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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-01-01 · 1 (1.1932) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
1 (1.1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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sprechen: Herr der Welt! Offen und kund ists vor dir, daß wenn du Pieh hättest und du es mir zum Hüten gäbest, - für olle hüte ich um Lohn, — für dich würde ichs umsonst tun, denn ich liebe dich. Einst ging ein Gelehrter seines Wegs und traf den Hirten, der also betete. Sprach er zu ihm: Narr, bete nicht also. Sprach der Hirte zu ihm: Wie denn soll ich beten? Sogleich lehrte ihn der Gelehrte die Ordnung der Segenssprüche: „das Rusen des Schema" und das Gebet, damit er nicht ferner spreche, was er gewohnt war. Nachdem der Gelehrte fortgegangen war, vergas; jener alles, was er ihn gelehrt hatte, und betete nicht; auch was er zu sprechen gewohnt war, fürchtete er sich zu sprechen, da jener Gerechte es ihm verwehrt hatte. Dem Gelehrten aber erschien im Traume der Nacht, das; mau zn ihm sprach: Wenn du nicht sagst, daß er sprechen solle, was er zu sprechen gewohnt war, bevor du zu ihm gekommen bist, und wenn du nicht hiugehst, daun wisse, das; Böses dich treffen wird, denn geraubt hast du mir einen von der kommenden Welt. Sogleich ging er hin und sprach zu ihm: Was betest du? Sprach er zu ihm: Nichts, denn vergessen habe ich, was du mich gelehrt hast, und verboten hast du mir zu sprechen: „Wenn du Vieh hättest . . . ." Sprach zu ihm der Gelehrte: Das und das kam mir in den Traum. Sprich, was du zu sprechen gewohnt warst. Sieh, hier gibts weder „Tora" noch „Werke", nur dies, daß einer gedacht hat, das Gute zu tun, und es ward ihm gelohnt uüe ein großes Ding. Denn: „der Barmherzige will das Herz". Darum denke der Mensch gute Gedanken zum Heiligen hin, gesegnet sei Er. Gebete der Meister: Das Lesebuch „Sendung und Schicksal" bringt auf den Seiten!>l ff. eine Anzahl von kurzen Gebeten, wie unsere großen Meister sie zu sprechen pflegten und die im Talmud ermähnt sind. Rabbi Fochanan, wenn er sein Gebet beendet hatte, sprach also: Wille seis vor deinem Angesichte, Gott unser Gott, daß tut blickest tu unsere Schmach, daß tut schattest tu unsere Schande, daß du dich kleidest in dein Erbarmen. dich hüllest in deine Eraft, dich gewaudest in deiite Huld, dich rüstest mit deiner Guttst, attf daß komute vor dein Angesicht die Weise deiner Giite liitd deiner Sanftmut. * Rabbi, wenn er fein Gebet beendet hatte, sprach also: Wille seis vor deiuent Angesicht, Gott tutser Gott und Gott ltusrer Väter, daß du lttts rettest vor Frechstirnigen und vor Frechsttruigkctt, vor bösem Mettscheit und vor böscnt Anschlag, vor bösent Gettosseit und vor bösem Trieb, vor bösent Nachbar ttitd vornt Verderber, dent hentmeudeit, vor hartem Rechtsspruch, vor hartem Rechtforderer, sei er ein Sohn des Buttdes oder sei er keilt ^ohit des Bttudes. * Raba sprach nach feinem Gebete also: Mein Gott, bevor ich gestaltet ward, tvar ich nichts wert, ltud jetzt, da ich gestaltet ward, ists, als wäre ich tticht gestaltet wordeit. Staub bitt ich in meinem Leben, um wie viel mehr bei meinem Tode. Da Inn ich vor deiuent Angesichte wie ein Gefäß voll Schmach ltud Schimpf. Wille seis vor deinem Attgesichte, Gott mciit Gott, daß ich nicht mehr sündige, und was ich gesündigt habe vor deiitent Attgesichte, das schenre weg in deiitent großen Erbarmen, doch nicht dtirch Leiden uitd böse Krankheiten. * Mar Sohn Rawinas, wenn ,er fein Gebet beendet hatte sprach also: „Meitt Gott, schütze meine Zange vor Bösem, meine Lippen vor trügetischent Reden." Meinen Fluchern sei stntttm