Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 10 (10.1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Stelle. Bis zum 16. Jahrhundert bildeten die markanten hebräischen Schriftzüge das einzige Ornament. Ein Kapitel für sich sind die Abgaben an den Bischof von Worms, Gruudstückankäufe zur Erweiterung, und Wegnahme von Grabsteinen für städt. Zwecke im 14. bis 10. Jahrhundert. In dem 1930 durch Herrn Tschirner aufgefnndenen unterirdischen einst zur Stadtbefestigung gehörigen Gang unter dem Friedhof kamen denn auch wirklich sehr alte Grabsteine zum Vorschein. Der älteste von ihnen datiert von 1246. Der älteste Grabstein des Friedhofes überhaupt stammt aus dem Jahre 1040. In guten Lichtbildern zeigte Herr Kiefer diese Steine, sowie solche, die mit Hanszeichen geziert sind. Durch die Inschriften zieht die bewegte Geschichte der Wormser Inden, aus der der Vortragende so vieles Interessante mitznteilen wußte. Reicher Beifall lohnte Herrn Kiefers wertvolle geschichtliche Ausführungen. Bücherschau. „Von der Holbeinblbcl zur Amsterdamer Haggadnh", lautet die Ilcberschrift eines sehr lehrreichen Aufsatzes, den Rahel Wischnitzcr in dem soeben erschienenen Heft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums veröffentlicht. Sie zeigt, daß die Uebereinstimmungen älterer Haggadahbilder mit Holbeins Bildern zur Bibel auf die Benutzung christlicher Mittelquellen zurückgehen; insbesondere hat die Kunst M. Merians auf die Haggadahillustrationen gewirkt. Sie veranschaulicht aber auch, wie die jüdischen Meister, welche die Haggadah geschmückt haben, die christlichen Vorlagen im Sinne ihrer Religion abzuändern vermochten. Im gleichen Hefte gibt A. Tartakower eine höchst lehrreiche liebersicht über das jüdische Schulwesen in Polen, welche lebhaft veranschaulicht, wie schwere Opfer die verschiedenen Richtungen des polnischen Judentums bringen, um die Jugend in ihrem Sinne zu erziehen. Auch ein Aussatz des Greifswalder Alttestamentlers Schütz über Ausgrabuugen in Palästina wird weite Kreise fesseln; erfreulicherweise siud ihm, wie auch dem Aufsatz der Frau Wischuitzer, Bildbeilagen hinzugefügt. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von 10 RM. an die Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Beit Simon, Berlin 7030) oder an 'einen der Vertrauensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgesührt sind. Picard, Max, Das Menschengesicht, Delphin-Verlag, München, 1929, 223 Seiten, mit 30 Lichtdrucktafeln. Preis geheftet 12 RM., Ganzleinen 16 RM. Max Picard hat uns mit seinem Buch ein Werk van bleibendem Wert geschenkt. Scharf beobachteter Stoff ist gründlich durchforscht und ausgewertet. Wenn der Stoff, soweit unsere gegenwärtige Zeit hierbei in Frage kommt, auch eine Entartung, eine Decadence offenbart, so erhebt sich der Autor doch zu einem gläubigen Idealismus, der frei ist von haltloser Phantastik, zu einem gläubigen Idealismus, der den Menschen von heute so bitter not tut. Der Blick, den Piccard uns durch das Mikroskop seiner feinen Kleinarbeit in das Menschengesicht tun läßt, erschüttert uns vor dem Wunderland des menschlichen Antlitzes und vor dem Kosmos der göttlichen Schöpfung, als den wir, geführt von Picards Besiuttlichkeit, die Menschenseele und deren Ausprägung im menschlichen Gesicht erkennen. Das Buch rüttelt auf uud führt zur Selbstbesinnung, es ist die Tat eines Lehrmeisters. Nach einem talmudischen Söch (Babli, Sanhedrin 38 a) wurde der Staub, aus welchem der ÄHebMensch geschaffen war, aus der ganzen Welt gesammelt: Die Universalität menschlicher Ausrüstung