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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-04-01 · 4 (4.1931) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
4 (4.1931)
Date
1931-04-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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eines beschaulichen und schönen Lebensabends die Ernte seiner reichen Aussaat genießen dürfe, .*W rtKö ny M. Mainz. Auf eine wohlgelungene Purimfeier vermag der Jüdische Jugendverein zurückzublicken. Sie fand am Samstag, den 7. März, abends im „Ketteler Hof" statt und führte jugendliche und ältere Teilnehmer aus allen Schichten der Gemeinde sowie Gäste aus der näheren Umgebung in so stattlicher Zahl zusammen, daß der Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Mit einer Schar treuer Mitarbeiter aus dem Verein gelang es Willi Holzmann und Walter Vogel, einen „bunten Abend" zu gestalten, der wirkliches geistiges Niveau hatte. Den launischen Begrüßungswarten des Vorsitzenden folgte ein kurzes, zeitgerechtes Einleitungsspiel, das den Sieg der Purimfreude in einer Familie schildert, die von den gegenwärtigen Alltagssargen nicht verschont ist. Um die Ausgestaltung des Abends machten sich verdient die Damen: Ilse Blumenstiel, Margot Cahn, Erna Lorch, Liesel Strauß und die Herren: Willi Holzmann, K. Lippmann, Erich Marx, I. Rothschild, W. Vogel, P. Worms. Gefällig war das Ballett, in dem 5 hoffnungsvolle J.J.-Vereinlerinnen erfolgreich debütierten. In vollendeter Weise wurden von A. Blättner Wolfsche Lieder zu Gehör gebracht und tanzte Else Schwarzschild „hohe Schule". Heitere Gesangsstücke brachte die Wiesbadener Bundesschwester Hannah Stein. Ein Teil des musikalischen Programms wurde durch Schallplatten bestritten, deren Anlage die Firma Blatt dem Verein kostenlos zur Verfügung stellte. Alles in allem bewies die Veranstaltung, daß auch ohne großen Aufwand und in schlichtem Rahmen Dank der hingebungsvollen Arbeit der Vereinsmitglieder, die sich zur Verfügung gestellt hatten, aus eigener Kraft Leistungen vollbracht werden können, die nur ein Wort des Lobes verdienen. Mit Genugtuung dürfen die Veranstalter ihren Purimabend als Erfolg buchen, wenn er auch nicht in klingende Münze umgeprägt wurde. P. Gau-Odernheim. Am 10. März fand hier unter großer Beteiligung von nah und fern die Beerdigung der sehr würdigen Frau Johanna Köhler, geb. Heil im 69. Lebensjahre statt, die nach dem im Kriegsjahr 1915 erfolgten Heimgange ihres Mannes Heinrich Köhler s. A. nun auch in die Welt des ewigen Friedens eingezogen ist. Herr Rabbiner Dr. Lewit aus Alzey würdigte in herzlichen Worten den Lebensinhalt und den Charakter der Heimgegangenen als Esches Chajil, einer wahrlich vortrefflich jüdischen Frau und Mutter in Israel, deren Lebensabend von ihren sieben Kindern, Schwiegerkindern und 16 Enkeln verschönt worden war. In den letzten Jahren ihres Lebens hielt sie sich abwechselnd in den Häusern all ihrer Kinder auf, so längere Zeit bei ihrem Sohne, dem Besitzer des Hotel Tannhäufer in Baden-Baden und zuletzt bei ihrem jüngsten Sohne Dr. med. Otto Köhler in Ofsenbach a. M., wo sie verschieden ist. Ihr Name wird hier und in ihrem Bekanntenkreise in Ehren sortleben. Ockenheim. Herr Jakob Wolf, der älteste Bürger von Ockenheim iKreis Bingen), begeht am 4. April im Kreise seiner Kinder MW und Enkel seinen 88. Geburtstag. Er ist geistig und körperlich rüstig und besucht noch jeden Samstag die Synagoge. Mehr als 50 Jahre hat er das Amt des Schosarbläsers versehen. Offenbach. Der dem Jüdischen Frauenbund angeschlossene Verein „Jüdisches Frauenstist", Ofsenbach, hat seit einigen Wochen eine Einrichtung getroffen, von der er sich eine segensreiche Wirkung verspricht. Von der Erwägung ausgehend, daß man jungen, erwerbslosen Mädchen die beste Wohltat angedeihen läßt, wenn man ihnen Kenntnisse und Beschäftigung verschafft, wurde von seiten des Vereins in den