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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-12-01 · 12 (12.1931) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
12 (12.1931)
Date
1931-12-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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auf dem realen Boden der Wirklichkeit zu stehen, und diese Wirklichkeit im idealen Sinne zu gestalten, selbst im politischen Leben. —' Alle drei Vorträge standen aus sehr hoher Stufe und wurden mit großem Interesse augehört. Eine Erstarkung des jüdischen Lebens in Bingen beweisen auch die „Lernvorträge", die von Rabbiner Dr. Guttmann und Lehrer Bayer jede Woche nach dem Sabbatgottesdieust gehalten werden. Büdesheim (Oberhessen). Am 4. November d. I. wurde eines unserer besten Mitglieder, Herr Simon Strauß , im Alter von 57 Jahren zu Grabe getragen. Ein großer Trauerzug bewegte sich unter Porantritt des Krieger- und Gesangvereins mit Fahnen zum Friedhof. Der Verstorbene war über 15 Jahre Mitvorstand und durch sein freundliches, ruhiges Wesen, verbunden mit den besten Charaktereigenschaften, erwarb er sich in der hiesigen Gemeinde die Beliebtheit sämtlicher Mitbürger. Lehrer Höxter, Heldenbergen, hielt dem so früh Verstorbenen einen ergreifenden Nachruf. Sodann verabschiedete sich der Vorsitzende des Kriegervereins,. Herr Teidel, ebenso Herr Schüßler, im Namen des Gesangyereins in erhebenden Worten von dem toten Kameraden. Ebersheim. Am 11. November beging Frau Fauni Golds ch m i d t Wwe., geb. Fuchs, ihren 85. Geburtstag in . voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit. Sie ist die Ehefrau des vor einigen Jahren verstorbenen Herrw Heinrich Goldschmidt, der lange Jahre erster Vorstand der Gemeinde Ebersheim-Harxheim war. Aus der Ehe entstammeu 10 Kinder, 8 Söhne und 2'Töchter. Zwei von den Söhnen sind schon lange Jahre im Ausland, und der jetzige erste Vorstand, Herr Lazarus Goldschmidt, ist ebenfalls ein Sohn der Jubilarin. Leider hat sie vor Jahren eine, verheiratete Tochter durch Autouufall verloren. Im Kriege wareu 6 Söhne eingezogen, wovon einige verwundet und einer gefangen waren. Alle diese Geschicke hat sie mit großer Standhaftigkeit getragen. Sie ist das Vorbild einer emsigen, strebsamen, bescheidenen und anspruchslosen Frau. Möge der Greisin ein noch recht gesegneter Lebensabend beschieden sein- Friedberg (Hessen). Am 7. V?ca verschied in unserer Gemeinde eine würdige, wegen ihrer Religiösität und Bescheidenheit ehrfurchtgebietende Greisin, Frau Jettchen K r ä m e r , geb. Mai im 82. Lebensjahr, um nach 31 Jahren ihrem gleichgesinnten Gatten in die Ewigkeit nachzufolgcn. Als ein wahres hat die hochgebildete Frau ihren Kindern eine echt jüdische Erziehung angedeihen lassen und ist ihnen stets ein Vorbild an Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft gewesen. Am Grabe schilderte Herr Lehrer Seelig in bewegten Worten die reichen Tugenden der Entschlafenen vor der fast vollzählig erschienenen Gemeinde und zahlreichen. Andersgläubigen. Groß-Gerau. Am 29. Nov. 1931 fand die Einweihung eines Ehrenmals für die jüdischen Gefallenen des Kreis- und Friedhofverbandes Groß-Gerau statt. Nach einem Gottesdienst in der bis zum letzten Platz gefüllten Synagoge, wobei Herr Rabbiner Dr. amem wmmtc ctmajsum, M eutmmtn a*wt»«r Levi, Mainz, eine Predigt hielt und Herr Lehrer Rothschild-, Groß- Gerau das Aw-Horachamipr'vortrug, fand die Weihe des-auf den» Verbandsfriedhof erstellten Denkmals statt. Herr Mattes, 1'. (Vorsitzender des Reichsbundes jüdischer'^ Frontsoldaten,. Ortsgruppe Groß-Gerau, dessen Mitglieder und Gönner die Mittel "bereitgestellt hatten, begrüßte in warmen Worten die Zahlreich - Erschienenen. Der Architekt, Herr von der MchÄrittz. nahm die Enthüllung des Denksteins vor undstübergaA.'Hn nn'.'tzen Vorsitzenden des Rjr?., der thn Herrn Jakob Marx/ in Obhut' gahi Oberkantvr^Jonas, 4 Mainz, trug dauu das Lied „Ruh'n iu Frieden . . . ." vor, worauf Herr Rabbiner Dr. Levi, Mainz, dte Weiherede hielt. Er gedachte der 12 000 jüdischen, für ihr deutsches Vaterland Gefallenen und appellierte an Erkenntnis, Wahrheit und Gerechtigkeit. Herr Lehrer Rothschild nahm in seinen Worten auf die von ihm für das Denkmal gewählte Inschrift „Zierde Israels, auf deinen Höhen erschlagen, wie sind gefallen die Helden" Bezug, wobei er der Hoffnung Ausdruck gab, daß aus der Blutsaat eine Segensernte werden möge. Sodann folgten die Ehrungen in Form von Kranzniederlegungen; für die Kreisbehörde durch Herrn: Regierungsrat Dr. Schmahl, für die Stadtgemeiude Groß-Gerau durch Herrn Bürgermeister Dr. Lüdecke, für den Landesverband