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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-11-01 · 11 (11.1931) · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
11 (11.1931)
Date
1931-11-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Mainz. Mit einer öffentlichen Veranstaltung am 23. Sept. leitete der Jüd. Jugendverein seine diesjährige Winterarbeit ein. In den Begrützungsworten betonte Dr. Picard, daß in einer Zeit, in der alles Festgefügte zusammenzubrechen droht, Selbstbesinnung und Selbstbehauptung nottue. In der Sammlung aller jüdischen Kräfte, im Willen über parteiliche und geistige Zollschranken hinaus die Gemeinschaft zu schaffen und zu leben, die heute noch fehle, sehe die Jugend ihre Aufgabe. An diesem, der Erhaltung des Judentums geweihten Ziel, mitzuarbeiten, rufe die Jugend alle Schichten der Gemeinde auf. Die im Anschluß an den J.J.V. geschaffene Junggruppe zeigte sich in schmucker Kluft erstmals der Oesfentlichkeit. Theo Hirschmann erläuterte ihre organisatorische Einteilung nach Altersstufen, und die Wege ihrer Arbeit. Ihre Grundlage sei das jüdische Scouting — Scouting als lebenssormendes Gemeinschaftsideal, nicht als reine Aeußerlichkeit. Vom Verband Jüd. Jugendvereine Deutschlands sprach Rabbiner Dr. Wilhelm (Dortmund) über das „Ringen jüdischer Jugend mit der sozialen Not der Zeit" als einem besonderen Ausschnitt aus den Zeitproblemen des jüdischen Menschen mit seiner zusätzlichen Not. Zwischendurch brachte die Junggruppe gesangliche Darbietungen zu Gehör. Der Abend gipfelte in einer packenden Wiedergabe eines Sprechchors aus Zweigs „Jeremias". Unter Leitung von Referendar Walter Vogel, ohne fremde Hilfe einstudiert, war dieser Sprechchor ein beredter Ausdruck des Willens zur Einordnung in eine Gemeinschaftsidee. Die zahlreich erschienenen Hörer belohnten die ausgezeichnete Leistung mit lebhaftem Beifall. . Ober-Ingelheim. (Vorstands- und Steuervertretungswahlen). Bei der am 1. November stattgehabten Vorstandswahl, wurden die Herren Ferdinand Oppenheimer, Willy Kahn und Gustav Nußbaum wiedergewählt und gehören gleichzeitig der Steuervertretung an. Die neu hinzugewählten Mitglieder zur Steuervertretung sind die Herren Heinrich Straus und Moritz Martin Mayer. Ober-Ramstadt. Am Chol Hamoed Suckos (1. Oktober) verstarb dahier im nahezu vollendeten 84. Lebensjahre Frau Fanny Wartensleben, geb. Joseph. Eine im wahrsten Sinne des Wortes ist mit dieser Frau in das Grab gegangen. In einem echt frommen jüdischen Haus in Eberstadt, Kreis Darmstadt, geboren und erzogen, hatte sie Mildtätigkeit und Nächstenliebe schon von früher Jugend an üben gelernt und diese von ihren Eltern ererbte Tugend wurde ihr dann bei ihrer Verheiratung im Jahre 1873 zur Tradition. Im Verein mit ihrem schon vor 17 Jahren verstorbenen Manne Jacob Wartensleben s. A. gründeten sie das eben noch von ihrem jüngsten Sohne geleitete Textilwarengeschäft. Immer aber waren Mildtätigkeit und Nächstenliebe in ihrem Hause an erster Stelle. Kein Hungriger, einerlei welchen Glaubens, ging ungesättigt von ihrer Schwelle. Auch für jüdisches gegenseitiges Zusammenwirken hatte sie stets Interesse. Sie war Mitbegründerin des hiesigen israelitischen Frauenvereins, dessen langjährige Präsidentin sie gewesen. Jeder hörte gerne auf ihren Rat. Bis in ihr hohes Alter hinein war sie bei festlichen und traurigen Anlässen eine der Ersten. An ihrem 80. Geburtstage ernannte der israelitische Frauenverein sie zur Ehrenpräsidentin. Im Geschäfte war sie bis wenige Tage vor ihrem Tode tätig. Jedermann, ob Jude oder Nichtjude, hatte gerne mit ihr zu tun. Die Odenwälder Nachrichten Ober-Ramstadt, sowie das Darmstädter Tagblatt schrieben bei ihrem Ableben: „Letzten Donnerstag verstarb dahier nach kurzem Krankenlager die Kaufmannswitwe Fanny Wartensleben im Alter von 84 Jahren. Sie durfte sich bis zu ihrem Lebensende noch einer großen Körper- und Geistesfrische erfreuen und war die Seele der Familie und des Geschäfts. Stets hatte sie die Mahnung beherzigt: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", und so stand sie als stille Wohltäterin dahier im besten Ansehen. Ein großes Trauergefolge gab ihr bei ihrer letzten Fahrt nach dem israelitischen Friedhof zu Dieburg das Geleit." Am Simchas-Tora fand die Beerdigung statt. Von Nah und Fern waren Trauergäste gekommen. Vor allem aber, und das war das Erhebende, bei dieser Trauerfeier, waren massenhaft Nichtjuden aus allen