Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 12 (12.1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Zuge der 26jährige Reisende Alfred Goldschmidt tätlich. Die Ortspresse widmete der schwer geprüften Familie Worte herzlicher Teil-- nähme. Bei der Beerdigung war wohl der größte Teil des ganzen Dorfes mit dem Ortspfarrer, dem Bürgermeister und den Lehrern an der Spitze vertreten. Auch ein großer Teil der israelitischen Religionsgemeinden und der Lehrer der Umgegend bekundeten ihre Teilnahme an dem herben Verluste. Lehrer Seelig aus Friedberg widmete dem so früh verstorbenen, stets pflichttreuen und braven Menschen einen ergreifenden Nachruf. Möge der Allgütige die schwer geprüften Eltern trösten und stärken! ' Worms. In dem Abendblatt der „Wormser Zeitung" vom 12. November lesen wir: Jüdischer Jugendverein Worms. lieber das zeitgemäße Thema: „Unsere Jugend und der Komnl u n i s m u s" sprach gestern abend im Rittersaal der „Zwölf Apostel" Herr Lehrer M. Steinhardt, Magdeburg. Zum Verständnis seiner Ausführungen gab der Referent zunächst eine geistvolle Erläuterung der politischen Schlagworte, die heute im Umlauf sind, und erklärte eingehend den Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus. Die gegenwärtige traurige wirtschaftliche Lage kommt dem Kommunismus sehr zustatten, und viel Jugend wendet sich ihm zu. Die furchtbare wirtschaftliche Verelendung unserer Zeit, unter der besonders die Jugend zu leiden hat, hat verschiedene Ursachen. Zunächst ist es der Weltkrieg. Dann die hochentwickelte Technik, die tausende und abertausende brotlos macht. Und die aufgehobene Militärpflicht. Hätten wir die Wehrpflicht, dann wären rund eine Million Erwerbsloser weniger da. Die verhältnismäßig gute Lage der deutschen Juden hat sich grundlegend geändert. Die große Masse ist heute brotlos geworden. Und deshalb wandern auch aus ihren Reihen viel Jugend zur KPD. Wir wären kaum berechtigt, der Jugend Vorhaltungen zu machen, wenn nicht innerhalb der KPD. eine starke Religionsfeindschaft herrschen würde. Sie ist ein Stück Parteiprogramm. Nur zu gern lassen sich junge Menschen von den verschiedensten Tagesfragen ins Schlepptau nehmen. Aber unsere Lage würde sich keineswegs bessern, käme der Kommunismus ans Ruder. Der junge Mensch von heute sollte sich der Richtung unbedingt anschlietzen, die am meisten für den Gedanken der sozialen Gerechtigkeit eintritt. An die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen klaren Ausführungen des Redners schloß sich ein angeregter Gedankenaustausch. Worms. Am 4. Dezember kann Herr Oberreallehrer i. R. A. S a l o m u n die siebzigste Wiederkehr seines Geburtstages feiern. In 7 Lebensjahrzehnten hat der Jubilar ein Lebenswerk geschaffen, das uns erwünschten Anlaß zur Würdigung gibt, zumal die Tätigkeit dieses Schulmannes unserer engeren Heimat Hessen und auch unserer Provinz Rheinhessen zugute kam und noch beute zugute kommt. Lange Jahre wirkte er als israelitischer 4 Religionslehrer in verschiedenen Orten Rheinhessens, dann war er Volksschullehrer in Sprendlingen (Rheinhessen), wo er zugleich 'als Kantor der jüdischen Gemeinde amtete. Mit einem außergewöhnlichen pädagogischen Geschick begnadet, verband er diese Gottesgabe, die eigentlich nicht zu erlernen ist, mit unermüdlicher Arbeitswilligkeit und mit einem Pflichtbewußtsein, das auch die kleinste und unscheinbare Leistung als einen Wert erkannte, .der oftmals erst-sich in der Zukunft auswirkt. Weil er seinen Beruf und die Jugend liebte, war ihm seine Lehrtätigkeit stets neuer Ansporn und innere Befriedigung. Mit