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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-03-01 · 3 (3.1931) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
3 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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herrschte, und daß Alle darin gedeihen konnten. Einen neuen und schweren Schlag gab ihr der Tod und die vorausgegangene Krankheit des seligen Dr. Adler. Seine geistreiche Gattin führte hernach das Ganze auf dem betretenen Wege weiter, ohne von der Behörde besonders dazu autorisiert gewesen zu sein. Doch war die Schule der Stadt bereits zum Bedürfnis geworden, sie war allen Klassen der bürgerlichen Gesellschaft zugänglich und in ihren Leistungen auch Allen nutzbringend, und das mochte denn auch die Regierung bestimmt haben, ihr kein Hindernitz in den Weg zu legen. Sie gewann immer mehr und bessere Lehrkräfte, und seit einem Jahre etwa hat sich die Anstalt, wie man von allen Seiten hört, zur ersten der Stadt erhoben. Blos auf den Grund ihrer Leistungen und des guten Rufes, den die Schule genießt, scheint der Frau Dr. Adler die Concession ertheilt worden zu sein, die sie nun persönlich für sich im Mai d. I. von der Grotzherz. Oberstudiendirektion auf einfache Eingabe an den Wormfer Kreisrath und ohne besondere Empfehlung oder einen sonstigen Schritt erhalten hat. Seit anderthalb Jahren war die Zahl der protestantischen Kinder hinreichend für einen besonderen Religionsunterricht, und dieser wird nun in' der Anstalt selbst von dem Pfarrer Herrn Bennighof ertheilt; den jüdischen gibt Dr. Lewysohn uich die katholischen Kinder besuchen für den Religionsunterricht die Stadtschule, da sie in noch zu geringer Anzahl in der Anstalt vertreten sind. Unter 108 Schülerinnen befinden sich nun 37 christliche, und es scheint, datz theilweise die Art der Zusammensetzung, indem nämlich die christliche Schülerinnen gegen die jüdischen die Minorität bilden, die Mischung so besonders wohlthätig für den Geist der Schule gemacht hat. Lebendig widerlegt aber die Adler'sche Anstalt Alles was gegen Simultanschulen eingewendet worden ist, und zeigt vielleicht gerade, w i e sie eingerichtet sein müssen, wenn sie zum Segen gedeihen sollen. Es versteht sich von selbst, datz die Vorsteherin ganz vorurteilsfrei dasteht. Ebenso arbeiten die 10 mitwirkenden Lehrer und Lehrerinnen in demselben Sinne, und so ist von vornherein der Geist in der Schule und das Streben, das sie beseelt, ein rein humanes, keineswegs confessionelles. Wie geht nun der Geist auf die Kinder über? Die jüdischen finden das speciell jüdische zwar nur im Religionsunterricht, nicht in dem Geist der ganzen Schule: sie finden aber auch nie etwas Unjüdisches; sie sehen die Vorsteherin als Jüdin die allgemeine Humanität lehren und alle Kinder gleich bilden. Die christlichen müssen einer Jüdin ihre Erziehung danken; sie lernen in der Nähe die Vorurtheilslosigkeit kennen, von der sie sonst keine Ahnung hatten; sie lernen ihre jüdischen Mitschülerinnen, die ihnen manchmal überlegen sind, von einer andern Seite beurtheilen; sie sind ihnen in Allem gleich, nie zurückgesetzt, aber auch nur um des Verdienstes willen vorgezogen; sie könnten sich nicht über sie erheben, wenn auch nur ihre Minorität sie daran verhinderte, und s o ist ihre m Vorurteile eine Schranke gesetzt, die nach einiger Zeit einfallen darf. In der P e n s i o n s a n st a l t der Frau Dr. Adler waren bis jetzt nur jüdische Mädchen, und hier mutz allerdings zugegeben werden, datz das Haus in seinem Wesen doch immer das Confessionelle im Auge zu behalten hat, weil eine Eonfession nicht gelehrt, sondern gelebt werden mutz; aber auch für die Pensionärinnen bietet jene Schule in Bezug auf den Geist der Humanität alle möglichen Vortheile, und die daselbst erzogenen Mädchen können nur die gesunde Luft der allgemeinen Menschenliebe einathmen". — Was Alzey betrifft, so lätzt sich, trotzdem diese Gemeinde während der langjährigen Anwesenheit des nach New-Aork abgegangenen Rabbiners Dr. Adler Vieles für Synagogen- und Gemeindewesen gethan, mit großen Opfern eine prachtvolle Synagoge und ein freundliches Wohngebäude für den Rabbiner hcrgestellt hat und einen herrlichen Synagogenchor besitzt, doch nichts vom Schulwesen sagen. Es besteht hier, wie in Worms, ebenfalls kerne Relig.