Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1932-01-01 · 1 (1.1932) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
7 (1932)
Issue
1 (1.1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
80% known words query
IRI
…/9582242-9623191-9621011--0845-9621013
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Aus unseren Verbandsgemeinden. Bad Nauheim. In der Reihe der dieswinterlichcn Porträte der Gemeinde sprach am 29. piooember Herr Lehrer ^eelig (Friedberg > über „Soziale Ethik im Judentum". Der Redner grenzte zunächst die jüdische Ethik gegen die griechische Philosophie ab, indem er die Entdeckung des Mitmenschen als das Hauptmerkmal der jüdischen Ethik kennzeichnete. Gegenüber dieser Einstellung stelle die christliche Auffassung von der Feindesliebe, wie sie im neucit Testament gefordert werde, eine zu große Anforderung an die menschliche Natur und könite deshalb sich nicht praktisch auswirken. Ein Hauptgrnndsatz jüdischer Ethik sei die Friedensidee, für die es and) heute einzntreten gelte. — Unter den besonderen sozialen Bestimmungen jüdischer Ethik stehen die die Armut betreffenden in erster Linie. Vor allem sei hier ans die soziale Bedeutung des Erlaßjahres tind des Iobeljahres hinzuweisen. Bedeutungsvoll sei auch die Stellungnahme der — leider zu wertig gelesenen — Prophetenbücher zu diesen Fragen uitd die scharfe Kritik, die die Propheten stets gegen Uebergriffe der Reichen urid der Könige ansgeübt haben. — Eine große Reihe von Bestiinmnngen sozialer Natur enthalte auch das jüdische Recht. Vor alleni sei hier die Regelung des Dienstvertrags und der Arbeitszeit hervorznheben, die lange vor Einführung des Achtstundentags die Rechte des Arbeiteitden verwirklicht hatte. — Ausführlich wurden die sozialcit Betätigungen freier, staatlich nicht geregelter jüdischer Wohlfahrtspflege nttd Fürsorge behandelt, unter denen die Fürsorge für arme jüdische Bräute besonders hervorgchoben wurde. — Schließlich wurden auch die erzieherischen Momente der sozialen Ethik betont und hierbei ans den sozialen Sinn des Sabbatgedankens hingetviesen, der fchoit bei seiner Entstehung die Sorge für das Recht des Angestellten enthält, der ebenso wie der Hausvater ein Recht ans Arbeitsruhe hat. All den Vortrag schloß sich eine ausführliche Diskllssion an, die die interessanten und belehrendeil Ausführungen des Redners ergäiizte iiiid unterstrich. Darmstndt. Bei der am Soiiiitag, deii 27. Dez. v. I. hier siattgchabtcii Neuivahl des Vorstandes der israelitischen Gemeinde Darmstadt wurden folgeiide Herreii und Damen wieder- bzw. neugewählt: Bankdirektor Karl Beiljamin, Dr. Mctx Rosenthal, Bankier Louis Krämer, Dipl. Haiidelslehrer Jacob eüinon, Kaiifniaiin Siegfried Steril, Rechtsniiwalt Sali Levi, Privatulailii Herinanii Sinloil, Rechtsailivalt Tr. Lnziall Löb, Kanfmaliii Julius Adler, Privatiilailil Isidor Ntann, Fraii EiiiNih Brüll; iil die Stenervertrctniig ivllrden gewählt: ans der Kanfmaliiischaft: Protnrist Simoil Spieß, Leopold Hachenburger, Großkanfmaiin Siegmiiiid üiothschild; Nils de»i Gewerbe: NcebgecMeister IuliiiS Wieseneck, Rechtsanwalt Benno Joseph, Kaufmann Theodor Mayer, Jakob Deriibnrg; aiis der Angestellteiischaft: Frl. Paula Landau, Bürovorsteherin. Die Wahl fand bei einer Beteiligung von 33 Prozent der Wähler statt. Fürfeld (Rheinhessen). Eiile große lleberraschnng wilrde dem 1. Vorsteher, Herrn Salomon Bruch, der in diesem Jahre 30 Jahre Vorstand der isr. Gemeiildc