Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 7 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Möge sein Hoffen in Erfüllung gehen, das ist mein und sicher Ihr aller Wunsch, den wir in seinem Gedenken hegen. Ludwig Kronenbergers Wirken und Schaffen aber für die hessische Judenheit wird für alle Zeiten unvergeßlich bleiben. (Die Versammlung hatte den Nachruf stehend angehört.) Ich danke Ihnen meine Herren!" Meine Herren! Nachdem bereits der Geschäftsbericht über das Jahr 1930 in unserem Mitteilungsblatt vom 8. Mai d. I. erschienen ist, habe ich demselben nur weniges hinzuzusügen. Wie Sie aus dem Geschäftsbericht ersehen haben werden, schließt unsere Abrechnung mit einem Ueberschutz von Mk. 1018,82 ab. Dieser Ueberschutz ist nur ein scheinbarer, denn er wurde nur dadurch erzielt, daß die allgemeinen Unterrichts- und Wohlfahrtsanstalten im Reich, die der Gesamtheit des deutschen Judentums zu Gute kommen, im vergangenen Jahre nur mit Mk. 5775.— gegen Mk. 6355.— im Vorjahre unterstützt wurden. Wir mutzten diese Unterstützungsbeträge zurückschrauben, da die Anforderungen, die in dem Verband für Hessen selbst gestellt wurden, frühere Anforderungen überstiegen. Es ist ein bedauerliches Zeichen der Zeit, daß durch die allgemeine Krisis der Mittelstand, insbesondere der jüdische Mittelstand, der meistens aus Händlern, Detaillisten und Agenten besteht, schwer leidet und in seiner Steuerkraft so sehr zurückgegangen ist. Die wirtschaftliche Not läßt die Gemeindelasten fühlbarer erscheinen. Daß Steuern, auch Kultussteuern nicht gern gezahlt werden, ist kein Novum, es fühlen dies auch andere Konfessionsgemeinden; aber in der gegenwärtigen Zeit fällt es in ungekannten Ausmaße schwer, die Budgets der Gemeinden aufrecht zu erhalten, eine schwere Sorge, die auf den Vorständen aller Gemeinden lastet. Es ist dies auch außerhalb Hessens, in Gemeinden, in denen Vorauszahlungen erhoben und Steuer-Ausschläge auf die Einkommen des unmittelbar vorausgegangenen Jahres leicht vorgenommen werden können, der Fall. Daß eine ganze Reihe von Gemeinden mit ihren Beiträgen zum Landesverband wieder im Rückstände geblieben sind, haben Sie aus unseren Aufstellungen in der Mai-Nummer des Mitteilungsblattes ersehen. Inzwischen haben Zahlungen geleistet: die Gemeinden Bürstadt 20.— Mk., Dreieichenhain 15.— Mk., Grebenau 55.— Mk., Himbach 30.— Mk., Ockenheim 80.— Mk., Wachenheim 25.— Mk. Ich bitte die Herren Vertreter der Gemeinden dahin zu wirken, daß die Rückstände nunmehr endlich gezahlt werden. Für den Verband war es ein Verlust, daß Herr Lehrer Sulzbacher aus dem Schuldienst ausgeschieden ist und Hessen verlassen hat. Immer hat er für die Interessen unserer Lehrer gewirkt und wir gedenken seiner in Dankbarkeit. Gleichzeitig spreche ich hier den Dank unseres Landesverbandes der Gesamtlehrerschaft aus, die auch in diesem Jahre mit aller Kraft dahin gewirkt hat, das Judentum in Hessen zu stärken. Ich hoffe, daß es den Gemeinden gelingen wird, auch in diesem Jahre die Beiträge für den Landesverband in gleicher Höhe wie bisher aufzubringen, damit wir unserer höchsten Pflicht, die Lehrer zu besolden, Nachkommen können. An seiner Sorge für Unterricht, sowie alle notwendigen Einrichtungen der Gemeinden hat es unser Verband niemals fehlen lassen. Dem Mangel an Lehrern wurde durch Bestellung von Bezirkslehrern abgeholfen, diese Institution nötigt dazu für Vorbeter und Schochtim besonders zu sorgen. Zu Anfang des neuen Geschäftsjahres ist wiederum mit einem Kursus für Schochtim begonnen worden, der Wiederbeginn eines Kantorenkursus steht unmittelbar bevor. Zusammensassend kann gesagt werden, daß fast die gesamten Einnahmen für Unterricht Verwendung gefunden haben. Die Ausgaben des Kapitels IV betragen insgesamt 27655.30, dazu Extra- Honorare an Lehrer unter Kapitel III — 1900 Mk. zusammen 29555,30 Mk. bei regulären Verbandsbeiträgen von insgesamt 25846.50 Mk. Für Friedhöfe an Plätzen, an denen sich keine Gemeinde mehr befindet sind 1191 Mk. und für die gesamte Verwaltung nur 733.90 Mk. ausgegeben worden. Es steht bei dem gegenwärtigen schlechten Geschäftsgang zu befürchten, daß die Höhe der Jnserateneinnahmen für das Mitteilungsblatt wieder zurückgehen wird. In einer Sitzung der Konferenzgemeinschaft der Süddeutschen Verbände, die am 28. Juni d. I., stattfinden wird, soll u. a. auch über die Mitteilungsblätter beraten und beschlossen werden. Durch das Schächtverbot in Bayern, dem eins in Braunschweig gefolgt ist, ist dem bayerischen Fleischergewerbe und der Landwirtschaft, wie auf der Fleischerversammlung in Neustadt hervorgehoben worden ist, schwerer Schaden bereitet worden. Es steht zu hoffen, daß die Schächtverbote wieder verschwinden werden. 