Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 8 (8.1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ihren Verwandten und Freunden aufs tiefste beweint und beklagt. Den Gefühlen ihrer Angehörigen gab Herr Lehrer Kahn in seiner Grabrede innigen Ausdruck. RiÄJR Altenstädt (Hessen). Am 21. Juni 1931 wurde Frau Meier Siesel Witwe, geb. Lindheimer, im Alter von 65 Jahren, unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Sie folgte ihrem vor fünf Jahren verstorbenen Gatten, welcher 26 Jahre hier Vorstand der israelitischen Gemeinde war, in die Ewigkeit nach. Eine echte jüdische Frau und vorbildliche Mutter einer großen Familie ist ans einem arbeitsreichen Leben dahin gegangen. _ Düdelsheim (Oberhessen.) Am 1. Juli d. I. waren 25 Jahre verflossen, seit Herr Lehrer H e ß in der hiesigen Gemeinde amtiert. Er ist noch einer der wenigen israelitischen Religionslehrer Hessens, die mit den Rechten eines staatlichen Volksschullehrers angestellt worden sind. Zu seinem Bezirke gehören außer Düdelsheim noch die Gemeinden Rohrbach bei Büdingen und Glauberg (Oberhessen). — Mit Rücksicht aus die schwierige Zeitlage und aus dem ihm eigenen bescheidenen Wesen heraus hatte sich Herr Heß jede Ehrung und jegliche Feier verbeten. Der Tag, den man sonst als Jubiläum gefeiert hätte, verlies in aller Stille. — Herr Heß hat sich um die Interessen seiner Gemeinden und uin die Belange des Judentums bleibende Verdienste erworben. Er gcnießt darum das weitgehendste Vertrauen seiner Gemeinden und erfreut sich der Beliebtheit eines großen Kreises von Kollegen und von Bekannten der nichtjüdischen Glaubensgemeinschaften. Die Vorgesetzte Behörde schätzt seine Pflichttreue und Arbeitsfreude und weiß es ganz besonders zu würdigen, daß er während der Kriegszeit sein reiches pädagogisches Wissen in den Dienst der öffentlichen Volksschule gestellt hat. — Möge es Herrn Heß vergönnt sein, nach recht lange seinem Amte vorzustehen und nach dem altbewährten Grundsatz px “j“H min zu lehren und zu wirken. Gießen. Seit langer Zeit findet sich in einem hiesigen Lokal öfters eine Skatgesellfchaft aus vier Herren zusammen, die insgesamt über ein Alter von 300 Jahren verfügen. Daraus ergibt sich, daß jeder der vier Herren — im Durchschnitt betrachtet — mindestens 75 Jahre alt sein muß. Die Mitglieder dieser hochbetagten Runde sind sämtlich Gießcner, und zwar handelt es sich um die Herren Seifcnfabrikant S. Stern b erg, Kaufmann M. Strauß, Rentuer H. R o ß m a n n und Schirmsabrikant L e v i. Laubach. Ein aus der Bukowina stammender Herr, der im August 1928 als Lungenkranker von der Fürsorge in Mainz dem hiesigen Krankenhaus überwiesen worden ist, wurde am 28. Juni d. I. dahier beerdigt. Während seines Hierseins wurde der Verstorbene von den Mitgliedern unserer kleinen Gemeinde abwechselnd mit ritueller Kost versorgt. Lauterbach. Am 28. Juni fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung des erst zwei Jahre bestehenden jüdischen Frauenvereins statt. Nach Eröffnung der Versammlung erhielt Herr Lehrer Stern den Vorsitz übertragen. Zunächst legte die Rechnerin des Vereins, Frau S. Spier, die Jahresabrechnung vor und wurde ihr Entlastung erteilt. ^Jm Namen des Vereins sprach der Versammlungsleiter Frau ^-pier Dank aus für die mühevolle Arbeit, die sie im Interesse des Vereins geleistet hat. Er ersuchte weiter die Vereinsmitglieder dringend, ihre Beiträge pünktlich zu entrichten. Die Vorstandswahl ergab einstimmige Wiederwahl des Vorstandes bestehend aus den Damen: Frau Rosa Stern, Frau Hedwig Westerfeld, Frau Lina Jacob, Frau S. Spier, Frau Gerda Weinberg. Es entspann sich dann eine lebhafte Debatte um den 3. Punkt der Tagesordnung: „Neufestsetzung der Mitgliederbeiträge". Ein Antrag auf Herabsetzung der Beitrage wurde in Anbetracht dessen, daß der Verein zum erstenmal seit seinem Bestehen eine größere Unterstützung zu leisten hat, abgelehnt. Um aber Härten zu vermeiden, wurde bestimmt, daß Witwen auch ahne Beitragszahlung Mitglieder des Vereins bleiben können. Ein monatlicher Beitrag von 10 NM. für die Siechenhauskosten eines Gemeindemitglieds wurde bewilligt. Nachdem der Versammlungsleiter noch besonders darauf hingewiesen hatte, daß man bei allen freudigen und ernsten Anlässen durch Spenden des jungen Vereins gedenken möge, schloß er mit Dank an die Teilnehmer die Versammlung. Worms. Herr Adolf Dinkel mann vollendet am 1. Aug. sein 89. Lebensjahr. Wer diesem freundlichen Herrn auf seinen täglichen Spaziergängen begegnet, kann