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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-09-01 · 9 (9.1931) · p. Seite 11

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
9 (9.1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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steh er Herr Salomon Meyer gewählt. Das Amt des 8. Vorstehers erhielt Herr Samuel Baum durch Wiederwahl. Worms. Hiesige Zeitungeu berichten unterm 6. August: Die Gesellschaft zur Förderung des Handwerks, der Judustrie und der Landwirtschaft unter den Juden veranstaltete gestern abend im Gemeindehaus der israelitischen Gemeinde einen Vortragsabend, in dem der Redner, Herr Dr. Michael T r a u b - Berlin, das Problem der Anpassung der Juden in erwerbstätiger Beziehung zur neuen Wirtschaftsgestaltung behandelte. Wenn auch die jetzigen Krisen allgemeiner Natur seien und sich auf alle Länder und Völker erstrecken würden, so gäbe es doch ein spezifisch jüdisches Problem, das seinen Schwerpunkt in der besonders gelagerten Stellung der Juden zur früheren Wirtschaftsordnung und in diesem Zusammenhänge zu der sich jetzt vollziehenden Wirtschafts-Neuordnung finde: die Stellung des Juden als Zwischenhändler zwischen Erzeuger und Verbraucher. Diese Stellung als Vermittler werde immer mehr geschwächt, da das Bestreben nach Verbilligung der Waren den Weg zwischen Produzent und Konsument vernunftgemäß immer mehr verkürze. Der Jude müsse daher umlernen, einen richtigen Beruf lernen, der es ihm ermögliche, sich in Zukunft eine Existenz zu schaffen. Um dies richtig verstehen zu können, müsse man geschichtlich zurückgrerfen und feststellen, daß z. B. im Mittelalter dem Juden der Weg zur Erlernung eines Handwerkes, der Landwirtschaft usw. versperrt wurde. Daß er also in die Stellung des Krämers, des Händlers, Vermittlers, Geldgebers u. a. gegen feinen Willen gezwungen worden war. Er hätte früher nie erzeugt, sondern nur vermittelt, und das räche die Wirtschaft jetzt an den Juden. Heute müßten die Hände zwischen Erzeuger und Verbraucher verschwinden. Und da sind es besonders die Juden, die Opfer dieses Prozesses einer Neuordnung find, an der auch der Staat beteiligt ist, der nach dem Kriege regulierend in das Wirtschaftsleben eingegriffen habe. Wir müssen uns also einen neuen Wirkungskreis erkämpfen, selbst unter der Bedingung der Verproletarisierung. Es gilt hier Schwierigkeiten zu überwinden, die darin bestehen, glauben zu machen, als ob der Jude nicht Handwerker oder Arbeiter sein körrne. In Deutschland kannte man früher allerdings nicht einen jüdischen Arbeiter und Rußland betrachtetet heute jeden, der irgendwie mal, und wenn auch noch so klein, selbständig war, als Deklassierten, der kein Anrecht auf Brot habe. Dieses Recht auf Arbeit jedoch müssen wir als Ziel setzen. Wie wenige noch wirklich Selbständige gibt es, aber wie viele, deren Sehnsucht es ist, angestellt zu sein. Hier gilt es zu beweisen, daß der Jude ein tüchtiger, geschätzter Arbeiter sein kann. Im zweiten Teil machte der Redner mit den Zielen und Aufgaben der Gesellschaft bekannt, die Handwerkerschulen und Schulen für andere praktische Berufe, wie Landwirtschaft usw., errichtet hat, in denen es auch Erwachsenen ermöglicht wird, einen richtigen Beruf zu erlerneu. Eine der Hauptaufgaben ist die Qualifizierung des jüdischen Arbeiters und der Durchbrechung der Front der' Abneigung gegen den jüdischen Arbeiter. Zum Schluß kam Herr Dr. Traub, der noch mit interessanten und vergleichenden Zahlen aus anderen Ländern, in der Hauptsache Rußland, aufwartete, aus denen hervorging, daß auch der jüdische Arbeiter sich in immer größerer Zahl durchzusetzen vermochte, auf weitere verschiedene Aufgaben des „Ort", wie Verwandtenhilfe, Landwirtschaft u. a. zu sprechen und schloß seine Allsführungen, die viele neue ideale ulld mutige Gedankerl zeigten, mit dem Wunsche, daß die Beziehurlgen zwischen West lind Ost sich zu einer gemeinsameli Aufgabe auswachsen mögen. Worms. Der