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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-03-01 · 3 (3.1932) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
3 (3.1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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ga&en des Bundes in dieser Situation. Aufbauend auf einem Referat ^über „Die geschichtlich gewordene Situation der Juden in Deutschland" und einem Referat über „Die Lage der Juden in Europa im allgemeinen und in Deutschland im besonderen", sprach Kurt London, der Bnndesleiter des JPB., über „Aufgaben, Ziele und Wege des JPB.". Der Darlegung wichtiger Einzelprobleme des heutigen Judentums galten Referate über „Die Lage der Juden in Palästina" und „Jüdische Sozialpolitik". Eine Arbeitsgemeinschaft über „Gesetz und Verpflichtung" wies die Grundlagen der Pfadfindererziehung. Die auf dem Lager versammelten Führer zeigten den festen Willen, den JPB. als den größten Bund der jüdischen Jugendbewegung Deutschlands einzusetzen zur Aktivierung und Einigung des deutschen und des Gesamtjudentums. — Außer diesem Lager fanden Wintersportlager des JPB. statt in Jachenau für die Gruppen Nürnberg und München, aus der Wülzburg für Nürnberg, im Riesengebirge für Teile der Berliner- Gruppe, in der Nähe Berlins für Teile der Berliner Gruppe und im Sauerland für die westdeutschen Gruppen. Bücherschau. Prag, Jatvb, "^'-.'7 “OS1? Lehrbuch für einen elementaren Unterricht in Raschi, Verlag C. Boas Nächst, Berlin E 2, Neue Friedrichstraße 09. Preis 2.50 RM. Die Zeit, welche für den jüdischen Religionsunterricht und innerhalb dieses für den Unterricht in der hebräischen Sprache zur Verfügung steht, ist heutzutage bedauerlicherweise sehr knapp beinessen. Das Lehrziel ist infolgedessen sehr kurz abgesteckt. Die jüdischen Kenittnisse, die vor 2 Generationen noch als selbstverständlich uttd allgemeiit gültig angesehen wurden, werden heute nur noch von eiitem kleinen Teil der jüdischen Schuljugend erreicht. Selbst zur Beherrschung leichter stücke aus delt Werken Raschis, dieses populärsteil Bibel- und Talinuderklärers, dringen heutzutage nur wenige junge Jttden vor. Dies liegt zum Teil daran, daß die Raschischrift sich von der hebräischeit Quadratschrift unterscheidet. Jakob Prag hat es nun unternommen, ein Lehrbuch für einen elementaren Unterricht in Raschi zusammenzustellcn. Er rnußte hierbei zwar die Kenntnis elemeittarer grammatikalischer Regeln der hebräischen Sprache voraussetzen, hat aber in methodischem Aufbau ein OWerkchen geichaffen, das sich sowohl für Selbstunterricht eignet, wie auch in den Schulen als Handbuch für die Einführung iu die Schrift, die Sprache und die Gedankenführung des Raschikommentars Verwendung finden kann. Die Benützung des Buches wird dem Lehrer Zeitersparnis bringen und dem Schüler die Möglichkeit geben, den notwendigen Lernstoff durch häusliche Wiederholung einprägsamer iestzubalten. Das Werkchcn stellt einen dankenswerten, neuen Versuch dar. Tr. L. Rademncher, Arnvld, Tie Kirche als Gemeinschaft und Gesellschaft. Literar. Institut Haas und Grabberr in Augsburg, 1931. Preis gebunden 4.50 RM, broschiert 3.50 RM. In der Reihe der Schriften, die unter dem Sainmeltitel Kirche und Gesellschaft soziologische Veröffentlichungen des katholischen Akademikervervandes bringen, stellt dieses Buch den fünften Band dar. Es ist aus einer an der Universität Bonn für Hörer aller Fakultäten gehaltenen Vorlesung hervorgegangcn. Es