Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 7 (1932)
- Issue
- 2 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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_ Nieder-Florstadt. sJlm 24. Januar 1932 beging Herr Sütz - kind Kahn seinen 86. Geburtstag in voller körperlicher und geistiger Frische. Herr Kahn war fast 40 Jahre l. Vorstand der Gemeinde. Er ist ein Mann, der viele Stadien der Entwicklungsgeschichte unserer Gemeinde erlebt hat. Herr Kahn kann mit Freude und Genugtuung aus die Erfolge' seines Wirkens zurückblicken. Wir wünschen ihm auch weiter Gesundheit und Zufriedenheit. ""4' E^trri "i> .— Am 21. Januar 1932 wurde nach langem, schwerem Leiden Herr Albert K a h n im 59. Lcbenssahre von seinen: irdischer: Dasein abberusen. Herr Kahn war in: Vorstand der Geineinde und ehrenamtlicher Vorbcter. Er versah dieses Amt jahrelang in uneigennütziger Weise, verstand es, die kleine Gen:einde zusammen zu halten und sie vor den: Verfall zu retten. Er war stest der Mittelpunkt des religiösen Lebens, und bedeutet sein Hinscheiden eine:; großen Verlust für die Geineinde und für seine An.gehörigen, für die er ein treu sorgender Vater war. Einen warinen Nachruf widinete ihn: Herr Lehrer Selig, Friedberg, auf dem Friedhose, sowie Herr Schreiner Echzell, der ihm besonders den Dank unserer Gemeinde für sein treues Wirken aussprach. Sprendlingen (Rheinhessen). An: Sonntag, 10. Januar, belvegte sich ein großer Drauerzug durch unseren Ort nach dem isr. Friedhof. Frau Rosalie Schloß, geh. Schestowitz, wurde in: Alter von 70 Jahren zu Grabe getragen. Sie war eine würdige, wegen ihrer Religiosität und Bescheidenheit in der ganzen Geineinde sehr beliebte und geachtete Frau. Eine Wohltäterin, hatte sie eine offene Hand für Arme und Kranke, oh::e Unterschied der Konfession. A:: ihren: Grabe würdigte Herr Rabbiner Tr. Jakobs aus Bad Kreuznach ihre Verdienste. Sprendlingen. Am Sonntag, de>: 31. Jan. d. I. wurde Herr Ludwig Schloß in: Alter von 79 Jahrei: zur letzten Ruhe aus dem israelitischer: Friedhof bestattet. An: Grabe hob Herr Rabbiner Tr. Jakobs, Bad Kreuznach, seine Verdienste hervor, die er sich um die Führung der Gemeinde, derer: 1. Vorsteher er mehr als 45 Jahre gewesen war, erworben hat. r.zzz1? p'Ti Worms. An: Samstag, 23. Jan., konnte Herr Jakob Pollak in seltener Gesundheit ni:d Rüstigkeit seinen 75. Geburtstag seieri:. Aus dieser Veranlassung wurden ihm von aller: Seitei: Glückwünsche ausgesprochen ui:d Angebiirde überreicht. In dem Gotteshause wurde er dadurch geehrt, daß ihm der Vortrag der Haphtharah Übertrager: wurde. Möge ihr:: auch weiterhin “"4' rsi '"!> seine körperliche und geistige Frische erhalten bleiben. Worms. Am Samstag, den 23. Jan., abends veranstaltete der Synagogen-Chorverein Worms zugunsten der Winterhilfe ein Wohltätigkeitskonzert, das sich aus allen Kreisen der Bevölkerung eiries außerordentlich starken Besuches zu erfreuen hatte. Mitwirkende waren: Frau Tr. Salomon (Sopran), Frau Trude H ü t t e n b a ch (Violine), Ludwig G u g g e n h e i in (Bariton), Frau Ella IN a i::: h e i m e r , Frl. Lotte H o n i g und Frl. Trude Löb iFlügel), Frl. Flora Weil (Tai:z). Hierüber berichtet die „Wormser Zkg." vom 24. Januar: „Man darf sage::, hier hat sich eine Elite heimischer Knnst zusainmengefunden, um in: Diei:ste der Wohltätigkeit ein herrliches Bukett reifer ur:d reicher Gaben darzureichcn. Ei:: äußerst geschmackvolles und künstlerisch recht hochstehendes Programm wurde uns mit diesem Abend, der bei vollbesetztem Saal im Kasino gestern stattfand, geboten, das nach jeder Richtung weitgehenden Ansprüchen genügte, ii: einigen Punkten von geradezu klassischer Bedeutu::g war. Man braucht da ::ur auf die charmante Sängerin Frau Dr. Salomor:, auf die vornehme und hochbegabte Geigerin Frau Trude Hüttenbach und den leider nur alle paar Jahre sich hören lassenden voluminösen Bariton Herrn Ludwig Guggenheim hinzuweisen, um zu wissen, daß es ein erlesener/musikalisch bedeutender Abend war. Reich begabte Jugend stellte sich im Glanze dieser