Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 9 (9.1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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V - I ■ J Falle sie auch mehrerenteils mit dem Titel Königliche oder fürstliche Agenten belegt werden. Daß der Mainzer Kurfürst Emmrich Joseph von Breitbach die Einkäufe für seinen Hof durch einen Hoffaktor tätigen ließ, belegt ein Aktenbündel des Würzburger Archivs1») über die Einkäufe 'des Hasfaktors M. Homburg für den kurfürstlichen Hof 1765—1775. Der Umstand, daß mau den Hoffaktor in Kurmaiuz sicherlich zeitweise übertragen hatte, „Regimenter zu prokurieren", geht aus einem Eintrag des Memorbuches hervor. 1759, zur Regierungszeit des Kurfürsten Friedrich Karl vor: Ostein, als sich Kurmainzer Truppen beim Reichsheer im schlesischen Kriege befanden, verstarb Jesocher, Sohn des Vorstehers Nathan Homburg. in Pirna i. Sachsen und wurde in Sabortin beerdigt.7 * * * 11/ Er befand sich nach dem Eintrag im Auftrag der Regierung und der Armeeführer, deren Truppen e-r zu versorgen hatte, bei dem Heere. Aus dem Nachruf für seine 1781 verstorbene Gattin Blümle geht hervor, dast sie die Armeelieferung behalten durste und sich großen Ansehens bei Hofe erfreute.12 * * *) Eine andere Aufgabe des Hoffaktors wird durch einen kurzen Vermerk auf einer Urkunde der Mainzer Stadtbibliothek bezeugt. Mähend der Negierung des Kurfürsten Philipp Karl von Elttz bewirbt sich der Schutzjude David Ganz aus Weisenau um die Verleihung eines Schutzbriefes für feinen Sohn Hayum. Auf der Rückseite dieser Bittschrift von 1741 steht: Dreitausend Zentner Hafer liefert Herr Mohses Löw Isaak, Kurfürst-licher Hoffaktor.1») Diese Bemerkung ist sehr aufschlußreich. Die Anrede „Herr" belegt die amtliche Stellung des Hoffaktors, da als Herren zur damaligen Zeit nur Beamte bezeichnet wurden,11) während die Hinterlegung des Hafers als Bürgschaft für die Zahlung des Schutzgeldes des Ganz zeigt, daß die Stellung des Hosfaktors auch Verantwortung für die Judenschaft gegenüber der Regierung mit sich brachte. Wie weit diese geht, fmtu aus dem Vermerk allerdings nicht geschlossen werden; es ist nicht ersichtlich, ob der Hoffaktor für die im Kurstaat zugelassencn Schutzjudcn als Beamter eiustehcn mußte, oder ob er eine freiwillige Bürgschaft im Interesse der Schutzsuchenden stellte. Von dem Einfluß einzelner hervorragender Juden bei dem kurfürstlichen Herrn war jedenfalls das Schicksal manches Schutzjuden abhängig, was ein Eintrag des Memorbuches aus dem Jahre 1710 beweist.1») Dem Vorsteher Isaak, Sohn des Mordechai Homburg, der hochbetagt verstarb, 1691,16) seine mit Jospe Cannstatt verheiratete Tochter betrauern mußte und zu den 10 Juden gehört haben dürfte, denen 1671 der Aufenthalt in der Residenz selbst gestattet iucu\17) wird nachgerühmt, daß er ein Fürsprecher für die Gefangenen gewesen, die dem Tode geweiht. Er wird Hoschtadlau genannt und es ist ntöglich, daß man jüdischerseits den Hoffaktor in seiner Eigenschaft als Fürsprecher für die Belange der Judenfchaft also benannte. Daß Isaak Homburg der .Hoffaktor des damaligen Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn war, läßt sich auch aus dem Umstand vermuten, daß die Hosfaktorcn. die wir in den Uruitden kennen gelernt, fast alle der Familie Homburg angehörtcn. Auch der im Vermerk von 1740 genannte .Hofsaktor Herr Mopses Löw Isaak dürfte zu dieser zu rechnen sein. Nach der Stadtaufnahme von 1747 ist der Eigentümer der Häuser Svnagoaeustraße 9, 18 und 16, von denen zwei „olim Isaak Homburg" bezeichnet fiitb,18) und von denen noch zwei bei der tiächsten Stadtaufltahme vor: 1786 im Besitze von Mitgliedern der Familie Homburg sind, nämlich von Jakob Homburg und Mäher Laderiburg, Vorsteher der Gemeinde, dessen Ehefrau Gittel der Familie Ho in-, bürg entstammte.1») Die Vermutung, daß das Arnt des Hoffaktors in einer Familie vererbt wurde, wird noch verdichtet durch die Kenntnis einer Urkunde aus dem Jahre 1778, wonach die Kopfzahl der zugelassencn Schutzjuden nicht über 100 betragen dürfe, nicht eingerechnet den 7) Magenza iLevi, S.) I. I. Fulda: „Dr. Jos. Hamburg. ™) M. R. A. Mil. 352 K 238. Durch die frdl. Mitt. des Herrn Archivars Tr. Dertsch in Mainz, n) Mainzer Mb. Nr. 742. 12) Mainzer Mb. Nr. 991.!3) Stadtarchiv Mainz 21, 708, 1741 5/7. 14i Mitteilungen des Herrn Prof. Tr. Schrohe, Mainz. 