Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 7 (1932)
- Issue
- 3 (3.1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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sähen allgemeinen Interessen bei den öffentlichen Stellen im Reiche als Ausschuß der Reichsarbeitsgemeinschaft eine Reichs- Vertretung geschaffen. In diesen Ausschuß ordnen ab: der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden 6 die süddeutsche Arbeitsgemeinschaft 4 der sächsische Landesverband 1 die Hansastädte gemeinschaftlich 1 die übrigen Landesverbände 1 zusammen 13 Vertreter. Dem Allgemeinen Deutschen Rabbiner-Verband wird anheimgegeben, in die Reichsvertretung je einen Vertreter der beiden religiösen Hauptrichtungen abzuordnen. In geeigneten Fällen soll die Reichsvertretung mit anderen sich über das Reich erstreckenden jüdischen Organisationen, insbesondere mit dem Central-Verein, Zusammenwirken. Den Vorsitz in dem Ausschuß führt der vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden hierfür bestiinmte Vertreter, den stellvertretenden Vorsitz der von der süddeutschen Arbeitsgerneinschaft bestimutte Vertreter. Die Beschlüsse werden mit einer Mehrheit von Zweidrittel der anwesendenVertreter gefaßt.Stimmübertragung ist zulässig." 2. Ueber die A u f b r i n g u u g der Mittel f ü r Wohls a h r t s o r g a n i s a t i o> n e n, deren Tätigkeit das ganze Reichsgebiet umfaßt, u n d a rt d e r e Reichsa n st a l t e rr wird rrach längerer Aussprache, die sich im besonderen auch auf die Verhältnisse bei der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg und dent Gesamtarchiv der deritschen Juden erstreckt, einstimmig beschlossen: a) Der Preußische Landesverbarid jüdischer Gemeinden wird ersucht, durch eine schriftliche Umfrage urrter Zugrundelegung eirres arr die Landesverbände, an die Großgemeinden urrd an die subventionierten Anstalten zu versendenden Fragebogens das als Unterlage für die weitere Subventionierung notwendige Material zri beschaffen. b) Alsdann soll der Preußische Landesverband jüdischer Geineinden die Finanzdezernerrterr der Landsverbände zu einer: Besprechung einladen, irr der geprüft werden soll, welche Anstalterr als reichswichtig zu betrachten sind, und welcher ungedeckte Bedarf dieser Anstalten für das Jahr 1932 auf die Verbände umzulegen wäre. Es herrscht Einigkeit darüber, daß diejenigen Beträge, die die Gemeinden über 4000 Seelen beigesteuert haben, den Leistungen der zuständigen Landesverbärrde hinzuzurechnen sind. 3. Es wird einstimmig beschlossen, die zur Unterstützung der ehemaligen Lehrer der S a m s o n s ch u l e für das Jahr 1932 notwendigen Mittel in der bisherigen Weise aufzubringen. 4. Gegen den vom Philo-Verlag unterbreiteten Vorschlag, die Herausgabe der Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland den Zeitverbältnissen anzupassen, wird kein Widerspruch erhoben. 5. Neu m eher berichtet über die Verhandlungen mit dem Generalsekretär der Deutschen Akademie wegen der Errichtung eines N e b e n s p r a ch e n i n st i t u t s. Es wird davon Kenntnis genommen, daß die Landesverbände bereit sind, die früher zugesagten Beträge zur Verfügung zu stellen, sobald die geplante Einrichtung geschaffen wird. 6. Es wird einstimmig beschlossen, die Unterlagen zu sammeln für die Aufbringung der Mittel zur Gewährung von Unterstützungen an solche Beamte i. R., deren Amtstätigkeit sich auf mehrere Länder verteilte, und an Rabbiner i. R., %te in abgetretenen Gebieten amtiert haben, und die Einzelfälle anläßlich der Zusammenkunft der Finanzdezernenten zu behandeln. 7. L e v i berichtet über das Lektorat der rabbinischen Wissenschaften an der evangelisch-theologischen Fakultät Gießen und teilt mit, daß der Hessische Landesverband bereit sei, für dieses 1000 RM. jährlich beizusteuern. Es wird einstimmig beschlossen, daß die Landesverbände (abgesehen von Hessen) für das Lektorat die noch fehlenden Mittel aufbringen sollen. 8. Ueber die Ausführung des Beschlusses der Reichsarbeitsgemeinschaft vom 1. Februar 1931 mit den kleinen Landesverbänden zur Behebung ihrer Notlage geführter: Verhandlungen berichtet W o l f f. Es wird einstimmig beschlossen: den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden zu beauftragen, die Vertreter der kleinen Landesverbände zusammenzuberufen, um zu beraten, welche Schritte zu ergreifen sind, um die kleinen Landesverbände zu erhalten. Ferner wird einstimmig beschlossen, daß die Landesverbände Preußen und Sachsen sich mit dem Landesverband Thüringen in Verbindung setzen und diesem in der Erfüllung seiner Aufgaben zur Seite stehen sollen. 