2 Wie bereits am Anfang meines Berichts gesagt, wurden für Ausbildungsanstalten für Lehrer und Rabbiner, sowre für Wohlfahrtsanstalten nur 5775.— Mk. ausgegeben, dazu kommt allerdings die Position Stipendien für Seminaristen und die Last des Lektorats Gießen. Der uns aus dem Kulturfonds des Reichs für das besetzt gewesene Gebiet zugeflossene Betrag von 600.— Mk. ist eine nachträgliche Einnahme für das Vorjahr, ein in diesem Jahre zur Ausschüttung gekommener Betrag von 300.— Mk. ist nicht an unsere Kasse, sondern direkt an die israelitische Gemeinde Alzey abgeführt worden. Dies ist in kurzen Zügen die Erläuterung zu meinem Geschäftsbericht und dem Kassenbericht des Rechners. Ich hoffe, daß Sie hiermit einig gehen. Ich spreche dem Rechner, Herrn Fraenkel, den Dank aus, und beantrage, auf Grund des Berichts der Revisoren, Herrn Ferdinand Oppenheimer, Ober-Ingelheim und Herrn Bankdirektor Reis, Friedberg, Entlastung zu erteilen. Der Voranschlag für 1931 hat sich in den Bahnen des Vorjahres zu bewegen und ich empfehle, dem Oberrat in dieser Beziehung freie Hand zu lassen. Ich eröffne jetzt die Diskussion über meinen Bericht, und bitte jeden Redner, zuerst deutlich seinen Namen und den des Bezirks, den er vertritt, zu nennen." * F e r d. Oppenheimer, Ober-Ingelheim berichtet, daß er und Herr Bankdirektor R e4 s, Friedberg, die Rechnung in Ordnung befunden haben. Aus seinem Bericht ergibt sich, daß von den Oberratsmitgliedern meist auf eine Erstattung ihrer baren Auslagen verzichtet worden ist. Den Anträgen, dem Oberrat Entlastung zu erteilen, wird stattgegeben. Ferd. Mayer, Harxheim, bespricht schwebende Verhandlungen mit Gemeinden Rheinhessens wegen besserer Friedhofspflege. Nach Erwiderung des Oberratsmitgliedes Rosenthal, Oppenheim, wird Herr Mayer und der Gemeindetag gebeten, die Erledigung der Angelegenheit dem Oberrat zu überlassen. Der Vorsitzende und die Versammlung beglückwünschen Herrn Ludwig Ebert, Osthofen, zu seinem 25jährigen Jubiläum als Vorstandsmitglied der Gemeinde Osthofen. Rabbiner Dr. L e v i, Mainz, berichtet über Schnlverhällnisse. In den drei Provinzen sei die Tätigkeit des Verbandes, bzw. die Notwendigkeit zu einer folchen, nicht gleich gewesen. In Oberhessen sei erst kürzlich eine Wanderlehrerstelle errichtet worden, und es müsse diese Einrichtung noch Gegenstand einer Besprechung des Schulausschusses werden. Bei den Bemühungen um die Errichtung einer Bezirkslehrerstelle mit dem Sitz in Altenstadt sei der Oberrat bedauerlicherweise nicht weiter gekommen. — In Starkenburg seien die Herren Stern, Rüsselsheim und Strauß, Griesheim im Aufträge des Verbandes als Lehrer usw. tätig. Herr Strauß sei von einer Erkrankung wieder genesen, wegen des Unterrichts in seinen Filialorten, die dem orthodoxen Rabbinat in Darmstadt angeschlossen seien, müsse die Vertretung noch geregelt werden. Gründlicher als in den beiden anderen Provinzen habe sich die Tätigkeit des Verbandes in Rheinhessen erzielen lassen. Lehrer Salomon, der in Worms domiziliert ist, unterrichtete in 8, Lehrer Rosenberg, Mainz, in 11 verschiedenen Bezirksgemeinden. Der Kantor der Binger Gemeinde, Herr Baier, sei auch für den Verband tätig. Redner warnt die Landgemeinden davor, die Sorge für die Bestellung der Lehrer ganz den Großgemeinden zu überlassen und appelliert an die Kleingemeinden auch bei der gegenwärtigen Wirtschaftslage für die notwendigen Kosten ihrer religiösen Bedürfnisse aufzukommen. — Die an den Schulausschuß gelangenden Gesuche um Stipendien für Lehrerausbildung seien zahlreicher geworden, so daß grundsätzlich festgelegt werden müsse, ob zur Zeit überhaupt noch Stipendien bewilligt werden sollen, angesichts der knappen Mittel des Verbandes. Bejahendenfalls müsse festgelegt werden, ob neben der Subventionierung der Seminare, der Verband Besucher von Jeschiboth oder Hörer des Pädagogiums in Frankfurt oder des in Mainz subventionieren solle. An und für sich sei nach dem Abitur ein Jahr ausschließliche jüdische Bildung zu begrüßen, aber der Oberrat und besonders der Schulausschuß müßten wissen, wie sie zu verfahren haben. Hilfsmittel zur Entlastung der Gemeinden seien notwendig und es sei die Frage aufgetaucht, ob es sich empfehle, für ein Jahr die notwendig«: Mittel durch eine Lotterie beizubringen. Wenn die Ausgaben des Verbandes auf der Höhe bleiben sollen, müsse die Last der Großgemeinden größer werden. Redner bittet, sich zu diesen Punkten zu äußern. Bankdirektor Karl Benjamin, Darmstadt: Die Steuerschraube für die Großgemeinden noch mehr anzuziehen, sei nicht möglich, man müsse den Staat und die Landgemeinden mehr heranziehen. Redner empfiehlt Kopf- und Einkommensteuer.