Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 11 (11.1931)
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9582242-9623188-9620989--0826-9620995- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
flcftor&en sei. Es hat mir sehr leid getan, daß ich zu spät gekommen bin, und ich bitte Sie, noch nachträglich die Versicherung meiner schmerzlichsten Teilnahme entgegenzunehmen. Ihr Mann war mir im Kriege ein pflichttreuer, eifriger, wertvoller Gehilfe in meiner Kompagnie und ich inerde ihm stets ein treues Andenken bewahren. Meine Frau, die ihn nicht persönlich kannte, hatte ihn besonders aus folgendem Grunde ins Herz geschlossen: Aus einem Marsch in Rußland wurde ich plötzlich von der Kompagnie wegbefohlcn zu einer entfernt liegenden Kommandostelle. Ich machte mich allein aus den Weg. Nachdem ich eine Strecke gegangen war, kam mir Marx nachgelausen und sagte: „Herr Hauptmann, ich kann Sie doch nicht allein in der feindlichen Gegend herumlaufen lassen; ich möchte Sie begleiten." Das hat ihm ineine Frau hoch angerechnet. Seien Sie von meiner Frau und mir herzlich gegrüßt Ihr ergebenster gez. Professor Dr. Heimberger, Hauptmann a. D." Oberbibttothekar Professor Dr. Heinrich Heidenheimer. Zum 75. Geburtstage. Am 25. Oktober vollendete Prof. Heidenheimer das 75. Lebensjahr. Wohl bin ich mir bewußt, daß ich nicht berufen bin, den ehrwürdigen Gelehrten zu feiern, mich leitet indes ein Gefühl der Pietät für meinen Bruder, den Orientalisten Siegmund Fraenkel, dem Jubilar einen Festgruß zum Ehrentage zuzurufen. Während der Studienzeit in enger Freundschaft verbunden, bewahrt er dem Verewigten über das Grab hinaus treues Gedenken und hat in der Folge freundschaftliche Gesinnung auf mich übertragen. — Im Jahre 1856 in Mainz geboren, absolvierte Heidenheimer das Gymnasium in Darmstadt, studierte in Leipzig und besonders in Straßburg, wo vor allem der Literarhistoriker Wilhelm Scherer und Georg Kaufmann seine geistige Entwicklung nachhaltig beeinflußten. Seine Dissertation (Darmstadt 1878) behandelte das Thema: M a ch i a v e l l i s e r st e r ö m i s ch e L e g a t i o n. Ein Beitrag zur Beleuchtung seiner gesandschaftlichen Tätigkeit. — Im Jahre 1887 trat er als Beamter in die Mainzer S t a d t b i b l i o t h e k, wurde Sekretär und wirkte dort bis zu seiner 1925 erfolgten Emeritierung als Obe rbibliothekar. War auch Heidenheimer von diesem Zeitpunkt an amtlich von allen Tätigkeit entbunden, mit gewohnter Pflichttreue und der. ihm eigenen Gewissenhaftigkeit arbeitete er Der Jubilar im Jahre 1877. MM ehrenamtlich an den ihm lieb gewordenen Stätten der Bibliothek und des Stadtarchivs weiter. Es darf nicht in meiner Absicht liegen, als Laie in eine Würdigung der wissenschaftlichen Bedeutung des Gelehrten einzutreten, es sei mir an dieser Stelle 6 nur gestattet, in einer kurzen Skizze aufzuzeigen, auf wie vielseitigen Gebieten seine Publikationen die Wissenschaft bereicherten. Als sein Hauptwerk ist das (in Berliu 1881 erschienene) Buch: „Petrus Marth r Anglerius und sein Opus e p i st ol a r u m. Ein Beitrag zur Quellenkunde des Zeitalters der Renaissance und der Reformation" hervorzuheben. — Eine Fülle von Abhandlungen und Aufsätzen find in mannigfachen Zeitschriften für Wissenschaft, Kunst und Literatur erschienen, so in: Zeitschrift für Geschichte und Kunst, Zeitschrift für Kulturgeschichte, Zeitschrift für Kirchengeschichte, Studien zur vergleichenden Literaturgeschichte, Ethische Kulturwochenschrift, Zentralblatt für Bibliothekswesen, Zeitschrift für Bücherfreunde, Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker und v. A. — Hierbei tritt ein schönes charakteristisches Moment der Menschlichkeit in dieser Gelehrtennatur in den Vordergrund, indem die meisten der behandelten Studien dem Ruhm seiner Vaterstadt gelten und seinen Forschungen sichtlich das Bestreben innewohnt, das Ansehen der Geburtsstadt in der literarischen Welt zu mehren und zu verbreiten. Als Beispiele seien genannt: Alt-Mainz in Rom — Goethe vor und iil Mainz. — Die Anfänge der Mainzer Gelehrten Lesegesellschaft und ihr verwandter deutscher Anstalten, der Humanist Nikolaus Gerbe! in Mainz, Ein Mainzer Humanist über den Karneval, Eine alte Huldigung an das Andenken des Drusns Gcrmanicus in Mainz, Kulturgeschichtliches aus Alt-Mainz — Mainzisches aus der Schwedenzeit. — Zahlreiche Aufsätze gelten Johann Gutenberg und verschiedenen Anlässen zur Würdigung des Buchdruckgewerbes, den Erinnerungstagen an Gutenbergsfeiern usw. — Auch die Veröffentlichungen aus den Archiven behandeln Themata aus der Rheinischen Landesgeschichte: Mitteilungen über den Rastatter Gesandtenmord — Aus der Jugendzeit der Markgräfin Amalie von Baden geb. Prinzessin von Hessen-Darmstadt. Der Jubilar an seinem Arbeitstisch. Erweisen obige Ausführungen den treuen Sohn und Bürger der Stadt, so hat Professor Heidenheimer sich auch um jüdische Wissenschaft Verdienste erworben. In der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums erschien aus seiner Feder 1909 eine bedeutsame Abhandlung unter dem Titel: Zur Geschichte undBeurteilung der Juden vom 15. bis 19. Jahrhundert. Der besondere Wert der erforschten Ergebnisse ist darin zu sehen, daß der Verfasser Belege für das wechselnde Leben unseres Volkes vorführt, die fast ausschließlich nicht aus jüdischen Quellen stammen und, wie von ihm mit vollem Recht betont wird, „weil sie christlichen Ursprungs sind Jüdisches objektiver spiegeln". Wenn er in Bescheidenheit hierbei äußert, daß nicht systematisch Erforschtes von ihm geboten werde, vielmehr nur Stücke, die ihm beim Studium gelegentlich entgegengetreten sind, so gewinnt man aus den reichhaltigen Noten der herangezogenen und verarbeiteten Literatur den Eindruck außergewöhnlicher Kenntnis der einschlägigen Materie. — Für die jüdische Ausstellung in Köln im Jahre 1925 hatte Heidenheimer in gewohnter Gewissenhaftigkeit eine Zusammenstellung der hauptsächlichsten Archivalien und Bücher unter dem Titel „Judaica im Stadtarchiv und in der Stadtbibliothek" geliefert. Dort konnte das Material nicht zur Geltung kommen und wurde diese besonders difficile und wertvolle Arbeit Heidenheimers in dem von Rabbiner Dr. Sali Levi, Mainz, herausge-