100 Jahre verflossen, seitdem die mit Vorabend verlebte Witwe von Martin Mayer, Roialie, geborene Coma, eine Urgroßmutter des derzeitigen Ersten Vorstehers der Gemeinde, zu Grabe gefahren und dainit der Leichenwagen der Religionsgeineinde Mainz seiner Bestimmung übergeben worden ist. — Am 19. April 1832 schrieb die „Neue Mainzer Zeitung" (Nr. 119): . . . Der prächtige Wagen für die Todten will nicht zu dem Tempel passen, in dein sich heute die lebenden Israeliten von Mainz zur gegenseitigen Erbauung versammeln." Der Oberbau des Wagens hat eine Veränderung nicht erfahren; es ist jedoch unterblieben, festzustelleu, ob die s. Zt. vorgesehene Beschriftung erfolgt war. — Herstellung und Lieferung geschah durch Josef Gastell zu dem aecordierten, in zwei gleichen, in den Jahren 1832 und 1833 fälligen Raten von je 350 fl. zahlbaren Preise. — Erneuerung des Wagens ist wiederholt erfolgt, zum letzten Male bei Erben des Herstellers, der Waggonfabrik Gebrüder Gastell in Mainz-Mombach. Aus der ratenweisen Zahlung ergibt sich, daß die Gemeinde — nach schweren Kriegsjahren — in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts in ungünstiger Lage war; mit G. H. erholte sie sich und ging bald einem Ausstieg entgegen. Man darf hoffen, daß auch die dermalige, durch den Weltkrieg verursachte Wirtschaftskrise bald ein Ende finden werde. Ober-Olm. Am 12. Februar wurde Frau Emma M a her, geb. Kramer, im Alter von 75 Jahren zur ewigen Ruhe bestattet. Sie war eine Wohltäterin, ein Esches Chajil, eine durch ihre Frömmigkeit und Bescheidenheit sehr beliebte und geachtete Frau. Sie hatte stets eine offene Hand für Arme und Kranke ohne Unterschied der Konfession. An ihrem Grabe hob Herr Rabbiner Dr. Levi, Mainz, ihre Verdienste hervor. Rüsselsheim. Die Herren B e n n i Adler und M o s e s Linz, die im Oktober 1931 bzw. Januar 1932 mit G. H. in ihr 71. Lebsjahr eingetreten sind, konnten in diesem Monat auf eine 50jährige Zugehörigkeit zu unserer freiwilligen Feuerwehr zurückblicken. Aus "diesem Anlaß wurden den Jubilaren die seltene Ehrung zuteil, mit dem Hessischen Feuerwehr-Ehrenkreuz dekoriert zu werden. Bei der stattgehabten Feier dankte Herr Bürgermeister Müller in einer erhebenden Ansprache den Jubilaren für ihre langjährigen, treuen, der Allgemeinheit geleisteten Dienste und betonte hierbei, daß es in unserer Ortsgemeinde niemals konfessionelle Unterschiede gegeben habe und auch solche niemals geben werde Er wies darauf hin, daß alle Einwohner unserer Gemeinde treue Bürger und treue Söhne unseres deutschen Vaterlandes seien. Mit dem Wunsche für die Gefeierten, noch lange gesund und munter in unserer Mitte zu weilen, schloß der Herr Bürgermeister^die erhebende Feier. S. Wallertheim (Rheinhessen). Im Alter von nahezu 78 Jahren starb am 4. Februar Herr Adolf Isaak nach einem arbeitsreichen Leben. Bei der Beerdigung am 7. Februar gab Herr Rabb. Dr. Levi, Mainz, in Vertretung des zuständigen Kreisrabbiners, da wegen des Neumondfestes keine Trauerrede gehalten werden durfte, eine kurze Würdigung von der Persönlichkeit des Verstorbenen und wies auf das schölte Verhältnis hin, das den Dahingeschiedenen während vier Jahrzehnten in seinem Beruf als Metzger mit einem nichtjüdischen Kollegen verband. In herrlichen Worten rief der Herr