-Schule und werden die Kinder durch den Eantor Herrn Heinbach privatim eiiiige Stunden wöchentlich einzeln im elterlichen Hause im Hebr. uriterrichtet. Das Privatinstitut des Herrn Heinbach gehört zu den ausgezeichnetsten Ausfallen dieser Art in Hessen; es wird von etwa 25—30 Kindern aller Confessroii e n und zwar der angesehensten urid iiitelligeiitesten Bürger Alzeys besucht und ist vorauszusehen, daß sich die Schülerzahl immer mehr vergrößern werde. Wenden wir uns nach Bingen, so treffen wir daselbst in der Person des Herrn D. Sobernheim einen Rabbiner, der Mit den hervorragendesten Geistesgaben eine große, fast zu große Bescheidenheit und den biedersten Character verbindet und eine ausgezeichnete Relig.-Schule, der Herr Lebrecht mit unermüdlichem Eifer und Fleiß als tüchtiger Pädagoge vorsteht. Die Gemeinde hat ihn schon längst defikiitiv angestellt, und weiß uberbaupt seine Verdienste zu würdigen. — Bingen ließe sich den andern Städten Rheinhessens in dieser Beziehung als Muster aufstellen, indem diese Stadt beweiset, datz trotz der verschiedensten Anstalten doch auch eine Religions-Schule recht gut bestehen und segensreich wirken kann. Man hat dessenungeachtet noch nicht gehört/datz die Binger Israeliten denjenigen anderer Städte in ihrer allgemeinen Bildung nachstehen!. In der Provinz Starken bürg müssen wir einige Gemeinden rühmlich hervorheben. — So steht Auerbach an der Bergstraße wohl oben an. Hier ist Herr Lehrer K o s ch l a n d schon ungefähr 20 Jahre mit gutem Gehalte als Elementarlehrer definitiv angestellt und wirkt segensreich und zur vollkommenen Zufriedenheit seiner Gemeinde. —• In Darmstadt besteht eine Rel.-Schule, an der Herr Mannheimer, jetziger Rabbinatsverweser, mit Erfolg lehrt. — In Pfungstadt besteht seit neuer Zeit ein bedeutendes Knabeninstitut, unter Leitung des Herrn Dr. L ö b. Die Anstalt ist noch zu neu, um jetzt schon ein richtiges Urtheil über sie zu fällen. — Grotzbieberau im Odenwald hat an Herrn Hirsch einen tüchtigen Relig.-Lehrer, der bei seiner Gemeinde einen guten Ruf genießt. -— Herr Guttm a n n, Relig.-Lehrer in Trebur, ist als braver, tüchtiger Lehrer bei seiner Gemeinde, in der er ungefähr 15—16 Jahre an- ' gestellt ist, und in der Umgegend bekannt. — Rühmlich hervorzuheben ist die Landgemeinde Biblis. Dort lst seit mehreren Jahren Herr Kunreuth er, ein sehr tüchtiger Mann, als Relig.-Lehrer angestellt; derselbe ist aber leider durch Krankheit verhindert, seinen Amtspflichten für die nächste, vielleicht auch für längere Zeit zu genügen. Die Gemeinde hat nun kürzlich die Stelle mit 400 fl. ausgeschrieben und zahlt Herrn Kunreuther seine Besoldung fort. Es bedarf diese edle Handlungsweise keines Commentars; wir knüpfen nur den Wunsch daran, datz es viele solcher Gemeinden in Israel geben möchte. Die Schulverhälinisse in O f f e n b a ch, R ö d e l h e i m, Bürgel sind, so viel mir bekannt, aufs Beste geregelt, Näheres kann ich jedoch darüber nicht sagen. Ebenso kenne ich die Verhältnisse der einzelnen oberhessischen israel. Gemeinden nicht, und wäre es erwünscht, wenn einer Kaifipr I)nll& f A Zentralheizungen Main« Sömmeringplatz 4 aller Systeme lllllllb Tel. 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