Prominenten recht vorteilhaft und vielversprechend ii: Lotte .Honig, Trude Löb und Flora Weil vor, die teils pinnistisch, teils tänzerisch erfreuliche Leistungen zeigten. Frau Tr. Salomon sang in: ersten Teil Recitativ u::d Arie „So wie die Taube" aus Händels „Acis und Galathen", in: zweiten Recitativ uiid Arie der Frau Fluth aus „Die lustigen Weiber von Windsor" und erzielte damit einen schöner: und großen Erfolg, der vor allen: in recht pfleglicher Behandlu::g ihrer herrlichen Stimmittel begründet ist. Mit weichen: feiner: urrd zarten Ausdruck sang sie dre Arie „So wie die Taube", wie schwang da ihre ganze Empfindur:g mit ur:d edelte die herrlichen Töne, die ihren Lippen entströmten. Tarn: die zweite Arie aus der: „Lustigen Weibern"! Da war die Sä>:gerii: in ihrem Element. Wie lachte der Schelm aus ihren Mienen und wie hoch erhob sie sich über das gefährliche Niveau possenhafter Zierhaftigkeit. Da war alles persönlichste Einheit in der Wahl der Mittel, nur wirklicher Kunst zu. dienen. Das dankte man ihr mit großen: Beifall und Blumen. Frau Trude Hüttenbach spielte ei::en Corelli: „La Follia" und das Präludium und Allegro von Puguaui-Kreisler. Der künstlerische Ruf der Violinistin ist bereits zu fest begründet, um der schon so oft betonten ui:d erst wieder in dieser Woche durch ihr hervorragendes Spiel mit Boehes Pfalzorchester bestätigten Meisterschaft das Wort zu rede::. Ihre Kunst erspielte sich auch gestern abend die Gunst der ausmerksamen und dankbare Anerkem:ung spendenden Hörerschaft. Virtuos und doch seelisch erfüllt spielte sie das Präludium und Allegro vor: Pugnani-Kreisler. Aus Haydns „Schöpfung" hatte Ludwig Guggenheim Recitativ und Arie des Riaphael gewählt. Gai:z hervorragend bei Stimme, bereitete er uns :.:it diesen: Vortrag einen hohen Genuß. Sein Bariton erstrahlt noch in alter Wärme, sein Vortrag ist von bestem Geist^erfüllt und läßt das Kunstwerk erlebnishaft erstehen, wozu diese Lchöpfungsarie „Und Gott sprach" mit der herrlichen Stelle „Auf grünen Matten" ein trefflicher Anlaß war. Es ehrt den Sänger besonders, daß er sich für die gute Sache zur Verfügung gestellt hat, wofür es iiicht an Beifallsbezeugungen fehlte." — Wir erlebten da einen selten genußreichen Abend. Die innere Begeisterung und Hingabe der Mitwirkenden übertrug sich auch auf die Zuhörer. Man fühlte sich der Schwere der Zeit und der Verhältnisse entrückt durch das Göttliche der .Kunst. So wird auch wieder — wir hoffen es zuversichtlich — wem: die starke Faust sich nusgetobt, Gott und das Göttliche dci: ihm gebührende:: Rang einnehmen und Ruhe und gegenseitiges Verstehei: wieder einkehren. — Dem Chor-Verein und mit ihm seinen: Mitgliede Heinrich Kehr sagen wir hier gerne von gai:zem Herzei: Dank. Der Verlauf des Abends zeugte von verständnisvoller, feinempsindender Vorarbeit. Bücherschau. Die in der letzten Nummer des Mitteilungsblattes besprochene Broschüre „Das Schächten" ist im Verlag der „Deutschen Israelitischen Zeitung und Laubhütte", Hamburg 13, Hallerstraße 64 -erschiene::. Seit wann spricht mm: vom Judenstaat? Nicht erst seit dem Zionismus und seinen Vorläufern. Vielmehr hat es im 18. Jahr- (Fortsetzung auf Seite 9.) Bekanntmachung. Vom Rechnungsjahre 1932 an werden Religionsgemeindesteuern von der Aufsichtsbehörde nur dann genehmigt, falls der Steuerbeschluß auf Grund einer neuen Satzung entweder durch eine gewählte Steuervertretung, in der die Vorstandsmitglieder nicht überwiegen, oder aber durch eine Steuervertretung, der sämtliche steuerzahlende Gemeindemitglieder angehören, gefaßt ist. Der Inhalt der den Vorständen der Verbandsgemeinden zugeleiteten Mustersatzung des Hessischen Kultusministeriums folgt nachstehend. An der Mustersatzung können Aenderungen vorgenommen werden. Wie den Vorständen der Verbandsgemeinden bereits mitgeteilt worden ist, sind die von ihnen beschlossenen und entsprechend dem Art. 21 Abs. TU der Hess. Gemeindeordnung vom 10. Juli 1931 aufgelegten Gemeindesahungen beim Kreisamt einzureichen. Mainz, 3. Februar 1932. Der Verbandsvorsitzende.