nteine Seele, meine Seele sei allen wie Stand. Oeffne mein Herz dttrch deine Tora, deinen Gebotett eile meitte Seele ttach. lind rette ntich vor bösent Anschlag, vor bösem Trieb, vor bösem Weibe, vor allem Bösen, das herbeiströntt, in die Welt ztt kommen. Allen aber, die Böses denken über mich her, zerbrich ihren Ratschluß ttttd verdirb ihre Gedanken. Ztt Willett seien dir die Worte tneiites Mnttdes und das Sintteit meittes Herzens vor deiitent Angesichte, Gott, meitt Fels, meitt Erlöser. Erbarmen mit den Geschöpfen nennt sich ein Ncipitel in dem Lesebuch „Sendung und Schicksal", Seite 24t) ff., aus dem wir als Abschluß die folgenden dem Talmud und Midrasch entnommenen Erzählungen zum Abdruck bringen. Tie Hirten. Es sprach Rabbi Schmuel bar Nachmait: Bevor das Heiligtum zerstört wurde, wohttte die Schechiita darin, tvie gesagt ist: „Er ist in feiner heiligen Halle". Als aber das Heiligtnm zerstört wurde, zog sich die Schechiita in den Himmel zurück, tvie gesagt ist: „Er, im Himmel hat er seinen Stuhl gerichtet." Doch wenn es auch scheint, als ob er seine Schechiita attS dem Heiligtum zttrückgezogeu hätte: „Seilte Augett blicken, seine Wimpertt prüfen die Menschensohne." Und wen prüft er? Dett Gerechtett; tvie gesagt ist: „Er prüft deit Gerechten". Und womit prüft er ihn? Mit dent Weiden der Schafe. So prüfte er Dawid mit deit Schasett ttnd fand in. ihttt einen nuten Hirten: Er hielt ttämlich die Altett vor dett Kleinen zttrück ttnd führte die .Weilten attf die Weide, bamit sie daS zarte Kraut abtveidett; dautt führte er die Alten hin, bamit sie das mittlere Kraut abweiden; dann führte er die Fuugeu hitt, damit sie das harte Kraut fressen. Da sprach der Heilige, gesegitet sei er: Wer da weiß, tvie die Schafe zn weidett, jedes seiner .Ernst gemäß, der koutme, mein Volk zn weidett. Das ist es, ivas geschrieben ist: „Von hinter den Sängettdcn fort, ließ er ifm kommen, Fakob zn weiden, sein Volk?' Auch Mosche prüfte der Heilige, gesegnet sei Er, nicht anders als mit den Schafen. Unsere Meister sagten: Als Moscbe, unser Meister, Friede über ihn, die Herde des Fitro nah der Wüste weidete, floh ihm einst ein Böckchen davon; da lies er ihn: nach, bis es einen Felsvorsprung erreichte; als es den Felsvorsprung erreichte, .da traf es ans einen Teich, daß es stehen blieb, um zn tlinkcn. Als Mosche es erreicht hatte, sagte er: „Fch wußte nicht, baß btt ans Durst fortgelanfen bist; müde bist btt nun. So ließ er es auf feiner Schulter reiten und ging. Da sprach der Heilige, gesegitet sei Er: „Du hast Erbarmen, derart die Herde zu führett dessen, der von Fleisch und Blut ist, bei deiuent Leben! du, du wirst meine Herde tveideu: Fißrael. Tie Nachahmung Gottes. Es sagte Rabbi Ehama beu Rabbi Ehattina: Was heißt es, meint geschrieben ist: „Fbm eurem Gott gehet nach?" Fst es denn einem Meufcheit möglich, der Schechiita uachzugehen? Es ist ja gesagt worden: „Denn Er, dein Gott, ein sressendes Fetter ist er?" Sondern es heißt, der Weise des Heiligen, gesegnet sei Er, nachzngehen: Wie er Nackte kleidet, wie geschrieben ist: „Er, Gott, machte Adam und seinem Weibe Röcke ans Fell und kleidete sie", so sei auch btt: kleide die Nackten. Der Heilige, gesegnet sei Er, besuchte die Kranken, tvie geschrieben ist: „Er, ließ von ihm an den Steineicheit Mantres sich schauen", so sei auch dtt: besuche die Kranken. I Kennen Sie unser Abholungsverfahren? Kostenloses Abholen von Sparbeträgen von ’A RM an in beliebiger Höhe durch unsere Gelderheber in Wohnungen, Dienst- und Arbeitsräumen Fernsprecher: Amt Gutenberg Nr. 3801 Stadtamt Nr. 718/722 u. 760 H|| Städtische Sparkasse mainzH 5

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