15) Mainzer Mb. Nr. 439. 16) Mainzer Mb. Nr. 439, der Vater vermutlich Nr. 151 verst. 1636. 17) Salfeld Bilder, Seite 44. 18) Schrohe Stadtaufnahmeu, Beiträge z. Gesch. d. St. Mainz, Band 8.!9) Mainzer Mb. Nr. 996. Hoffaktor, Schuldiener und Vorsänger. Die Erblichkeit des Amtes des Sckiuldieners, dessen Funktionen und Obliegenheiten wahrscheinlich viel umfassender waren, als heute, dem vielleicht die einträgliche Pfründe der Geschäftserlediguug für die außerhalb der Residenz wohnende Judenschaft zustand, wie sie für den Prager Schames in Breslau nachgewiesen ift,20) behauptet Salfeld. Mit der Hoffaktorenfamilie, bzw. der Familie Homburg möge sich die Familienforschuug bechästigen, während durch die Feststellung von Hoffaktoren in Kurmainz vielleicht der allgemeinen Geschichtsforschung wertvolle Quellen zur Wirtschaftsgeschichte von Kurmaiuz wie zu Beziehungen der Kurerzkanzler nach anderen Höfen erschlossen werden. Das Erholungs- und Altersheim für jüd. Lehrer und Kantoren in Bad Ems e.V. Von Jakob Höxter- Heldenbergen. Es sei mir gestattet, über das Erholungs- und Altersheim für jüd. Lehrer und Kantoren in Bad Ems einige Worte zu schreiben und dem geneigten Leser meine Erlebnisse während meines vierwöchigen Aufenthaltes in diesem Hause zu schildern. Warme Menschenfreunde ermöglichten durch Bereitstellung großzügiger Mittel die Grundsteinlegung zu einem Hause, in dem arme, verlassene Menschenkinder, denen der Strahl warmer Elternliebe fehlte, eine Zufluchtstätte vor den rauhen Stürmen des Lebens fanden. Etwa 30 Waisenmädchen jährlich aus allen Gauen unseres Vaterlandes fanden hier liebevolle Aufnahme, um für das Leben herangebildet und ertüchtigt zu werden. Es ist die unbarmherzige Tragik des wirtschaftl. Geschehens, daß gemeinnützige Institutionen am ehesten von wirtschaftl. Depressionen hinweggerafft werden; so wurde auch das Zeutralwaiseu- und Mädchenheim in der Römerstraße zu Bad Ems ein Opfer der durch die Wirtschaftskrise verursachten Not und mußte im Jahre 1929 seine Pforten schließen. Aber das Haus, in dem so viel Gutes verübt wurde, sollte auch für die Zukunft einem humanen Zwecke erhalten bleiben. Der seiuerzeitige Vorstand machte es in hochherziger Weise dem Verein „Erholungs- und Altersheim für jüd. Lehrer und Kantoreil" zum Geschenk. In neuem Gewand erfüllt das stattliche Gebäude unter der zielbewilßteu Leitung seiner Frau Oberin seit einem Jahre seine neue Aufgabe. Frohes und bewegtes Leben herrscht in den Räumen des Heimes. Alte Kameradeil, Semiuarkollegeu, in alle Teile des Reiches verstreut, treffen sich wieder und erneuern in herzlicher Weise die frühere Bekanntschaft. So mancher lieber FreiUld, den mail jahrzehntelang nicht mehr gesehen hat, ist da; kameradschaftliche Gedanken werden ausgetauscht, Schicksale erzählt. Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt, wenn diese Räume die gesaugskundigen Kollegen, Kantoren von Berus, mit dem Wohllaut ihrer Stimme füllen; schnell haben sich die Herren Kapellmeister Dr. Ehrenreich, Frankfurt a. M. und Oberkantor Eschwege, Würzburg die Herzen aller Jlisassen durch die Kunst ihres Spiels und das Gold ihrer Kehle erobert. Wenn man llicht beisammen ist, ist jeder damit beschäftigt den Vorschriften der Kur zu genügen; der eine geht zum Jiihaliereii, der andere zum Baden, dieser zum Brunnen, jener zur Promenade. Man fühlt sich als Glied einer großen Familie, deren Obhut in den Händen bewährter Kräfte liegt. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt, und nach gutem Essen verrichtet man das gemeinsame Tischgebet mit doppelter Begeisterung. In weiser Verfügung hat die Frau Oberin augeordnet ,daß die Mizwoh des Benschens die Runde macht; jeder kommt der Reihe nach dran, nur wer vor der Abreise steht, kommt bei seinem letzten Essen im Heim außerhalb der Reihe zur Ehre des Beuscheus, und etwas wehmütig ertönt der „Schwanengesang" des Kollegen, der so viel Freundschaft und Fürsorge verlassen soll ... Ganz besonders schöne Erinnerungen knüpfen sich an die Freitagabende. Nach Schulbesuch treten wir mit unserer Oberin den Heimweg au; laute „Gut Schabbos"-Wünsche ertönen überall. — Wir treten frohgemut in die vertrauten Räume ein, in denen sich bald rechte Schabbosstimmung auszubreiten beginnt. 2«) Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Böhmen, Heft 1. 8