Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 7 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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RaubüberfalL auf offener Straße. ,/Jm 28. April d. I. wurde morgens gegen 10 Uhr im Elz-Berge zwischen Kehrig und Düngenheim ein Viehhändler aus Polch von zwei Kerlen überfallen und seines gnnzcn Geldes (4580 Mark, welches er auf dem Viehmarkte in Koblenz eingenommen hatte) beraubt. Der Händler befand sich auf dem Wege nach Dünge nhcim. In dem genannten Berge stand ihm plötzlich ein Mensch' mit vorgehaltenem Revolver gegenüber, der ihm das Geld abverlangte. Der Händler schlug mit seinem Stock nach dem Revolver, wurde aver von einem ankeren .Halunken von lgnten angesallen und zu Boden geworfen. In einigen Augenblicken war er geknebelt und seiner Barschaft beraubt. Die beiden Räuber schleppten ibn iir den Wald und banderr ihn an einen Baum. Der Uebcrsallene war vollständig machtlos urrd konnte rrichl run Hilfe rufen. So überließen die Beiden den Bedauernswerten seinem Schicksal. Ein Landtvirt aus Kebria fubr zu dieser Zeit in den Wald, um Holz zu holen. Plötzlich hörte fein Sohn ein gräßliches Stöhnen, ging darauf zu rrnd fand den Ucbersallenen. Dieser wurde sofort nach Kehrig gebracht, wo er nach einiger Zeit wieder zum Bewußtseiii kani. Wäre er noch eine Zeitlang seinem Zustande überlassen geblieben, so hätte man ihrr sicher nur rroch als Leiche gesunden. Herbeigerufene Landjäger und Polizcibeamte nahmen bereits einen Handwerksburschen fest, mußten ihn aber wieder lausen lassen. Mögen diese frechen Kerle bald dingfest gemacht werden, daß sie ihre gerechte Strafe empfangen. Für das Wiederherbeischaffen der Summe hat der Ucberfallene 10 Prozent Belohnung ausgesetzt, desgleichen eine namhafte Summe für Angaben, welche die Täter feststellen. Meldungen nehmen die Polizeibehörden von Mayen- Land, Kaisersesch uiid Polch, sowie alle Landjägerstationen entgegen. Aus unseren Verbandsgemeinden. Alzey. Herr Ferdinand Schaffner wurde im 72. Lebensjahre am 8. Juni zu Grabe getragen. Er wurde im Familiengrab neben feinem Sohne Jacob Schaffner bestattet, der 1916 im Weltkriege auf dem Felde der Ehre gefallen, in der Heimat ewige Ruhe gefunden. Der Heltentod des einzigen Kindes hatte den Lebensabend des wackeren, frommen Mannes erschüttert. Herr Rabbiner Dr. Lewit hielt dem Heimgegangenen die Grabrede auf Grund des 15. Psalmes: „Wer darf auf heiligem Berge ruhen? Wer in Unschuld wandelt und Recht ausübt und Wahrheit redet in seinem Herzen." Sein Andenken möge zum Segen fortleben! Alzey. Am 16. Juni wurde hier Frau Mathilde Neuberger, geb. Belmont, die Schwiegermutter des Herrn Rabbiner Dr. Lewit unter großer Beteiligung bestattet. Im 78. Lebensjahre, 4 Jahre nach der Feier der goldenen Hochzeit, ist die geschätzte Frau, die Esches chajil, in die Welt des ewigen Friedens eingegangcn. Eine eingeborene Alzeyerin hat die Verewigte in jüdischen und christlichen Kreisen viel Freundschaft und Hochschätzung erfahren. Bei ihrer Tüchtigkeit für das Praktische hat sie auch den Idealen des Lebens viel Interesse entgegen gebracht. Mit der hiesiger Loge „Carl zum neuen Licht" war sie verknüpft als langjährige Präsidentin des Damen-Logenkränzchen, dessen Gründerin sie gewesen. Ihr Name bleibt in ehrendem Gedächtnis! Groß-Gerau. Am 10. d. M. unternahm die hiesige Ortsgruppe des jüdischen Frauenbundes einen Ausflug nach Neu-Isenburg, um das dortige jüdische Kinderheim zu besichtigen. Sie wurde von den Vorstandsdamen Frau Wolf und Frl. Pappenheim freundlichst empfangen. Nach einigen herzlichen Begrützungsworten durch Frau Wolf erfolgte unter Führung der letzteren sowie Frl. Kaminsky ein Rundgang durch das Heim. Alle Teilnehmerinnen waren freudigst überrascht von der mustergültigen Einrichtung und Leitung des Heims. Nach einer kleinen Bewirtung seitens der Vorstandsdamen trat man die Rückreise an in dem Bewußtsein, etwas Schönes, Wahres und Gutes gesehen zu haben. Es wäre eine edle Tat, das Heim in jeder Weise zu unterstützen. Harxheim. Herr Ferdinand Mayer wurde anläßlich seines 50. Geburtstages und seiner 25jährigen Zugehörigkeit zum hiesigen Turnverein, dessen Vorstandsmitglied er ist, vom 9. Kreis der Deutschen Turnerschaft durch den Bezirksvertreter, Herrn Bürgermeister Wetzel, Alsheim, mit der Ueberreichung des Kreis- Ehrenbriefes und der Nadel ausgezeichnet. Wir gratulieren Herrn Mayer zu dieser Ehrung. 