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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-06-01 · 6 (6.1931) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
6 (6.1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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änöcnuift kommen. Das Fragewort, das persönliche Fürwort, die hinweisenden und die besitzanzeigenden Fürwörter müssen ebenfalls einigermaßen geläufig sein. Von den Zeiten sind das Präsens und der Infinitiv, ferner das Partizip Präsens und der Imperativ zu üben. Die übrigen Zeitformen, insbesondere die Konjugationsformen müssen, wenn überhaupt notwendig, einer späteren Stufe Vorbehalten werden. Wichtig ist ferner der Gebrauch der Präpositionen. Weil wir uns bewußt sind, daß es fast eine Ungeheuerlichkeit ist, solches von Kindern dieser Altersstufe zu verlangen, haben wir unseren Unterricht van vornherein auf diese Schwierigkeiten eingestellt. All das, was in der dritten Stufe sprachlich erarbeitet wird, kann nur erreicht werden, wenn es an einem lebendigen Wortschatz erarbeitet werden kann, denn es ist wirklich unmöglich, die schwierige Grammatik einer schwierigen Fremdsprache an Worten und in Sätzen zu üben, welche den Kindern unverständlich sind. Diese Arbeit ist auch an dem lebendigsten Wortschatz noch eine unerfreuliche Notwendigkeit, die aber bewältigt 'werden muß, damit die Kinder nicht in der T'filloh und in dem Pentateuch vor unüberwindliche Schwierigkeiten geraten. Gemäß unserem Bestreben, Klassenunterricht zu pflegen und unseren Schülern jede mögliche Erleichterung zu verschaffen, haben wir uns bemüht, auch für diese Stufen der sprachlichen Vorbereitung ein Lehrmittel zu schaffen, das den Klafsenunterricht ermöglicht, und den Lehrstoff in anschaulicher und elementarer (nicht systematischer) Weise vermittelt. Es sind unsere hebräischen S p r a ch t a f e l n. Zwar besitzen wir in der Schahare Zedek von Levy. u. Abraham ein Arbeitsbuch, das trotz der besonders im Anfang ungeheuerlich gehäuften Schwierigkeiten noch brauchbar ist, aber Grundlage und Ausgangspunkt des Unterrichts kann es kaum sein. Wir benutzen es zur Vertiefung, des an unseren Sprachtafeln Erlernten und Erarbeiteten, zur Nachbereitung und zu häuslichen Aufgaben. Unsere sprachtafeln, die an Beispielen aus dem Wortschatz der Kinder das oben näher bezeichnet Sprachgut bringen, sind in Dreifarbendruck ausgeführt. Männliche Farmen sind schwarz, alle Suffixa und Präfixa sind rot gedruckt und die weiblichen Farmen stets grün gekennzeichnet. Diese Farben sind schon in den ersten stunden bei Erlernung des Olef-beth für ihre endgültige Bestimmung in den Sprachtafeln vorgesehen und eingeübt worden (bie männlichen Personen trugen stets dunkles Gewand, alle weiblichen grünes). Die Sprachtafeln sind in modernen Typen mit weiten Zeilenabständen, in übersichtlicher Anordnung ausgeführt. Soweit wie möglich sind auch Illustrationen beigegeben, so z. B. für das persönliche Fürwart. Da die Tafeln in Größe und Linienabständen genormt sind, können sie beliebig kombiniert und zu recht umfangreichen Satzbildungen benutzt werden. Damit man aber nicht nur an angegebene Beispiele gebunden ist, ist den Sprachtafeln noch eine Lesemaschine angegliedert, bestehend aus einer Halztafel in derselben Höhe (70 cm) wie die übrigen Tafeln und 35 cm breit, mit dazugehörigen Buchstabentäfelchen. Dieses Hilfsmittel ermöglicht es dem Lehrer, alle beliebigen Worte, Satzteile und Sätze zu dem Wortschatz der Tafel ergänzend hinzuzufügen, -selbstverständlich ist diese Lesemaschine auch für den Anfangsunterricht von besonderem Wert. Sowohl in der Vorstufe, als auch im zweiten Schuljahre, gibt sie eine neue Möglichkeit, durch selbsttätiges Stellen von Wörtern, durch vom Lehrer vorbereitete Wortgruppen und Sätzchen dem Unterricht neue Anregung und Vertiefung zu geben. Die Rückseite der Holztafel ist zur Schreibtafel gestaltet (Quadrat-Lineatur). Die Sprachtafeln geben nicht blaß Lehrern und Schülern die Möglichkeit, auch auf dieser Stufe in verständnisvoller, freudegebender Arbeit bisher fast unüberwindliche Schwierigkeiten zu überwinden, sondern sie ermöglichen dem Lehrer erst einen intensiven Unterricht. Besonders der Lehrer, der mehrere Abteilungen zu betreuen hat, und das sind ja die meisten, wird es dankbar begrüßen, daß er die Möglichkeit hat, in einem Minimum von Zeit vor Beginn des Unterrichts Aufgaben vorzubereiten, sowohl zur Massenarbeit, als auch zur stillen Beschäftigung der einzelnen Gruppen. Auch hier ist die Möglichkeit gegeben, die sprachlichen Uebungen so zu gestalten, daß an die Erlebniswelt des Schülers angeknüpft wird und daß die Spracharbeit ins Religiöse einmündet.