von der Gemeindeverwaltung bereitwilligst zur Verfügung gestellten Wirtschaftsräumen des Gemeindehauses ein Haushaltungskursus eingerichtet, zu dem sich 24 junge Mädchen gemeldet haben. An einem Nachmittag in der Woche lernen sie bei einer jüdischen Haushaltungslehrerin, Frl. Hilde Strauß, Kochen und alle Verrichtungen des Haushalts. Bei dem Unterricht wird besonderer Wert daraus gelegt, daß die jungen Mädchen nach dem neuesten Stand der Ernährungslehre unterrichtet werden. Sie lernen mit geringen Unkosten eine hochwertige Mahlzeit Herstellen, es wird ihnen gezeigt, auch ohne Fleisch vollwertige Mahlzeiten zu bereiten. Der Verein hofft, daß er durch diesen Kursus auch sonst im Zusammenhang mit den jungen Mädchen der Gemeinde bleiben wird. In diesen Zeiten des Niedergangs leistet er mit seiner neuen Einrichtung eine wirkliche Aufbauarbeit. Sprendlingen (Rheinhessen). Nach mehr als 45jähriger Amtstätigkeit tritt der Erste Vorsitzende des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde, Herr Ludwig Schloß, wegen hohen Alters und geschwächter Gesundheit von seinem Amt zurück. Er hat sich während der langen Zeit seiner Amtsführung die Zufriedenheit der israelitischen Religionsgemeinde erworben und sich um diese sehr verdient gemacht. Möge ihm ein langer und sonniger Lebensabend beschieden sein. Ad meoh weesrim schonoh. Worms, 1. März. Wie alljährlich ist auch am gestrigen Sabbat in der hiesigen Hauptsynagoge in einer Predigt des Volkstrauertages in würdiger und eindrucksvoller Weise gedacht und den vaterländischen Gefühlen der zur gotiesdienstlichen Feier Versammelten entsprochen worden. Herr Rabbiner Dr. Holzer zeigte, daß der uralten Weisung „Amaleks zu gedenken und sein Andenken auszulöschen", nicht die Absicht zugrunde liege, Haß und Feindschaft zu wecken und wachzuhalten, sondern einzig und allein das ideale Streben, Rechtssinn und Rechtsgesühl auch gegenüber dem Gegner als unerläßliche sittliche Menschenpslicht auszuzeigen und ins Herz zu prägen. Daran knüpfte er eine Betrachtung über die idealen Aufgaben und Zwecke, die die Totengedenksewr des Volkstrauertages erstrebe. Es gelte: Opsergeist und Opserwillen für Vaterland und Gemeinschaft, den die Gefallenen durch ihren Opfertod besiegelt haben, auch weiterhin zu Pflegen und in das Herz der Jugend einzupflanzen. Denn ohne Opferwillen könne keine Gemeinschaft bestehen, geschweige denn gedeihen. — Am selben Abend veranstaltete die hiesige Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten eine Kundgebung, die auch einen eindrucksvollen und würdigen Verlaus nahm. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden, Herrn Moritz Mayer, erhielt Herr Karl Guggenheim, Vorsitzender der Ortsgruppe des C.-V., das Wort zu seinen Ausführungen über das Thema: „Deutschtum und Judentum". In klarer, weitausholender Weise, gelang es dem Redner, die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer zu fesseln und dabei, das Selbstbewußtsein stärkend, manchen Fingerzeig zur Abwehr gegnerischer Angriffe zu geben. Er schloß, indem er der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß unsere Gegner doch noch das Wort beherzigen werden, das geschrieben steht im 3. Buch Moses, Kap. 19, Vers 18: „Weohawto lereacho komochoh", „Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich sebst." Seine Ausführungen waren umrahmt von dem Vortrag zweier Beethovenschen Lieder durch Frau Hanna G o l d s ch m i d t, die im Besitz reicher Stimmittel und bei guter Schulung auch hohen Ansprüchen gerecht wurde. Ihre Partnerin (tauder&C9, Mainz Kohlenhandelsgesellschaft m, b. H. Kaiserstr. 29 /io - Tel. Münsterplatz 34057 Vorteilhafte Bezugsquelle ££ für sämtliche Hausbrandkohlen V la. Warel Reelles Gewicht! Erstes Beerdigungsinstitut/ Sarglager Volk, Mainz Steingasse 5 Leichentransporte Eigene Leichenauto Telef. Amt Münsterplatz 31397

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