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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1930-12-01 · 12 (12.1930) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
5 (1930)
Issue
12 (12.1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Mainz. In einer am 3. November d. I. stattgehabten Vorstandssitzung berichtete der Vorsitzende, daß — unabhängig von der alljährlich stattfindenden Revision der Rechnung — durch den Bürodirektor und Beamte des Kreisamts, unerwartet eine gründliche Kassenrevision vorgenommen worden sei. Beiderselben sei ausgehend von der zuletzt gestellten, bereits genehmigten Rechnung, die gesamte Geschäftsführung des Rechners einer Prüfung unterzogen und dieselbe in Ordnung befunden worden. — Die Höhe von Gebühren und einigen Entgelten werden festgesetzt. — Der Offerte eines Handwerkmeisters soll nach Möglichkeit entsprochen werden. — Eine andere Einteilung in der Verwendung der Räume nn ersten Stock des Gemeindehauses (Gabelsbergerstraße) soll vorgenommen und der Ausstellungsraum des Museums erweitert werden. — Es wird beschlossen, einem weiteren Verein die Benutzung des Vereinszimmers in der Gabelsbergerstraße zu gestatten. — Zufolge einer Zirkularbestimmung ist dem städtischen Tiefbauamt die Genehmigung erteilt worden, ein Kabel des Elektrizitätswerkes durch den Vorhof zum Friedhof an der Unteren Zahlbacher Straße zu legen. Der Abschluß eines Vertrags mit einem Schochet soll noch kurze Zeit zurückgestellt werden. Offenbach-Bürgel. Am Sabbat feiert Herr Josef Heß feinen 90. Geburtstag in seltener geistiger und körperlicher Frische. Nicht nur in der jüdischen Gemeinde, deren 1. Vorsitzender der Jubilar ein Menschenalter hindurch gewesen ist, sondern auch bei allen Mitbürgern der Stadt erfreut sich Herr I. Hetz hoher Achtung. Mit Stolz versah er noch am letzten Jomkippur einen ansehnlichen Teil der Liturgie, und es ist ihm Herzensbedürfnis, allsabbatlich zu den frühesten Besuchern des Gottesdienstes zu zählen. Möge ihm an der Seite seiner ebenso rüstigen Gattin ein freudiger Lebensabend beschieden sein. Worms. Durch den plötzlichen und unerwarteten Heimgang des Herrn Moritz Hirsch, der am 19. Oktober beerdigt wurde, ist nicht nur der engere Kreis seiner Familie, sondern auch der weitere seiner zahlreichen Freunde schwer betroffen worden. Herr M. Hirsch, Mitinhaber der bekannten großen Getreidefirma S. Hirsch in Frankfurt und Worms, die jüngst in die „Getreideverwertungs-A.-G." übergegangen ist, war ein Kaufmann von seltener Tatkraft und Energie, ein Vorbild von Fleiß, Treue und Zuverlässigkeit, dem der große Aufstieg des väterlichen Geschäftes mit zu verdanken ist. Wie groß die Anerkennung und Wertschätzung war, deren er sich in den weitesten Kreisen seiner Mitbürger und Geschäftsfreunde erfreute, bewies die ganz ungewöhnlich große Trauerversammlung, die ihm bei seiner Bestattung die letzte Ehre erwies. Außer dem Rabbiner, Herrn Dr. Holzer, der die ausgezeichneten Eigenschaften des Verstorbenen als Mensch, Gatte und Vater sowie als Mann des Berufes schilderte, sprach im Namen der Prokuristen, Angestellten und Arbeiter der Firma Herr Ernst Holzer und im Namen der Dalbergloge, deren allzeit opferwilliges Mitglied der Verblichene war, Herr Isidor Kiefer. — Ehre seinem Andenken! Worms. Am 12. Oktober feierte Herr Samuel Guggen - heim im Kreise seiner Familie das seltene Fest des vollendeten 90. Lebensjahres. Sowohl die jüdische als auch die nichtjüdische Bevölkerung nahm gern die Gelegenheit wahr, um dem Jubilar, EMU 1III1 der ein Kind hiesiger Stadt ist und einer der ältesten und angesehensten Familien der Wormser israelitischen Gemeinde angehört, Zeichen ihrer herzlichen Teilnahme zu geben und Zeugnis abzulegen von der großen Verehrung, deren er sich ausnahmslos m allen Schichten'und Kreisen seiner Mitbürger erfreut. Obgleich Herr Guggenheim als Seniorchef einer der größten Getreideftrmen am hiesigen Platze zu allen Zeiten eine sehr umfangreiche und angestrengte kaufmännische Tätigkeit entfaltete, hat er sich bis in sein hohes Alter der Mitarbeit im Interesse der Gemeinde sowie zum Besten der Wohlfahrtsbestrebungen