* Am Ende des dritten Schuljahres sind dann die Kinder in ihrer Lesefähigkeit so weit gefördert, mit einem genügenden Sprachschatz versehen und sprachlich so weit vorbereitet, daß nunmehr die Arbeit in T'filloh und T'nach fruchtbringend ausgenommen werden kann. *Die zu unserem Lehrgang nötigen Lehr- und Lernmittel erscheinen in n ä ch st e r Zeit, und zwar zuerst die Sprachtafeln 28—30 Blätter (Dreifarbendruck in großen, modernen Typen) auf ca. 16 Tafeln (70X35, 70X40, 70X50 cm) aufgezogen, gebrauchsfertig, nebst Lesemaschine (70X35) in Holz zum Gesamtpreis van 21 RM. Bestellungen nimmt schon jetzt entgegen: H Lichtenstein, Offenbach a. M., Hermannstr. 35. Wir erwarten natürlich von der Anwendung unserer Methode bessere und nachhaltigere Erfolge, als wir sie bisher aufweisen konnten. Das ist für uns aber nach nicht das Entscheidende. Das Entscheidende für uns ist die begründete Hoffnung, daß durch unseren Unterricht dem Kinde die Erlernung des Hebräischen erleichtert wird, daß der hebräische Unterricht bei ihm Freude und damit eine positive, bejahende Einstellung zum Gebet, zum Gottesdienst, zum Schrifttum und zum Ritual des Judentums auslöst. Ern praktischer Weg zur Berufsumschichtung. Appell an Vernunft und Gemeinschastsgedanke. In einer Zeit, in der durch die Schwierigkeit und Unsicherheit der wirtschaftlichen Lage vielfach Eltern in vollkommener Ratlosigkeit und Sorge um die Berufswahl ihrer Rinder stehen, sei auf die nachfolgenden Ausführungen mit Nachdruck hingewiesen. Die Schriftleitung. Wirtfchaftsuot und Arbeitslosigkeit haben das Problem der Berufsumfchichtung in den Vordergrund gerückt. Hieraus die nötigen Folgerungen zu ziehen und den gegebenen Verhältnissen kritisch gegenüberzutreten, ist für jeden Zeitgenossen varp Wichtigkeit. Besonders aber für die deutschen Juden, die infolge der zunehmenden antisemitischen Verhetzung gegenwärtig unter erschwerten Verhältnissen zu leben haben. In dem Maße, wie die Arbeitslosigkeit steigt, gewinnt das Problem der Berufsumschichtung an Bedeutung. Wir kennen wohl die Ursachen der Arbeitslosigkeit, wissen aber nicht, ab es gelingen wird, sie nach den bisher genannreil Rezepten aus der Welt zu schaffen. Somit wissen wir auch nach nicht, ab und wie die deutsche Wirtschaftsnat und die ganze Weltwirtschaftskrise beseitigt werden kann. Einsichtige Führer haben deshalb den Gedanken der produktiven Berufsumschichtung in den Vordergrund geschoben, und von mancher Seite wird behauptet, daß eine allgemeine Berufsumschichtung schon begonnen hat. Die Abwanderung aus den Großstädten, der stärker gewordene Siedlungsgedanke, die Pläne zur Errichtung von 100 000 neuen Heimstätten auf dem Lande, werden als Beweis hierfür angeführt. Auch das Aufsehen erregende Buch des bekannten englischen Politikers Lloyd George ist in diesem Zusammenhänge zu nennen. Lloyd George vertritt den Standpunkt, daß die englische Arbeitslosigkeit, wie auch die Arbeitslosigkeit in anderen Ländern, nur durch eine starke Berufsumschichtung, insbesondere durch die Auf^ stellung des Grundsatzes „Zurück aufs Land" abgewandt werden könne. Die deutschen Juden leben gegenwärtig noch _ zu zirka 50 Prozent direkt oder indirekt vom Handel. Tie Bestrebungen, den Weg vom Erzeuger zum Verbraucher immer kürzer zu machen, die gleichbedeutend mit der möglichst vollkommenen Ausschaltung des Zwischenhandels sind, verdienen deshalb seitens der deutschen Judenheit besondere Beachtung. Diese Entwicklung ist dazu angetan, neben dem zunehmenden Antisemitismus die Lage der deutschen Juden noch weiter zu erschweren. Ist es jetzt schon mit großen Schwierigkeiten verbunden, ja in inancher Beziehung aussichtslos, jüdische Arbeitnehmer in gewissen Berufsgruppen unterzubringen, so gewinnt die zwangsläufige Entwicklung mit dem Ziele der Ausschaltung des Zwischenhandels besondere 'Bedeutung. Wenn die deutschen Juden sich zu einer stärkeren Berufsumschichtung entschließen werden, so entziehen sie damit dem Antisemitismus eine seiner Hauptwaffen, weil dann nicht mehr davon gesprochen werden kann, daß die Juden zu körperlicher Arbeit untauglich seien und lediglich eine angeblich unproduktive Arbeit leisten. Die gewaltsame Konstruktion vom „schaffenden und raffenden Kapital" wird dann mehr und mehr an Zugkraft verlieren. In der „Israelitischen Gartenbauschule zu Ahlem" (bei Hannover) besitzt die deutsche Judenheit ein Institut, welches in einzigartiger und vorbildlicher Weise seit 37 Jahren der Berufsumschichtung dient. Getreu dem Vermächtnis seines Gründers, Konsul Alexander Moritz Simon, der hierfür folgende Worte fand: „In der Erkenntnis, daß meine Glaubensgenossen infolge der Jahrhunderte währenden Unterdrückung und Ausschließung 5

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