Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 9 (9.1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Gruppchen hinweg zu der allverbindenden Gemeinschaft finden: dem Judentum. Junge jüdische Menschen jenseits aller geistigen und politischen Zollschranken aus gemeinsamem Boden zusammenzuschließen, ist das Ziel des Verbandes der Jüd. Jugendvereine Deutschlands. Er will die in ihm geeinte Jugend zu aufrechten Menschen und bewußten Juden erziehen. Dieser Aufgabe vermag er nur gerecht zu werden, wenn alle Kreise der jüdischen Gemeinschaft bei seiner Arbeit tatbereit Mitwirken und ihm gerade jetzt verständiiisvoll helfen die zeitbedingteii Nöten zu meistern. Wir rufen alle jüdischen Menschen unserer Stadt und Umgebung, vor allem diejenigen, die bisher noch außerhalb der Reihen hes Jüd. Jugendvereins standen, zu einer Gemeinschaftsst u n d e aus. Wir wollen Euch einen Ausschnitt unserer Arbeit zeigen und erwarten bestiinint, ba% Ihr Euch unserem dringlichen Rufe nicht entziehen werdet. ( Erscheint daher am Mittwoch, 23. September d. I., abends 20,M Uhr, im großen Gemeindesaal (Josefstr.) vollzählig! Das Programm des Abends ist an anderer Stelle ersichtlich Haltet Euch den Abend frei! Die Sache der jüdischen Jugend ist die Sache der Gemeinde und jedes Einzelnen! Vorstand des Jüd. Jugendvereins Mainz. Bücherschau. Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz mit dem Sitz in Düsseldorf widmet das erste Heft seines 25. Jahrganges den jüdischen Kult- und Kunstdenkmälern im Rheinland. Diese Erscheinung soll das in der jüdischen Abteilung der Jahrtausendausstellung der Rheinlande im Jahre 1925 in Köln zusammengebrachte Material, wissenschaftlich verarbeitet, den Mitgliedern des Vereins zuführen. Dieser Aufgabe ist der Leiter dieser Sammlung, die in so hohem Maße aufklärend gewirkt hat, Rabbiner Dr. Adolf Kober mit seiner kunstwissenschaftlichen Mitarbeiterin, Elisabeth Moses, nachgekommen. Kober erzählt zunächst in einem kurzen Aufsatz vou jüdischen Friedhöfen im Rheinland, jenen frühen Erinnerungsstätten zu Worms und Mainz, zu Köln und Speyer, wie zu Siegburg und Deutz. Die eigentliche Arbeit „Aus der Geschichte der Juden im Rheinland" umfaßt fünf Kapitel, nämlich 1. K.: Bis zur Zeit der Kreuzzüge, 2. K.: Von den Kreuzzügen bis zur Ausweisung der Juden aus den rheinischen Städten, 3. K.: Von der Ausweisung aus den rheinischen Städten bis zum Zeitalter der Aufklärung, 4. K.: Vom Aufklärungszeitalter bis zur Gegenwart, 5. K.: Uebersicht der Zahl der Juden in den linksrheinischen Departements in den Jahren 1806—1808. Ueber den Zweck der Arbeit hinaus eine nicht jüdische Leserschaft in die wechselvolle Geschichte rheinischer Juden einzuführen und die vielen Einzeldarstellungen aus der Geschichte der zahlreichen rheinischen Judengemeinden zu einer einheitlichen Schilderung zu verbinden, gibt Kober auch dem Kenner willkommene Aufschlüsse über bisher unbekannte Daten und Geschehnisse unserer Heimatgeschichte. Der Arbeit der Kunsthistorikerin D r. Moses über die jüdischen Kult- und Kunstdenkmäler im Rheinland kann man leider nicht nachrühmen, daß ihr die Sichtung des reichen Materials der Kölner Ausstellung nach der wissenschaftlichen Seite hin geglückt ist, was ihr auch selbst bewußt ist, wenn sie im Vorwort schreibt — sechs Jahre nach der Ausstellung! —, sie habe nur der Zusammenstellung des Materials die Wege ebnen wollen. So bleibt ihre Arbeit nur als Einführuug für alle die zu empfehlen, die sich einen Ueberblick über die jüdischen Kunstdenkmäler im Rheinland schaffen wollen, zumal das Heft mit sehr gutem Bildermaterial ausgestattet ist. Das Bildmaterial hätte systematischer eingefügt werden können: es ist weder nach geographischen, noch nach zeitlichen, noch nach inhaltlichen Gesichtspunkten geordnet, dadurch sind Uebersicht und Vergleich erschwert. (Das Seite 71 abgebildete Sandschälchen für die Beschneidung ist vor Jahren geschenkweise von Frau Sally Fürth der Sammlung jüdischer Altertümer in Mainz übergeben worden; das Schild Seite 151, oben links, befindet sich nicht in Friedberg, sondern in Mainz.) K. L. Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz. Dieser Verein hat als Heft 2 des Jahrganges 1931 eine Jubiläumsnummer anläßlich seines «5jährigen .Bestehens herausgebracht (228 Seiten, Druck und Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1931). In einem Geleitwort des Vorsitzenden dieses Vereins, des Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Franz Schollen, in 16 Abhandlungen sachkundiger Forscher über Sondergebiete, in einer Buchanzeige und in einer Zusammenstellung der bisher von 1907—1931 erschienenen Hefte der Zeitschrift des Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz wird Grundsätzliches, Geschichtliches, Kunst- und Kulturgeschichtliches dargelegt. Diese Darlegungen sind au einer Fülle gut gelungener Bilderwiedergaben veranschaulicht; die Eigenart der schönen Landschaft des Niederrheingebiets, seiner Bauten und Kunstdenkmäler aus alter mtb neuerer Zeit wird in ansprechender Auswahl und einprägsam dargetan. Das Heft wird über den Wert einer einmaligen Jubiläumsveröffentlichung hinaus dauernd Geltung behalten. Dr. L. Die Gesellschaft für Jüdische Familienforschung versandte ihr 26. Heft. Der Dipl.-Kaufmann Ernst Wolfs- Berlin führt die im vorigen Heft begonnene Anleitung zur Führung eines Familienarchivs weiter. Bankier Semmy Sachs- Hamburg schildert auf Grund alter Glogauer Stadtakten, die er selber aufgefunden hat, die Nachkommen von drei jüdischen Schwestern, denen um 1600 für ihre sämtlichen Nachkommen der Kaiser Rudolf II. Wohn- und Handelserlaubnis in Glogau zugesichert hatte. Eine Erlaubnis, die von allen späteren Kaisern bestätigt wurde, auch zu Zeiten, wo sonst kein anderer Jude in Schlesien solches Privileg besaß. Die Behörden forderten daher von Zeit zu Zeit Abstammungsnachweise ein und eben diese sind es, die einen interessanten Einblick in die Verhältnisse der damaligen Juden, besonders ihre Fruchtbarkeit, gestatten. — Der bekannte Wirtschaftspolitiker Ernst Kahn- Frankfurt a. M. ergänzt den im vorigen Heft gebrachten Artikel über „Jüdisches Blut im arischen Adel" durch eine Liste von rund 100 Adligen, die unter den Nachkommen des Salomon Benedikt Goldschmidt ihre Gemahlin gesucht haben. Es finden sich hier Herzöge, Grafen, Lords, Freiherrn, ja sogar Fürsten und Markgrafen, ein interessanter Beitrag zum Problem der Rassenreinheit des arischen Hochadels. ., Max Markreich - Bremen teilt eine erschütternde Episode aus der napoleonischen Zeit mit. Im März 1818 hatte eine oldenburgische Küstenbatterie au der Wesermündung den Gehorsam verweigert. Der Führer einer französischen Strafkolonne ließ nicht nur die Schuldigen sofort erschießen, sondern nahm noch eine Zahl von Bürgern als Geiseln, denen der Tod für den nächsten Morgen angedroht war. Unter ihnen befand sich ein Jude Elias Koopmann. Dieser schrieb in jener Nacht seinen letzten Willen, der ein rührendes Zeugnis einer Frömmigkeit, Ehrlichkeit und pietätvollen Liebe darstellt. Uebrigens gelang es seiner 4kittin in derselben Nacht, seine Freilassung zu erwirken; ein jüdisches Gegenstück zur Handlung des Fidelio! Stadtrat K r o n t h a l - Berlin gibt eine aktenmäßig belegte Schilderung der Einbürgerung der Posener Juden, die bekanntlich nicht im gleichen Maß und zu gleicher Zeit mit der der übrigen preußischen Juden, sondern wesentlich später erfolgte. — Bernhard B r i l l i n g - Breslau setzt die Liste der jüdischen Marktbesucher der Breslauer Messe im 17. Jahrhundert fort. Um die Vererbung der Augenfarbe, die immer noch strittig ist, zu klären, wird eine Rundfrage geuan präzisierter Art an alle Leser erlassen. — Zum Schluß werden wiederum einige in Amerika ohne bekannte Erben verstorbene Juden initgeteilt. — Die Zeitschrift wird allen Mitgliedern unentgeltlich zugesandt; Probehefte durch das Sekretariat Berlin W. 9, Potsdamerstr. 5. Die soeben erschienene Nr. 3 des „Morgen" (7. Jahrgang) wird eingeleitet mit einem Aussatz von Hermann Funke über „Die große Krise. Das Geschlecht ohne Gott." Ausgehend von einer Betrachtung der Ursachen gegenwärtiger religiöser Verwirrung zeigt Funke den Weg zurück zur Religion. Es folgt die Uebertraguug eines Gedichtes von Ch. N. Bialik. Claude G. Montefiore, der geistige Führer des englischen liberalen Judentums, knüpft an den jüngst im „Morgen" erschienenen Aussatz Baecks über: „Volksreligiou und Weltreligion" an, mit einer feinsinnigen Betrachtung: „Ein kurzes Wort über Judentum und Weltreligion", zu der Leo B a e ck ein meisterliches Schlußwort schreibt. I. M a t t u ck , Rabbiner an der liberalen Synagoge in London, gibt in seiner Ansprache „Was eint Juden und Christen?" Kunde von der in England mit Erfolg aufgenommenen engen Zusammenarbeit zwischen christlichen und jüdischen Organisationen. Max Eisler vermittelt die Bekanntschaft zweier Tagebuchblätter des holländischen Malers Josef Israels: außerordentlich schöne Naturbilder, die in der liebevollen Hingabe der Schilderung lebhaft an das malerische Werk des großen Impressionisten erinnern. Ein Aufsatz von Otto Piper über „Die geistigen Strömungen im Protestantismus Deutschlands" gibt einen auf subtiler Kenntuis des Stoffes beruhenden instruktiven Ueberblick über dieses ganze Gebiet. 13