bezweckt, das Göttliche und das Menschliche an der Kirche aus ihren soziologischen Prinzipien heraus verständlich zu machen und so Hemmungen zu beseitigen, die sich der Glaubcnsfreudigkeit ihrer Glieder entgegenzustellen pflegen. In klarer gedanklicher Arbeit werden die Probleme aufgewiesen und zu Lösungsversuchen geführt. In leichtfaßlicher spräche uild —- auch äußerlich — bezeichnender Uebersichtlichkeit wird der Stoff geordnet. Die Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit der Darlegungen leidet darunter nicht. Die Studie Rademachers bringt insbesondere im ersten Teil allgemeingültige Ergebnisse, die auch in jüdischen Kreisen Beachtung verdienen. Jedem geistig und reliaiös interessierten Menschen kann Anregung ans ihr zuteil werden. Tr. L. Wie fast jeder Junge ist Inn, der von den Flüchtenden zniückgelassene Bub aus einem Städtchen aus Russisch-Polen, sehr damit einverstanden, in den Reihen der Deutschen den Krieg mirzumachen. Aber bei seiner klaren r'.nd durch Vorurteile nicht belasteten Denkweise kann er sich dem Widersinn dieses organisierten Massenmordes tticht verschließen. So wie die Afrikaneger überzeugt davon sind, um den Schädel des sagenhaften Sultans Makaua zu kämpfen, so glauben alle Völker für ihre Ideale zu streiten, — nnd die einen wissen nicht, daß der heilige Schädel nicht existiert, die anderen sehen nickt ein, daß man auf diese Weise Ideale weder gewinnen noch schützen kann. Diese Erkenntnis kommt aber dem jungen Jan bei seinem harten Anschauungsunterricht. In selbstloser Karneradschaftlichkeit hat er still das Nächstliegende und wichtige getan, ob es nun einfach oder schwierig, gefahrlos oder lebensgefährlich war. Als man aber auch aus ihm einen Makaua machen will, setzt er, der alles fteiwillig getan und gelernt hat: „Kein 6 Mensch mutz müssen", sich kampflos zur Wehr, indem er einfach verschwindet. Die ergreifende Geschichte von Jan und seinem Hunde Flock erzählen Rudolf Frank (ein gebürtiger Mainzer) und Georg Lichey in ihrem Kriegsroman für die junge Generation „Der Schädel des Negerhäuptlings Makaua", der bei Müller und Kiepenheuer GmbH., Verlag, Potsdam, erschienen ist. Schenkt Euern Kindern dieses Volks- und Jugendbuch, lest cs gemeinsam an den Heimabenden der Jugendbünde! Wir habca wenig Jugendbücher, die für den Frieden werben und unter den wenigen kaum eines, das es auf solch eine klare, ehrliche und einleuchtende Weise tut. Hilde Levi. Friedhofschündungeu in Deutschland 1923—1931, Dokumente der politischen und kulturellen Verwilderung unserer Zeit. Zufammengestellt vom Central-Verein Deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens. Vierte Auflage. In dieser kleinen Broschüre, der ein all die allgemeine Oeffentlichkeit gerichtetes, sehr beachtenswertes Vorwort von Rabbiner Dr. Leo Baeck vorangeschickt ist, werden auf 28 Seiten 106 Verlvüstungen jüdischer Friedhöfe ausgeführt, die in den letzten Jahren vorgekommen sind. Sie bilden ein trauriges Kapitel für die Verrohung der Menschen unserer Zeit, die in ihrer Verblendung und Verhetzung und in ihrem fanatischen Judenhaß selbst vor den Ruhestätten unserer Toten keine Ehrfurcht empfinden. Neben den chronologisch geordneten Berichten geben einige Bilder wirkungsvoll und erschütternd eine betrübende Illustration von all beit Schandtaten, die auf jüdischen Friedhöfen in den verschiedenen Gegenden Deutschlands verübt wurden. Außerdem sind in der gleichen Berichtszeit 40 Schändungen, Verwüstungen und