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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1931-03-01 · 3 (3.1931) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
6 (1931)
Issue
3 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Zentralwohlfahrtsstelle der israelitischen Religionsgemeinde Mains Postscheckkonto: 6308 Frankfurt a. M., Isr. Religions-Gemeinde Geschäftsstelle Hindenburgstraße 44 / Tel.: Münsterplatz 33737 Helft uns nc durch Spenden von Geldbeträgen meinet Collegen daselbst so freundlich sein wollte, dieselben in dieser Zeitschrift zu besprechen. Jeder Kenner muß staunen, wie zahlreich damals noch die Lehrerstellen und Schulen in unseren hessischen Gemeinden gewesen sind. Allerdings sei ausdrücklich vermerkt, daß zu der geschilderten Zeit die Zahl der hessischen Juden auf 28—29 000 geschätzt wird, sodaß wir in dieser Zwischenzeit etwa V3 der damaligen Zahl eingebüßt haben. Den größten Verlust an diesem Rückgang tragen zweisellos die Landgemeinden. Trotzdem muß man mit Bedauern feststellen, daß auch Landgemeinden von der Größe der damaligen Landgemeinden in unseren Tagen in ihrem Verständnis und in ihrer Opferbereitschaft für die Schul- und Lehrersrage Einbuße erlitten haben. Der genannte Berichterstatter aus dem Jahre 1858 hat nach einer Schilderung der Lehrerausbildung und der Stellung der Lehrer eine Kritik der damaligen Zustände angefügt und fährt nach dieser Kritik mit den Worten fort: Mancher der geehrten Leser dürfte glauben, daß ich die Farben zu grell ausgetragen und durch eine schwarze Brille gesehen, aber er würde sich täuschen; es ist leider Wahrheit, traurige, aber reine Wahrheit. Und wozu die Wahrheit verhüllen? Ich möchte sie im' Gegentheil allen Eltern, Gemeindevorstehern, Rabbinen und allen Glaubensgenossen, in deren Gemeinden das Schulwesen so sehr darniederliegt, zurufen, damit Jeder in seinem Kreise wirke, daß es besser werde. Es darf nicht gewartet werden, bis von oben herab die Sache durch Zwang geändert wird. Lege Jeder selbst Hand an's Werk und suche sich selbst zu helfen! — Das Judenthum hat zu allen Zeiten und unter den traurigsten Verhältnissen bewiesen, daß es Kraft genug besitzt, sich sem Theuerstes, seine Religion, zu bewahren. Suchet auch jetzt, ihr Gemeinden, Euch aufzurafsen aus dem Schlafe der Gleichgültigkeit, in den chr theilweise versunken seid; bedenket, daß mit dem Zugrundegehenlassen Eurer Schule ihr euch selbst den Lebensnerv abschneidet, daß aber von dem Gedeihen der Schule unsre ganze Zukunft abhängt! Habt ihr einzelnen kleinen Gemeinden nicht die Mittel, einen Lehrer anzustellen und zu besolden, so „ding t" euch keinen „wohlfeile n", sondern schließt euch einer andern Gemeinde an, damit ihr im Stande seid, einen tüchtigen Lehrer zu erwerben! Uns will scheinen, daß die Mahnungen der damaligen Zeit auch heute noch am Platze sind. Wir wünschten nicht nur, daß dieser Artikel die einzelnen Gemeinden veranlaßte, in ihren Akten nachzublättern oder daß die Alten in ihren Erinnerungen nachgrübelten, um uns vielleicht noch weiteres Material über die Unterrichtszustände und die Lehrpersönlichkeiten zugänglich zu machen, damit einmal über kurz oder lang eine umfassende Geschichte des jüdischen Unterrichtswesens in Hessen geschrieben werden könne, wir wünschten auch, daß gerade jetzt, wo ein altes Schuljahr zu Ende geht und bald ein neues beginnen wird, die verantwortlichen Führer der Gemeinden und alle Gemeindemitglieder, ob sie nun selber Kinder in den Unterricht zu senden haben oder nicht, die Bedeutung des Religionsunterrichtes aus den oben gegebenen Schilderungen neuerdings erfaßten und daß alle beteiligten Kreise sich am Vorbild der früheren Zeit zu der dringlich notwendigen Opferbereitschaft aufrafften. Rabbiner Dr. Lev i, Mainz. Aus unseren Verbandsgemeinden. Friedberg. Angesichts