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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-08-01 · 8 (8.1931) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
8 (8.1931)
Date
1931-08-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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für sich in Anpruch und erklärt es nls nationale Heimstätte für das Judentum. Jubelnd riefen die Zionisten: „Wir haben ein Land, das Land unserer Väter!" Dem Worte Englands vertrauend zogen sie begeistert hinaus und haben in verhältnismäßig kurzer Zeit unter hingehendster Aufopferung Großes geschaffen. Das wird ihnen niemand bestreiten. Nun aber treten die Araber auf und sagen: „Das Land ist unser!" Eine tausendjährige Geschichte gibt ihnen ein Recht dazu. Sie bekämpfen nicht nur den Zionismus, sondern den Mandatsanspruch Englands überhaupt. England wird seine Ansprüche nicht aufgeben. Es ist schon mit anderen Fragen fertig geworden. Das gab die Hoffnung, daß sich letzten Endes eine Verständigung in diesen Gegensätzlichkeiten werde finden lassen. Die neuesten (SrflärunQen Englands aber zerstören diese Hoffnungen. Sie sind ein schwerer Schlag für den Zionismus und stellen vieles in Frage. Man erkennt jetzt, was nüchterne Betrachter immer gesehen haben, daß Englands Zusage, Palästina zu einer nationalen Heimstätte für die Juden zu machen, ein schönes Mäntelchen war, in das es die Annexion, offiziell genannt Mandat, seiner Zeit eingekleidet hat. England gebraucht das Land an Stelle des unsicher * werdenden Aegyptens und wird es nicht wieder aus der Hand geben. Es nimmt seine politischen Interessen wie immer in rücksichtslosester Weise währ und wird sich wegen der paar Juden darin nicht beirren lassen und sich wegen dieser mit den Arabern nicht noch mehr Überwerfen. Die englische Regierung hat das alles sehr wohl vorausgeseben. Sie hat die Erklärung, die auf einem Schreiben Lord Balfours an Lord Rothschild beruht, sehr vorsichtig abgefaßt. In diesem Schreiben heißt es: Seiner Majestät Regierung betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird die größten Anschaffungen machen, die Errichtung dieses Zieles zu erleichtern, wobei selbstverständlich nichts unternommen werden soll, was den bürgerlichen und religiösen Rechten bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina . . . Abbruch tun könnte. ' Die Zionisten haben den Fehler gemacht, immer nur mit Idealitäten, aber nicht mit den Realitäten gerechnet zu haben, nicht mit den Realitäten in bezug auf die eingesessene Bevölkerung und nicht mit den Realitäten in bezug auf die Politik Englands. Es ist schwer, auf dem Boden Palästinas eine Heimstätte zu errichten, denn das Land ist ein sehr unfriedliches Heim. Politisch ist es der gefährlichste Wetterwinkel der Erde. Immer haben die großen Mächte nach dieser wichtigen Länderbrücke gestrebt, Aegypten, Assyrien, Babylon, Persien, Rom — England, heute wie damals, damals wie heute. Deshalb auch konnte der kleine jüdische Staat nicht von Bestand bleiben, er wurde zermalmt und deshalb stellen sich der Errichtung eines neuen Zions unendliche Schwierigkeiten entgegen. Drei Herren streiten sich jetzt um das Land, die Araber, die Engländer und die Zionisten. Die Zionisten sind die schwächsten. Das sind die Realitäten! Nur sie gelten in der Politik! Aber selbst wenn sich noch alles zum Guten wendet, das wollen wir wegen dessen, was schon im Lande geleistet ist, von Herzen hoffen, und wenn schließlich noch Hunderttausend und nochmals und nochmals Hunderttausend hinausziehen, für die Gesamtheit der Juden wird das immer nur eine kleine Minderzahl sein. Die schwebenden Fragen werden dadurch nicht gelöst. Auch hier im alten Heimatlande stoßen wir auf den nationalen Gegensatz lind auf diesen Gegensatz werden wir in heutiger Zeit überall stoßen. Eine Masseneinwanderung der Juden wird in keinem kontinentalen Lande möglich sein. Also wohin? Wenn die Raumschaffung die Frage der Zukunft für das Judentum ist, wo ist die Lösung? Das Wort allein auszusprechen, wird man mir antworten, genügt nicht. Es ist schwer, ein Problem von solcher Größe und so weiter Sicht von vornherein fest zu umreißen, ein fertiges Programm aufzustellen. Ich sagte ja auch schon, daß vorerst nur zu erwägen wäre, wo eingesetzt und nach welcher Richtung hin gearbeitet werden könnte. Hier vielleicht ein Gedanke: Ich bemerkte, daß kein „kontinentales" Land eine Masseneinwanderung zulassen würde. Ich betone das Wort „kontinentales". Aber da sind in der Welt die „insularen" Länder. Da ist Sumatra, Borneo, Java, Cuba und was es sonst an großen Inseln in den Weltenmeeren gibt. Alles paradiesische