sich schwer vorstellen, daß schon eine solch lange Reihe van Jahren von ihm durchlebt ist. Sein ganzes Sinnen und Denken aus der Jugend Tagen hat er mit hinüber in da? Alter gerettet; seine heitere Lebensauffassung ist ihm bis zur Stunde geblieben. Geliebt und betreut von den Seinen und allen, die ihm nahe sind, hochgeschätzt von jedermann, hat er der Betätigung, die ihn in seinen besten Jahren in Anspruch nahm, volles Interesse bewahrt, sehen wir ihn fast allsabbatlich dem Gotteshause zueilen, woselbst es ihm, dem Leviten, des öfteren vergönnt ist, zur Thara hintreten zu dürfen. Möge dem verehrten Geburtstagskind auch weiterhin ein recht gesegneter Lebensabend beschieden sein! Vereine und Verbände. Das Wintersemester an der unter Leitung des Herrn Gemeinderabbiner Dr. Jakob Hoffmann stehenden Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa" zu Frankfurt a. M. beginnt am Montag, den 1. Marcheschwan (12. Oktober 1931). Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorbereitungsklasfe, Unter-, Mittel- und Oberstufe) werden schon jetzt entgegengenommen. Der Unterricht erstreckt sich aus: Hebräische Grammatik, Bibel, Pentateuch mit Kommentaren, Mischna und Talmud mit Kommentaren, Dezisoren. Den Schülern ist evtl. Gelegenheit geboten, sich in profanen Fächern unter fachgemäßer Leitung fortzubilden. Für den Lehrgang in der Vorbereitungsklasse und der Unterstufe werden schulentlassene Knaben und Jünglinge ausgenommen, die schon einige Vorkenntnisse in Mischna und Talmud besitzen. Anmeldungen, denen beigefügt sein müssen: kurzer Lebenslauf sowie Zeugnisse über bisherige Vorbildung sind bis spätestens 7. Tischri (18. September) an das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa", Theobaldstraße 6, zu richten, welches zu jeder näheren Auskunft bereit ist. Bücherschau. Daß es wissenschaftliche Werke in jüdisch-deutscher (sog. jiddischer) Sprache gibt, ist dem größten Teil unserer Gebildeten unbekannt, so stark auch neuerdings allgemein das Interesse für diese Sprache und ihr Schrifttum hervorgetreten ist. Welchen Umfang in Wahrheit das wissenschaftliche jiddische Schrifttum in den letzten Jahren angenommen hat, weiß Dr. B. W e i n r y b in dem soeben erchienenen Juniheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums anschaulich darzulegen. Das gleiche Heft enthält einen sehr schönen und instruktiven Artikel von Gerhard S ch o l e m iiber den Einfluß des Neuplatonismus auf die deutsche Frühkabbala. Feinsinnig und klar beurteilt Latte B a r s ch a k Neuerscheinungen auf dem Gebiete der schönen Literatur, die sich mit Juden beschäftigen. Sa bringt das Heft — neben gelehrten Abhandlungen bedeutender Forscher — auch diesmal eine große Reihe von Beiträgen, zu denen jedermann gern greifen wird. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von M. 10.— an diese Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 7030) oder an einen der Vertrauensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift ausgeführt sind. « mö3R Belehrung und Mahnung aus nachgelassenen Schriften von Rabbiner Tr. Salomon Breuer, 2. Teil Exodus, I. Kauffmann Verlag 1931, 89 Seiten, Preis brasch. M. 5.—, gebunden M. 6.50. Dem in unserem Mitteilungsblatt s. Zt. besprochenen 1. Teil dieses Werkes ist nun auch der zweite gefolgt, welcher belchreude und mahnende Betrachtungen über die Wochenabfchnitte des zweiten Buches Mose und über die besonderen Sabbatsabschnitte (Schekalim, Sachor, Parah u. Hachodesch) die in die Zeit um Purim und Pessach fallen, enthält. Auch dieses Heft bringt reiches Material aus dem jüdischen Schrifttum. Weite Wege der Darlegung, die allerdings häufig Umwege sind, werden nicht gescheut, um ein gewünschtes Ergebnis als Ziel zu erreichen und der heutigen Judenheit Belehrung und Mahnung aus dem reichen Quell des jüdischen Schrifttums zuteil werden zu lassen. In den Abhandlungen werden Fragen aufgeworfen, die durch Heranziehung von Auslegungen unserer alten Lehrer gelöst werden, um Lebensweisheit und Lebenszucht auf religiöser Grundlage aufzubauen. Der Verfasser gebt bei seinen Abhandlungen weniger von Zeitfragen als von Text- und Gedankenproblemen aus, die Ausgaben der Zeit finden aber trotzdem Berücksichtigung. Wenn die einzelnen Betrachtungen auch nur je fff HaIK A Zentralheizungen Mainj Sömmeringplatz 4 llulv vl 9 II vllw W v Vif aller Systeme iMllfiHlA Tel. Ami Münsterplaiz 33241 40jährige heiztechnische Erfahrungen - Beste Referenzen - Fachmännische Beratung kostenlos und unverbindlich 6