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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-09-01 · 9 (9.1931) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
9 (9.1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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gembcr, und lvird also ztvei Sabbate bringen. Purim ist erst am 22. März ltiib Pessach am Donnerstag den 21. April, also 3K Worten nach Ostern. Der erste Tag Pessach fällt ans Donnerstag, wie, nach der bekannten Merksormel rx , auch der Tischo Beav. Das Jahr findet am Freitag, den 80. September 1982, sein Ende. Der'erste Tag Rosch Haschonoh des nächsten Jahres wird also wieder aus Sabbat fallen. Das Fasten um Gedalja, am 3. Tischri. Von Rabbiner D r. Sa n der, Gießen. Zwischen den beiden rein ethischen Festen des tiefen Ernstes und der strengen Selbstprüfnng, dem Neujahrs- und Versöhnnngsfeste, begeht man in Israel seit alter Zeit einen geschichtlichen Gedenktag, den Tag der Ermordung des Gedalja, am 3. Tischri. Diesen Fasttag des siebenten Monats erwähnt bereits der Prophet Secharja im Kap. 7, V. 5 neben dem großen Tranertage Tischo-b'aw und K. 8, V. 19 neben den übrigen an den Untergang des ersten jüdischen Staatswesens erinnernden Trauertagen. Diese Zusammenstellung schließt die mögliche Annahme aus, daß unter dem Fasttage des siebenten Monats hier der Versöhnungstag gemeint sein könnte. Im Hinblick auf die erste Stelle bemerkt der Talmud Rosch-haschanah 18 b: Diese beiden Trauertage werden nebeneinander gestellt, um zu lehren, daß der Tod der Frommen so schwer wiegt wie die Verbrennung des Tempels unseres Gottes. Keinem zweiten Manne ist in Israel, das jeden Personenkult weit von sich weist, eine solche Ehrung erwiesen worden. Dieser Gedalja war von dem Eroberer Jerusalems, Nebukadnezar, aus einem gewissen Gefühl des Mitleids mit dem zu Knechtschaft verurteilten Israeliten zum Statthalter über Judäa mit dem Sitze in Mizpa ernannt worden, um so einen letzten Rest des vergangenen Juda besteheu zu lassen. Unter den Schutz dieses Mannes stellten sich die dein Gemetzel und der Verbannung entgangenen Männer Judas, auch der Prophet Jeremias, der von dem babylonischen Oberfeldherrn Nebusaradan aus den Fesseln befreit und mit gütigen Worten vor die Wahl gestellt worden war, nach Babylonien auszuwandern oder auch im Lande zu bleiben. Tie jndäischen Heerführer des unglücklichen Krieges beschwor Gedalja inständigst: „Fürchtet Euch nicht, bleibet im Lande und dient dem Könige von Babylon, auf daß es Euch wohlergehe." Diese Mäuner aber hatten in Erfahrung gebracht, daß der Amoniterkönig aus Haß gegen Judäa einen der ihrigen, den Jsmael, den Sohn des Netanja, zu einem Mordanschlag auf den Statthalter gewonnen hatte und warnten^ Gedalja davor. Dieser aber konnte im Bewußtsein seiner Rechtschaffenheit an eine Verschwörung gegen sein Leben nicht glauben. Da erbot sich einer dieser Hauptlente, den Verräter Jsmael zll ermorden mit den Worten an Gedalja: „Warum soll er Dich töten? Es würden dann ja alle die Jndäer, die sich um Dich schaaren, vertrieben werden, und der Rest Judas ginge zu Grunde." Der arglose Gedalja aber antivortete: „Tue das nicht, wahrlich Du redest Falsches über Jsmael." Aber im siebeutcn Monat kam Jsmael, ein Mann aus königlichem Geschlechte, und zehn Mitverschworene nach Mizpa. ließen sich dort von Gedalja bewirten und töteten nach dem Mahle den Gedalja samt allen dort befindlichen Inden und Babyloniern. Aus Furcht vor der Rache des Babylouierkönigs flohen alsdanu die Judüer gegen die Mahnung des Jeremia nach Aegypten, wo nach Ansicht des Propheten sie ein trauriges Schicksal erwartete, lieber das sorglose Verhalten Gedaljas macht der Talmud Nidda 01 die Bemerkung: „Wenngleich man eine üble Nachrede sich nicht zu eigen machen darf, so ist man dennoch verpflichtet, ein wenig darauf zu achten, wenn es gilt, sich vor Unglück zu schützen." Wir haben hier