Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 7 (1932)
- Issue
- 1 (1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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der Schule des Friedens aus. Den Vorsitz führte Dr. Alfred W o s f i , der die Versammlung eröfsnete. Einen stimmnngsvollen Auftakt bildete die inaderue jüdische .stomposition „Bat Schein" von Ernest Bloch in der vortrefflichen Interpretation der Geigerin Iran Senta P i n c t t e. Als Vertreter der nördlichen Bezirke begrüßte Dr. Sallp Lond o n , Mitglied der Repräscntantenversammlnng, die Tätigkeit der Friedensvereine. Das Hanptreserat des Rabbiners Dr. W e v I galt der Ausführung des Gedankens, daß die Wurzel der Kriege im Fremdenbaß z^n suchen ist. Deshalb gebt der W e g z n in F neben durch die eIb ft erzieh u n g zur richtigen Würdigung aller Rccnschen iind Nationen, die anders geartet find, als wir selbst. „Am Wesen alle r Völker lvird die Welt genesen." Der Vorsitzende der „Inngjüdischen Friedensgesellschaft", Dr. Schendel, skizzierte die Tätigkeit dieser vor einem Jahr gegründeten Vereinigniig, soivie die der „Schule des Friedens" lind saiid starkcii Beifall mit der Darlegung der Gründe, die beute die^ Beteiligung der um ihre Zukunft kämpfenden Jugend an der Sicherung des Friedens notiveiidig machen. Amtsgerichtsrat Bertbold Herz hielt dann zur Eröffnung des Winter-Semesters der „Schule des Friedens" einen Vortrag über das Problem der Abrüstung. Unter Hinweis ans die großen Abrüstnngskonferenzen, die demnächst in Paris und Gens stattsinden werden, kennzeichnete er die moderne Abrüstnngsbewegnng als Vertvirklichnng der von den großen altsüdischen Friedenslehrern entworfenen Ülichtlinien. Fm Mittelpunkt des sehr reichhaltigen künstlerischen Teils standen die shnagogalen hebräischen Friedensgesänge, vorgetragen von Herrn Cbertantor I o h n. Große Wirkung erzielte auch Frau Erna F e l d durch die Rczitation der Friedensrede des Jeremias ans dem Drama von Stefan Zweig und des Friedensansrnses der Antigone an die Frauen. Der sehr erfolgreiche Abend bat der jüdischen Friedensbewegung zahlreiche neue Freunde zngesührt. einander. Es ist eine Eigenschaft der Jugend, daß sie stürmisch u11b entschieden ihr Recht fordert. Uber echte Jugend erkennt auch dankbar an. Und diesen-Dank der israelitischen Religionsgemeinde lind ihrem liebenswürdigen Helfer dem .strankenpslegeverein dein A eiteren, an dieser Stelle ansznsprechen, ist etuc Ehreiipslicht. Tie Gemeinde hat damit ihrem Interesse an jüdischer Jugendarbeit sichtbaren Ausdruck verliehen, sie möge dieses Interesse bewahren und stets mehren. Denn die (Mcineinöc ist die Jugend! __ Das dritte Zimmer ist der allgemeine AnsenthaltSranm. Seine ^chiissllng ist ein Stiick praktischer Winterhilfe. Er ist, was noch einmal ausdrücklich ztl betonen ist, einem Jeden zugänglich, und jeden Tag von 14 bis 22 Uhr durchgehend geöffnet. Schon beim Betreten heimelt er außerordentlich gemütlich an, so daß inan gern dort einige Stcinden verbringt und im wohlgeheizten Zimmer behaglich seine Zeitung liest. Sei es a>us der stattlichen Unzahl der jüdischen Blätter — es sind schon 22 - sei es ans den Tageszeittingen, kann sich jeder Leser die ihm gelegene politische oder weltanschauliche Richtung answählen. Besonders dankenswert ist die Freigebigkeit des „Mainzer Unzeigers", des „Journals" sowie der „Volkszeitnng", die unentgeltlich ihre Blätter täglich abgeben. Nicht minder entgegenkommend ist der Verlag der „Frankfurter Zeitung", der die „Neueste Leitung" und die „Frankfurter Illnstricrte" ebenfalls unentgeltlich liefert. Auch Schreibgelegenheit ist; A» Mir WK Vom neuen jüdischen Vereinsheim in Mainz. In der vorigen stummer dieses Blattes tvnrde bereits kurz daraus tnngewiescn, das: am .1. Dezember 1l>81 in einer schlichten, aber eindrucksvollen Feier die israelitische Religionsgcmeinde Mainz den jüdischen Vereinen von Mainz, ganz besonders aber der Jugend, ein