ist, aiiläßlich seines 99. Geburtstages zuteil. Unerwartet erschien der Kreisrabbiner, Herr Dr. Giltriiaiiii aiis Billgen, der gesamte Vorstand der israelitischen Geineiilde, die Behörde, vcrtretcii durch den Bürgermeister, sowie die ganze israelitische Geineiilde niid überbrachteii dein Iilbilar die herzlichsteit Glückwünsche. Gießen. Aiit 2. Dez. 1931 beging der Privatier Gustav Wohlniilth feinen To. Gebiirtstag. Iil der Altiiiark, nilweit Bärgdeburg, geboreii, kam derselbe vor rniid 49 Jahren ilach Gießen, um hier seine zweite Heimat zu fiilden niid wurde gewifserinaßcii der Begründer der moderiieii Zcitiingsberichterstattnilg in stakst niid Kreis Gießeil; er hat diese seine Tätigkeit so ausgebant, daß er '.licht iinr die Lokalpresse, sonderii auch liamhafte auswärtige Zeitniigen iiiid Fachblätter mit interessanten Nachrichten aiis seinem Wirkungskreis Jahrzehnte laiig versah; er war wegen feines Taktes, wegen feiner Zuverlässigkeit, niid besonders wegeii seines rechtlichen, iliibestechlicheli niid unparteiischen Urteils ein gern gesehener Mitarbeiter der Presse, hat jedoch diese feine Tätigkeit, wegen der großen Alistrengulig, die damit verbundeii ist, seit dem Weltkrieg sehr eingeschränkt. Der Berichterstatter Wohlmuth hat heilte lioch Fühlung mit allen Kreisen unserer Bevöllcriiiig und ist besonders in zahlreichen Vereinen, für dereii Bestrebiiligen er sich interessiert, ohiie daß er sich etwa aufdräilgt, rill tätiges iiiid, wo es fein muß, hilfreiches Mitglied. Er ist ein Mann, der in der Lokalgeschichte der Stadt vorzüglich Bescheid weiß, iiiid stets dankbare Zuhörer filidet, wenn er ans Gießeiis Vergangenheit erliste aber aiich humorvolle Begebciiheiteil erzählt. Im Vereinslebeii hat er Angriffe oder versteckte AiispieliNigeii gegen das Iildentiliii stets cilergisch znrückgewiesen, er hat sich aber aiich nicht geschellt, an feinen Glaubensgenossen, wenn er mit ihiien iin geschlossenen Kreis zusammen war, ernste Kritik zu üben. Der Altersjubilar niacht einen lioch durchaus jugeiidlichen Eiildruck. Weiiii er seiiie täglicheii Gänge diirch die Stadt niacht und rechts lind liiiks mit feinen zahlreichen Bekannten Grüße austaufcht, dann kann nuni fanm glauben, daß der Mann fchoit 75 Jahre alt ist. Aus Anlaß feines Jubiläums wurden Herrn Wohlmuth überaus zahlreiche Glückwünsche dargebracht. Herr Rabbiner Dr. Saiider erschieli persönlich, um zu gratulieren, und erklärte dabei, er schätze deri Iilbilar ganz besoiiders hoch wegen feiner Hilfsbereitschaft gegen seine Mitmenschen, er wisse, daß derselbe diese übe ohiie Ailsehen der Person niid ohne Rücksicht auf das Glaubensbekcliiitnis. Aiich der Vorsteher der Geineiilde, Herr Lollis Markus, hat es sich ilicht nehmen lassen, dem Geburtstagskind noch laiige glückliche Jahre persönlich zil ivünschen. Grosr-Gernu. Vorige Woche ivnrde nächtlicherweise die hiesige Syiiagoge voll Vandalen heimgesucht. Durch die von den Täterii aeivaltsain erbrocheiie Tür gelaiigteii sie vom Hof in das Inner.'. Hier haben sie eiilige elektrische Laiiipen vollstäiidig demoliert und nahmen auch eiilige Ritilalieii mit. Die isr. Gemeinde hat eine Belohiiuiig voii RM. 199.