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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-03-01 · 3 (3.1932) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
3 (3.1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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aufweisen. Es lasen vor: Siegfried Löb: 1. „Die Völker und die Juden von Alfons Paquet und 2. „Die Stellung der deutschen Juden innerhalb des Volksganzen von Goslar. Lehrer Fuld hielt Vorträge über: 1. Die verschiedenen Parteien im Judentum; 2. Ueber den neuen Geist in der jüdischen Jugendbewegung; 3. Ueber die Bedeutung des Talmud. Max Britt referierte: 1. Ueber die Bekämpfung des Antisemitismus; 2. Ueber die jüdische Jugendbewegung und deren Bedeutung im Kampf um die Fragen der Zeit. Als auswärtiger Gast referierte Moses Weinberg. Friedberg, in radikal-zionistischem Sinne über das Thema: „Chanukka" und „Zionismus. M. F. Büdingen. Am 1. März 1932 konnte Herr Lehrer Halberst a d t auf eine vierzigjährige Lehrtätigkeit zurückblicken, die er im Jahre 1892 in Crainfeld begonnen hat. Nach kurzer Wirksamkeit in Crainfeld und später in Meckenheim (Rhld.) kam er im Jahre 1899 nach Büdingen und blieb dieser Gemeinde seitdem treu. Einer ganzen Generation hat Herr Halberstadt vom Katheder und Almemor aus jüdisches Wesen und jüdisches Leben gelehrt, und dre Verehrung und das Ansehen, die er weit über seinen engeren Wirkungskreis hinaus genießt, bezeugen, daß seine Arbeit Früchte trägt. Dies gilt in gleichem Maße von seinem Wirken an der Volksschule und im Kreise seiner christlichen Kollegen. Weit mehr jedoch weiß seine Gemeinde zu schätzen, daß Herr Lehrer Halberstadt jedem Einzelnen m guten und bösen Tagen zur Seite stand und es, wo es sein muß, an helfender Tat nicht fehlen läßt. Mögen ihm im Kreise seiner Angehörigen noch viele Jahre tatkräftigen Wirkens im Dienste des Judentums und der Allgemeinheit beschieden sein. _ W. Tarmstadt. Am 1*. Februar konnte Herr Nathan Schack aus Georgenhausen in körperlicher und geistiger Frische seinen 88. Geburtstag feiern. Der Jubilar war Kriegsteilnehmer in den Jahren 1866, 1870—71 und ist Inhaber verschiedener Kriegsauszeichnungen. Ter Herr Reichspräsident von Hindenburg ehrte ihn durch ein Glückwunschschreiben und Uebersendung seines Bildes mt t mit eigenhändiger Unterschrift. Die Ortsgruppe Darmstadt des Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ernannte den alten Kameraden zu feinem Ehrenmitgliede und ließ ihm durch eine Abordnung des Vorstandes eine künstlerisch ausgeführte Ehrenurkunde mit den herzl. Glückwünschen für einen frohen Lebensabend überreichen. Auch der Bundesvorsitzende des RIF., Kamerad Dr. Löwenstein, sandte im Namen des Bundes ein in herzl. Worten gehaltenes Glückwunschschreiben. Tarmstadt. Vor ea. 4 Wochen begann die „Arbeitsgemeinschaft jüd. Jugend" ihre Tätigkeit. Den Bemühungen der Herren Dr. Rothschild, Referendar Brill und Jos. Dombrower war es gelungen, gleich zu Anfang ein sehr wertvolles Programm aufzustellen, so daß das Interesse weitester Kreise geweckt wurde und Mitglieder der liberalen wie auch orthodoxen Gemeinde zu positiver Arbeit zusammenführte. Drei Vorträge und zwei Freitag-Abend- Feiern zeigten eine Besucherzahl, wie solche in Darmstadt nur selten erreicht wird! — In dem Zyklus: „Jüdische Jugend in unserer Zeit" sprachen bereits Herr Lehrer Lilienthal, Wiesbaden, über „Jüdische Jugend im Kamps"; Herr Ernst Holzer, Frankfurt, über „Fragen der Wirtschaft und Lebensgestaltung jüd. Jugend"; Herr Dr. Pomeranz, Frankfurt, über „Moskau und Jerusalem". Auf diese Themen, die heute aktueller und brennender denn je sind, folgten Diskussionen, die, wie die Vorträge, ein 4 sehr hohes