Südwestdeutfchlaud des RjF. durch Herrn Gabriel, Offenbach a. M., für die katholische Kirchengemeinde Groß-Gerau durch Herrn Pfarrer Burkhard, für den Krieger- und Militärverein durch dessen Vorsitzenden Herrn Metz, für den Reichsbund der Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenen durch Herrn Wolf/ Gernsheim, für die Ortsgruppe des RjF. Darmstadt durch Herrn Blum. Herr Oberkantor Jynas sang dann das „El mole rachamim". Mit dem Kaddisch- Gebet, das Herr Rabbiner Dr. Levi sagte, schloß die Feier. Groß-Karben. An ihrem 89. Geburtstage wurde Frau B. Strauß nach einer schweren, mit Geduld ertragenen Krankheit unter außerordentlicher Beteiligung von jüdischer und nichtjüdischer Bevölkerung am 19. Nov. 1931 zu Grabe getragen. Die Verstorbene stellte all ihre guten Eigenschaften in den Dienst von 71LX "tan rn^as Am Grabe hielt Herr Lehrer Markus der Verewigten einen ergreifenden Nachruf und mahnte die Ueberlebenden den Frieden zu wahren. Heldenbetgen. Am 11. d. M. trugen wir unter zahlreicher Beteiligung die Witwe unseres Vorstehers Max S p e i e r zu Grabe, eine brave, gute Frau, die sich aherall der größten Beliebtheit und Wertschätzung zu erfreuen hatte. Nur 1K Jahre hatte sie ihren Gatten überlebt. Sie starb im 66. Lebensjahre. Ihr widmete Lehrer Höxter einen warm empfundenen Nachruf. Mainz. Durch die am 3. Dez. d. I. erfolgende Einweihung des neuen Vereinsheims wird ein schon lange gehegter Wunsch des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde erfüllt. Das Heim, das sich in der Klarastraße 13 im Erdgeschoß befindet und allen jüdischen Vereinen und im besonderen der jüdischen Jugend zur Verfügung gestellt ist, enthält drei schöne und durch die Gemeinde freundlich hergerichtete Räume, lieber deu der Zeit entsprechenden schlichten Einweihungsakt wird in nächster Nummer dieses Blattes berichtet werden. Mommenheim (Nheinhessen). Am Sonntag, den 29. Nov. 1931, wurde hier das Gefallenendenkmal der Gemeinde eingeweiht. Dieses außergewöhnlich eindrucksvolle Ehrenmal, eine Schöpfung eines Mommenheimer Künstlers, hat seinen Platz neben der Kirche in einer Einbuchtung der Kirchhofmauer, der Straße zu, gefunden; es stellt einen Feldgrauen Gewehr bei Fuß dar. Der Sockel trägt Tafeln mit den Namen der Gefallenen, darunter auch den unseres Glaubensgenossen I. Wolf. Am Platze wohnen nur eine jüdische Familie und ein alleinstehender Israelit. Bei der Feier sprach nach dem evangelischen und dem katholischen Ortsgeistlichen Herr Rabbiner Dr. Holzer, Worms. Er rühmte den Geist der Gerechtigkeit und der Brüderlichkeit, aus welchem heraus der Bürgerausschuß auch den jüdischen Geistlichen zur Feier heraugezogen hatte. I. Wolf ist nur einer der 12 000 gefallenen jüdischen Männer Deutschlands, insgesamt 100 000 haben unter den Waffen gestanden, ein Fünftel davon freiwillig. Sie haben alle — und unsere Gefallenen mit denn Opfer ihres Lebens — ihre Zugehörigkeit zu Deutschland bewiesen, zu dem Land, auf dessen Boden sie nachweislich 1600 Jahre schon wohnen. Herr Dr. Holzer bat, den Geist der Einigkeit und der Brüderlichkeit auch weiterhin zu wahren, denn nur durch ihn kann der Aufstieg zu einer besseren Zukunft des deutschen Vaterlandes sich vollziehen. Wir müßten sein „ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr!" Nach der ' religiösen Weihe und verschiedenen musikalischen Darbietungen legten die Ortsvereine Kränze nieder. Auch der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten war durch die Herren David, Kahn, Maas und Mannheimer aus Mainz vertreten. Im Namen dieser Organisationen sprach Herr Mannheimer. Er erinnerte an den Geist wahrer Kameradschaft, der in den Jahren 1914—18 an der Front herrschte und angesichts des Todes die Frage nach der Herkunft, nach Stand, Partei und Glaube des Nächsten verstummen mackstem Der Haß)und die Verleumdungen der Gegenwart passen schlecht zu dem Geist jener großen Zeit. Der Redner bat die Frontkameraden vor allem, überall im Alltag dem Haß und der Lüge entgegenzutreten, die nicht einmal vor der Ehre der jüdischen Gefallenen Halt machen. Die toten Kameraden des ganzen Volkes — "&ä& ist unser fester Glaube — haben ihr Leben nur für „Wahrheit- Recht sind Frieden" und nicht für Lüge und Unrecht dahingegeben. Die Ansprachen von Herrn Rabbiner Dr. Holzer und Herrn Mannheimer. hinterließen bei den zahlreichen Teilnehmern der Feier sichtlich großem Eindruck. Nieder-Weifel. Von eineiy schweren Unglück wurde die Familie 'des hiesigen-'Lehrers/'Max-Gölhschmidt betroffen. Auf ' der Reise nach 'Gresten verunglückte' durch Heraüsfallen aus dem fahrenden

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