Beschmutzungen an Synagogen festgestellt worden, worüber ebenfalls in der Broschüre Mitteilungen gemacht werden. Der C.V. hat sich durch die Zusammenstellung und Veröffentlichung dieser, wenn auch beklagenswerten Zeitdokumente eilt dankbar anzuerkennendes Verdienst erworben. Ä Heft 0 des Morgen, das um die Zeit von Goethes 100. Todestag den 7. Jahrgang beschließt, wird — in Anlehnung an ein Gedicht aus dem West-Qestlichen Diwan — von Prof. Dr. R. A. Fritzi chc Qberbibliothekar der Gießener Universitätsbibliothek eingeleitet: „Im Gegenwärtigen Vergangenes". Von dem Gedenken an Vergangenheit führt Dr. Gustav Loefflers Abhandlung, „Heldischer Pazifismus" in eine der umkämpftesten Gegenwartsfragen hinein. Von ihnen wiederum kehrt sich mit der Fortführung voll I. Heinem a n n s groß angelegter Arbeit „Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern", der Gedanke zwar wieder zur Vergangenheit, aber zu einer Vergangenheit, in der auf Schritt und Tritt die Parallele zu Erscheinungen unserer Zeit deutlich wird. - Unmittelbarstes Gegenwartsdenken bieteil Ignaz M a y b a u m s „Theologie und Politik; Betrachtungen zu Alfred de Quervains Buch: Die theologischen Voraussetzungen der Politik". Der hier angebahnten Kritik am liberalen Gedatlken ist itt einem Nachwort Recht und Bedeutung des liberalen Staatsgedankens entaegengesetzt. — Leo B ae ck seht sich in einem Aufsatz „Zwischen Wittenberg und Rom" zugleich mit Hellpachs gleichnamigem Buck uild mit bestimmten Strömungen im Protestantismus auseinander. Mit einer Abhandlung von Herbert G r a b e r t „Zur Psychologie des Unglaubens. Ein typologischer Versuch" wird getreu der „Morgen"-Tradition, eilt Weg zur Gläubigkeit gebahnt. — Max Dienem a n il berichtet unter dem Titel „Von „Ur" zur Gegenwart. Glaube und Judentum, Geschichte und Politik in neuen Bückern" über eine Reihe charakteristischer Neuerscheinungen, die von Glauben und Judentum, in ihrer Verbindung mit Geschichte und Politik handeln. S. Levi referiert über drei Bücher, in deneil Mäniter der Gegeilwart ihre Lebenseriilnerungen niedergeleat haben. „Der Morgen" erscheint zweiutoilatlich und ist durch jede Buchhandlung oder direkt durch den Philoverlag «Berlin W 50, Emstr Straße 42) zum Jahrespreis von 12 RM. zu beziehen. Jüdische Wissenschaft in der Krisenzeit. Daß das Judentum sich trotz aller Stürme nicht von der Pflege seines edelsten Gutes, seiner Wissenschaft, abbringen läßt, zeigt das soeben erschienene Februarheft der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums". Die „Monatsschrift" hat das dritte Vierteljahrhundert beendet und tritt soeben in den 76. Jahrgang ein — ein ehrwürdiges Alter, auf das nicht viele wissenschaftliche Zeitschriften zurückblicken. Sie hat sich verjüngt uild erscheint im neuen Jahrgailg wieder in einer äußerlich weit gefälligereil Form. Irl dem neuen Heft findet der Laie ein warm uild anschaulich geschriebenes Lebensbild Wolf Heidenheims, des vor 100 Jahreil aus dem Lebell geschiedenen Sprachforschers und Begründers der weltbekannten Rödelheimer Druckereien; auch die Uebersickt des bekannten Folkloristen Rabbiner Dr. Gruilwald über iüdische Sagenkundc darf weitestes Interesse beanspruchen. Der Forscher findet eine Reihe von Untersuchungen und Besprechungen, teils von führendeil jüdischen Gelehrten, teils von hervorragenden Vertretern nichtjüdischer Wissenschaft, wie Jirku und Brockelmann. Der Wert einer

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