neues Heim eröfsuete. lieber diese Feier wird an anderer Stelle gesondert berichtet. Hier soll nur Zweck unb Ausgestaltung dieses Heimes besprochen werden: Die Bereitstellung einer Mehrzahl vom Räumen gu Vereinszwecken und iiiiihierzu kommt einem dringenden Bcdiirsnis entgegen, das zwar schon über ein Jahrzehnt empfunden wurde, das aber einmal durch das erfreulich rege Leben in den .streifen der jüdischen Jugend und die damit verbundene Betätigung, zum anderen aber durch die in den letzten Jahren immer größer geivordcne Raumnot im Gemeindehaus Gabelsbcrgerstraße geradezu brennend wurde. Daher mietete im Herbst des jetzt vergangenen Jahres die Gemeinde die Räume des Erdgeschosses im Hanse .stlarastraße 18, das dem israelitischen.strankenpslegeverein dem Aelteren gehört. In freundschaftlicher Zusammenarbeit und namentlich finanziell in verständnisvoller Weise vom .strankenpslegeverein unterstützt, schuf die Gemeinde dort zwei Räume, die allein Vereinszwecken gewidmet find, und außerdem einen besonderen, jedem zugänglichen Ansenthaltsranm. Der Vercinsarbcit steht ein größerer, etwa 50—00 Personen fassender Raum, sowie ein kleineres Zimmer zur Verfügung. Das kleinere Zimmer wird vor allem von begrenzten Arbeitsgemeinschaften und kleineren Zirkeln benutzt. Dort ist z. T. in ^eingebauten Wandschränken, die dem jiidischcn Ingcndverein in Selbstverwaltung gegebene Iugendbücherei des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur untergebracht. Die Ausstattung dieser Räume ist, der Zeit entsprechend, zwar einfach und rein zweckmäßig erfolgt, aber sie ist äußerst geschmackvoll und vermeidet alles, was kalt und nüchtern wirken könnte. Diese Vereinsränme sind bereits jetzt außerordentlich stark in Anspruch genommen. Allabendlich und auch an mehreren Nachmittagen wechseln die Vereine und Bünde ab. Der jüdische Ingendverein und die ihm angegliederte Iunggrnppe, der Reichsbnnd jüdischer Frontsoldaten, die Zionistische Drtsgrnppe, der Sportklub Hakoah, der Frauenbund und der jungzionistische .streis, sie alle wohnen hier einträchtig neben- und nach- - / hier geboten. Vorstehende Abbildung zeigt eine Ecke des Ausenthaltsranmes. Ter tägliche Besuch beträgt bis jetzt 10 bis 15 Personen. Es ist sehr zu wünschen, daß er weiter wächst, und daß recht -viele von diesem behaglichen Arsenthaltsort und seinen Einrichtungen Gebrauch machen: Alles in allem: die Einrichtung dieses gesamten Heinres ist eine glücklich angelegte Tat der Gemeinde, die, was wir alle wünschen, sich recht wohltätig und segensreich answirken möge. W.V. Sendung und Schicksal. so nennen Nahnm Norbert Glotzer und Ludwig Strauß das von ihnen zusammcngestellte jüdische Lesebuch, das wir in der Bücherschau dieser Nummer unseres Mitteilungsblattes besprechen. Um unseren Lesern Sprache und Inhalt dieses Lesebuches näher zu bringen, geben wir im folgenden einige kurze Teile aus dem Buche als Probe bekannt. Auf Seite 97/98 bringt das Lesebuch ein aus dem Sefer Ehassidim des Iehnda Hechassid entnommenes Uapitcl „Bom Hirten, der nicht beten konnte". Dieses Kapitel wollen wir unseren Lesern unterbreiten. Iehnda Hechassid, mit seinem ganzen Namen Iehuda ben Samuel genannt, lebte um das Jahr 1290, wirkte besonders in Negensburg und hatte bedeutende Schüler, unter welchen Eleasar aus Worms und Isaak ben Mose aus.Wien besonders zu nennen sind. R. Iehuda Hechassid hat sich den rühmenden Titel „Hechassid" („Der Fromme") dadurch erworben, daß er ein Leben schlichtester Herzcnsfrömmigkeit führte und empfahl. Sein Werk Sefer Ehassidim („Buch der Frommen"), dem die folgende gleichnisartige Erzählung entnommen ist, enthält zahlreiche Glaubens- und Lebensgrundsätze des frommen Meisters. Jedes gebotene Ding, das der Mensch tun kann, das tue er. und jedes Ding, dem seine Hund nicht znreicht, das tue er im Gedanken. Gemäß der Erzählung von einem Manne, der ein Viehhirt lvar, und der nicht zu beten wußte. Jeden Tag aber pflegte er zu ■ni