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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-09-01 · 9 (9.1931) · p. Seite 12

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
9 (9.1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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In dem Jahre, in dem der Hilfsverein der Deutschen Juden auf ein 30jähriges Bestehen zurückblickt, werden wir auch, und zwar am 17. September, den 80. Geburtstag unseres hochverehrten Herrn Präsidenten D r. James S i m o n feiern. Wir wollen ihm nicht im voraus heute schon zu diesem Tage Glück wünschen; ich möchte Ihnen aber schon heute Vorschlägen, mit ihm zu überlegen, wie wir ihm zu diesem Tage eine „Ueberraschung" bereiten können. Der .Hilfsverein der Deutschen Inden ist von Dr. James Simon mitgegründet worden, von ihm und vielen anderen verdienstvollen Männern, von denen Herrn Generalkonsul Engen Landau heute hier zu sehen, uns eine große Freude ist. Dr. James Simon hat zusammen mit unserem unvergeßlichen Freunde Dr. Paul Nathan dem Hilfsverein insbesondere das Gepräge gegeben. Wir Deutschen Juden erleben in unseren Empfindungen doppelt die Freuden und Leiden einer Minorität. Wir gedenken der 30 Millionen im Auslande (einschließlich Amerikas^ lebenden Deutschen. Wenn wir diesen in gemeinsamer Arbeit mit unseren andersgläubigen Landsleuten helfen wollen, ihr Deutschtum zu bewahren, müssen wir uns in die Lage und in die Not solcher Menschen versehen, die als eine Minorität zu leben gezümngen sind; als deutsche Juden müssen wir, zusammengeschlossen im Hilfsverein, mithelfen, das Elend unserer in der Welt zerstreut lebenden Glaubensbrüder zu mildern. Wohltun kennt keine politischen Grenzen. Das Unglück von Minoritäten in einem Land muß von Mitgliedern von Minoritäten in anderen Ländern oder denjenigen Menschen gemildert werden, die sich in die Not einer Minorität versehen können, denn die meisten Menschen, die nur gewohnt waren, als Mitglieder einer Majorität zu leben, werden grausam sein und taub für die Schmerzen der in der Minderheit Lebenden. Je stärker der Druck ist, unter dem wir leben, um so größer ist unser Stolz und der Wunsch, nicht aufzuhören im Helfen; das gilt für uns als Deutsche, wie als Juden. Für den deutschen Juden gilt nicht die Frage: soll ich deutsche Not oder jüdische Not lindern, der deutsche Jude muß beides leisten. Liebeswerke dürfen auch dann nicht unterbrochen werden, wenn die Sorgen im eigenen Lande groß sind; die Arbeit darf nicht ruhen. Wir im .Hilfsverein versuchen, soweit wir es vermögen, vor allem mit Hilfe ähnlicher ausländischer Organisationen, in der ganzen Welt das Elend der Inden zu mildern. Das ist die vornehmste internationale Zusammenarbeit der Juden: gegenseitige Unterstühung zur Milderung der Nvt, zur Ermöglichung freier Ausübung unserer Glaubensvorschriften, zur Pflege unserer aus monotheistischer Weltanffassung begründeten Ethik. Das ist internationale Tätigkeit der Juden im Sinne der höchsten Sittlichkeit! Verleumdungen, die von „internationalen jüdischen politischen Machenschaften, gerichtet gegen das eigene Vaterland" reden, sind Lug und Trug. Solche internationale Unterstühung kann aber nur erfolgreich sein, wenn die Nationen, denen die Juden angehören und dienen, stark sind: nur wenn Deutschland, dem wir deutschen Juden mit Leib und Seele verbunden sind. stark ist, sind auch wir Juden stark genug, um Gutes zu tuu. Sind die einzelnen Nationen nicht stark, so wird die ganze Welt ein Menschenbrei. Wir deutschen Juden haben unseren Glaubensgenossen in den anderen Ländern manches zu vermitteln, was uns Deutschland gab, vor allem bewährte deutsche Metbodeü in der sozialen Fürsorge, in Bildungs-, insbesondere Schulfragen. Auch das Palästinawerk steht nicht im Widerspruch zu^ unseren treuesten Empfindungen für unser Vaterland. Unbeschadet unseres Deutschtums können wir für eine Stätte im Heiligen Lande wirken, von der wir glauben, daß dort ein Wiedererstarken des Judentums erlebt werden kann, gegen das heute mehr denn je grausam gekämpft wird und das in grober Gefahr ist. Sie, hochverehrter, lieber Herr D r. S i m o n , sind uns immer ein Beispiel dafür gewesen, wie Wohltätigkeit richtig geübt werden soll, und