Ständen der Bevölkerung von hier und Umgegend erschienen, um der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Des wegen durfte keine Gedenkrede für die Verstorbene an der Bahre gehalten werden. Herr Kantor Hauser von Darmstadt ließ es sich nicht nehmen, während der HStttP jeden Abend nach Ober-Ramstadt in das Trauerhaus zu kommen, um Lehrvorträge zu halten, und in herrlichen Worten das Leben und Wirken der Verstorbenen vor aller Augen zu führen. Kein Mann aus der Gemeinde fehlte hier bei dem Gottesdienst. Nun schläft sie an der Seite ihres, wie schon erwähnt, vor 17 Jahren Heimgegangenen Gatten auf dem Verbandsfriedhof in Dieburg den ewigen Schlaf. Ehre ihrem Andenken! Offenbach. Der Beamte der israelitischen Religionsgemeinde Julius Schaul und dessen Ehefrau Recha, geb. Bauer, zu Ofsenbach a. M., Goethestraße 1, feiern am 7. November 1931 die Silberhochzeit. Nodheim a. d. H. Im Alter von 74 Jahren starb ganz plötzlich Herr Bernhard Stern. Er gehörte wohl zu den regelmäßigsten und pünktlichsten Besuchern unseres Gottesdienstes, so daß sein Hinscheiden für unsere kleine Gemeinde einen großen Verlust bedeutet. Bei der Beerdigung, die unter großer Anteilnahme der gesamten Bevölkerung stattsand, hielt Lehrer Seelig aus Friedberg dem Verstorbenen einen ehrenden Nachruf. Worms. In dem „Jüdischen Jugendverein" sprach am Abend des 14. Oktober Fräulein Edith Falk aus Frankfurt a. M. über „Jüdische Ethik in der Wirtschaft". Die zahlreich Erschienenen folgten gerne den geistreichen Ausführungen der Rednerin, die in der Hauptsache sich über unsere wirtschaftliche Lage mit ihren Ursachen unter besonderer Berücksichtigung der Lage der in der Wirtschaft tätigen Juden erstreckten. Dadurch mußte jedoch die Behandlung des Themas, das Eingehen aus die jüdische Ethik in der Wirtschaft, zu kurz kommen. Die Aussprache war eine lebhafte und sehr anregende. Vereine und Verbände. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums teilt, da ihr irrtümliche Gerüchte bekannt geworden sind, hierdurch mit, daß die von ihr herausgegebene „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" nach wie vor regelmäßig erscheint. Die Monatsschrift, die mit dem Dezemberhest ihren 75. Jahrgang beendet, wird von Januar 1932 an sogar in einer gefälligeren Ausstattung, vor allem in weniger kompressem Druck, herausgegeben werden. Der Herstellungspreis wird dadurch nicht erhöht, sondern verbilligt. Wenn ihre Mitglieder ihr treu bleiben und der Zuwachs an Mitgliedern sich in dem gewohnten Umfang hält, hofft die Gesellschaft, ihre Leistungen wie bisher aufrecht erhalten zu können. Anmeldungen neuer Mitglieder nimmt die Geschäftsstelle der Gesellschaft: Berlin-Schöneberg 1, Belzigerstraße 46, II, 2. entgegen. Bücherschau. Kastein, Josef, Eine Geschichte der Juden, 1931, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 633 Seiten, geheftet 9 NM., Leinwand 12,50 NM., Halbleder 15 RM. Der durch seine Biographie des „Sabbatai Zewi" bekannt gewordene Autor legt uns, in einem einzigen Band zusammengefaßt, aus diesen 633 Seiten eine Geschichte der Juden, die fast dreieinhalb Jahrtausende umfaßt, vor. Es gehört schon eine meisterliche Beherrschung des Stoffes dazu, um ein solches geschichtliches Gebiet zu abgerundeter Schilderung zu bringen. Das Werk ist gut. Schon die Tatsache, daß Kastein auf Anmerkungen, Literaturangabe, wissenschaftliche Noten verzichtet, gibt dem Buch ein besonderes Gesicht. Dies ist aber mehr als eine Aeußerlichkeit: Kastein schöpft aus dem Eigenen. Wenn dadurch manche Darstellung auch subjektiv oder einseitig wird, so durchpulst anderseits das Ganze eine lebensvolle, ausgeprägte Eigenart. Ein Grunö'- ton geht führend durch die Darlegungen, obwohl jedes Kapitel eine abgerundete Leistung in sich darstellt. Kastein wird selber wissen, daß er der jüdischen Geschichte seine Deutung gab, denn er nennt sein Buch: „E i n e" Geschichte der Juden. Aber selbst der anspruchsvolle Leser empfängt aus diesem Werk Anregung und Belehrung. Dr. L. Isr.HamburgerHaushaltungsschule und Pensionat Regina Bachrach Ausbildung ln allen praktischen Fächern; auf Wunsch mit Examenabschluß. Gesellschaftliche, wissenschaftl. und sprachliche Fortbildung. Aufnahme für berufstätige junge Mädchen. Austührl. Prospekt auf Wunsch, la. Referenzen Hamburg, Jetzt Klosterallee 14 Villa mit allen zeitgem. Einrichtungen — jedem modern. Anspruch genügend 9

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