Rabbiner der Trauergemeinde jene vergangenen Zeiten ins Gedächtnis zurück, iu denen die Verwilderung der Sit ten noch nicht herrschte und wo man in jedem Menschen noch seinen Nächsten sah. Mit seinen trefflich gewählten Worten hinterließ der Herr Rabbiner einen tiefen Eindruck, besonders bei den vielen nichtjüdischen Teilnehmern an der Bestattung. Vereine und Verbände. Der Verwaltungsausschuß des Erholungs- und Altersheim für jüdische Lehrer und Kantoren E. V. gibt folgende Mitteilungen bekannt: 1. Wir haben beschlossen, den Kreis der Aufzunehmenden dahin zu erweitern, daß wir auch Gemeindebeamte aller Kategorien und Sozialbeamte nebst Ehefrauen, sowie deren Witwen als Mitglieder und als Insassen aufnehmen. 2. Der Verpflegungssatz wird für Dauerinsassen auf monatlich 120 M., für Ehepaare bei Inanspruchnahme eines Zimmers auf 230 M. ermäßigt. Der Tagespreis für das Erholungsheim soll in diesem Jahre 4.50 M., für die Pessach-Tage 5.50 M. betragen. Doch gelten diese Preise nur für Mitglieder. 3. In den Sommerferien haben Lehrer den Vorzug. 4. Anmeldungen und Anfragen an I. B. Levy, Frankfurt a.M., Ravensteinstraße 5. erbeten. 5. Es wird dringend um Einsendung der Mitgliederbeiträge für 1932 im Mindestbetrage von 5 M., sowie weiterer Spenden an das Postscheck-Konto des Erholungs- und Altersheimes für jüd. Lehrer und Kantoren e. V., Frankfurt a. M., 5680, gebeten. In diesen Tagen wurde in Frankfurt a. M. eine Ortsgruppe der Soncino-Gesellschaft zur Pflege des jüdischen Buches gebildet. Die Gesellschaft ist bekanntlich mit sehr beachtenswerten Publikationen hervorgetreten. Sie will durch die Ortsgruppe die persönliche Beziehung unter ihren Mitgliedern pflegen, und belehrende Vorträge und Diskussionen im Rahmen ihres Interessengebietes veranstalten. Zuschriften erbeten an Ludwig Ries, Frankfurt a. M., Sandweg 14. Tie Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, E. B. hält ihre diesjährige, dreißigste, Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 9. März, 20 Uhr pünktlich, im Logenhaus, Berlin W 62, Kleiststraße 10, ab. Herr Dozent Tr. A. L e w k o - Witz, Breslau, wird einen Vortrag: „Tie Stellungnahme zum Judentum in der Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts" halten und darlegen, wie die geistige Neubegründung des Judentums im 19. Jahrhundert in der Auseinandersetzung mit dem Geistesleben dieses Jahrhunderts erfolgte. Der auch für einen weiteren Kreis sehr interessante Gegenstand des Vortrages wird sicher zahlreiche Mitglieder veranlassen, die Versammlung zu besuchen. Gäste können eingeführt werden. Winterlager des Jüdischen Psadfinderbttudes Deutschlands. Ter Jüdische Pfadfinderbund im Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands hielt in den Weihnachtstagen in Zwingenberg an der Bergstraße ein Führerlager ab, das von 90 Führern der südwestdeutschen Gaue besucht war. Das Programm des Lagers galt der Erkenntnis der Situation des Judentums und der Auf- I^erinen S i e unser Abholungsverfahren l Kostenloses Abholen von Sparbeträgen von V--’ KM an in beliebiger Höhe durch unsere Gelderheber in Wohnungen, Dienst- und Arbeitsräumen Fernsprecher: Amt Gutenberg Nr. 3801 Stadtamt Nr. 718/722 u. 760 Städtische Sparkasse MAINZ 5

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