werden uns immer ein Beispiel hierfür bleiben. Unabhängig von der Gunst oder Ungunst der Feiten, der politischen oder wirtschaftlichen Lage unseres Vaterlandes, unabhängig von den eigenen Sorgen, sind Sie Ihrem hohen Lebensziel, Gutes 1111% in Seifen jeder Art. Für Naumann's Kernseife «extrafeine Qualität» gibt es keinen Ersafc. Naumann's Feinseifen sind unerreicht in Körper sowie Parfüm und für die Gesundheitspflege direkt vorbildlich. uud Schönes zu fördern, treu geblieben, in sich so gefestigt, daß kein Sturm Sie erschiittern kounte, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele: b'chol l'wovchoh u'wchol nasschechoh Ihren Idealen zu dienen. Eines Ihrer Herzenskinder zu unserem und vieler Menschen Glück war und ist: der Hilfsverein der Deutschen Juden. Freunde von Ihnen wollen Ihnen daher in dankbarer Erinnerung an Ihre 30jährige Tätigkeit, anläßlich Ihres 80jährigen Geburtstages Gelder für eine „Dr. James Simon-Stiftung" überreichen, die in erster Linie für Schulwerke bestimmt sein sollen. Die Verwendung der Gelder soll dem Vorstand des .Hilfsvereins der Deutschen Juden überlassen bleiben. Wir alle haben ein Recht und eine Pflicht, da weiterzuarbeiten, wo Dr. James Simon mit Freunden vor 30 Jahren begonnen hat, damit der Hilssverein der Deutschen Juden nach schweren Feiten alten Fielen mit neuer Kraft erfolgreich zustreben kann. * Wir wünschen dem .Hilfsverein auch für kommende Jahrzehnte erfolgreiche und gesegnete Tätigkeit und sprechen dem verdienten Vorsitzenden unsere Glückwünsche aus. Die Schriftleitung. Vereine und Verbände. Die Zentralwohlfahrtsstclle der deutschen Juden läßt soeben einen Aufruf an die jüdischen Gemeinden in Deutschland ergehen, dessen Grundgedanken nachstehend folgen: „In schwerer Stunde richten wir an die jüdischen Gemeinden in Deutschland den Ruf: Haltet die Wohlfahrtspflege aufrecht! 1. Keine Gemeindeaufgabe ist in dieser Not notwendiger als Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik. « 2. Helft, daß überall die unentbehrlichen Heime, die Kindergärten Horte, Jugendheime offen bleiben. Vermehrt die Speisungen. Aber vermeidet und verhindert rücksichtslos alle Doppelarbeit, jeden Leerlauf. 3. Erhaltet der Arbeit alle Berufskräfte. Sie leisten schwerste, verantwortungsvolle Arbeit. Sie bringen das Vielfache von dem herein, was sie kosten. 4. Ermutigt den Helferwillen jedes Einzelnen! Gewinnt freiwillige Mitarbeiter! Weckt die Nachbarschaftshilfe! Schafft „Pfundsammlungen!" 8. Stärkt in der Arbeit die Gemeinschaft mit den anderen konfessionellen und interkonfessionellen Organisationen und mit der öffentlichen Wohlfahrtspflege. Gemeinden und Vereine schließt euch enger zusammen! Erhaltet und stärkt das Werk der jüdischen Wohlfahrtspflege." Berlin, August 1931. Für den geschäftsführenden Vorstand der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden B a e ck, Vorsitzender. In der Nähe von Ilmenau in Thüringen fand vom 3. bis 0. August der dritte Bundestag des Bundes der Junggruppen im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. Am ersten Tag schien es, als zerreiße die tiefgehende Uneinigkeit, die heute in der jüdischen Jugend herrscht, auch den Bund der Junggruppen. Aber die Frage intensiver Arbeit und ehrlicher Auseinandersetzung mit den jüdischen Fragen erzielten eine völlige Einheit in Grundhaltung und Erziehungsmethode: Der Bund der Junggruppen steht auf dem Boden der gesamtjüdischcn Idee, die die jüdischen Bewegungen und Einzelmenschen, die nur ihre Partei kennen, umbiegen und zurückwenden will zur Mitte, zum gesamten Judentum als jüdischem Kollektiv. — Die innere Geschlossenheit des Bundes zeigte sich in der einstimmigen Wahl des neuen Bundesleiters Kurt London; das Streben nach Einheit innerhalb der jüdischen Jugend kam in der auf dem Lager beschlossenen engen Arbeitsgemeinschaft mit dem jüdischen Pfadfinderbund in Deutschland zum Ausdruck. K. I. Die jüdische Jugend ruft nach Euch! Die Not unserer Feit mahnt alle zur Besinnlichkeit. Ganz besonders eindringlich gilt ihre Stimme in diesen Tagen dem jüdischen Menschen, den sie zwiefach hart bedrängt. Darum mutz er sich über die Zerklüftung in Parteien, Richtungen, Gruppen und 12

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