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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-12-01 · 12 (12.1930) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
12 (12.1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückzuverfolgen. „Es ist dabei von besonderem Reize, daß das Leben dieser Familie sich innerhalb ein und derselben Stadt, der Stadt Worms, abspielt, so daß man hier an einem Beispiel die Verbundenheit solch einer jüdischen Familie nicht bloß mit der deutschen Landschaft überhaupt aufzeigen kann, sondern zugleich auch die Treue, mit der sie an einer Stadt hängt und in ihr ihren Lebenskreis vollendet." Zwei Häuser spielen eine besondere Rolle im Leben der Familie Guggenheim: das Haus „zum Handschuh" und das Haus „zur Büchs". Das letztere ist heute noch Eigentum des Herrn Samuel Guggenheim. Diese beiden Stammhäuser waren auch maßgebend für das Wappen oder Hauszeichen der Familie. Eine behandschuhte Hand hält eine alte Gewürzbüchse, wie sie zur Zeremonie am Sabbatausgang gebräuchlich ist. Der dazugehörige Wappenspruch lautet: Mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. lieber Abstammung und Bedeutung dieses Spruches wird gesagt: „Er entstammt dem Bibelvers 6. Buch Mose, Kap. 6, Vers 5: „Du sollst lieben den Ewigen, Deinen Gott, mit Deinem ganzen Herzen, mit Deiner ganzen Seele und mit Deiner ganzen Kraft", ist somit Anklang an das tägliche Gebet des Judentums. Und er bedeutet die Mahnung, bei allem, was man tut, mit der vollen Hingabe der Persönlichkeit, mit bewußter Leidenschaftlichkeit zu sein, nichts um der äußeren Pflichterfüllung willen zu tun, sondern in alles seine Seele hineinzulegen. Der ganze Mensch, zu dem ein jeder sich selbst erziehen soll, ersteht nur dann, wenn man in dem, was man tut, erstrebt oder bekämpft, seine volle Persönlichkeit einsetzt." Wahrlich ein schöner Familienspruch, der Nachahmung verdient, voll und ganz. Dem besprochenen Stammbaum angefügt ist die Wiedergabe mehrerer interessanter Urkunden. So einer „Urkunde über den Verkauf je eines Achtels des Hauses „zur Büchs", einer „Heiratsurkunde des Loeb Guggenheim und der Zipper Ullmann vom 9. Fructidor des Jahres 8 der französischen Republik" und einer „Urkunde über die Verlobung von Daniel Guggenheim mit Sara Mannheimer vom 18. 12. 1832." Gerade das letztere Paar ist einer besonderen Erwähnung würdig. War es ihm doch vergönnt, nach 65jähriger Ehe unter Anteilnahme der ganzen Stadt am 25. August 1900 das seltene Fest der eisernen Hochzeit zu feiern. Mehr denn ein Jahr überlebte der hochbetagte Jubilar das bedeutsame Ereignis; er starb wenige Wochen vor seinem 100. Geburtstag, am 26. November 1901, nachdem ihm seine Gattin bereits am 26. September 1900 im Tode voraufgegangen war. Beide wurden betrauert als die seltenen Zeugen der Geschichte der Stadt Worms während eines ganzen Jahrhunderts. Möge auch dem jetzt gefeierten Herrn Samuel Guggenheim die Gnade, zuteil werden, so weit in das zehnte Lebensjahrzehnt hineinzuschreiten. Dr. G. F. Gropp (Worms) Die Konfirmation zweier taubstummer Geschwister in -er Synagoge zu Friedberg i. H. im Jahre 1844. mitgeteilt von Religionslehrer S e e l i g, Friedberg. Am 27. April 1844, am Sabbat Nchare-maus-kedauschim wurde in der Synagoge zu Friedberg i. H. ein taubstummes Geschwisterpaar konfirmiert. Auf mehrseitiges Verlangen wurden die Reden und der Verlaus der Feier in einer Druckschrift veröffentlicht, die mir vorliegt und die außerdem weder in einem Archiv, , noch im Privatbesitze vorhanden sein dürfte. Die Feier wurde in Anwesenheit des Direktors der Taubstummenanstalt, von dem damaligen Großherzoglichen Provinzialrabbiner Dr. Levi aus Gießen und von dem Religionslehrer Cahn abgehalten. Von Letzterem berichtet die Schrift: „Herr Cahn hat nnt großer Liebe sich geschickt gemacht, den jüdischen Zöglingen der Taubstummenanstalt den confessionellen Religionsunterricht zu crtheilen." Die großangelegte Rede des Großherzoglichen Provinzialrabbiners' Dr. Levi, Gießen, berichtet über die Einzigartigkeit einer solchen Feier „wie sie vielleicht im Schooft des Judentums noch niemals stattgefunden hat". Sie endet mit einem Gebete für die Konfirmanden. Und nun folgte wohl der interessanteste und wohl auch ergreifendste Teil der Feier: die Prüfung der Konfirmanden, „in welcher dieselben, die an sie gerichteten Fragen laut und deutlich beantwortend, hinlängliche Bekanntschaft mit den Hauptlehren des israelitischen Glaubens an den Tag legten". Das Mädchen „spricht" nun „mit sichtbar tiefer Ergriffenheit aber recht fest und laut das Glaubensbekenntnis, was alle Anwesenden in heilige Rührung versetzte und still im Herzen die Gnade Gottes preisen ließ, der da wahr gemacht, was sein Wort verkündet: „Einst an einem Tage werden ausgehen die Augen der Blinden und die Ohren der Tauben werden sich öffnen, und sie werden hören und befolgen die Worte der Schrift." Die Feier im Gotteshause endete mit einer warmherzigen Ansprache des (christlichen) Direktors der Taubstummenanstalt, die mit treffenden Bibelstellen belegt war. Statistische Mitteilungen aus Hessen. Auszug aus den „Mitteilungen des hessischen Landesstatistischen Amtes" Nr. 9 und 10, 1930 a. Schulstatistik Mai 1930. ch <3 <2 r* s K Jsr. Vosksschullehrer 19-/z 3 3 22/z 1 3 Jsr. Schüler: in Volksschulen 1214 120 104 64 73 71 hiervon in Sonderklassen 33 in Blindenanstalt in Friedberg 1 in höheren Lehranstalten 461 Knaben 384 Mädchen hiervon in höheren Privatschulen 28 „ 18 „ in Grundschulklassen höherer Privatschulen 2 „ 11 „ in Privatschulen mit Volksschulziel 32 „ 48 „ in Erziehungsanstalten — „ — „ in Privatschulen für Kranke — — " Obige Privatschüler verteilen sich wie folgt aus Privatschule Heinzerling, Darmstadt 2 Knaben 6 Mädchen Odenwaldschule, Oberhambach 18 „ 6 Prorealgymnasium Seligenstadt 5 „ 3 Hofkaplaneischule Gedern 5 „ Institut d. engl. Fräulein, Bensheim 4 Institut d. engl. Fräulein, Nauheim 1 Institut d. engl. Fräulein, Mainz 2 Institut d. engl. Fräulein, Mngen 7 Privatschule Luzius, Darmstadt 1 „ Privatschule Goerz, Mainz 1 „ 10 Jsr. Religionsgesellschaft, Muinz 30 „ 38 Pslichtsortbildungsschüler am 1. Dezember 1929 177 „ 129 Eingesandt. Tarmstadt. In einer der letzten Nummern des „Israelit", des Zentralorgans für die Interessen des orthodoxen — lies separatistischen — Judentums befindet sich ein kleines Feuilleton mir der geschmackvollen Ueberschrift: „Eme jüdische Gemeinde zu verkaufen! . . . Wer bietet mehr?" Dieses kleine Feuilleton beschäftigt sich mit Vorgängen einer im hessischen Odenwald gelegenen Gemeinde B — gemeint ist Beerfelden — in einer mehr hämischen als geistreichen Weise. Ein Glaubensgenosse aus Beerfelden namens A. S. Rosenthal — wanderte vor Jahrzehnten nach N. Amerika aus, gelangte dort zu Wohlstand und errichtete kürzlich mehrere Stiftungen sowohl zu Gunsteu der politischen als auch der jüdischen Gemeinde Beerfelden. Dank dieser Stiftungen bekam die jüdische Gemeinde einen eigenen Friedhof — seither bestattete sie ihre Toten in Michelstadt — und wird auch wieder einen Lehrer anstellen und menschenwürdig besolden können. An die Errichtung dieser Stiftungen hat Herr R. zwei Bedingungen geknüpft: die Gemeinde muß vom orthodoxen Rabbinat II Darmstadt ausscheiden und sich dem liberalen Rabbinat I anschließen. Und siehe da, die Gemeinde nahm in ihrer übergroßen Mehrheit diese Bedingungen an. Darüber gerieten natürlich die Erbpächter des echten und wahren Judentums in Frankfurt und 5

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