Freitagabelld-Gottesdiellst — ditG & — gestaltete sich aus Anlaß der Einführung des Herrn I. Hohenemfer in sein Amt als Religionslehrer und Kantor uilserer Gemeinde z»l einem besonders feierlicheil. Erschienen waren hierzu fast alle Mitglieder unserer Gemeinde, die dem jungeri Beamtell durch ihr Kommen einen stillen Willkommengruß bieten wollten. Warillherzige und wertvolle Begrüßungsworte spracheil nacheinallder die Herren I. Kies er und Rabbiner D r. Holzer, ersterer im Rainen der Gemeinde und des Gesamtvorstandes, irrsbesondere im Namen von dessen Kultussektion, Herr Dr. Holzer llaineils des Wormser Rabbinats. Es ist selbstverständlich, daß hierbei, rückblickend, auch aller derjenigen in herzlicheil Worteil gedacht wurde, die hier tu unserem ehrwürdigen Gotteshause, die in uliserer Schule als Vorgänger des Herrn Hohellemser gewirkt ulld iir deren Reihe er sich nullmehr als jüngstes Glied gestellt sieht, daß namentlich das verdienstvolle Wirken des jetzt in den Ruhestand getretenen Herrn Oberkalltors und Lehrers L. Agulllik in gebührender Weise Allerkennung fand. Möge es Herrn Hohenemser vergönnt sein, ein segensreiches Wirker: entfalten zu köllnen, das Vertrauen,-das ihm eiltgegellgebracht wird, in weitgeheildstem Maße zu rechtfertiger:! ie folgenden Damen und Herren haben die sonst üblichen postalischen Glückwünsche zu Roschhaschonoh durch eine Wohlfahrtsspende abgelöst. Sie bekunden hierdurch ihre Segenswünsche auf eine ns'nm ri-T2 allen Freunden und Bekanntcn uild danken zugleich erwidernd für die an sie ergangenen Gratulationen. ( Mainz: J Moritz Berney und Frau Frau Hedwig Berney Jacob Deutsch und Frau < Dr. L. Ehrmann und Frau > Siegfried Fraenkel Sal. Wilh. Fraenkel u. Frau ' Manfred Fröhlich und Frau Dr. Max Gerstmann u. Frau , Jacob Goldschmidt u. Familie Schreibmafchinen-Günzburg und Familie ' Frau Felix Grünewald Wwe. Frau Eugen Herzog Wwe. Jacques Herzog und Frau Oberkantor I. Jonas u. Frau Julius Jungermann u. Fam. Leopold Klein und Frau Adolf Kllopp u. Fam. Dr. Emil Kramer Rabbiner Dr. S. Levi u. Fam. Frau Emil Löwensberg Wwe. Fritz Löwensberg Hugo Löwensberg und Frau Kommerzienrat B. A. Mayer und Frau Henry Meyer und Frau Rechtsanwalt Otto Neumann und Frau Carry Odenheimer Familien Jfaac und Kurt Oppenheimer Dr. Julius Picard u. Frau Lehrer M. Roseuberg u. Frau S. Rusznyak u. Familie Siegfried Selig und Frau, Kaiserstraße 82 Hermann Simon und Frau Dr. Paul Simon und Frau Frau M. Souuenberg Hermann Schäfer und Frau Karl Schlicher Amtmann E. Schlösser u. Fr. f David und Louis Schneeberger ' sowie Frau Frieda Schloß Julius Schottländer u. Frau Frau Dr. E. Stern Wwe. Elfriede Vogel Theo Weil und Frau H. Z. Alsfeld: Lehrer L. Kahn Adolf Steinberger Alzey: Rabbiner Dr. Lewit und Frau Bingen: Rabbiner Dr. Guttmann. Tarmstadt: Rabbiner Dr. Bienheim Ludwig Joseph Siegfried Stern und Sohn Echzell: Lehrer Josef Stern u. Fam. Gießen: Prob inzialrabbiner Dr. Sander ' Harxheim: Ferdinand Mayer u. Familie Offenbach: Berger und Schmelzer Nathan Grünewald Israel. Neligiousgemeiude Offenbach Dr. Manfred Strauß u. Frau Oppenheim: Siegfried Rosenthal Osthofen: Ludwig Ebert Worms: Dr. Goldschmidt Sanitätsrat Dr. Nickelsburg A. Salomon, Oberreallehrer im Ruhestand Hilssverein der deutschen Juden. Am 17. Sept. d. Js. kann der Hilfsverein der deutschen Juden die Feier seines 30jährigen Bestehens begehen. Die Leistungen des Hilfsvereins während dieser 3 Jahrzehnte sind in einem kurzen Artikel nicht zu schildern. Um aber unsere L.eser einen Einblick in die Verdienste des Vereins und seines Vorsitzenden, des Herrn Dr. James S i m o n in Berlin, der am Jubeltage des Vereins seiner: 80. Geburtstag feiern karrn, tun zu lassen, brirrgen wir hier die Ansprache, die'der stellvertr. Vorsitzende des Vereins, Herr Max Marburg, Hamburg, rrach dem Jahresbericht für 1930 bei der letzter: Jahresversammlung des Hilfsvereins am 19. April 1931 gehalten hat. 11

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