Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-08-01 · 8 (8.1931) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
8 (8.1931)
Date
1931-08-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9582242-9623188-9620954--0788-9620957
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1854 ständiges zweites Mitglied der Direktion der Staatsschuldenverwaltung und starb am 2. April 1857; war seit 23. Juni 1829 evangelisch-lutherisch (in Bedungen mit seiner Familie übergetreten) und wird in der kurzen Notiz der Darmstädter Zeitung (1867, Seite 473) über seinen Tod als »einer unserer verdienstvollsten Staatsbeamten ausgezeichnet durch rege Tätigkeit, geistumfassende und reife Kenntnisse" geschildert. Verheiratet mit Recha Josephine Justine geb. Neustättel aus Offenbach a. M., seit 23. Juni 1829 evangelisch-lutherischer Religion, gestorben zu Darmstadt am 25. Juli 1879. Kinder: 1. Julius Theodor Friedrich, geboren Darmstadt 24. November 1822, seit 23. Juni 1829 evangelisch-lutherischer Religion, (Dr. jur. 26. Oktober 1847 Landgerichtsassessor mit Stimme, 1848 Stadtgerichtsassessor in Darmstadt, 1849 auch zweiter Staatsanwaltsubstitut) gestorben zu Meran 11. November 1851. 2. Bertha Karoline Wilhelmine, geboren 10. Mai 1824, seit 23. Juni 1829 evangelisch-lutherischer Religion, gestorben 15. Oktober 1840. 3. Friedrich Otto, geboren 6. Januar 1826, seit 23. Juni 1829 evangelisch-lutherischer Religion, gestorben am 15. Juni 1889 als Hofgerichtsadvokat in Darmstadt; unverheiratet. II. Sarah, geboren 6. April 1804, gestorben 8. August 1841 zu Frankfurt a. M., verheiratet am 27. Juli 1825 mit Abraham Loeb Ganz, Witwer der verstorbenen Halbschwester 2. Ehe Delh aus Offenbach a. M. (später in Frankfurt a. M. wohnhaft). Das jüdische Bevölkerungsproblem. Von Otto Neumann, Berlin-Wilmersdorf, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für jüdische Familienforschung. (Schluß) Man hat so gerechnet: 1901—1927 sind in Deutschland 100106 rein jüdische Ehen geschlossen, Mischehen von 20226 jüdischen Männern und von 12860 jüdischen Mädchen, zusammen 33077 Mischehen. Das macht auf 100 106 jüdische Ehen 33 Prozent. Das ist falsch gerechnet. Man mutz so rechnen: Es haben geheiratet: Männer: 100106 und 20226 — 120 332, davon in Mischehe 20226 16,80 Prozent; Mädchen: 100106 und 12 851 112 957, davon in Mischehe 12 851 11,40 Prozent. Diese Verhältniszahlen sind, wie erklärlich, in der Nachkriegszeit wesentlich höher, als vor dem Kriege. Es sind geschlossen: rein jüdische Ehen 1901—1918 59 243; von Männern 9803 und von Mädchen 7318 Mischehen; 1919—1928 43 065 rein jüdische Ehen; von Männern 11199 und von Mädchen 6005 Mischehen. Das ergibt einen Prozentsatz an Mischehen in der ersten Periode für die Männer von 16,55 Prozent, für die Mädchen von 12,40 Prozent; in der zweiten Periode für die Männer von 26 Proz. für die Mädchen von 14 Prozent. Mischehen sind also eingegangen: 1901—1918 9803 Männer und 7318 Mädchen, Differenz 2485; 1919—1928 11 199 Männer und 6005 Mädchen, Differenz 6194. Es haben danach in den beiden Perioden 2485 bzw. 5194 mehr jüdische Männer als Mädchen in Mischehe geheiratet. Dieses Mehr ist mithin den jüdischen Mädchen entzogen. Das sind in der ersten Periode gegenüber insgesamt 66 561 verheirateten Mädchen 3,75 Prozent, in der letzten Periode gegenüber 49 070 verheirateten Mädchen 10,60 Prozent, immerhin ein bedenklicher Prozentsatz. In bezug auf das Eheproblem der jüdischen Mädchen ist die Mischehe demnach von grötzter Bedeutung. Es ist also vor allem eine reale Frage. Was man bisher über die Mischehe sagte, bewegte sich mehr nach der ethisch-religiösen Seite hin. Zur weiteren Erläuterung hier noch einige Zahlen. Mehr jüdische Männer als Mädchen haben jährlich in Mischehe geheiratet: 1901—1907 im Durchschnitt 57, 1908—1913 im Durchschnitt 140, 1914—1918 durchschnittlich 253, dann im ersten Nachkriegsjahr 1331, weiter von 1920—1923 419. 