— für die Ausfindigmachung der Täter ansgesetzt; voll den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Hofseiitlich gelingt es ihrer habhaft zu iverdeil, dainit sie der verdieilten Strafe ziigeführt wcrdeit fönnen. Groß-Steiuhcim. Am 9. Dezember konnte Herr Leopold Mayer voii hier niid feine Ehefrau Bertha, geb. Guthof das seltene Fest ihrer goldenen Hochzeit feiern. Der Jubilar ist 83 uiid seine Frau 72 Jahre alt. Beide befiiideii sich in seltener Rüstigkeit uiid Gesundheit. Das Jubelpaar wurde von dem größten Teil hiesiger Einwohiier, Indeii wie Ehristcn, beglückwünscht und geehrt. Sogar illeichspräsident Hiiideiibnrg schickte ein Gratnlationsschreiben. Die hiesige israelitische Geineiilde veraiistaltete eiile Heine Feier in der Syiiagoge, wobei Lehrer Oppenheimer eine Alisprache hielt, in der er die Verdienste des Jubilars hervorhob, der heute iioch mit seinen 83 Jahren eiile große Stütze der Gemeinde ist, bei keinein Gottesdienst fehlt nnb der Jugend ein gutes Beispiel gibt; er wüiifchte ihm auch weiterhin Gefuildheit und Zufriedenheit. ~:2' C‘72‘>‘ nxz “r Wegen der allgemeinen Wirtschaftslage wollte der Iilbilar voii einer größeren Feier abfehen iiiid er ivnrde mu' iil dem nächsten Familienkreis gefeiert. Heppenheim (Bergstraße). Anc 25. v. M. konnte der Kaufmanti Herr Josef F r a ii k auf seine 49jährige Zugehörigkeit zur Freiivilligen Feuerwehr zurückblickeii. Aus diesem Anlaß wurden ihm, in Anerkennung 49jährigcr, treuer Dieiistleistulig, voni Hessischetl Miiiisterilun eiile Ehrenurkuiide nebst Ehrenzeichen uiid von der Fenerivehr ein schöiies Oelgeinälde überreicht. Die Feuerwehrkapclle brachte ihm ein Ständchen. N. Kestrich. Die seitherigeil Vorstandsiiiitglieder Herren Siegln niid Bacharach, Nllrthaii Goldeiiberg, Leopold Kappeiiberg wurden eiiistiiniiiig wiedergeivählt. Maiirz. Tie Vorlesiiiig des Herrn Rabbiiler Tr. Levi über ,,-enntflnt und Tiirinbaii zu Babel ilach deii ueuesten Ausgrabuiigeii im Euphratnnb Tigrisland" veranstaltet voll der Mainzer Volkshochschule, filidet im Naturhiftorischeu Mnsenm mit 29. Januar lind 27. Ianiiar uiii 19 Uhr 15 VUli. statt. Mainz. Ans Grund der 4. Notverordnung des Reichspräsidenten hat der Vorstaiid der israelitischen Neligionsgemeiiide die Bezüge der Gemeindebeamtcn gekürzt. Mainz. Einweihung des jüdischeil Vereinsheimes. Wie wir in der letzten Nummer iiiiferes Mitteilungsblattes kurz berichteten, fand ain Toiiiierstag, deii 3. Dezember 1931, die Einweihung itnd Zweckübergabe des neu geschaffenen Vereiilsheintes, das sich im Eidgeschoß des Hauses Klarastraße l3 befindet, statt. Abordnungen der verschiedeneii jüdischen Vereine, darunter zahlreich die jüdische Jugend, batten sich zu dieser schlichteii Feier eingefundeii. Iin ^>aal des Heimes begrüßte Herr Rabbiiler Dr. Levi die crschienenen Damen uiid Herren im Namen des Gemeindevorstandes, der die Räume des Heimes vom jüdischen Krankenpflege-Verein dem Aclteren geinietet und zweckentsprechend instand gesetzt hat. tVergl. hierzu die aii anderer Stelle dieses Blattes gegebene Schilderung des Heimes). Mit dem Segensspruch des iiiid der Erfüllnng der Pflicht leitete Herr Rabbiiler Dr. Levi die Weihefeier ein, gab darin im Aiischluß aii Psalm 127, Vers 1 einen Ueberblick über die Entwickelung des seit 13 Jahren behairdeltcii Vereilisheiut-Plaries bis zu der gegenwärtigell, bescheidenen Verwirklichililg und zeigte in Anlehnuiig an deii Vers 3 aiis dem Davidpsalm 39, deni 7‘-7 VtelZ , wie wir mithelfen können, in der wirtschaftlich und geistig düstereii Gegenwart eine lichtere Ziikniift vorznbereiten. Der Gcmeiiidevorstand habe gern das Opfer gebracht, um dem Vereiiien und iilsbesondere

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.