Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 10 (10.1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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kurz bot dem Eingänge des Jaum Taub stattfand, konnte sein Amtsnachfolger, Lehrer Seelig, nur in wenigen Worten den großen Verlust schildern, bon dem Familie und Gemeinde betroffen. Er machte ferner bekannt, daß Herr Rabbiner Dr. Jacob Hofmann, Frankfurt, den Verblichenen durch Erteilung des Morenutitels geehrt habe. Um jedoch weiteren Kreisen Gelegenheit zu geben, den berstorbenen Lehrer und Führer zu ehren, bor allem denen, die wegen der Nähe des Jaum-taub der Beerdigung nicht anwohnen konnten, beranstaltete der Vorstand der Israelitischen Gemeinde am Mittwoch, den 16. September, eine würdige Trauerfeier in der Synagoge zu Friedberg. An derselben nahmen der Bürgermeister, die Geistlichkeit, die Direktoren der Volks- und höheren Schulen, Vertreter des Kreisamts, Vertreter der jüd. Lehrerschaft, sowie eine große Anzahl bon Freunden und Bekannten des Verstorbenen teil. Nach dem Abendgebet wurde die Feier mit dem Gesänge Enausch kechozir, stimmungsboll borgetragen bon Lehrer Bettmann, Bad-Nauheim, eröffnet. Hierauf folgte die Gedenkrede des Herrn Probinzialrabbiner Dr. Sander, Gießen. In gedankentiefen Worten zeichnete der Redner ein treffendes Lebensbild des berstorbenen Lehrers, seine hohen Charaktereigenschaften und sein großes Wissen auf allen Gebieten herborhebend. In einer weiteren Rede des Lehrers Seelig, Friedberg, führte dieser aus, wie sein Vorgänger in der Gemeinde für Thorah, Aboda und Gemilus Chasodim gesorgt hat. In warmen Worten gedachte er der Verdienste, ganz besonders aus dem Gebiete der Nächstenliebe, aus welchem sich Heinrich Ehrmann unsterblich gemacht hat. Der 1. Vorsitzende der Gemeinde, Herr Ferd. Krämer, überbrachte den Dank seiner Gemeinde; das Wirken und Streben des Verewigten sichert ihm ein ewiges Andenken. Herr Krämer überbrachte gleichzeitig die letzten Grüße des Landesberbandes der israelitischen Religionsgemeinden Hessens, dessen Bestrebungen der Verstorbene stets weitgehend unterstützte. Im Namen der ehemaligen Schüler sprach in sehr bewegten und treffenden Worten Dr. S. Nosenthal den Dank und das Gelöbnis der Treue aus. Die hessische Lehrerschaft war bertreten durch Lehrer Kaufmann, Schotten, während für den Bund gesetzestreuer Lehrer Konrektor Hirschberg sprach. Auch die Gemeinde Bad-Nauheim ließ durch ihren Vorsitzenden Rosenthal die letzten nachbarlichen Grüße überbringen. Den Dank der mensa academica judaica, Friedberg und der w. Loge überbrachte Herr Leopold. Als letzter Redner sprach Redakteur Schachnowitz bom Israelit, dessen ehemaliger Mitarbeiter der Verstorbene war. Die Feier wurde mit einem El mole Rachamim-Gebet, borgetragen bon Lehrer Seelig, beendet. Möge der Allgütige die Trauernden, die innerhalb eines halben Jahres Vater und Mutter beweinen mußten, trösten. Der Name Heinrich Ehrmann wird mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde Friedberg ewig berbunden bleiben. Friedberg (Hessen). Ende August waren 60 Jahre berflossen, daß die Synagoge unserer Gemeinde eingeweiht wurde. Ihre Vorgängerin war erst im Jahre 1848 mit großen Feierlichkeiten ihrer Bestimmung übergeben worden, doch bergrößerte sich die Gemeinde damals so rasch, daß bereits im Jahre 1880 der Vorstand bor die Notwendigkeit eines Um- oder Neubaues gestellt wurde. Nach langen Verhandlungen entschied man sich für einen größeren Umbau, dessen Einweihung zu Parschas Reeh im Jahre 1881 bollzogen wurde. Mit Rücksicht auf die ernsten Zeiten wurde bon jeglicher Feier abgesehen, dagegen wies Lehrer Seelig in der Predigt am Vorabend des Roschhaschonohfestes aus die erwähnte Tatsache hin, gedachte der um die Entwickelung der Gemeinde berdienten Männer, insbesondere seines Vorgängers, Lehrer Ehrmann s. A., der wenige Stunden zubor zur ewigen Ruhe gebettet wurde. Mögen die kommenden 60 Jahre für unsere Gemeinde nur Gutes bringen und uns und unser gesamtes Judentum zum Ausstieg führen! Groß-Oierau. Am 29. September d. I. feierte Herr Lehrer Julius Rothschild seinen 60. Geburtstag, gleichzeitig begeht Herr Rothschild die Feier seines 40jährigen Amtsjubiläums. Am 1. August waren es 20 Jahre, daß er Lehrer der hiesigen jüdischen Gemeinde ist. — Während der hohen Feiertage weilte Herr Dr. Karl Rothschild aus New-Brunswick, N.