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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-01-01 · 1 (1.1932) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
1 (1.1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Der Heilige, gesegnet sei Cr, tröstete die Trauernden, lute geschrieben ist: „Es geschah nach Abrahams Tod, da segnete Gott Iizchak, seinen Sohn", so sei auch du: tröste die Trauernden. Ter Heilige, gesegnet sei Er, begrub die Toten, wie geschrieben ist: „Und er begrub ihn, in der Schlucht, im Lande Moab", so sei auch du: begrabe die Toten. Es deutete Rabbi Simla'i': Die Tora: ihr Ansang ist Erweisen von Huld und ihr Ende ist Erweisen von Huld. Ihr Unsang ist Erweisen von Huld, wie geschrieben ist: „Er, Gott, machte Adam und seinem Weibe Röcke aus Fell und kleidete sie." Ihr Ende ist Erweisen von Huld, wie geschrieben ist: „Und er begrub ihn, in der Schlucht, üu Lande Moab." Die Geschöpfe. Die Leiden des Rabbi: auf ein Ereignis bin sind sie gekommen, ans ein Ereignis hin sind sie gegangen. Auf ein Ereignis hin gekommen, wie war es? Ein Kalb, das man zum Schlachten führte, kam heran, barg seinen Kopf im Gewandschoß des Rabbi und weinte. Er aber sagte: Geh, dazu bist du geschaffen worden. Da wurde ausgesprochen: Weil er sich nicht erbarmt hat, sollen Leiden kommen über ihin Auf ein Ereignis bin gegangen: eines Tages fegte die Magd des Rabbi das Hans und wollte junge Wiefel fortfegen, binansiverfen. Er aber sagte: Laß sie doch, es ist geschrieben: „Zu allen ist Er gut, über all seinen Geschöpfen ist sein Erbarmen." Da wurde ausgesprochen: Weil er sich erbarint hat, soll auch ihm Erbarmen sein. Bücherschau. Glntzer, Nnhnm Norbert, und Strauß, Ludwig, Sendung und Schicksal, ein jüdisches Lesebuch, ans dem Schrifttum des nachbiblischen Judentums, Schocken Perlag, Berlin 1931, 8, 382 Seiten, in Leinen gebunden RM. 5,50. In einem gefälligen Band sind zahlreiche Stücke ans dem Schrifttnur des nachbiblischen Judentums auswablswcise zusainmengetragen. Talmud und Midraschim, Philo und Flavins Josephus, der Sohar und Religionsphilosophea, Kommentatoren und Morallehrer, Dichter und chassidische Deuter kommen zu Wort. Eine bunte Fülle der reichen jüdischen Geistesauswirkungcn wird vor uns hingestellt. In gewählter, aber bezeichnender Sprache wird uns diese Auswahl vermittelt. Das Buch stellt einen Fortschritt und eine Bervollkominnnng jener im Jahre 1840 erschienenen „Auswahl historischer Stücke aus hebräischen Schriftstellern vom zweiten Jahrhundert bis ans die Gegenwart" dar, wenn auch das hebräische Original der ansgewählten Stücke nicht beigefügt ist. Erklärende Anmerkungen und Register erleichtern die Benutzung des Buches und steigern seinen Wert. Diese Auswahl kann auch anspruchsvolle Leser befriedigen und anregen, zu dem Original des einen oder anderen berücksichtigten Werkes zu greifen. Dr. L. Jüdischer Frauenbund Mainz Der bekannt« Schriftsteller Dr. Julius Bab aus Berlin spricht auf Einladung der Rhenusloge Montag, den 11. Januar 1932, abends 8 Uhr im Festsaal der höheren Mädchenschule über Goethe im deutschen Judentum Der jüdische Frauenbund beteiligt sich an diesem Vortrag und lädt seine Mitglieder mit ihren Angehörigen dazu schon heute ein Ein geselliger Nachmittag mit Rezitation von Fräulein Oppie Plaut und Gesang von Fräulein An nie Lehmann findet am Montag, den 18. Januar 1932 statt Lesenachmittage sind für Februar vorgesehen Für ein jüdisches Kind im Alter von 14 Monaten (Mädchen) wird eine Unterkunft in einer jüdischen hamilie, am liebsten aut dem Lande, gesucht. Entsprechende Verpflegungskosten werden erstattet. Wer ist bereit, das Kind bei sich aufzunehmen? Meldungen u. d. Merknummer 132 an die Schrittleitung erbeten Theilhaber, Felix A., Schicksal und Leistung. Inden in der deutschen Forschung und Technik. Der Heiue-Bnnd, Berlin, 1931, 8, 247 Seiten. Theilhaber gibt nach einem einleitenden Essai ^Vom schöpferischen Inden" 14 Einzeldarstellungen vom Leben und Schaffen auf dem Gebiete der Forschung und Technik hervorgetretener Inden. Sigmund Freud, Benedict Stilling, Jacob Heule, Ludwig Traube, Paul Ehrlich, Ferdinand Eohn, Moritz Hermann v. Jacobi, Victor Meyer, Hermann Aron, Robert von Lieben, Siegfried Marcus, David Schwarz, Emil Berliner und Albert Einstein werden biographisch behandelt und in der Eigenart ihres Wesens und Werkes bewertet. Theilhaber, der uns durch frühere soziologische Abhandlungen über Zahl und Zukunft der deutschen Juden eine düstere Perspektive eröffnet hatte, läßt uns hier durch eine feinsinnige Vertiefung in den Eigenwert jüdischer G e i st e s t r ä g e r ein freundliches und ermunterndes Bild — wenigstens was ihre Leistung, wenn auch nicht immer ihre Anerkennung betrifft — schauen. Ter heranreifcnden jüdischen Jugend insbesondere wird dieses Buch fesselnden Stoff und nachdenkliche Anregung bereiten. Der Heine-Bund hat sich durch die Herausgabe dieses Buches ein weiteres Verdienst erworben. Dr. L. Lewisohn, Ludwig, Scheilocks letzte Tuge, Roman, Paul List Verlag, Leipzig, 219 Seiten, gebunden RM. 6.