2 Hinsichtlich der besonderen in Aussicht genommenen Regelung der Verhältnisse in Oldenburg kommt ein Beschluß nicht zustande. 9. Die Bedeutung der §8 7 und 12 der Geschäftsordnung der Reichsarbeitsgemeinschaft wird besprochen. Es herrscht Uebereinstimmung darüber, daß einstimniig gefaßte Beschlüsse für die Mitglieder der Reichsarbeitsgemeinschaft nicht bindend sind, sondern nur Vorschläge, die der Berücksichtigung durch die Landesverbände empfohlen werden, darstellen. 10. W o y d a berichtet über die vom Preußischen Landesverband in die Wege geleiteten Arbeiten zur Behebung der W irisch a f t s n o t d e r d e u t s ch e n Juden, besonders auch über die soeben aufgenommene Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft für jüdische Wirtschaftsfragen, der Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen und über die zur Beteiligung jüdischer Erwerbsloser an der nebenberuflichen Randsiedlung ergriffenen Maßnahmen. 11. W o l f f berichtet über die Arbeiten des vom Preußischen Landesverband eingesetzten Ausschusses zur Vorbereitung der Schaffung eines Reichsverbandes. N e u m eher gibt im Namen der süddeutschen Arbeitsgemeinschaft folgende Erklärung ab: „Die süddeutsche Arbeitsgemeinschaft nimmt vor: den Vorarbeiten des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zur Schaffung einer Verfassung für eine Reichsorganisation Kenntnis. Im Hinblick auf die offizielle Mitteilung des Preußischen Landesverbandes, daß in seiner Mitte die Meinungen über grundsätzlich wichtige Fragen noch nicht geklärt sind, erachtet es die süddeutsche Arbeitsgemeinschaft in Uebereinstimmung mit t ihrer in der Sitzung der Reichsarbeitsgemeinschaft vom 13. Juli 1930 abgegebenen Erklärung für angezeigt, abzuwarten, bis der hierfür eingesetzte Ausschuß des Preußischen Landesverbandes einen Entwurf vorlegt. Die süddeutsche Arbeitsgemeinschaft erklärt sich bereit, sobald ein solcher Entwurf des Ausschusses vorliegt, in gemeinsame Beratungen mit Vertretern des Preußischen Landesverbandes und der übrigen deutschen Landesverbände einzutreten." Es findet eine eingehende Besprechung statt, in der eine Abänderung des Beschlusses vom 13. Juli 1930 angeregt wird. Ein Beschluß in dieser Richtung kommt nicht zustande. 12. Galliner berichtet über die Bildung einer jüdischen Arbeitsgemeinschaft für den R u n d f u n k. Von einer Beschlußfassung wird abgesehen. 13. Die Schaffung eines Vikariatsjahres für R a b b i n a t s k a n d i d a t e n wird einstimmig befürwortet. Der Allgemeine Deutsche Rabbiner-Verband soll gebeten werden, Richtlinien für die Beschäftigung von Vikaren auszuarbeiten und Rabbiner zu benennen, denen Vikare zugeteilt werden können. 14. Ueber die Durchführung der Anträge des Ausschusses f ü r das U n t e r r i ch t s w e s e n berichtet Galliner. Es wird einstimmig beschlossen: Der Wiederzusammentritt des Ausschusses für das Unterrichtswesen wird für erwünscht erachtet. Die Einberufung soll durch den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden erfolgen. Wolfs schließt die Sitzung mit Worten des Dankes an die Vertreter der Verbände um 18,30 Uhr. Golds ch m i d t dankt dem Vorsitzenden im Namen der Versammlung für die geleistete Arbeit und die Leitung der Sitzung. Fahnenpslicht und Fahnenflucht. Von den Ehrenpflichten gegenüber der Religionsgemeinbe. In ver Gemelnde-Zelnmg für isr. Gemeinden Wiir kembergs vom l Februar 1912, Nr. 21, b> fi'idet fick unter vorsiebender Ueberscknift ein sehr beachtenswerter Art kel Wir bringen denselben hiermit auch für unsere Leser zum Abdruck. Die Schristteitung. Die wirtschaftliche Not innerhalb der jüdischen Gemeinden ist groß. Viele von denen, die in ihnxn bisher Gebende waren, sind verarmt und Nehmende geworden. Die Wohlfahrtspflichten der Gemeinden sind ins Unermeßliche gewachsen. Die Sorgen für ihre Waisen und Witwen, ihre Alten und Kranken, für die körperliche und geistige Ertüchtigung ihrer Jugend, für ihre seelisch und wirtschaftlich Zusammengebrochenen beanspruchen den größten Teil ihrer Steuereinnahmen. Dazu ist die politische Leidenschaft ihrer Umwelt unter den nervösen Reizungen der Zeit fast zur Unerträglichkeit gesteigert. Tie jüdische Ehre bedarf des Rechtsschutzes, der jüdische Name der sachkundigen Verteidigung. Unerwartete Angriffe bedrohen die Rechtsstellung der jüdischen Gesamtheit. Da gilt es, für die Gemeinden, Mittel und Wege zur Rechtsvertretung und Nechtsverteidigung ihrer Mitglieder zu schaffen. Zu den politischen Gegnern der Judenheit sind die religiösen und weltanschaulichen Feinde des Judentums wie jeder Religion