362, 532, 604. Von da an fallen die Zahlen 491, 403, 315, springen allerdings 1927 wieder auf 433 hinauf, doch ist anzunehmen, datz diese Ziffern allmählich wieder sinken werden, 1928 ist die Zahl wieder auf 304 angelangt. Ein „Mittel" nun gibt es gegen diese Erscheinung nicht. Es sind Zeiterscheinungen. Fielen die Ursachen, fiele auch die Wirkung. Aber jene Ursachen sind in nächster Zeit nicht aus der Welt zu schaffen, und mit Ermahnungen und Traktätchen, oder gar mit Schmähen und Schelten richtet man nichts aus. Weiter sind es die jüdischen Geburten- und Sterbeziffern der neueren Zeit, zum mindesten die der deutschen Juden, die vielen bedenkliche Sorge machen. Das allerdings ist Tatsache, datz augenblicklich die Geburtenziffern die Sterbeziffern nicht mehr decken. Nun argumentiert man, daß in 70—80, sagen wir in 100 Jahren, das deutsche, oder gar das westeuropäische Judentum verschwunden sein wird. Man sieht dessen völligen Untergang. Doch, gemach, es wird schon so schlimm nicht kommen. Es ist zu berücksichtigen, daß der Geburtenrückgang eine Allgemeinerscheinung der städtischen Bevölkerung ist. Der jährliche Geburtenüberschuß ist von gut 1 Prozent auf 0,5 Prozent gesunken und sinkt wahrscheinlich weiter. Diese Erscheinung ist bedingt durch die Wirtschafts- und Wohnungsnot der Nachkriegszeit. Wir werden zu Zahlen, die für normale Zeiten maßgeblich sind, vorläufig überhaupt nicht kommen. Das vermag erst die nächste Generation, wenn die Wirtschaftslage eine andere geworden und besonders, wenn die Wohnungsnot behoben ist. Es kommt noch das hinzu, ich wies schon darauf hin. Das vorige Jahrhundert hat der Welt, besonders den abendländischen Völkern, einen exorbitanten Bevölkerungszuwachs gebracht. Die Bevölkerungsziffern sind in geradezu explosiver Weise gestiegen. Das kann unmöglich so weitergehen. Wenn das Anwachsen der Völker seit Beginn dieses Jahrhunderts in der gleichen Weise fortgeschritten wäre und fortschreiten würde, dann hätte Deutschland am Anfang des nächsten Jahrhunderts, also eine Zeit, die unsere Enkel noch erleben können, annähernd 200 Millionen Einwohner und ähnlich die anderen Völker. Das müßte zu unausdenkbaren Katastrophen führen. Und vielleicht kommt es zu diesen Katastrophen! Das Bevölkerungsproblem wird die größte Frage der Zukunft sein, einer Zukunft, die wohl gar so ferne nicht liegt. Der Zukunft? Wahrscheinlich stecken wir schon mitten drin in dieser Frage, und die Miseren unserer Zeit sind nicht zuletzt in ihr begründet. Wenn wir die ungeheueren Zeiträume überschauen, da das Menschengeschlecht auf Erden lebt oder gar nur die hiergegen winzigen Jahrtausende, die wir als Geschichte kennen, dann vollzieht sich, verglichen damit, das Anwachsen der Völker und die Ansüllung der Kulturstaaten in der Neuzeit mit geradezu unheimlicher Schnelligkeit. Es muß dem starken Anwachsen der Völker Einhalt getan werden, und die Natur sorgt dafür, daß es geschieht. Deutschland wies in den Jahren 1900—1914 eine jährliche Geburtenziffer von etwa 2 Millionen auf, in den ersten Nachkriegsjahren 1920 und 1921 ca. 1% Millionen, 1923—1926 etwa iK Millionen. Der Geburtenüberschuß betrug 1901—1913 durchschnittlich ca. 850 000, 1920 und 1921 ca. 700 000 und hält sich seit dieser Zeit jährlich um 500 000. Man muß allerdings die eingetretene Gebietsveränderung und den damit verbundenen Bevölkerungsverlust berücksichtigen. Dieser beträgt aber nur 4 Millionen oder 6 Prozent der Vorkriegsbevölkerung. Das sind auf die früheren Geburtenziffern gerechnet etwa 60 000. Die Minderung gegen vordem beläuft sich also auf 300 000 Geburten jährlich, die fast ganz auf die städtische Bevölkerung entfällt. Weit schlimmer nun sieht es beim Judentum aus. Doch damit dürfen wir, und das wird vielfach außer acht gelassen, nicht lediglich das Judentum an sich belasten. Man begeht fast immer den Fehler, die Statistik der jüdischen Bevölkerung der der Gesamtbevölkerung Deutschlands gegenüberzustellen. Das aber führt zu den ärgsten Unrichtigkeiten. Um zu einem richtigen Ergebnis zu kommen, müßte man aus der Volksgesamtheit vorerst die ganze Landbevölkerung ausscheiden und auch die Arbeiterbevölkerung. Nur wenn man die Judenheit mit Volksteilen derselben Wirtschaftslage vergleicht, käme man zu richtigen Resultaten. Wahrscheinlich würden die beiderseitigen Zahlen dann kaum wesentlich voneinander abweichen. Aber ein solcher Vergleich ist schwer zu erfassen. Ich gebe die Geburten der rein jüdischen Ehen in Preußen, da nicht alle deutschen Landesteile bei den Eintragungen die Religion der Eltern berücksichtigen. Ich fasse die Zahlen in Gruppen, die zahlenmäßig ziemlich übereinstimmen, zusammen. Es ergeben sich im Jahresdurchschnitt folgende Geburtenzahlen: 1901—1908 6915, 1909—1914 5829, 1915—1919 (Kriegszeit) 3304, 1920—1924 6814, 1925—1927 4294, 1928 3771. Die ersten Jahre 1901 und 1902 weisen die Zahlen 7200 und 7286 auf, die letzten Jahre 1926 und 1927 die Zahlen 4259 und 3830. Also ein bedenklicher Rückgang. Die Geburten der Mischehen bleiben in der ganzen Periode ziemlich konstant. Es ergeben sich für die Ehen jährlich im Durchschnitt: Mann jüdisch 407, Frau jüdisch 306. (1928: 404 — 256.) 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.