—. Ter durch seinen Roman „Das Erbe int Blut" bekannte Antor gibt im vorliegenden Romanwerk eine seelische Analyse des „Kaufmann von Venedig". Die Begebenheiten und der Richterspruch nach Shakespeares Darstellung siitd die Voraussetzung für die als innerer und äußerer Roman von Lewisohn dargelegten Vorgänge im Leben Scheilocks. Sein Rechtsfanatismus wird erklärt durch die in Erlebnisrückschau geschilderten Vergewaltigungen und Verstöße gegen Recht und Liebe, die Scheilock von Jugend auf als Jude erfahren hat. Lewisohn baut in seiner gewohnten Weise die seelischen Vorgänge und Eigentümlichkeiten ans Sonderheiten des Blutes und der Rasse auf. Er läßt das bewegte Leben Scheilocks in einen stillen Ausklang münden, und läßt ihn den Glauben an eine höhere, intelligible Welt finden. Haß und Empörung als Reaktion gegen erlebtes Unrecht kommen bei Scheilock nicht mehr znm Ansbruch, er schickt sich in den Willen des Herrn. Im Hintergrund dieses fesselnden <-celengemäldes rollen die geschichtlichen Begebenheiten des 16. Jahrhunderts mit straffen Strichen gezeichnet, ab. Die Ueberfetzung des Werkes aus dem Englischen ins Deutsche von Magda Kahn wird dem Sprachwillen des Autors gerecht. Tr. L. Rudolf Hallo, Geschichte der Familie Hallo. 350 Jahre aus dem Leben einer deutschen Hofjuden- und Handwerker-Familie. Kassel 1930. Privatdruck. 8«, 140 S. und 12 Tafeln. Seit t'Cit Forschungen David Kaufmanns ist die Familiengeschichte ein wertvoller Zweig der jüdischen Kulturgeschichte geworden. Auch die vorliegende Arbeit darf als willkommener Beitrag hierzu gewertet werden, gibt sie doch nicht nur die über mehr als drei Jahrhunderte und viele mitteleuropäische Landschaften verstreute Ahncngefchichte der weitverzweigten Familie Hallo, sondern mit ihr zugleich eine Geschichte ihres Milieus, der Prager, Glogauer, Stendaler, Berliner, Halleschen und .Kasseler Juden. Die Arbeit ist mit sehr viel Wärme geschrieben, vermeidet aber die Gefahr, von der objektiven Beurteilung abzugehen. Mit wissenschaftlicher Akribie vertieft sich der Verfasser in die kleinsten Einzelheiten und ist glücklich über jeden Fund, der ihm gelingt. Seine Arbeit bildet eine wirksame Ergänzung der für die genannten Orte bereits vorhandenen lokalgeschichtlichen Studien und kann für weitere familiengefchichtliche Forschungen Vorbild und Ansporn sein. Der Hinweis auf Einzelheiten dürfte sich in diesem Nahmen erübrigen. Rabbiner Dr. Neufeld, Elbing. Das Schächten, vom Standpunkt der Religion und des Tierschutzes, eine gemeinverständliche Darstellung von. Rabbiner Dr. I. Unna, Mannheim. Durch diese Broschüre sollen die chereits in die weitesten Kreise des Volkes gedrungenen Vorwürfe und Angriffe gegen das Schächten gerade bei der großen Masse Widerlegung finden. Durch die gemeinverständliche Art der Darstellung und das der leichten Uebersichtlichkeit dienende Sachregister ist die vorliegende Schrift geeignet, den erstrebten Zweck zu erfüllen. Das von der Reichszentrale für Schächtangelegenheiten, Berlin, Artilleriestraße 31, Berlin 1931 herausgegebene Heft von 31 Seiten Umfang kostet RM. 0.60. Soeben erschien: „Ter Hetzbohkott" von Tr. Rudolf Wertheimer, R.-A. in Zweibrücken, unter Mitarbeit von Tr. Erich Kehr, R.-A. in Kaiserslautern, brosch. ca. 70 S. Großokt. Die Verfasser bringen in rechtlich begründeter, gemeinverständlicher Darstellung unter Verwendung der neuesten Rechtsprechung eine zusammenfassende Arbeit über den Boykott, wie er gerade in unseren Tagen im politischen Kampf zur Schädigung anderer Volksteile durchgeführt wird. In origineller Zergliederung der verschiedenen Spielarten des „Boykotts" finden sie die richtige Unterscheidung zwischen den übrigen Formen des Boykotts und der besonderen, von 6

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