Länder. Ist hier vielleicht noch Platz für das Judentum? Auf nationale Gegensätze würde es hier nicht stoßen, jedenfalls nicht in dem Maße, wie in kontinentalen Ländern. Das wäre schon ein sehr wesentlicher Punkt. Ob auf diesen Eilanden heute schon alles Land vergeben ist, ob dort noch Raum ist für Millionen, ob Staat und Gesetz eine solche Einwanderung zulassen, ob die Lebensbedingungcn dort derart sind, daß sie den Fortbestand der Einwanderer sichern, das sind Fragen, die ein Einzelner nicht beantworten kann. Diese Fragen müßten in gründlicher, langwieriger Arbeit von Männern, die dazu berufen sind, in Angriff genommen und geprüft werden. Ist hier aber ein Weg, der gegangen werden könnte, ist hier ein Gedanke, der der Erörterung wert wäre, dann bliebe es der Zukunft Vorbehalten, ihn zu erfassen, und ihn zu weiterer Klarheit zu führen. Tann erst ließe sich ermessen, ob die „I n sular - Idee" das bringen könnte, was ich nenne die Raumschaffung für das Judentum. Und erst danach könnte vielleicht ein Hoffen entstehen, das; das Judentum dereinst auf einem herrlichen Jnsellande ein unbehelligtes Leben führt. Man wird vielleicht achselzuckend sagen: Eine Idee! Eine Phantasie! Gewiß, nur eine Idee, n u r eine Phantasie, gar n u r ein Traum. Aber so ein Traum, wie oft schon mußte er sein, um eine Wirklichkeit schaffen zu können. Wie lange erst mußten die Deutschen von einem großen, einigen Deutschland träumen, bis die Stunde der Erfüllung kommen konnte. Und alle die Balkanstaaten und Irland und jetzt Aegypten. Sie alle mußten und müssen erst träumen von ihrer Wiedergeburt, bis sie wiedergeboren werden konnten und können. Und der Zionismus. Er war ein Traum. Ein Zufall in der Wende des großen Weltgeschehens ließ ihn Wirklichkeit werden, aber nur weil die Idee, weil der Traum da war. Daß er jetzt auf politische Schwierigkeiten stößt, ist wieder eine andere Sache. Es verschlägt nichts, wenn das, was ich aussprach, nur eine Idee, n u r eine Phantasie, n u r ein Traum ist. Auch das kann Wirklichkeit werden, wenn der Gedanke nicht von Einem gedacht, wenn der Traum nicht von Einem geträumt wird, sondern von Tausenden und Hunderttausenden und von Millionen. Aus unseren Verbandsgemeinden. Alsfeld. Im Alter von mehr als 84 Jahren ist am 6. Juli Frau Hannchen S t e i n b e r g e r, geb. Jacob, nach kurzer Krankheit in die Ewigkeit eingezogen. Mit der Heimgegangenen ist aus unserer Gemeinde eine Frau von einfachem und bescheidenem Wesen geschieden, die, treu den altgeheiligten Idealen unseres Glaubens, ein Leben jüdischer Frömmigkeit und jüdischer Pflichterfüllung geführt hat. Mit ihrem Gatten, dem sie stets eine treue Lebensgefährtin gewesen ist, und der ihr schon vor t3 Jahren in den Tod vorausgegangcn ist, hat sie ihr Haus zu einer Stätte religiöser Lebensführung und Betätigung aller Mizwaus unserer hl. Religion gestaltet. Sie gehörte zu den eifrigsten Besuchern unseres Gotteshauses und hat bis in die letzten Tage ihres Lebens kaum eine Tefiloh versäumt. In seltenster Rüstigkeit des Geistes und Körpers verlebte sie ihren Lebensabend im Kreise ihrer Familie, getragen von der Liebe ihrer Angehörigen, aus deren Herzen das Andenken der Ib. Mutter und Großmutter nie schwinden wird. Unter großer Beteiligung der jüdischen tind christlichen Bevölkerung der hiesigen Stadt wurden ihre sterblichen Ueberreste am 8. Juli zu Grabe getragen, wobei Herr Lehrer Kahn in einer tiefempfintdenen Grabrede die Tugenden der Heimgegangenen würdigte. n -Ätfi Alsfeld. Schon wieder hat unsere Gemeinde, die in den letzten Jahren von Todesfällen sehr heimgesucht worden ist, den Verlust einer noch riistigen, würdigen und religiösen Frau zu beklagen. Ant 20. Juli starb Frau Dora Rothschild, geb. Seligmann im israelitischen Krankenhaus zu Frankflirt a. M., wo sie Heilung von einem schweren Leiden suchte, im 04. Lebensjahre und am 28. d. M. wurde sie hier unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Eine schwere Lücke hat der Tod durch den Heimgang dieser Frau gerissen, deilit die Verstorbene war nicht nur eine tüchtige Hausfrau, sondern auch eine selten gute, liebevolle und treue Mutter. Durch ihr freundliches, einfaches und allezeit friedliches Wesen konnte sie sich der Hochachtung unb Wertschätzung in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung erfreueit. Deshalb wurde auch ihr allzufrüher Tod von ihrer Familie, Die Grosse MARKE in Seifen jeder Art. Für Naumann's Kernseife -extrafeine Qualität» gibt es keinen Ersafc. Naumann’s Feinseifen sind unerreicht in Körper sowie Parfüm und für die Gesundheitspflege direkt vorbildlich. 5

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