der außerordentlich ungünstigen Wirtschaftslage haben wir im laufenden Winter von jeder größeren geselligen Unterhaltung abgesehen. Dafür hat es der Vorstand der jüdischen Gemeinde ermöglicht, in einer Vortragsreche einige hervorragende Redner zu hören, die das Interesse am Judentume und seinen Lehren nur fördern können. Ein Vortragszyklus über jüdische Literatur, dessen erster Teil von Herrn Rabbiner Dr. S e l i g m a n n bestritten wurde, während als zweiter Redner Herr Rabbiner Dr. Salzberger gewonnen wurde, fand stets ein aufmerksames Publikum. Den dritten Vortrag über die jüdische Literatur in der jüngsten Zeit hat Herrn Rabbiner Dr. L a z a r u s Wiesbaden, übernommen. Wenn wir noch bemerken, daß auch der Frauenverein seine Mitglieder zu 2 Vortrügen eingeladen hatte, so können wir immerhin von jüdischem Leben in unserer Gemeinde berichten. Friedberg. Die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Wohltätigkeitsvereine hielt am 8. Februar d. I. ihre ordentliche Generalversammlung ab, die sich eines guten Besuches seitens der Gemeindemitglieder erfreuen konnte. Die genannte Wohlfahrtsorganisation wurde im Jahre 1921 als Dachverband der bestehenden, z. T. auf ein ansehnliches Alter zurückblickenden Vereine gegründet und hat in den 9 Jahren des Bestehens außerordentlich viel Gutes geleistet. Die Generalversammlung wurde von dem 1. Vorsitzenden, Herrn Siegfried Rothschild, geleitet. Der Geschäftsführer, Lehrer Selig, gab einen übersichtlichen Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr, das trotz der starken Inanspruchnahme der Kasse im allgemeinen als recht günstig zu bezeichnen ist. In sinnvoller Deutung des Wochenabschnittes „Jitroh" zeigte der Referent wie das Prinzip der Arbeitsteilung auch in dieser Organisation gewahrt ist, wie aber wieder alle Fäden sich in der Hand des Vorsitzenden vereinigen, der die Organisation mit großer Umsicht und Tatkraft lenkt und leitet. Hand in Hand wird mit den Vereinigungen der fteien Wohlfahrtspflege der Stadt Friedberg gearbeitet, in deren Arbeitsausschuß die Organisation durch den Geschäftsführer vertreten ist. Auch die staatlichen Aemter, sowie das städtische Wohlfahrtsamt unterstützen die Organisation durch Rat und Tat. Aus dem Berichte, der in gedruckter Form vorlag, seien einige Positionen hier erwähnt: Es wurden ausgegeben für Unterstützung zu den Feiertagen und Winterhilfe 585.— RM., Beiträge zu Kurkosten, Operation, usw. 398.— RM., Beiträge an Organisationen und Institutionen der jüdischen Wohlfahrtspflege 400.— RM., Beiträge zu den Unterhaltungs- und Verpflegungskosten verschiedener Personen 1046.— RM. An der Wanderarmenkasse sprachen über 500 Personen vor, die einschließlich der Speisungskosten an Sabbat- und Festtagen den Betrag von 1296.— RM. erforderten. Bei der außerordentlich starken Inanspruchnahme dieser Abteilung müssen die Einzelgaben wesentlich herabgesetzt werden, um die Kasse überhaupt zu erhalten. Schließlich wurden einige Familien mit Winterbrand versorgt und auch zwei zinslose Darlehen ausgeliehen. Mit dem Dank an alle Spender und Mitarbeiter sprach Lehrer Seelig die Hoffnung aus, daß es der Organisation auch im folgenden Jahre gelingen möge, ihrer Aufgabe, der vornehmsten Pflicht des Judentums gerecht zu werden, der Nächstenliebe. Nun nahm der 1. Vorsitzende der Gemeinde, Herr Ferdinand Krämer, das Elektro - Radio Neuanlagen und Reparaturen Beleuchtungskörper - Apparate Hohenstatt* Co. G.m.b.H. Ottenbach a. M. Große Marktstr 26 Telefon 83437 Isr.HamburgerHaushaltungsschule und Pensionat Regina Bachrach Ausbildung in allen praktischen Fächern; auf Wunsch mit Examenabschluß. Gesellschaftliche, wissenschaftl. und sprachliche Fortbildung. Aufnahme für berufstätige junge Mädchen. Austührl. Prospekt auf Wunsch. Ia. 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