in der Geschichte Israels eines der traurigen Beispiele dafür, wie Ueberpatrioten in ihrer Verblendung und ihrem loderndem Rachegesühl den letzten Rest von Gnade, den ihnen der Sieger gewährt hat, zum Schaden ihres unglücklichen Volkes zerstören; ohnmächtig gegen den Sieger, ihre rohe Gewalt an dem Unschuldigen ausüben, der nichts vom Verräter in sich birgt, aber in kluger Anerkennung zwingender Wirklichkeit durch seinen versöhnenden Friedenswillen die traurige Lage seines Volkes erträglicher machen will.. Daß solche rohe Gewalt, im Bunde mit niedrigster Hinterlist, sicherlich einen der edelsten der Nation hinmordet, ist ein Schandfleck in der Geschichte Israels, steht aber nicht einzig da in der Völkergeschichte. Selbst wenn wir dem überpatriotischen Meuchelmörder auch nicht die ehrliche Ueberzeugung absprechen — es gibt ja Verbrecher aus Ueberzeugung — so bat doch die Menschheit das Recht, hat jeder Ordnungsstaat die Pflicht, seinen Bestand und das Leben seiner Bürger gegen solche Mordgesellen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen. Das Fasten um Gedalja verkündet die Warnung, alle, auch scheinbar edele Ziele mit schimpflichen Mitteln zu erstrebeu. Leben und Ehre unseres Gegners müssen auch im Streite der Parteien und in allen politischen Kämpfen unantastbar bleiben. Hatten aber unsere Väter in späteren Jahrhunderten oder haben etwa gar wir noch heute die Schuld dieser verabscheuenswerten Tat an dem gerechten Gedalja zu sühnen? Kein Vernünftiger zieht die heute lebenden Athener zur Verantwortung für den Tod des Sokrates. Ebensowenig steht dem strengsten Sittenrichter das Recht zu, aus der Bluttat des Einzelnen einen Vorwurf der jüdischen Gesamtheit zu machen. Auch wenn der oberste Gerichtshof in Jerusalem einmal ein Fehlurteil gefällt oder auch einen Justizmord begangen hat, — in welchem Lande und bei welchem Volke wäre solches niemals geschehen? Sind Ketzer- und Hercnverbrennungen etwas anderes als Justizmorde aus ehrlicher Ueberzeugung? — haben weder Zeitgenossen noch die Nachkommen die Schuld zu sühnen. Das Fasten um Gedalja ist Ansdruck der Trauer um die grausame Tat eines einzelnen Verblendeten und soll als laute Mahnung vernommen werden, auch das Sjttlich-Gute nur mit lauteren Mitteln zu erzielen. Hinterlist und Mord können niemals die Staaten zu Freiheit und Glück emporführen. Jona. Von Rabbiner Dr. B i e n h e i m , Darmstadt. Wenn das Buch Jona für die Verlesung am Versöhnungstaae bestimmt wurde, so geschah es deshalb, weil Gottes allumfassende Liebe und Güte hier ins hellste Licht gerückt werden. Nach langem Widerstreben und erst gezwungen verkündet Jona der sündigen Stadt Ninive: „Noch vierzig Tage, und Ninive wird zerstört!" Die Leute vou Niuive tun Buße, Gott verzeiht, und Ninive bleibt bestehen. Das verdrießt Jona, und er betet: „Das war ja der Grund meiner Flucht. Ich wußte wohl, daß Du ein gnädiger und barmherziger Gott bist und Dich des Bösen gereuen läßt." Voll llnmnt verläßt er die Stadt und wartet außerhalb ab, was mit ihr geschehen würde. Dort läßt Gott dem lebensüberdrüssigen Jona einen Wunderbaum wachsen, der ihm Schatten spenden soll. Darüber hatte Jona große Freude. Am nächsten Tage aber schickte Gott einen Wurm, der jxnt schönen Baum anfraß, daß er verdorrte. Nun brannte die ^onne Jona wieder unbarmherzig aufs Haupt, er ermattete und wünschte sich den Tod. Da sprach Gott: „Bist du mit Recht erzürnt, Jona? Dir ist leid um den Baum, um den du dich nicht gemüht, den du nicht großgezogen hast, ein Gewächs von gestern auf heute, — uud mir sollte es nicht leid sein um Ninive, eine Stadt von über 120 000 Menschen!" Es gibt viele Menschen, die Jona gleichen. Wenn man das Verhalten des Propheten betrachtet, denkt man sofort an diejenigen, die gerechter sein wollen als Gott und besser wissen, was auf Erden das Rechte ist, denkt an die, die sich um eine 5

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