der Liebe zur Jugend verbindet er die Liebe zur Heimat, zur Natur und zu den Menschen im weitesten Kreise. Dadurch kann er auch bis zum heutigen Tage im Verkehr mit Andersgläubigen versöhnend und aufklärend wirken. Als er im Jahre 1907 als Reallehrer an die Oberrealschule Gießen versetzt wurde, gelang es ihm auch dort in der neuen Umgebung, sich die Achtung und Wertschätzung als Lehrer und Mensch zu gewinnen. Seine Hilfsbereitschaft und die persönliche Einsetzung seiner Kräfte scheint unerschöpflich. Auch von Worms aus, wo er nun seit einer Reihe von Jahren im sogenannten „Ruhestand" lebt, ist er noch immer durch innere Berufung geistig und erzieherisch tätig. Er wirkt für unseren Landesverband in einer Anzahl jüdischer Verbandsgemeinden als Wanderlehrer nftt allerbestem Erfolge. Das segensvolle Schaffen des Jubilars gründet sich aus das Glück seines eignen Heimes, wo ihm seine Gattin, eine geborene Löwenstein, aus Wallertheim, in einem vorbildlichen Lebensbund seit über vier Jahrzehnten als treuer Lebeuskamerad zur Seite steht. Starke Gläubigkeit gab dem Jubilar und seiner Gattin die Kraft zu vertrauen als die beiden Söhne im Felde standen und den schweren Schmerz ergeben zu tragen, als ihnen vor etwa 5 Jahren der hoffnungsvolle Sohn, der prakt. Arzt Dr. med. Fritz Salomon als spätes Kriegsopfer durch den Tod genommen wurde und damit so große und berechtigte Hoffnungen auf die Zukunft dieses tüchtigen Mediziners zusammenbrachen. Dankbarkeit läßt die Eltern auch den Lebensgang des zweiten Sohnes, des in Frankfurt a. M. als Studienrat am Philantropin wirkenden Dr. Mar Salomon mitgenießen, der gleich dem verewigten Bruder in bewußter Jüdischkeit für die Aufgaben des Judentums wirkt und als Präsident der Marcus Horowitz-Loge an der Verwirklichung jüdischer Ziele unserer rhein-mainischen Gegend raitwirkte. So wird die Lebenseinstellung des Vaters auch durch das Werk der Kiuder zur Tauer geführt. Vou Herzen sprechen wir dem Jubilar unsere Glückwünsche zu seinem Jubeltage aus und hoffen, daß vji ihm Kraft und Gesundheit Nt"' "Xü geben und ihn im Kreise seiner Familie in Freude erhalten möge. Aus der Arbeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden im Jahr 1931. Emigrantenhilfe; Waisen- und Studentenhilse; Kinderfürsorge; Ferienkolonien; sozial-hhgienisches Hilfswerk, Schulwesen, Berufsberatung und Berufsausbildung; Hilfsaktionen bei Naturkatastrophen. Die Auswandererfürsorgearbeit stellt angesichts der katastrophalen Krise in der ganzen Welt den Hilfsvereiu vor besonders schwierige, verantwortungsvolle Aufgaben. Die Krise in den Einwanderungsländern zwingt jüdische Männer und Frauen nach dem Heimatlande zurückzukehrcn; da. jedoch die Lage dort sich inzwischen noch mehr verschlechtert hat, nehmen sie aus Verzweiflung ihre Zuflucht zu einer neuen Auswanderung. Die Zentrale des Hilfsvereins in Berlin, die Komitees in Hamburg und Bremen, die Vertrauensleute an den wichtigsten Grenzübergangsstellen haben ihr möglichstes getan, um unglücklichen Aus- und Rückwanderern ihr Weiterkommen zu erleichtern. In den ersten Monaten des Jahres 1931 sind durch den Jüdischen Bahnhofsdienst am Schlesischen Bahnhof in Berlin, der vom Hilfsverein seit zehn Jahren geleitet wird, 14 268 Personen gegangen, darunter 6539 Männer, 4923 Frauen und 2806 Kinder; Tante Ernas-Spielkreis ladt zur Chanukkah^Feiereini Kinder und Eltern kommt alle am 4. Tag des Chanukkahlidites <Montag, den 7. Dezember) um 3 72 Uhr in die RHENUS-LO GE Franziskanerstr. 101 CHANUKKAH-FEIER RHENUS-LOGE Mittwoch, 9.Dezemb. 4 Uhr nachmittags im Rheingoldsaal 5