-U., ein Sohn des Herrn Lehrer Rothschild, auf der Rückreise bom Internationalen Neurologen-Kongreß in Bern zu Besuch in seinem Elternhause. Mainz. Herr Albert Beck, Stiftstraße 16, feierte am 17. September d. I. bei boller körperlicher und geistiger Gesundheit das Fest des 85. Geburtstages. — Herr Beck wohnt seit mehr als 60 Jahren in unserer Stadt, während des Weltkrieges gehörten acht Söhne desselben dem Feldheere an. Oppenheim a. Rh. Am ersten Tag des Rosch Haschonohfestes konnte Herr Siegfried Rosenthal aus eine 25jährige Zugehörigkeit zum Vorstände der hiesigen Israelitischen Religionsgemeinde zurückblicken. Herr Rosenthal, der Erster Vorsteher der Gemeinde Oppenheim-Nierstein ist, hat in dem Vierteljahrhundert, in welchem er seine Gemeinde betreut, gewissenhaft und zielbewußt die Verwaltung dieser alten Gemeinde geleitet. In Stadt und Kreis Oppenheim hat er sich die Anerkennung und Wertschätzung der weitesten Kreise erworben. Seine aufrechte jüdische Gesinnung und seine makellose Lebens- und Geschäftsführung hat schon manchen Judengegner entwaffnet. Staatliche und städtische Behörden nehmen seinen sachkundigen Rat in den berschiedensten Organisationen und Ausschüssen dankbar und gerne in Anspruch. Dem Landesberband der israelitischen Religionsgemeinden Hessens stellt sich der Jubilar als Mitglied des Oberrats allezeit bereit zur Verfügung. Die Israelitische Religionsgemeinde feierte deshalb das Jubiläum mit gutem Recht: Gelegentlich des Neujahrsfestgottesdienstes wurde dem Jubilar bon seiner dankbaren Gemeinde ein Ehrentallis überreicht. Die Verdienste des Jubilars wurden in schlichter aber eindrucksboller Weise gewürdigt. Möge der Gefeierte noch biele Jahre zum Segen seiner Gemeinde aus seinem Ehrenposten stehen! Worms. Der „Jüdische Jugendberein Worms" wandte sich in diesen Tagen in einem Ausruf an die jüdische Jugend, sie zum Zusammenschluß und zur tatkräftigen Mitarbeit aufsordernd, und bersandte gleichzeitig sein reichhaltiges, für die Zeit bon Mitte September bis zum Schluß des Jahres geltendes Programm. Es sieht Vorträge, Arbeitsgemeinschaften, Wanderungen, Freitagabendfeiern und andere Veranstaltungen bor. Den Erössnungsbortrag hielt am Mittwoch, 16. September Herr Isidor Kiefer. Wir lesen hierüber in Nr. 472 der „Wormser Zeitung" bom 17. September: „Gestern abend sprach im Nebensaal des Spiel- und Festhauses bor den überaus zahlreich erschienenen Mitgliedern des J.J.V. Herr Isidor Kiefer über: „Jüdische Begräbnisstätten mit besonderer Berücksichtigung des alten israelitischen Friedhofes zu Worms". Wer den alten jüdischen Friedhof besucht, berläßt ihn nicht ohne tiefen Eindruck, cs bewegt ihn das tragische Hinscheiden so bieler, die da ruhen. Den Toten die ungestörte Ruhe zu erhalten, war den Juden eine Ehrensache durch die Jahrhunderte hindurch. Und auf den Friedhöfen haben sich bei den bielen Judenaustreibungen bewegte Szenen abgespielt. Im frühen Mittelalter entstanden zuerst aus europäischem Boden die jüdischen Friedhöfe. Ein interessanter geschichtlicher Rückblick gab, unterstützt durch Lichtbilder, Einblicke in die jüdische Bestattungsweise zur Zeit der Antike. Seit dem 10. Jahrhundert hat sich der jüdische Friedhof durchgesetzt. Das Alter des Prager Friedhofes ist sehr umstritten. Nur der Wormser Friedhof ist böllig unberührt erhalten, hier stehen die ehrwürdigen Steine seit Jahrhunderten an Ort und 5