der Stadt nie entzogen. Seine Leutseligkeit und Menschenfreundlichkeit haben ihn zudem zu einer der populärsten und beliebtesten Persönlichkeiten hiesiger Stadt gemacht. Von den Gratulanten, die als Vertreter von Körperschaften erschienen waren, seien genannt: Herr Oberbürgermeister Rahn, der im Namen der Stadtverwaltung und in feinem eigenen sprach, und auf die trefflichen Eigenschaften des Jubilars als Mensch und als Bürger hinwies. Herr Sanitätsrat Dr. Nickelsburg, der ihm im Namen der Gemeinde für die wertvollen Dienste dankte, die er viele Jahrzehnte als Vorstandsmitglied der Gemeinde leistete, Herr Rabbiner Dr. Holzer, der die Jahrhunderte lange enge seelische Verbundenheit pries, die zwischen der Familie Guggenheim und dem altehrwürdigen Gotteshaus besteht und in feierlichster Weise den Priestersegen dem greisen Jubilar erteilte. Es sprachen ferner Herr Dr. Dreyfus für die Dalbergloge, Herr Geheimer Kommerzienrat Doerr für die Handelskammer, deren- Mitglied der Jubilar lange Jahre gewesen ist, Herr Louis Jsay für das Jüdische Altersheim, und Herr Verwaltungsdirektor Schott für den Klub von Freunden, dem der Jubilar angehört. Bewunderungswürdig war die körperliche und geistige Frische, mit der der Greis'die Reden entgegennahm und beantwortete. Möge sie ihm noch viele Jahre verbleiben gleich seinem unvergeßlichen Vater, der das Alter von 100 Jahren nahezu voll erreicht hat! Ein Neunzigjähriger aus einer alten Wormser Familie und sein Stammbaum. Am 12. Oktober 1930 beging Herr Samuel Guggenheim, Mitinhaber der Firma Daniel Guggenheim, in Worms, seinen 90. Geburtstag. Der hochbetagte Herr erfreut sich noch einer guten Gesundheit und eines äußerst regsamen Geistes. Nicht nur seine Glaubensgenossen, sondern die ganze Einwohnerschaft nahm lebhaften Anteil an dieser Feier, zumal Samuel Guggenheim einer sehr alten Wormser Familie entstammt. Der Sohn des Jubilars, der hessische Notar Dr. Siegfried Guggenheim, in Ofsenbach a. M., hat vor einigen Jahren gemeinsam mit dem Offenbaeher Rabbiner Dr. Dienemann den Stammbaum der Familie Guggenheim aufgestellt und in einem Privatdruck veröffentlicht. Es erscheint uns nicht unangebracht, auf die sehr gründliche Arbeit in diesem' Zusammenhang einmal näher einzugehen. Sinn und Ziel des Büchleins wird auf der ersten Seite folgendermaßen Umrissen: „Es soll den heute lebenden Gliedern der Familie von ihren Ahnen künden, soll sie mit Ehrerbietung vor ihnen erfüllen und ihnen den Stolz vermitteln, einem bis in frühere Jahrhunderte nachweisbaren Geschlechte anzugehören. Und zugleich soll es ihnen das Gefühl der Verpflichtung erwecken, ihrer Ahnen würdig zu leben." Daß mit der Aufstellung des Stammbaums eine bedeutende Arbeitsleistung und nicht geringe Mühewaltung verbunden war, ist aus der beigegebenen Erläuterung ersichtlich, in der die Schwierigkeiten auseinandergesetzt werden, denen der Nachweis weithinaufreichender Stammbäume jüdischer Familien begegnet. Das liegt hör allem daran, daß es zu den allergrößten Seltenheiten gehört, wenn eine jüdische Familie ftüherer Jahrhunderte einen ständigen, vom Vater auf den Sohn sich forterbenden Familiennamen trägt. Dazu kommt, daß durch die in den Juden-. vierteln häufigen Brände die etwa vorhandenen Aufzeichnungen und methodisch geführten Register verloren gingen und man auf zufällig erhaltene Dokumente angewiesen ist. Als solche Dokumente und Quellen kamen für den Guggenhermschen Stammbaum hauptsächlich in Betracht: das Wimpelbuch (ein Verzeichnis der vorhandenen Thorawimpel), das „grüne Buch" lein altes Buch, in dem bemerkenswerte Vorgänge und die Sterbefalle innerhalb der Wormser jüdischen Gemeinde ausgezeichnet sind) und das Grabsteinbuch (eine Registrierung der erhaltenen entzifferten Grabsteine). Daneben konnte wesentlich ein in der Stadtbibliothek aufbewahrtes Verzeichnis der Judenhäuser und ihrer Besitzer herangezogen werden. ©runb solcher überlieferten Angaben war es möglich, die Abstammung der heute lebenden Glieder der Familie Guggenheim bi» in die Mitte des 17. Jahrhunderts und vermutungsweise sogar 4

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