8 Heppenheim. Am 20. Juni d. I. feierte Herr Emanuel Mcyerhof und seine Gattin Hanneheu, geb. Hirsch, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Herr Meyerbof bat über 40 Jahre das Amt des jüd. Rechners geführt. Die Jubilare sind körperlich und geistig nocki rüstia. Möge ihnen ein recht angenehmer Lebensabend beschieden sein! Ad meoh w'esrim schonoh. Mainz. Zur Erledigung lausender Angelegenheiten war der Vorstand der Religiousgemeinde am 2. und am 22. Juni d. I. zu Sitzungen versammelt. — Für unaufschiebbare Reparaturen der Fensterrahmen und des Daches der neuen Synagoge, sowie des Daches des Hauses Margarethcngasse 1, wurden die nötigen Kredite bewilligt. — Es wurde beschlossen, auf Grund der zweiten Notverordnung, die, ohne sie hierzu zu verpflichten, den Religionsaemcinden das Reckt gibt, Gehaltskürzungen vorzunehmen, die Bezüge sämtlicher Angestellten in der gesetzlichen Höhe zu kürzen. Es sind also die nach den jeweiligen Sätzen der staatlichen Besolduirgsordnung bezahlten Gemeindebcamten, wie auch die Festbesoldeten innerhalb kurzer Zeit mehrmals gekürzt worden. Es sind weggefallen: die Freilassung des dienstlichen Einkommens von der Religionsgemeindesteuer, die Besntzungszulage, 5 Prozent örtliche Ueberteuerung, außerdem sind die beiden Gehaltskürzungen auf Grund der Notverordnungen eingctreteu in Höhe von 10—13 Prozent und auch ein Teil der Kinderzulagen ist weggesallen. Zufolge eines freiwilligen Verzichts auf wohlerworbene Rechte konnten die Gehaltskürzungen allgemein durchgeführt werden. Nidda i. Oberh. In seltener geistiger und körperlicher Irische begeht am 8. Juli Frau L e v i 7^ i m m e r m a n n Wwe. dahier ihren 81. Geburtstag. Verehrt und hochgeschätzt von der ganzen Stadt, besucht die Greisin noch an den hohen Feiertagen das Gotteshaus. Im Sommer ist sie jeden Tag in ihrem Garten beim Haus tätig, wo unter ihrer Hand die schönsten Gemüse und Blumen gedeihen. Möge der allseits beliebten Frau noch eine lauge Reihe von Jahren 0W in voller Gesundheit beschieden sein. * Ockenheim (Rhcinhessen). Am Sonritag, den 7. Juni, bewegte sich ein großer Trauerzug durch unseren Ort nach dem jüdischen Friedhof. Herr Jakob Wolf wurde im Alter von 88 Jahren zur letzten Ruhe geleitet. Von der allgemeinen Wertschätzung und Beliebtheit des Verblichenen zeugte die große Anteilnahme an seiner Beerdigung. Herr Rabbiner Dr. Guttmann aus Bingen entwarf mit Grabe in trefflichen Worten ein Lebensbild des Verstorbenen, ihn als Führer, Gatten, Vater, treuen Glaubensgenossen, aufrichtigen deutschen Bürger und Juden schildernd. Mehr als 50 Jahre hatte er an den hohen Feiertagen Schofar geblasen. Schotten. Am 25. Juli d. I. (Schabbos Nachamu) sind es 40 Jahre, daß Herr Lehrer K a u f m a n n in unserer Gemeinde als Lehrer und Kultusbeamter wirkt. Mit dem 40jährigen Ortsjubiläum kann auch das 50jührige Dienstjubiläum verbunden werden. Herr Kaufmann hatte im Herbst des Jahres 1881 das Kölner Lehrerseminar absolviert und begann seine Lehrtätigkeit als Religionstehrer in Langen bei Darmstadt von 1881 bis 1882; in Bad Hommm bürg von 1882 bis 1885, und war von 1886 bis 1891 Lehrer an der jüdischen Volksschule in Ahaus in Wests. Am 25. Juli 1891 kam dann Herr Kaufmann nach Schotten. Die erste und zweite Lehrerprüfung hat er an den preußischen Lehrerseminaren in Montabaur und Soest abgelegt. Im Jahre 1906 wurden Herrn Kaufmann die Rechte eines Volksschullehrers verliehen. Herr Kaufmann erfreut sich in Schotten in allen Bevölkerungskreisen großer Beliebtheit. Wir wünschen ihm zu seinem Jubiläum nur das Beste und wollen hoffen, daß er zum Wohle unserer Gemeinde noch recht lange wirken möge.