und menschlicher Lebensgestaltungskraft soll damit ausgedrückt werden. In moderner Form gibt Picard die gleiche Lehre. In diesen Tagen, luo wir Juden unsere Thora wieder beim Schöpfungsbericht zu lesen beginnen, darf die Ausführung Picards über die Schöpfung dcs Menschen als bezeichnende Charakteristik dieses Buches und seiner Gedanken hier auszugsweise folgen. Die Wiedergabe dieses Kapitels geht zwar über eine übliche Buchbesprechung hinaus, ist aber durch den Wert der Darstellung gerechtfertigt. Der Auszug au? diesem Kapitel soll den Leser nicht etwa dazu verleiten, auf die Durcharbeitung des Buches selbst zu verzichten. Dr. L. (Seite 165 ff.) Zweimal ist die Schöpfung da: einmal draußen, außerhalb des Menschen, und dann noch einmal im Menscheu, als ein Bild. Und so ist auch Gott zweimal bei seiuer Schöpfung: eiumal draußen und dann noch einmal bei ihrem Bild im Menschen. Wie ein Wettstreit ist es manchmal zwischen der Schöpfung draußen und ihrem Bilde im Menschen: Mächtig bebt die Erde vor dem Menschen, aber noch mächtiger bebt die Erde im Menschengesicht, — und das Menschengesicht bricht doch nicht auseinander wie die Erde manchmal draußen. Trotzdem: die Schöpfung ist im Menschengesicht nicht tief eingezeichnet, sie ist darüber gehaucht wie ein Tau. Aber es ist der Tau vom Atem des Schöpfers, darum ist die Schöpfung auch im Tau deutlich wie ein Bild. Uud das Menfchengesicht erfrischt sich m diesem Tau. Man kann die Schöpsuug draußen und ihr Bild im Menschengesicht miteinander vergleichen und das eine am anderen deutlich werden lassen. Aber es genügt nicht, daß man die Schöpfung draußen und ihr Bild im Menschengesicht nebeneinanderhält, man muß beide vor Gott halten, — erst in der Nähe Gottes werden Schöpfung und Menschengesicht an einander klar. Wahrscheinlich kann die Schöpfung, die Schöpfung außerhalb des Menschei:, nicht unmittelbar sich mit Gott verbinden. Sie braucht einen Mittler, und das ist der Mensch. Der Mensch ist geschaffen wie ein Stück der Schöpfung selber, er versteht ihre Sehnsucht, aber zugleich ist er das Ebenbild des Schöpfers und also diesem näher als die übrige Schöpfung, und eben darum ist er ein Mittler für sie. Aufrecht steht der Meusch da, wie ein Aufruf an die Geschöpfe und an die Natur: der Mensch ist da, der Mittler ist da, der Müller zwischen den Geschöpfen der Natur und dem Schöpfer. Wie ein Ausruf ist er an die Geschöpfe, wenn er langsam zwischen ihnen schreitet. Höher hebt er das Haupt, -— es ist, als ob er die Geschöpfe suche, jene, die nicht selber imstande sind, ihn zu finden. Die ganze Schöpfung, scheint es, hat ihr Bild im Menschengesicht eingezeichnet. So sehr ist die Welt in dem Plan des Menschengesichtes darin, daß inan sie nach diesem Plane hätte wieder errichten können, wenn sie zerstört worden wäre. Wie ein Inventar der Welt steht das Gesicht da. Der Himmel ist im Menschen. Wie das Himmelsgewölbe über der Erde, so steht der Schädel des Menschen hoch und gewölbt über der menschlichen Gestalt. Schöner und deutlicher noch, als der Himmel sich wölbt über der Erde, wölbt sich der Schädel über der Gestalt des Menschen. --- in Seifen jeder Art. Für Naumann's Kernseife «extrafeine Qualität» gibt es keinen Ersafe. Naumann's Feinseifen sind unerreicht in Körper sowie Parfüm und für die Gesundheitspflege direkt vorbildlich. ZuntJSaiSOnbeginn versende p Nachnahme in bekannter Ia Qualität: Gänseliesen, rein . m.1.60 frisch J Hautfett, dick .... Pfd.M l.40 von diesjährigen Gänsen Gänsesslnnals, ia . Pfd. 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