Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 6 (1931)
- Issue
- 7 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Rabbiner-Mar zu Berlin. :f-r>rr^rr^^ L L.Mrg.,IlIr.7? Jf Juli J93J L des Landesverbandes der istaelilischen llieligionsgemeinden Isteffens r ' " — —d;:ix , — Bitfcs Statt erscheint monatlich und geht den Kit- ||| Zuschriften: Mainz, {jinötnburgftrafie (Tlr. 44 gliedern unentgeltlich zu. » Ikrscheinungsort Mainz.!l! Schrift leitun g: Sabbiner vr. S. $coi, Mainz y - 011110= " Bericht über die Tagung des Landesverbandes der israelitischen Religionsgemeinden Hessens am 21. Juni 1931 in Frankfurt a. M. Der Verbandsvorsitzende Kommerzienrat B. A. Mayer, Mainz, eröffnet die Versammlung und erteilt Herrn Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbach a. M., das Wort. Rabbiner Dr. Dienemann: „Wir erfüllen jedesmal, wenn wir beisammen sind, die Pflicht, unsere Tagung unter das Zeichen des Buches zu stellen, von dem wir leben und für das wir leben. Jeder Tag des Juden ist doppelt bestimmt, er ist bestimmt durch das Stück der Thorah, das am letzten Sabbat erklang, und durch das Stück der Thorah, auf das die Gedanken im Hinblick auf den nächsten Sabbat schon gerichtet sind. So ist auch der heutige Tag für uns zwiefach bestimmt, zwiefach eingebettet in das heilige Wort. Gestern lasen wir das Wort „die ganze Gemeinde, sie alle sind heilig". Wenn dieses Wort auch in dem Zusammenhang, in dem es gesprochen war, dort einen aufrührerischen und empörenden Charakter hatte, wenn es auch dort falsch gesagt war, so ist es, losgelöst von seinem Zusammenhang, für uns Wahrheit geworden. Eine Wahrheit', die zwar nicht ein Tatsächliches bestimmt, wir sind nicht heilig, aber es ist unsere Aufgabe, nach Heiligkeit zu streben, um Heiligung zu ringen, uns zu heiligen, um dadurch den Namen Gottes zu heiligen. Es ist die Aufgabe des Einzelnen, der Judenheit inr Ganzen, die Aufgabe der jüdischen Gemeinde, somit unsere Aufgabe: Alles was wir tun, ist um der Heiligung des göttlichen Namens. Aber wenn das Wort wahr ist Ditynp myn die ganze Gemeinde sie soll streben nach Heiligung, dann setzt das voraus Verträglichkeit und Verständnis, Anerkennung je3es redlichen Wollens, gegenseitige Anerkennung. Zum zweiten sind unsere Gedanken gerichtet aus das Wort, das am nächsten Sabbat erklingt 'JJOiyi Bpyi -p'rnx HB Der Midrasch bemerkt zu diesem Wort, wer ist mit diesen Zelten gemeint? „Die Gotteshäuser Israels und seine Lehrhäuser". Darum nehmen auch wir dieses Wort auf: „Wie schön sind deine Zelte", denn für das religiöse Leben und die Lehre in Israel zu sorgen, ist unsere Aufgabe, dazu sind wir da. Die Worte stehen im Segen Bileam's. Ich sage „Segen", obwohl Bileam doch fluchen wollte. Aber ein jedes Wort, das Bileam zum Fluch sprechen wollte, wurde wider seinen Willen zum Segen. Jedes Wort aber, das Bileam segnend sprach, so sagt der Midrasch, wandte sich im Laufe der Zeit zurück und Fluch stieg auf, nur das Wort von den Gotteshäusern, das blieb, das blieb als ein Segen für alle Zeit. Daß es auch in unserer Mitte Segen bleibe, dafür wollen wir sorgen, gebe Gott, daß es durch uns Wahrheit bleibe." Ter Vorsitzende dankt Herrn Tr. Tienemann namens der Versammlung und fährt fort: „MeineHerren! Im Namen des Oberrats desLandesverbandes der Israelitischen Religionsgemeindcn Hessens begrüße ich Sie und danke Ihnen für Ihr zahlreiches Erscheinen. Meine Herren! Bevor ich in die Tagesordnung eintrete, ist es mir ein inniges Bedürfnis, des Mannes zu gedenken, der seit Gründung .unseres Verbandes als stellvertretender Vorsitzender des Oberrats mir treu zur Seite gestanden hat. Was das Ableben Ludwig Kronenbergers für den Landesverband bedeutet, weiß nur der zu beurteilen, der mit ihm zusammen gearbeitet hat. Ein edler Mensch, ein Idealist reinsten Wassers, der stets nur das Beste von seinen Mitmenschen dachte, ist dahingegangen. Ein echter Jude im wahren Sinne des Wortes, der stets sür unseren heiligen Glauben eingetreten, unerschrocken und tapfer für unsere Gemeinschaft gekämpft hat, trotz aller Enttäuschungen, die ihm gerade die letzten Jahre gebracht haben. Nur sein großer Idealismus war es, der ihn, der aus religiöser Familie stammte, der orthodoxen Neligionsgesellschaft Mainz angehörte, im Laufe seines Lebens sich aber zur liberalen Richtung hinneigte, glauben ließ, daß es ihm gelingen werde, die beiden Verbände, die in der hessischen Judenheit bestehen, zur Vereinigung zu bringen. Wie hat er in Wort und Schrift gewirkt, die hessische Judenschaft unter eine Decke zu bringen. Leider war ihm dieser Erfolg versagt; als er nach der ergebnislos verlaufenen Tagung in Frankfurt a. M. zurückkam und mir berichtete, klagte er, daß diese Tagung eine der größten Enttäuschungen seines Lebens gewesen sei. Auch der Standpunkt unserer Regierung in der Sache eines Kultuszuschusses für unseren Landesverband war eine Enttäuschung für ihn, hatte er doch nach seiner Unterhaltung mit unserem Landespräsidenten einen Erfolg erhofft. Aber trotz der Mißerfolge hat er bis zu seinem letzten Atemzuge stets daran geglaubt, daß doch die Zeit kommen werde, in der beide Verbände sich einigen, und daß der Staat die Juden in Hessen, in gleichem Verhältnis wie die beiden anderen Konfessionen mit einem Kultuszuschuß unterstützen werde.