Niveau besaßen. — Auch bei den Freitag-Abendfelern, die ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl bei allen Anwesenden weckten, bot die Arbeitsgemeinschaft ein auserwähltes Programm. Die erste Feier, die Herr Dombrower mit packenden Worten über „Weg und Ziel jüd. Jugend" einleitete, brachte nach einführenden Worten von Herrn Hirsch über Stefan Zweigs „Jeremias" Rezitationen daraus, die in hervorragender Weise von Frl. Wartensleben sowie den Herren Dombrower und Hirsch vorgetragen wurden. — Am zweiten Abend sprach Frau Prof. Goldstein m sehr interessanter Weise über „Reform-Judentum", während Herr Joseph den liturgischen Teil übernommen hatte. Zu einer Trefffahrt mit den hessischen Vereinen des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, die sehr gut und anregend verlief, batte die Arbeitsgemeinschaft ebenfalls eingeladen. E. W. Holzheim, Kr. Gießen. Moses Weinberg, 1. Vorsteher der jüd. Gemeinde Holzheim mit Grüningen, feierte am 19. Februar in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. Herr M. Weinberg hat sich in seiner 32jährigen Tätigkeit als l. Vorsteher um die Gemeinde besonders verdient gemacht. Die Renovierung des Friedhofs in Grüningen, die mit hohen Kosten verknüpft war, legt Zeugnis ab von seiner uneigennützigen, verdienstvollen Arbeit für die Gemeinde. Sein Verdienst ist es, wenn in der kleinen Gemeinde regelmäßig der Gottesdienst in der Synagoge stattfindet. Bei allbn Feiertagen versieht er die Stelle des Hilfsvorbeters. Er erfreut sich des größten Ansehens bei allen Teilen der Bevölkerung. Mainz. (Führertagung des Hessischen Landesverbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands.) Diese Tagung fand ani 24. Januar in dem neuerstellten Vereinsheim in der Klarastraße statt. (Die hellen, schönen Räume fanden den Beifall aller Erschienenen.) Es waren die JJV Mainz, Frankfurt a. M., Offenbach, Worms, Höchst a. M., Bingen, Kreuznach unnd Gelnhausen vertreten. Edgar Gerson, der neue Verbandsvorsitzende, leitete mit Umsicht die Tagung. Der Vormittag brachte die Berichte der Vereine, aus denen das bisher Geleistete sichtbar wurde und gewiß jeder Einzelne Anregungen von den anderen mitnahm. Eine längere Debatte gab es wegen der Freitag-Abend-Feiern. Während an vielen Plätzen eine außerordentliche Diskrepanz zwischen dem Interesse an aktuellen Diskussionsabenden und dem an jüdischen Dingen besteht, konnte der JJV Mainz zeigen, daß auch heute Freitag-Abend-Feiern nicht nur notwendig, sondern auch möglich und so interessant zu gestalten sind, daß eine größere Anzahl der jungeri Mitglieder sich beteiligt. Gerade heute, wo der Kampf um die Existenz und leider ebenso häufig der Kampf um Arbeitsmöglichkeit unsere jungen Menschen ganz in Anspruch nimmt, muß bewiesen werden, daß es außer der Gestaltung der materiellen Existenz noch darüber Hinausgehendes gibt, mit dem wir uns befassen müssen, was wir unseren jungen Menscheil nahebringen müsseil. Auseinandersetzung mit den wirtschaftlichen und politischen Fragen unserer Zeit? Ganz gewiß! Aber jenseits, vielmehr über diesen Fragen soll das Sich-vertiefen in die Werte unseres jüdischen Seins stehen. Doch ist die Gestaltung gerade jüdischer Feiern und die von ihnen ausgehende Wirkung letzten Endes eine Frage der gestaltenden Persönlichkeiten. (Aber eben deswegen sollte kein Verein, weil vielleicht bisher Versuche scheiterten, es unterlassen, wieder die Einbeziehung der Freitag-Abend-Feiern ins JJV-Progranim zu versuchen.) Ferner beschäftigte sich die Aussprache mit der Abhaltung einer Reichsdelegiertentagung an Pfingsten 1932. Eine Mehrheit war für eine derartige Tagung in bescheidenem Rahmen.

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